Agabus bipustulatus ist ein Käfer aus der Familie der Schwimmkäfer. Die Gattung Agabus ist in Europa durch drei Untergattungen repräsentiert. Agabus bipustulatus gehört zur Untergattung Gaurodytes, die in Europa mit neunundzwanzig Arten vertreten ist. Agabus bipustulatus ist ein häufiger und weit verbreiteter Käfer. Neuere Arbeiten zeigen, dass die Trennung der Arten Agabus bipustulatus und Agabus solieri vermutlich nicht gerechtfertigt ist.

Bemerkungen zum Namen Die Art wurde erstmals 1767 von Carl von Linné unter dem Namen Dytiscus bipustulatus beschrieben. Die Beschreibung enthält den Satz capite postice punctis duobus rubris (lat. am Hinterkopf mit zwei roten Punkten). Die naheliegenden Artnamen bipunctatus (mit zwei Punkten) und bimaculatus (mit zwei Flecken) waren innerhalb der Gattung Dytiscus in seiner damaligen Abgrenzung bereits vergeben, bimaculatus bereits 1764 durch O. F. Müller, bimaculatus von Linné selbst in der gleichen Ausgabe unter der Nummer 21. So wich Linné auf den Artnamen bipustulatus (lat. mit zwei Pusteln) aus. Die beiden roten Punkte können auch undeutlich sein oder fehlen. Auch gibt es verwandte Arten, die ebenfalls am Hinterkopf zwei rote Flecken tragen. Der Name der Untergattung Gaurodytes leitet sich von altgr. γαύρος „gāūros“ für „prächtig“ und δύτης „dýtes“ für „Taucher“ ab. Der Gattungsname Agabus gehört zu den Namen, die nicht auf Eigenschaften der benannten Tiere Bezug nehmen, sondern lediglich einen in der Antike gebräuchlichen Personennamen darstellen. Die Art wurde auch unter mehreren Synonymen beschrieben.

Eigenschaften des Käfers Der Käfer hat die für Schwimmkäfer typische flache länglich ovale Form, die Hinterbeine sind ruderförmig als Schwimmbeine ausgebildet. Der Käfer erreicht eine Länge von acht bis elf Millimeter. Die Männchen (Abb. 1) sind an den verdickten Tarsen der Vorderbeine zu erkennen (Abb. 12 rechts), an denen jedoch Saugnäpfe fehlen. Die Oberseite ist bei den Weibchen (Abb. 2) matt mit zartem Seidenglanz, bei den Männchen glänzend. Der schwarzbraune Käfer hat rotbraune Fühler, Taster und Vordertarsen.

Der Vorderrand der Augen ist in Nähe der Fühler eingerückt (Abb. 5). Die Fühler sind fadenförmig und elfgliedrig. Am Hinterrand des Kopfes liegen nahe beieinander zwei quer ovale Bereiche, an denen die Farbe rötlich aufgehellt ist (Abb. 4a). Diese sind für die Art namensgebend. Sie werden mehr oder weniger vom Halsschild verdeckt, wenn der Käfer den Kopf hebt. Häufig sind sie auch sehr schwach ausgebildet oder fehlen ganz (Abb. 4b).

Der Halsschild ist an der Basis am breitesten und dort so breit wie die Flügeldecken vorn. Die Halsschildseitenrandlinie läuft an den Vorderecken aus und setzt sich nicht nach innen fort (Abb. 6 bei Vergrößerung). Die Punktreihe am Vorderrand des Halsschilds ist in der Mitte nicht breit unterbrochen (Abb. 4a und b). Das Schildchen ist gut sichtbar.

Die Flügeldecken zeigen wie der Halsschild eine netzförmige Struktur mit stark gestreckten, überwiegend längs verlaufenden Maschen (Abb. 4b). Innerhalb der Maschen ist die Oberfläche chagriniert. Die Punktreihen der Flügeldecken werden aus mittelgroßen und länglichen, isoliert stehenden Punkten gebildet. Die untergeschlagenen Teile der Deckflügel (Epipleuren) verjüngen sich nach hinten plötzlich stark und laufen schon auf der Höhe des zweiten Hinterleibssegments aus (Abb. 8, Epipleuren rechts rot getönt, Zahlen 1 und 2 sind Nummern der Hinterleibssegmente).

