200px|mini|Bundeshaus in Bern:Sitz des Schweizer Parlaments Die Schweizer Parlamentswahlen 1951 fanden am 28. Oktober 1951 statt. Dabei waren alle 196 Mandate des Nationalrats sowie 25 der 44 Mandate im Ständerat neu zu vergeben. Diese 34. Legislaturperiode dauerte vier Jahre bis Oktober 1955. Aufgrund der Ergebnisse der Volkszählung 1950 stieg die Zahl der Sitze im Nationalrat von 194 auf 196.
Bei den Nationalratswahlen kam es zu markanten Verlusten für die PdA, deren Wähleranteil sich unter dem Zeichen des Kalten Kriegs beinahe halbierte. Die Katholisch-Konservativen konnten dagegen zulegen und wurden wieder zur die stärkste Fraktion in der Bundesversammlung (National- und Ständerat zusammengerechnet).«Nationalratswahlen: Mandatsverteilung nach Parteien, 1919–2015» Ansonsten gab es nur geringe Verschiebungen.
Im Ständerat kam es nur zu kleineren Änderungen. BGB und SP verloren je einen Sitz an FDP und LPS. Die beiden parteilosen Ständeräte wurden wiedergewählt.
Die durchschnittliche Wahlbeteiligung bei den Nationalratswahlen 1951 sank auf 71,2 %, mit kantonalen Werten zwischen 39,9 % in Appenzell Innerrhoden und 86,0 % im Aargau.Tabelle «Nationalratswahlen: Wahlbeteiligung, 1919–2015»
Wahlmodus Nationalrat Die Nationalräte werden seit 1919 nach dem Proporzwahlsystem gewählt, d. h. die Sitze werden nach dem Wähleranteil der Parteilisten in den einzelnen Kantonen verteilt und erst innerhalb der Liste gemäss den Personenstimmen. Die Anzahl Sitze pro Kanton werden anhand der Einwohnerzahl bestimmt.
Ausführlicher hierzu: Nationalrat (Schweiz) – Wahlverfahren
Ständerat Jeder Kanton wählt seit 1848 zwei Vertreter für den Ständerat (ehemalige Halbkantone: einen Vertreter). Die Ständeratswahlen richten sich nach kantonalem Recht. In den meisten Kantonen wurde am 25. Oktober auch die Ständevertretung gewählt. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Glarus, Nidwalden und Obwalden wählten die Landsgemeinden im Frühjahr die Ständeräte. Die Kantone hatten nicht nur abweichende Wahltermine, sondern auch noch verschieden lange Amtsperioden (1–4 Jahre). In den Kantonen Bern (Novembersession), Freiburg (1 Person in der Maisession, 1 Person in der Novembersession), Neuenburg (gleichentags mit den Nationalratswahlen) und St. Gallen (in der Frühjahrssession) wurden die Ständeräte vom Kantonsparlament gewählt. In allen anderen Kantonen wurden die Ständeräte bei Urnenwahlgängen ermittelt, normalerweise am gleichen Tag wie die Nationalratswahlen. Abweichend davon wählten die Stimmberechtigten in den Kantonen Graubünden (erster Sonntag im März), Tessin (letzter Sonntag im Februar) und Zug (im November).
Ausführlicher hierzu: Ständerat – Wahlverfahren
Resultate Nationalrat Anmerkungen zu den Wählerzahlen In den Mehrpersonenwahlkreisen hat jeder Wähler so viele Stimmen, wie in seinem Kanton Sitze zu vergeben sind (im Kanton Bern 34, im Kanton Zug 2). Diese Stimmen kann er an beliebige Kandidaten der sich zur Wahl stellenden Listen vergeben (Panaschieren). Eine Stimme für einen Kandidaten ist gleichzeitig eine Stimme für dessen Partei. Hat ein Wähler nicht alle seine Stimmen an Kandidierende vergeben, gehen diese Stimmen als sogenannte «Zusatzstimmen» an die von ihm gewählte Liste. Wenn der Wähler keine Liste auswählt, sondern einen so genannten «Wahlzettel ohne Parteibezeichnung» – auch Blankoliste genannt – verwendet, verfallen nicht benutzte Stimmen (sog. Leere Stimmen).
