200px|mini|Bundeshaus in Bern:Sitz des Schweizer Parlaments Die Schweizer Parlamentswahlen 1947 fanden am 26. Oktober 1947 statt. Dabei waren alle 194 Mandate des Nationalrats sowie 25 der 44 Mandate im Ständerat neu zu vergeben. Diese 33. Legislaturperiode dauerte vier Jahre bis Oktober 1951.

Grosser Wahlsieger war die neu gegründete Partei der Arbeit. Nachdem ihre Vorgängerparteien KPS und FSS 1943 verboten worden waren, erreichte sie auf Anhieb sieben Nationalratssitze und einen Wähleranteil von 5 % – das beste Ergebnis, das eine kommunistische Partei in der Schweiz je erzielen sollte. Ihre Gewinne gingen hauptsächlich zulasten der Sozialdemokraten. Die aufgrund ihrer Haltung während des Weltkriegs diskreditieren Jungbauern verschwanden nahezu gänzlich von der politischen Bildfläche. Dagegen konnte die FDP, die in den vorangegangenen Jahrzehnten grosse Verluste hatte einstecken müssen, 5 Mandate hinzugewinnen und war somit zweiter Wahlsieger.

Im Ständerat kam es nur zu kleineren Änderungen. Mit Werner Christen (Nidwalden) und Rudolf Stüssi (Glarus) wurden zwei Parteilose in den Ständerat gewählt. Werner Christen schloss sich allerdings der Fraktion der KVP an.

Die durchschnittliche Wahlbeteiligung bei den Nationalratswahlen 1947 stieg auf 72,4 %, mit kantonalen Werten zwischen 36,3 % in Obwalden und 88,5 % in Schaffhausen.Tabelle «Nationalratswahlen: Wahlbeteiligung, 1919–2015»

Wahlmodus Nationalrat Die Nationalräte werden seit 1919 nach dem Proporzwahlsystem gewählt, d. h. die Sitze werden nach dem Wähleranteil der Parteilisten in den einzelnen Kantonen verteilt und erst innerhalb der Liste gemäss den Personenstimmen. Die Anzahl Sitze pro Kanton werden anhand der Einwohnerzahl bestimmt.

Ausführlicher hierzu: Nationalrat (Schweiz) – Wahlverfahren

Ständerat Jeder Kanton wählt seit 1848 zwei Vertreter für den Ständerat (ehemalige Halbkantone: einen Vertreter). Die Ständeratswahlen richten sich nach kantonalem Recht. In den meisten Kantonen wurde am 25. Oktober auch die Ständevertretung gewählt. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Glarus, Nidwalden und Obwalden wählten die Landsgemeinden im Frühjahr die Ständeräte. Die Kantone hatten nicht nur abweichende Wahltermine, sondern auch noch verschieden lange Amtsperioden (1–4 Jahre). In den Kantonen Bern (Novembersession), Freiburg (1 Person in der Maisession, 1 Person in der Novembersession), Neuenburg (gleichentags mit den Nationalratswahlen) und St. Gallen (in der Frühjahrssession) wurden die Ständeräte vom Kantonsparlament gewählt. In allen anderen Kantonen wurden die Ständeräte bei Urnenwahlgängen ermittelt, normalerweise am gleichen Tag wie die Nationalratswahlen. Abweichend davon wählten die Stimmberechtigten in den Kantonen Graubünden (erster Sonntag im März), Tessin (letzter Sonntag im Februar) und Zug (im November).

Ausführlicher hierzu: Ständerat – Wahlverfahren

Resultate Nationalrat Anmerkungen zu den Wählerzahlen In den Mehrpersonenwahlkreisen hat jeder Wähler so viele Stimmen, wie in seinem Kanton Sitze zu vergeben sind (im Kanton Bern 34, im Kanton Zug 2). Diese Stimmen kann er an beliebige Kandidaten der sich zur Wahl stellenden Listen vergeben (Panaschieren). Eine Stimme für einen Kandidaten ist gleichzeitig eine Stimme für dessen Partei. Hat ein Wähler nicht alle seine Stimmen an Kandidierende vergeben, gehen diese Stimmen als sogenannte «Zusatzstimmen» an die von ihm gewählte Liste. Wenn der Wähler keine Liste auswählt, sondern einen so genannten «Wahlzettel ohne Parteibezeichnung» – auch Blankoliste genannt – verwendet, verfallen nicht benutzte Stimmen (sog. Leere Stimmen).

