Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen (Hidden Figures) ist eine US-amerikanische Filmbiografie von Theodore Melfi. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Margot Lee Shetterly. Er erzählt von den drei afroamerikanischen Mathematikerinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson, die maßgeblich am Mercury- und am Apollo-Programm der NASA beteiligt waren. Der mehrdeutige englischsprachige Originaltitel nimmt mit dem Begriff figures ( []) zugleich Bezug auf die Charaktere (Figuren) sowie auf den englischsprachigen Begriff für Zahlen. Der Film wurde am 25. Dezember 2016 in ausgewählten US-amerikanischen Kinos gezeigt und startete am 6. Januar 2017 dort landesweit. Am 2. Februar 2017 kam der Film in die deutschen Kinos.
Im Rahmen der Oscarverleihung 2017 erhielt Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen in drei Kategorien eine Nominierung, darunter eine als Bester Film.
Handlung
Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson sind drei afroamerikanische Mathematikerinnen in den frühen 1960er Jahren, die gemeinsam mit dem Auto zur Arbeit in der West Area Computing Unit am Langley Research Center in Hampton, Virginia fahren, wo sie in der Abteilung Colored Computers Berechnungen für die NASA durchführen. Unter Computern versteht man zu dieser Zeit noch Personen mit mathematischer Begabung, die meist zuvor festgelegte Rechenschritte mit Stift und Papier oder einfachen elektromechanischen Rechenmaschinen durchführen und somit beispielsweise Ingenieure in ihrer Arbeit unterstützen.
Katherine hat drei kleine Töchter, ihr Ehemann ist früh gestorben. Katherines Mutter wohnt bei ihnen und kümmert sich um die Kinder, während sie bei der Arbeit ist.
Katherine wird in die Abteilung Space Task Group versetzt, die die Flugbahnen für die bemannte Raumfahrt berechnet; dort wird ein Mathematiker mit Kenntnissen in Vektorgeometrie gesucht. Da es in dem Gebäude keine Toiletten für schwarze Frauen gibt, muss sie mehrmals täglich zum Gebäude ihrer alten Arbeitsstätte gehen, das weit entfernt ist. Ihren Kaffee darf sie nicht aus derselben Kanne wie die weißen Kollegen nehmen. Die dortigen Mitarbeiter, alle weiß und fast ausschließlich männlich, nehmen sie sehr reserviert auf.
Besonders Paul Stafford ist ihr nicht wohlgesonnen, was dadurch verstärkt wird, dass der Bereichsleiter Al Harrison Katherine anweist, Staffords Berechnungen zu überprüfen. Sie bekommt von ihm nur Unterlagen mit vielen geschwärzten Stellen, bei denen es sich um geheime Daten handeln soll. Katherine hält die Seiten gegen das Licht, um die Daten lesen zu können, und kann so wichtige Berechnungen anstellen. Als Harrison dahinterkommt, gibt sie es zu und wird kurz verdächtigt, eine russische Spionin zu sein. Dennoch hat Harrison eine neutralere Einstellung zu ihr als Stafford und respektiert sie zunehmend wegen ihrer guten, „über die Zahlen hinausblickenden“ Arbeit.
Katherines Selbstvertrauen wächst allmählich. Als Harrison die lange tägliche Abwesenheit von Katherine auffällt und er ihr diese vorwirft, erzählt sie erstmals von der weit entfernten Toilette und beklagt die schlechte Behandlung und Bezahlung der schwarzen Mitarbeiter. Harrison schlägt daraufhin eigenhändig das Schild an einer der Toiletten ab; diese sollen nun von allen Mitarbeitern gleichermaßen benutzt werden können.
Katherine wird mit Jim Johnson, einem Offizier und Kriegsheimkehrer, bekanntgemacht, den sie aber zunächst ablehnt, da er sich ihr gegenüber ungeschickt über ihre Arbeit als Frau äußert. Er lässt aber nicht locker, und sie werden schließlich ein Paar. Ihre Kinder sind von Jim begeistert und bereiten den feierlichen Moment vor, als er um die Hand von Katherine anhält und ihr den Ring seiner Mutter schenkt.