Die Tarsen sind alle fünfgliedrig. Bei den Männchen sind die basalen drei Glieder der Vordertarsen verdickt und filzig besohlt (Abb. 12b). Die äußere Vorderklaue des Männchens ist lappenförmig stark verlängert, dachartig gewölbt und seitlich verwunden (Abb. 13), die innere Vorderklaue (in Abb. 12b und in Abb. 13 grün getönt) trägt an der Basis einen deutlichen Zahn. Beim Weibchen sind die innere und äußere Klaue der Vordertarsen gleich ausgebildet (Abb. 12a). In beiden Geschlechtern sind die Hintertarsen schlank, das zweite bis vierte Glied mindestens doppelt so lang wie breit (Abb. 9). Die äußere und innere Hinterkralle sind gleich lang (Abb. 10). Die beiden Enddorne der Hinterschienen sind kürzer als das erste Tarsenglied (Abb. 9). Die Hinterschenkel tragen an der äußeren Ecke des Hinterrandes eine Gruppe von Borsten (von unten gut sichtbar, Abb. 11). Die Seitenlinien der Hinterhüften sind nach vorn nicht fast erloschen, sondern gehen deutlich in den Hinterrand der Hinterbrust über, wobei sie sich nach außen erweitern (Abb. 8 links Hinterhüfte gelb getönt). Die Seitenausläufer der Hinterbrust (in Abb. 8 Hinterbrust grün getönt) sind nicht schmal, sondern breit dreieckig.

Larve mini|280px|Abb. L1: Mundwerkzeuge von unten, von den Oberkiefern nur der linke (rechts liegend) abgebil-det, rechts teilweise koloriert; a Unterlippe b Kinn, grün: Stipes des Unterkiefers, rot: Lippentaster;Abb. L2: Vergrößerter Ausschnitt des Stipes (a) mit dem Fortsatz nach vorn (b) und der mala ex-terior (c) d: Wurzel des Kiefertasters; Abb. L3: Epistom und Oberlippe von unten: a: Stirnhöcker des Epistoms (anguli frontales), b: Oberlippe, grau: Mundraum mit zwei Kanälen, die unterhalb der Stirnhöcker austreten; Abb. L4: Behaarung des Vorderbeins; Abb. L5: Behaarung des Hinter- beins, Schenkel gelb, Schiene pink; Abb. L6: Ausschnitt Behaarung am Innenrand des Schen-kels des Hinterbeins; Abb. L7: Ausschnitt Behaarung am Innenrand der Schiene des Hinterbeins Die Larve von Agabus bipustulatus wurde 1901 von dem Dänen Frederik Meinert beschrieben. Die Larve zeigt die für die Schwimmkäferlarven typische längliche Gestalt mit einem rundlichen flachen (linsenförmigen) Kopf, dem Brustabschnitt mit drei Paaren langer Beine und dem Hinterleib aus acht Segmenten, wobei das letzte Segment ein Paar zweigliedriger Cerci trägt. Es gibt drei verschiedene Larvenstadien, wobei das erste Larvenstadium stärker von den beiden älteren Larvenstadien abweicht als diese voneinander. Die folgenden Angaben gelten für das dritte Larvenstadium. Die Larve wird im letzten Stadium dreizehn Millimeter lang. Sie ist braun, der Hinterrand der Körpersegmente dunkelbraun. Auf dem Kopf befinden sich mehrere helle Flecken, auf den Rückenschildern Reihen von vier schmalen aufgehellten Flecken. Die Larve ist fast kahl, nach hinten teilweise kurz behaart.