Um zu überkantonal vergleichbaren Ergebnissen zu kommen, muss zuerst die Anzahl fiktiver Wähler pro Kanton und Partei berechnet werden. Und die Summe aller fiktiven Wähler der einzelnen Kantone sind dann die Wähler auf Landesebene (z. B. SP auf 251'625 Wähler gerundet). Ein Aargauer «Wähler» kann aber auch aus 12 Personen bestehen, die nur je einen Kandidaten der betreffenden Partei auf ihrer Liste aufgeführt haben.

Das Bundesamt für Statistik benutzt daher den Begriff «fiktiver Wähler» für den Wähler, da ein effektiver Wähler auch nur ein Teilwähler sein kann. Die Zahl der Wähler entspricht der Anzahl gültiger Wahlzettel. Auf Kantonsebene ist die Summe aller Parteistimmen (Summe der Kandidatenstimmen von Kandidierenden einer Partei plus Zusatzstimmen = leere Felder einer Parteiliste) Berechnungsgrundlage. Beispiel: Partei A erzielt im Kanton X 12000, Partei B 27000 und Partei C 48000 von 87000 Parteistimmen. Die Anzahl gültiger Wahlzettel beträgt 25000. Somit hat Partei A in diesem Kanton 3448,28 (12000:87000 × 25000), Partei B 7758,62 (27000:87000 × 25000) und Partei C 13793,10 (48000:87000 × 25000) fiktive Wähler. Alle drei Parteien zusammen total 25000 Wähler.

Die gewählten Mitglieder des Nationalrats sind im Bundesblatt Nr. 47 vom 27. November 1947 aufgelistet.Mitglieder des Nationalrats, Seiten 555–634

Parteien, Wähler, Sitze Die landesweiten Ergebnisse sahen wie untenstehend dargestellt aus. Resultate aus den Kantonen finden sich unter Schweizer Parlamentswahlen 1947/Resultate Nationalratswahlen.

Partei Wähler % (+/-) Sitze (+/-) Sozialdemokratische Partei251'62526,20 % −2,40 % 48−8 Freisinnig-Demokratische Partei 220'48622,96 %+0,48 % 52+5 Konservative Volkspartei 203'20221,16 %+0,37 % 43+1 Bauern-, Gewerbe- und Bürgerparteien 115'97612,08 %+0,49 % 21−1 Partei der Arbeit 49'3535,14 %+5,14 % 7+7 Landesring der Unabhängigen 42'4284,42 %−0,31 % 8+2 Liberale Partei der Schweiz30'4923,18 %−0,05 % 7−1 Demokratische Partei28'0962,93 %−0,44 % 5±0 Evangelische Volkspartei 9'0720,94 %+0,53 % 1±0 Liberalsozialistische Partei (ZH) 4'6260,48 %-0,55 % 1+1 Bauernvereinigung (SZ) 2'3410,24 %−0,22 % 0−1 Jungbauern, Freierwerbende, Arbeiter (SG) 2'1790,23 %−2,15 % 0±0 Parti républicain pour les Etats-Unis d’Europe (GE) 1360,01 %+0,01 % 0±0Vereinzelte Stimmen in Einerwahlkreisen2750,03 %±0,00 % 0±0Total960'287100 % 194±0

Wähleranteile in den Kantonen (mit mehreren Sitzen) Wählerzahlen, Prozente kleinerer Parteien und Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1947/Resultate Nationalratswahlen. KantonSPFDPKVPBGBPdALdULPSDPEVP35,7 %18,7 %22,4 %16,5 %2,1 %4,6 %29,9 %19,6 %11,2 %12,8 %7,7 %18,7 %20,5 %16,3 %11,8 %4,0 %19,7 %13,1 %14,7 %40,5 %17,4 %6,2 %34,3 %1,6 %12,7 %24,8 %56,9 %5,6 %9,2 %29,4 %14,0 %29,1 %17,8 %39,3 %31,0 %29,7 %12,2 %16,3 %38,1 %33,4 %12,7 %37,0 %50,3 %37,0 %26,6 %11,6 %24,8 %46,1 %29,5 %8,5 %15,9 %21,6 %24,4 %37,7 %32,6 %37,2 %26,6 %1,8 %1,8 %16,9 %27,2 %41,7 %1,5 %6,7 %2,6 %16,5 %38,5 %39,9 %2,8 %2,3 %30,8 %19,3 %22,8 %27,2 %20,5 %34,6 %9,8 %16,3 %18,9 %11,1 %22,5 %64,3 %2,1 %27,2 %28,7 %44,0 %27,3 %12,4 %8,9 %14,0 %6,1 %18,8 %6,4 %3,4 %Schweiz26,2 %23,0 %21,2 %12,1 %5,1 %4,4 %3,2 %2,9 %0,9 %