Dorothy Vaughan nimmt wegen einer lang dauernden Krankheit der Stelleninhaberin zwar die Aufgaben eines Supervisors der Colored Computers wahr, ihr Antrag auf entsprechende Beförderung wird jedoch nicht genehmigt. Als sie erfährt, dass ein großer Computer ins Haus geliefert wurde, ist ihr klar, dass dieser die Arbeitsplätze „ihrer“ Frauen gefährdet. Sie besorgt sich Literatur zur Computersprache Fortran, die sie in der städtischen Bibliothek in der „weißen“ Abteilung unentdeckt mitgehen lässt, und beginnt, sich selbst und ihre Frauen in den neuen Kenntnissen fortzubilden. Zudem sucht sie heimlich abends den Standort des Rechners auf. Dorothy studiert die Handbücher der Maschine, arbeitet sich ein und bemerkt überdies einen falschen Anschluss, weshalb das Inbetriebnahme-Team von IBM sie noch nicht zum Laufen bringen konnte.
Die demütigende Niederlage im Wettlauf ins All durch die ersten Raumflüge der Sowjetunion mit einem Tier und einem Menschen an Bord verfolgen die Mitarbeiter im Filmsaal der Forschungseinrichtung. Harrison weist auf die historische Bedeutung ihrer Arbeit hin und treibt die Mitarbeiter zu noch mehr Arbeit an. Der erste bemannte Raumfahrtflug Amerikas mit Alan Shepard ist schließlich erfolgreich.
Mary Jackson wird in eine Abteilung versetzt, die die Raumkapseln entwickelt. Ein Kollege empfiehlt ihr, als Ingenieurin zu arbeiten, da sie wie eine solche denke. Sie bewirbt sich um eine entsprechende Stelle, es stellt sich aber heraus, dass dafür eine Zusatzausbildung erforderlich ist. Allerdings gibt es in Virginia keine Hochschule, die eine solche für Afroamerikaner anbietet. Obwohl ihr Mann zunächst strikt dagegen ist, klagt sie vor Gericht, diese Kurse mit Weißen zusammen absolvieren zu können. Indem sie den Richter darauf hinweist, dass er mit dieser Entscheidung Geschichte schreiben könne, bringt sie ihn dazu, das Urteil zu ihren Gunsten zu fällen.
Bald darauf wird die Erdumkreisung durch John Glenn vorbereitet. Jeden Tag ändern sich die Flugdaten, und da Katherine durch ihre niedrige Sicherheitseinstufung meist zu spät davon erfährt, sind viele ihrer manuellen Berechnungen umsonst. Katherine erreicht mit Beharrlichkeit, dass sie an einem wichtigen Briefing teilnehmen darf, wo sie insbesondere auf Glenn großen Eindruck macht.
Besonders wichtig ist die Ermittlung der Koordinaten für den Wiedereintritt in die Atmosphäre. Dafür sollen neue Formeln gefunden werden. Als dies nicht gelingt, erinnert sich Katherine an das numerische Eulerverfahren, mit dem sie die Berechnung erfolgreich durchführen kann. Außerdem zeigt sich, dass die Methode gut für die neu aufkommende elektronische Datenverarbeitung geeignet ist. Inzwischen wird ein IBM-Großrechner im Forschungszentrum installiert, den Dorothy zum Laufen bringt.
Als sich schließlich herausstellt, wie gut Dorothy das Gerät bereits beherrscht, ist das Staunen in der Space Task Group groß. Wegen ihrer EDV-Kenntnisse wird Dorothy zum Supervisor einer neuen Abteilung ernannt, die den Rechner mit Daten füttern soll. Sie will aber die Position nur annehmen, wenn sie die Frauen ihrer bisherigen Abteilung mitbringen darf, was ihr genehmigt wird.
Durch die Einführung des IBM-Rechners wird Katherines Job in der Abteilung überflüssig. Als der Rechner jedoch kurz vor dem Start der Rakete widersprüchliche Zahlen liefert, verlangt Glenn von der Bodenstation, diese von Katherine prüfen zu lassen; sonst werde er nicht starten. Katherine rechnet die Zahlen in aller Eile manuell nach und kann dank Harrisons Fürsprache erstmals im Kontrollzentrum den Flug miterleben. Nach einigen Umkreisungen signalisiert plötzlich ein Warnlicht, dass sich Teile des Hitzeschildes lösen können, so dass die Rückkehr zur Erde angeordnet wird. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre entsteht ein Feuerball an der Außenhaut der Raumkapsel und die Funkverbindung reißt ab; nach einigem Bangen geht aber alles gut und die Landung gelingt wie berechnet.
Historischer Hintergrund Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen spielt kurz vor dem Civil Rights Act von Lyndon B. Johnson, der 1964 die Rassentrennung von Schwarzen und Weißen zumindest juristisch aufhob. Bereits vor der Einführung dieses Gesetzes arbeiteten Afroamerikaner in den USA in der Wissenschaft, im Staatsdienst und bei US-Behörden wie der NASA.