Um zu überkantonal vergleichbaren Ergebnissen zu kommen, muss zuerst die Anzahl fiktiver Wähler pro Kanton und Partei berechnet werden. Und die Summe aller fiktiven Wähler der einzelnen Kantone sind dann die Wähler auf Landesebene (z. B. SP auf 249'857 Wähler gerundet). Ein Aargauer «Wähler» kann aber auch aus 13 Personen bestehen, die nur je einen Kandidaten der betreffenden Partei auf ihrer Liste aufgeführt haben.
Das Bundesamt für Statistik benutzt daher den Begriff «fiktiver Wähler» für den Wähler, da ein effektiver Wähler auch nur ein Teilwähler sein kann. Die Zahl der Wähler entspricht der Anzahl gültiger Wahlzettel. Auf Kantonsebene ist die Summe aller Parteistimmen (Summe der Kandidatenstimmen von Kandidierenden einer Partei plus Zusatzstimmen = leere Felder einer Parteiliste) Berechnungsgrundlage. Beispiel: Partei A erzielt im Kanton X 12000, Partei B 27000 und Partei C 48000 von 87000 Parteistimmen. Die Anzahl gültiger Wahlzettel beträgt 25000. Somit hat Partei A in diesem Kanton 3448,28 (12000:87000 × 25000), Partei B 7758,62 (27000:87000 × 25000) und Partei C 13793,10 (48000:87000 × 25000) fiktive Wähler. Alle drei Parteien zusammen total 25000 Wähler.
Die gewählten Mitglieder des Nationalrats sind im Bundesblatt Nr. 48 vom 29. November 1951 aufgelistet.Mitglieder des Nationalrats, Seiten 724–800
Parteien, Wähler, Sitze Die landesweiten Ergebnisse sahen wie untenstehend dargestellt aus. Resultate aus den Kantonen finden sich unter Schweizer Parlamentswahlen 1951/Resultate Nationalratswahlen. In den Kantonen Glarus und Schaffhausen kam es zu stillen Wahlen.
Die landesweiten Ergebnisse sahen wie folgt aus:
Partei Wähler % (+/-) Sitze (+/-) Sozialdemokratische Partei249'85725,99 % −0,21 % 49+1 Freisinnig-Demokratische Partei 230'68723,99 %+1,03 % 51−1 Konservative Volkspartei 216'61622,53 %+1,37 % 48+4 Bauern-, Gewerbe- und Bürgerparteien 120'81912,57 %+0,49 % 23+2 Landesring der Unabhängigen 49'1005,11 %+0,69 % 10+2 Partei der Arbeit 26'3652,74 %−2,40 % 5−2 Liberale Partei der Schweiz24'8132,58 %−0,60 % 5−2 Demokratische Partei21'6062,25 %−0,68 % 4−1 Evangelische Volkspartei 9'5590,99 %+0,05 % 1±0 Liberalsozialistische Partei (ZH,BE,BS) 8'1940,85 %+0,37 % 0−1 Aktion Kanton Basel (BL) 2'1680,23 %+0,23 % 0±0 Freie Demokratische Volksliste (AR) 1'3880,14 %+0,14 % 0±0 Liste d’union paysanne et ouvrière (VS) 7060,07 %+0,07 % 0±0Vereinzelte Stimmen in Einerwahlkreisen3260,03 %±0,00 % 0±0Total961'498100 % 196+2
Wähleranteile in den Kantonen (mit mehreren Sitzen) Wählerzahlen, Prozente kleinerer Parteien und Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1951/Resultate Nationalratswahlen. KantonSPFDPKVPBGBLdUPdALPSDPLSP EVP33,2 %18,9 %22,5 %15,6 %6,2 %3,6 %31,9 %51,9 %16,2 %30,4 %17,5 %11,7 %15,1 %4,3 %11,0 %29,0 %19,2 %12,3 %3,8 %8,4 %11,9 %12,9 %2,4 %36,4 %17,3 %6,0 %34,5 %4,1 %1,7 %11,2 %22,1 %53,8 %12,9 %12,2 %31,2 %15,3 %23,2 %18,0 %13,1 %16,6 %41,5 %28,7 %10,9 %39,2 %49,9 %40,1 %28,8 %7,4 %23,7 %27,0 %23,5 %49,5 %31,2 %42,8 %26,0 %18,1 %30,0 %44,5 %7,5 %17,3 %41,4 %41,3 %29,0 %19,8 %24,4 %26,8 %21,5 %37,8 %4,9 %9,4 %10,5 %15,9 %15,2 %20,5 %62,3 %2,1 %26,0 %30,1 %43,9 %29,3 %13,4 %10,3 %14,8 %16,4 %2,9 %6,5 %2,4 %3,9 %Schweiz26,0 %24,0 %22,5 %12,6 %5,1 %2,7 %2,6 %2,0 %1,0 %1,0 %
