mini|hochkant|Gottfried Curio (2020) Gottfried Justus Immanuel Curio (* 2. September 1960 in West-Berlin) ist ein deutscher Politiker der AfD und seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Zuvor lehrte und forschte er als habilitierter Physiker an mehreren Universitäten.
Curio ist innenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion.
Persönlicher Werdegang Nach dem Abitur am Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin studierte Curio als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen VolkesGottfried Curio: Zur Person. Abgerufen am 3. Februar 2018. Physik und Mathematik an der Freien Universität Berlin und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1984 schloss er sein Studium als Diplom-Mathematiker mit einer zahlentheoretischen Diplomarbeit ab (Periodenvermutung für Modulformen vom Gewicht 2). In seinem Fachgebiet theoretische Elementarteilchenphysik wurde er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer 1997 publizierten Dissertation zum Thema N=2 String-String Duality and Holomorphic Couplings promoviert.Gottfried Curio: N=2 String-String Duality and Holomorphic Couplings. In: Fortschritte der Physik, Band 46, 1998, S. 75–146, Auch die Habilitation Curios erfolgte an der HU Berlin.Gottfried Curio: String compactifications with fluxes and superpotentials. Humboldt-Universität, Habilitationsschrift, Berlin 2003.
Bis 2004 war Curio als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig; unterbrochen von einem Forschungsaufenthalt zur Stringtheorie von Januar 1997 bis Juni 1999 am Institute for Advanced Study in Princeton, USA.Gottfried Curio am Institute for Advanced Study in Princeton, USA. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arnold Sommerfeld Center der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig, wobei er über vier Semester eine Vertretungsprofessur innehatte und zwischenzeitlich 2007 in der Arbeitsgruppe von Jochen Brüning am Fachbereich Mathematik der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigt war.Gottfried Curio am Arnold Sommerfeld Center der Ludwig-Maximilians-Universität München
Hinzu kam ein abgeschlossenes Studium der Musik (in Komposition und Kirchenmusik) an der Hochschule der Künste Berlin.
Weitere Tätigkeiten Gottfried Curios waren: Korrepetitor, Kirchenmusiker, Leiter von Musiktheater-Ensembles sowie Komponist.Maria Fiedler, Fabian Leber, Karin Christmann, Felix Hackenbruch: Diese AfD-Politiker sitzen bald im Parlament. Tagesspiegel.de, 19. September 2016.
Politischer Werdegang Curio ist seit 2014 Mitglied der AfD, seit 2016 Bezirksvorsitzender im Bezirksverband Steglitz-Zehlendorf (Berlin), Delegierter für Bundesparteitage sowie Mitglied der programmatischen Landesfachausschüsse Asyl und Integration und Bildung.
Abgeordnetenhaus von Berlin Auf Listenplatz 10 der Landesliste der Alternative für Deutschland Berlin zog er nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September 2016 in das Abgeordnetenhaus von Berlin ein und war dort integrationspolitischer Sprecher der Fraktion, ferner Mitglied im Rechtsausschuss sowie im Ausschuss für Integration, Arbeit und Soziales.
Deutscher Bundestag Im September 2017 wurde Gottfried Curio auf Listenplatz 2 der Landesliste der AfD Berlin für die Bundestagswahl 2017 in den Deutschen Bundestag gewählt. Er ist einer von sechs Vertretern der AfD-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Inneres und Heimat und deren Obmann. Bei der Bundestagswahl 2021 zog er erneut nicht als Direktkandidat, sondern durch seinen Listenplatz 2 in den Deutschen Bundestag ein.
Im November 2019 gab Curio in einem Video auf seinem YouTube-Kanal seine Bewerbung für das Amt des Bundessprechers der AfD bekannt, Kandidatur angekündigt Curio will AfD-Vorsitzender werden, tagesschau.de 23. November 2019 unterlag dann jedoch bei der Wahl im Dezember Tino Chrupalla.
Im Januar 2023 war ein Antrag Curios, die Abstimmung zur Wiederaufnahme des aus der AfD-Bundestagsfraktion ausgeschlossenen Abgeordneten Matthias Helferich von der Tagesordnung der Fraktionssitzung zu streichen, mit einer knappen Mehrheit erfolgreich. Durch Curios Antrag verblieb Helferich weiterhin als fraktionsloser Abgeordneter im Bundestag.