Am Kopf bilden auf jeder Seite sechs Einzelaugen ein Augenfeld. Die Einzelaugen sind in zwei hintereinander liegenden vertikalen Reihen mit je drei Ozellen angeordnet. Von oben sind vier Einzelaugen sichtbar, von unten zwei. Hinter dem Augenfeld und vor dem Hals liegt die Schläfenregion. In ihr entspringen nahe dem Hals seitlich drei oder vier kurze Stacheln, die in einer Längsreihe stehen und eine Art Kamm bilden (aculei temporales). Die viergliedrigen Fühler sind kahl und ohne Anhänge. Das erste und zweite Fühlerglied sind gleich lang, jedes doppelt so lang wie das vierte und nur wenig länger als das dritte. Den Abschluss des Kopfes nach vorn bildet eine Region, deren Oberseite der Clypeus und deren Unterseite die untergeschlagene Oberlippe bildet. Am Vorderrand dieser Region liegen quer zwei Reihen aus sehr kurzen, platten und nach vorn abstehenden Härchen, die auch Lamellen oder ruderförmige Haare genannt werden (in Abb. L3 von unten gesehen ist nur eine Reihe am Rand der Oberlippe zu sehen). Die beiden Oberkiefer (in Abb. L1 rechts blau) sind relativ kurz und nach innen gebogen. Sie tragen wie bei allen Schwimmkäfern auf der Innenseite eine tiefe Furche, durch die die flüssige oder verflüssigte Nahrung zur Mundöffnung abfließen beziehungsweise abgesaugt werden kann (äußerer Teil des canalis cibarius). Die Mundhöhle ist geschlossen. Von ihr verlaufen zwei Kanäle (innerer Teil der canalis cibaris) seitlich nach vorn und münden auf der Unterseite der Stirnhöcker (anguli frontales, Abb. L3 a). Bei der Nahrungsaufnahme sind die Oberkiefer so weit geöffnet, dass die basale Öffnung des Nahrungskanals auf diese Mündungen zu liegen kommen. Der Stipes der Unterkiefer (in Abb. L1 rechts grün und vergrößert ausschnittsweise Abb. L2 a) hat eine Verlängerung nach vorn (Abb. L2 b), an der nach innen ein zapfenförmiger Fortsatz entspringt, den Maenert mala exterior nennt (Abb. L2 c). Darunter liegen auf der Innenseite zwei hakenförmig gekrümmte Fortsätze. Links der Verlängerung des Stipes (außen) sitzt die Wurzel des Kiefertasters. Dieser ist schlank und dreigliedrig, sein erstes und drittes Glied sind gleich lang, das zweite Glied etwas länger. Die Unterlippe (Abb. L1 a) ist zweieinhalb mal so breit wie lang. Die an den Vorderecken der Unterlippe entspringenden Lippentaster bestehen aus zwei schlanken Gliedern, das Endglied ist weniger als halb so lang wie das Basisglied.

Die Larven der Arten werden auch durch die Längenverhältnisse der letzten Hinterleibssegmente und der zweigliedrigen Cerci charakterisiert. Bei Agabus bipustulatus ist das achte Abdominalsegment etwas weniger als doppelt so lang wie das siebte (13:7), das Basisglied der Cerci ist minimal länger als das achte Abdominalsegment, das Endglied der Cerci ist fast vollständig rückgebildet und wenig deutlich abgesetzt. Die Cerci sind nahezu kahl. An der Basis des Endglieds entspringen vier kurze Haare, die das Endglied um ein Vielfaches überragen. Nahe der Basis der Cerci befinden sich beiderseits drei weitere, längere Haare.

Die sechsgliedrigen Beine (Hüfte, Schenkelring, Schenkel, Schiene, Tarsus, Klauen) sind auf charakteristische Art behaart. Die Behaarung des Vorderbeins von Agabus bipustulatus zeigt Abb. L4, die Behaarung des Hinterbeins Abb. L5 (Schenkel gelb getönt, Schiene pink getönt). Die vergrößerten Ausschnitte zeigen die Behaarung des Hinterbeins am Innenrand des Schenkels (Abb. L6) und am Innenrand der Schiene (Abb. L7).

Junglarve, zweites Larvenstadium und Altlarve unterscheiden sich am auffälligsten durch die Längenverhältnisse der Körperteile und die Färbung. Beispielsweise erreichen bei der Altlarve die ausgestreckten Hinterbeine kaum das 7. Abdominalsegment, während sie im 2. Stadium das 8. Segment erreichen und bei der Junglarve das Ende des Hinterleibs deutlich überragen. Der Kopf ist nur bei der Junglarve nahezu schwarz. Aber auch weniger auffällige Merkmale sind bei den verschiedenen Larvenstadien verschieden ausgebildet, beispielsweise besitzen nur die Junglarve Eizähne und noch keine Stacheln in der Schläfenregion, das zweite Larvenstadium besitzt mehr solche Stacheln in der Schläfenregion als die Altlarve. Das zweite Glied der Cerci ist im 2. Stadium noch deutlich ausgebildet.

Eier und Puppe mini|x180px|Puppe Frisch abgelegte Eier sind schlank, blassgelb, 1,4 Millimeter lang und weniger als halb so breit. Ältere Eier sind bräunlich, größer und rundlicher. Die Puppe erreicht eine Länge von acht bis neun Millimeter bei einer Breite von fünf Millimeter. Sie ist weißgelb und zeigt gegenüber anderen Schwimmkäferpuppen keine Besonderheiten. Abb. P zeigt eine Agabus-Puppe aus einer Veröffentlichung von 1865, ein Link zum Foto einer Puppe der Gattung findet sich bei den Einzelnachweisen.

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