Sitzverteilung in den Kantonen Wählerzahlen, Prozente kleinerer Parteien und Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1947/Resultate Nationalratswahlen. KantonTotalFDPSPKVPBGBLdULPSPdADemEVPLSPJBBVUFL123 +14 −13221111411 −11 +1182 +12 −1111 −11 +1336 +114 +12110 −272 +114 −1830 −11 −122 +2211613 +12 −1931552211111211311 +110 −1732213426 +110 −173 +11 −136121211166 −231 −133 +372 +10 −1521 +10 −113149 −33 +14 −16 +21 +1211 +10 −1Schweiz19452+548 −844 +121 −18 +27 −17 +75 −11 ±01 +10 −30 −10 −1

Ergebnisse der Ständeratswahlen Die gewählten Mitglieder des Ständerats sind im Bundesblatt Nr. 47 vom 27. November 1947 aufgelistet.Mitglieder des Ständerats, Seiten 635–637

Sitzverteilung

Partei Wahlen 1947 Wahlen 1943SPS55KVP1819LPS22FDP1112DP22BGB44parteilos20

Gewählte Ständeräte

Kanton 1. Ständeratssitz 2. Ständeratssitz Hans Fricker, KVP (bisher) Karl Killer, SP (bisher) Walter Ackermann, FDP (bisher) nur ein Sitz Armin Locher, KVP (bisher) nur ein Sitz Paul Brodbeck, FDP (neu) nur ein Sitz Gustav Wenk, SP (bisher) nur ein Sitz Henri Mouttet, FDP (bisher) Rudolf Weber, BGB (bisher) Maxim Quartenoud, KVP (neu) Bernard Weck, KVP (bisher) Albert Malche, FDP (bisher) Marcel Raisin, LPS (neu) Melchior Hefti, DP (bisher) Rudolf Stüssi, parteilos (neu) Albert Lardelli, DP (bisher) Josef Vieli, KVP (bisher) Gotthard Egli, KVP (bisher) Franz-Karl Zust, KVP (bisher) Jean-Louis Barrelet, FDP (neu) Fritz Eymann, SP (neu) Werner Christen, parteilos (neu) nur ein Sitz Ludwig von Moos, KVP (bisher) nur ein Sitz Ernst Lieb, BGB (neu) Kurt Schoch, FDP (neu) Anton Gwerder, KVP (neu) Fritz Stähli, KVP (bisher) Paul Haefelin, FDP (bisher) Gottfried Klaus, SP (bisher) Ernst Flükiger, FDP (neu) Johann Schmuki, KVP (bisher) Antonio Antognini, KVP (bisher) Bixio Bossi, FDP (bisher) Paul Altwegg, FDP (bisher) Erich Ullmann, BGB (bisher) Ludwig Danioth, KVP (neu) Gustav Muheim, KVP (neu) Gabriel Despland, FDP (bisher) Frédéric Fauquex, LPS (neu) Alfred Clausen, KVP (neu) Maurice Troillet, KVP (bisher) Alphons Iten, KVP (bisher) Augustin Lusser, KVP (bisher) Emil Klöti, SP (bisher) Friedrich Traugott Wahlen, BGB (bisher)

Fraktionen in der 33. Legislaturperiode Fraktionen sind Zusammenschlüsse der Parlamentsmitglieder einer oder mehrerer Parteien. Untenstehende Tabelle gibt den Stand zu Beginn der Legislaturperiode wieder.Fraktionen seit 1912

Fraktion Gesamt Nationalrat Ständerat Radikal-demokratische Fraktion (FDP) 63 52 11 katholisch-Konservative Fraktion 62 44 18 sozialdemokratische Fraktion 53 48 5 Bauern-, Gewerbe und Bürgerfraktion 25 21 4 Fraktion des Landesrings 9 9 0 Liberal-Demokratische Fraktion 9 7 2 Demokratische Fraktion 7 5 2 Fraktion der Partei der Arbeit 7 7 0 ohne Fraktionszugehörigkeit 3 2 1

Weblinks Bundesblatt Nr. 47 vom 27. November 1947 mit den Ergebnissen Bundesamt für Statistik: Nationalratswahlen 1947 - (Beiträge zur schweizerischen Statistik, Heft 22)

Einzelnachweise

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