Sitzverteilung in den Kantonen Wählerzahlen, Prozente kleinerer Parteien und Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1951/Resultate Nationalratswahlen. KantonTotalFDPSPKVPBGBLdULPSPdADemEVPLSP13344 +12211114111 +110 −1822111133612 −22112 +271 −1141 +1831 +111 −12211613293155221111121130 −112 +1732213426173136121211167 +14 +11 +112 −11 −271 −11 +15211325 +1935 +161210 −1Schweiz19651 −149 +148 +423 +210 +25 −25 −24 −11±00 −1
Ergebnisse der Ständeratswahlen Die gewählten Mitglieder des Ständerats sind im Bundesblatt Nr. 48 vom 29. November 1951 aufgelistet.Mitglieder des Ständerats, Seiten 801–803
Sitzverteilung
Partei Wahlen 1951 Wahlen 1947SPS45KVP1818LPS32FDP1211DP22BGB34Sonst.22
Gewählte Ständeräte
Kanton 1. Ständeratssitz 2. Ständeratssitz Hans Fricker, KVP (bisher) Ernst Speiser, FDP (neu) Walter Ackermann, FDP (bisher) nur ein Sitz Armin Locher, KVP (bisher) nur ein Sitz Paul Brodbeck, FDP (bisher) nur ein Sitz Gustav Wenk, SP (bisher) nur ein Sitz Georges Möckli, SP (neu) Rudolf Weber, BGB (bisher) Joseph Piller, KVP (neu) Maxim Quartenoud, KVP (bisher) Adrien Lachenal, FDP (neu) Albert-Edouard Picot, LPS (neu) Melchior Hefti, DP (bisher) Rudolf Stüssi, parteilos (bisher) Albert Lardelli, DP (bisher) Josef Vieli, KVP (bisher) Gotthard Egli, KVP (bisher) Franz-Karl Zust, KVP (bisher) Jean-Louis Barrelet, FDP (bisher) Sydney de Coulon, LPS (neu) Werner Christen, parteilos (bisher) nur ein Sitz Ludwig von Moos, KVP (bisher) nur ein Sitz Ernst Lieb, BGB (bisher) Kurt Schoch, FDP (bisher) Dominik Auf der Maur, KVP (neu) Fritz Stähli, KVP (bisher) Paul Haefelin, FDP (bisher) Gottfried Klaus, SP (bisher) Ernst Flükiger, FDP (bisher) Johann Schmuki, KVP (bisher) Antonio Antognini, KVP (bisher) Bixio Bossi, FDP (bisher) Jakob Müller, FDP (neu) Erich Ullmann, BGB (bisher) Ludwig Danioth, KVP (bisher) Josef Indergand, KVP (neu) Gabriel Despland, FDP (bisher) Frédéric Fauquex, LPS (bisher) Alfred Clausen, KVP (bisher) Maurice Troillet, KVP (bisher) Augustin Lusser, KVP (bisher) Alois Zehnder, KVP (neu) Emil Klöti, SP (bisher) Ernst Vaterlaus, FDP (bisher)
Fraktionen in der 34. Legislaturperiode Fraktionen sind Zusammenschlüsse der Parlamentsmitglieder einer oder mehrerer Parteien. Untenstehende Tabelle gibt den Stand zu Beginn der Legislaturperiode wieder.Fraktionen seit 1912
Fraktion Gesamt Nationalrat Ständerat katholisch-Konservative Fraktion 66 48 18 Radikal-demokratische Fraktion (FDP) 63 51 12 sozialdemokratische Fraktion 53 49 4 Bauern-, Gewerbe und Bürgerfraktion 26 23 3 Fraktion des Landesrings 10 10 0 Liberal-Demokratische Fraktion 8 5 3 Demokratische und evangelische Fraktion 7 5 2 ohne Fraktionszugehörigkeit 7 5 2
Weblinks Bundesblatt Nr. 48 vom 29. November 1951 mit den Ergebnissen Bundesamt für Statistik: Nationalratswahlen 1951 - (Beiträge zur schweizerischen Statistik, Heft 28)
Einzelnachweise
Parlamentswahlen 1951 Kategorie:Parlamentswahl 1951 Wahlen 1951