Bei der Bundestagswahl 2025 kandidierte Curio als Direktkandidat für den Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf und holte mit 29,5 % der Erststimmen das erste Wahlkreismandat für die AfD in Berlin.
Im 21. Deutschen Bundestag ist Curio Ordentliches Mitglied im Innenausschuss sowie Stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss.
Positionen und Kontroversen AfD-Parteiprogramm Im April 2016 stellte Curio auf dem Bundesparteitag der AfD diverse Änderungsanträge zum Parteiprogramm, etwa zur Erfassung von Staatsangehörigkeit bzw. Migrationshintergrund in der Kriminalstatistik, zur Ausweisung gewaltbereiter islamistischer Gefährder, gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, zum Thema „Moschee-Predigten auf Deutsch“, zur Ablehnung von Minaretten und Muezzin-Ruf, zu deutschsprachigen Bezeichnungen auf Ladenschildern,Sabine am Orde: Grundsatzprogramm der AfD. In: die tageszeitung. 20. April 2016. gegen eine spezielle Zuständigkeit Deutschlands bei Flüchtlingen, zum Schutz von Flüchtlingen nur bis zum Betreten des ersten sicheren Drittstaates sowie zum Wohlstandsgefälle, das keinen Anspruch auf Einwanderung begründe.Gottfried Curio: Änderungsanträge zum AfD-Parteiprogram. April 2016.
Vollverschleierung Mediale Aufmerksamkeit erhielt Curio mit seiner Rede im November 2016 im Berliner Abgeordnetenhaus zum AfD-Antrag, muslimische Vollverschleierung (Burka und Niqab) im öffentlichen Raum zu verbieten.Georg Pazderski et al: Antrag zum Verbot der muslimischen Vollverschleierung im öffentlichen Raum. In: AfD Berlin. 15. November 2016.Sabine am Orde: Ein Geist namens Dr. Curio. In: taz.de, 24. November 2019, abgerufen am 16. Februar 2020. In diesem Zusammenhang sagte er: „Wollen wir – auch zum Entsetzen unserer Kinder, man stelle sich vor, ein schwarzer Sack, ein Sack, der spricht –, wollen wir solch ein frauenverachtendes Menschenbild, solch eine entmenschende Geschlechterapartheid auf Berliner Straßen?“ Man wisse nicht, wer sich unter einem solchen Gewand verberge: „Eine Frau, ein Mann, mit oder ohne Sprengstoffgürtel?“ Er begründete den Antrag u. a. damit, dass die Vollverschleierung ein menschenunwürdiges „Unkenntlichmachen der Person“, eine „Unterdrückung der weiblichen Selbstbestimmung“ und „geschlechtsspezifische Diskriminierung“ sei. Es handele sich um eine „Negation der Menschenwürde“ und deren „Duldung“ sei „grundgesetzwidrig“.Plenarprotokoll 18/2 In: Abgeordnetenhaus von Berlin. 24. November 2016, S. 49–50. Die Berliner Morgenpost schrieb von einer „ins Leere“ gegangenen Provokation Curios, als er sagte, „man wisse ja nicht, wer unter der Burka stecke – ‚mit oder ohne Sprengstoffgürtel‘.“Joachim Fahrun, Ulrich Kraetzer: Am Ende krachte es doch noch. In: Berliner Morgenpost. 25. November 2016.
Curio hielt eine Rede zum selben Thema rund sechzehn Monate später im Bundestag, die von der Welt in der Artikelüberschrift von Curios als „Secondhand-Rede“ bezeichnet wurde, da sie in großen Teilen mit seiner früheren Rede übereinstimmte.Jan Lindenau: Die Secondhand-Rede des AfD-Abgeordneten Curio. In: Die Welt. 13. März 2018. Der Historiker Norbert Frei von der Universität Jena bezeichnete Curios Antrag: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Bundestag einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Vollverschleierung im öffentlichen Raum verbietet“Bernd Baumann, Gottfried Curio, Jochen Haug, Lars Herrmann, Martin Hess, Beatrix von Storch, Alice Weidel, Christian Wirth und AfD-Bundestagsfraktion: Verbot der Vollverschleierung im öffentlichen Raum. In: Deutscher Bundestag. 8. Februar 2018. als „Schaufensterantrag“:Norbert Frei: Macht der Worte. In: Süddeutsche Zeitung. Curio sprach in seiner Rede von „kultureller Landnahme durch radikalen Islamismus“ und fragte: „Soll die Hälfte der Menschheit vermummt herumlaufen?“Plenarprotokoll 19/14. In: Deutscher Bundestag, 22. Februar 2018, S. 1112.