Das National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) war eine staatliche US-amerikanische Organisation, die sich mit der Grundlagenforschung in der Luftfahrt beschäftigte, und ein direkter Vorgänger der späteren NASA. 1915 gegründet, sollte sie Innovationen im Flugzeug- und Antriebsbau koordinieren und auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen. Die so erlangten Erkenntnisse wurden der amerikanischen Luftfahrtindustrie zur Verfügung gestellt. Als die NASA, die National Aeronautics and Space Administration, 1958 ihre Arbeit aufnahm, übernahm sie die circa 8000 Angestellten der NACA.
Die dort angestellten schwarzen Mathematikerinnen hatten zu dieser Zeit aufgrund der in den USA praktizierten Rassentrennung ein von ihren weißen Kolleginnen gesondertes Büro und konnten an andere Abteilungen „ausgeliehen“ werden. Frauen wurden als „Computer in Röcken“ und Schwarze als „Colored computers“ bezeichnet (to compute = englisch für „rechnen“). In dieser von Weißen geprägten Männerdomäne hatten es Afroamerikanerinnen doppelt schwer.Katja Iken: ‚Rocket Girls‘ der Nasa. Frauen, die Männer zum Mond schossen. In: Spiegel Online, 10. Oktober 2016.
Die afroamerikanische Mathematikerin Dorothy Vaughan hatte 1929 an der Wilberforce University ihren Bachelor-Abschluss erworben und arbeitete danach als Mathematiklehrerin. Ihre Arbeit für das NACA nahm sie 1943 auf und gehörte dort zu den ersten Schwarzen, die in einer wissenschaftlichen Funktion in einer Gruppe angestellt waren, die als West Area Computing Unit bezeichnet wurde. Dort waren alle afroamerikanischen Mathematikerinnen zusammengefasst. Aufgrund der Rassengesetze durfte sie allerdings nicht mit Weißen zusammenarbeiten und betrieb mit ihrer Gruppe ihre Forschungen abgeschottet von den übrigen Einheiten. Sie stellte unter der Berufsbezeichnung „(human) computer“ aeronautische Berechnungen an. 1958 wurde Vaughan als „head computer“ Leiterin ihrer Arbeitseinheit. Vaughan starb 2008. Ihre Kollegin Mary Winston Jackson, die ebenfalls Afroamerikanerin war, arbeitete ab 1951 in derselben Abteilung. Sie starb 2005.
Katherine Johnson, die ebenfalls als Afroamerikanerin in dieser Abteilung arbeitete, begann mit 14 Jahren ihr Studium am West Virginia College, für das sie ein Stipendium erhalten hatte. Ihr Dozent bot ihr in ihrem zweiten Jahr an, weiterführende Kurse in höherer Mathematik zu besuchen. Als einzige Schülerin belegte sie Kurse in Analytischer Geometrie und studierte Mathematik im Hauptfach.
Auch Johnson begann ihre NASA-Karriere bereits 1953 bei deren Vorgängerorganisation. Dort bestand ihre Aufgabe darin, Daten aus Windkanal-Experimenten mit Hilfe mathematischer Formeln zu berechnen und grafisch darzustellen sowie Flugschreiber auszuwerten. Hierbei arbeitete sie mit den ersten Computerprogrammen, die von der NASA geschrieben worden waren. Nach nur zwei Wochen gelangte Johnson mit einer Kollegin zunächst befristet in die Abteilung für Flugforschung, die bis dahin ausschließlich aus weißen Männern bestanden hatte, und nahm an Briefings teil, in denen bis dahin ausschließlich Männer zusammengekommen waren.
Johnson war mit ihren Kolleginnen anfänglich in einem fensterlosen Gebäude untergebracht, weit entfernt von den weißen, überwiegend männlichen Wissenschaftlern. Sie lernten hier als erste den Maschinencode für den Betrieb der neu installierten Computer von IBM, der für deren Programmierung notwendig war. Dadurch wurde ihre enorme Begabung von der NASA nicht ignoriert und Johnson wurde befördert. Dennoch gab es weiterhin separate Toiletten für Afroamerikaner, was einen 45-minütigen Weg dorthin für sie zur Folge hatte.Joe Utichi: Pharrell Williams On His ‘Hidden Figures’ Contribution: ‘It Made Sense For Everything We Stand For’. In: deadline.com, 2. Dezember 2016.