Curio schloss seine Rede im Bundestag – wie auch bereits die im Abgeordnetenhaus – mit der Behauptung, gemäß einer Forsa-Umfrage seien „60 % der Befragten für ein Verbot der Vollverschleierung“. Allerdings bezog sich die Umfrage aus dem September 2016 ausschließlich auf Burkas,stern TV-Umfrage zum Burka-Verbot in Deutschland: Die Ergebnisse im Detail. In: stern. 7. September 2016. während Curio in seiner Rede auch den Gesichtsschleier mit einbezog. Die Aussagekraft der Umfrage hatte Forsa selbst eingeschränkt: Manch einem sei „vielleicht nicht ganz klar, was mit Vollverschleierung oder Burka genau gemeint ist“. Trotzdem hatte die Hälfte der Befragten insgesamt und über 70 % derer aus dem ländlichen Raum eingestanden, in den Monaten zuvor weder jemanden mit Burka noch mit Niqab gesehen zu haben. Eine Recherche des BR im April 2017 hatte ergeben, dass von den bereits existierenden Verboten schon niemand betroffen war: Weder den Innenministerien noch dem Richterbund waren Fälle bekannt, in denen eine Maßnahme erforderlich gewesen sei; bereits das bestehende Gesetz sei damit ein „Phantomgesetz“.Janina Lückoff: In: Bayerischer Rundfunk. 28. April 2017. Der Tagesspiegel berichtete über Häme und Spott, die Curio für seinen mit dem „Schutz der Individualfreiheitsrechte der muslimischen Frau“ begründeten Antrag erhalten habe; ein komplettes Vollverschleierungsverbot würde Betroffene zukünftig lediglich am Verlassen ihrer Wohnung hindern. Die AfD gebe zwar vor, Frauenrechte zu verteidigen, bezwecke aber das Gegenteil.AfD erntet Spott für Forderung nach Verschleierungsverbot. In: Der Tagesspiegel. 22. Februar 2018.
Visualisierung von Landesgrenzen in heute Weitere mediale Aufmerksamkeit fand eine Kurzintervention im Plenum des Abgeordnetenhauses von Berlin im Februar 2017. Als ein Antrag eines AfD-Abgeordneten, auf der Europa-Karte der ZDF-heute-Nachrichten die Umrisse Deutschlands sichtbar zu machen, auf Ablehnung stieß, warf Curio den anderen Fraktionen „die Lächerlichmachung der nationalen Identität Deutschlands“ vor und sprach den Parlamentariern ab, „Vertreter des deutschen Volkes“ zu sein. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Torsten Schneider, bezeichnete daraufhin Curio als „Schande für dieses Haus“, der „nicht alle Latten am Zaun“ habe.Plenarprotokoll 18/6 In: Abgeordnetenhaus von Berlin. 16. Februar 2017, S. 446–449.dpa: ++
Doppelte Staatsbürgerschaft Bei einer Debatte im Februar 2018 sprach sich Curio gegen die doppelte Staatsbürgerschaft aus und erklärte, dass ein nach seiner Auffassung „zur Regel entarteter Doppelpass“ die Demokratie untergraben würde. Außerdem titulierte er die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz als ein „Musterbeispiel misslungener Integration“. Zahlreiche Medien berichteten daraufhin von einem Eklat im Bundestag; Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble stand im Zentrum der Kritik, Curio keinen Ordnungsruf erteilt zu haben.Nach AfD-Eklat im Bundestag gerät Schäuble nun ins Zentrum der Kritik. In: focus. 3. Februar 2018.Hans-Jürgen Deglowv: Schäuble nach Eklat in der Kritik. In: Heilbronner Stimme. 3. Februar 2018. In: Mitteldeutscher Rundfunk. 2. Februar 2018.
Islam- und flüchtlingsfeindliche Aussagen im Deutschen Bundestag