mini|Aktuelles Logo der Armée de terre mini|Ordonnanzfahne des Régiment de La Reine bis 1791 mini|Standarte des Régiment de Condé-dragons 1814
Die Geschichte des französischen Heeres umfasst die Entwicklung der französischen Landstreitkräfte von der erstmaligen Aufstellung eines stehenden Heeres im 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Anfänge des französischen Heeres, als ständiger Institution, liegen in der letzten Phase des Dreißigjährigen Krieges mit der Aufstellung stehender Regimenter. Schnell erlangte diese Armee große Bedeutung, sie nahm in den folgenden zwei Jahrhunderten den ersten Rang in Europa ein.
Mittelalter Der ursprünglich von der bäuerlichen Bevölkerung getragene Militärdienst war unbefriedigend geworden, und die Herrscher gingen dazu über, sich auf ein individuelles Niveau von Lehnsherrn, Vasallen und Knappen einzustellen. Allerdings wurden die Kriege dieser Zeit mehrheitlich im begrenzten, lokalen Rahmen geführt.
Viele Städte stellten Bürgermilizen (milices bourgeoises) auf, um sich selbst schützen zu können, ohne dazu die örtlichen Adeligen in Anspruch nehmen zu müssen. Paradoxerweise gewöhnte sich der König daran, diese Freiwilligen dazu zu benutzen, um gegen große Feudalherrn zu kämpfen oder um sie als Drohung bei seinen Forderungen einzusetzen.
Es entstand so auch ein neuer Schwertadel, die Ritterschaft.
In Kriegszeiten heuerte der König ausländische Söldner an, die in der Hauptsache aus der Schweiz (Reisläufer), dem Deutschen Reich und aus Irland kamen. (Es gab allerdings auch einige wenige schottische, dänische, schwedische und polnische Regimenter.) Aus diesen Regimentern wurde in der Regel auch die Leibgarde des Monarchen gebildet.
Die Anfänge der königlichen Armee Nachdem Karl VII. die Engländer im Hundertjährigen Krieg zurückgedrängt hatte, gewährten die Generalstände 1439 dem König das alleinige Recht zur Aushebung und Unterhaltung von Truppen. 1445 schuf er mit den berittenen Ordonnanzkompanien (Compagnies d’ordonnance) den Kern des zukünftigen stehenden Heeres. Die neue Truppe basierte aber immer noch auf der nach feudalem Muster zusammen gestellten Lanze (Lance fournie) als organisatorischer Grundeinheit. 1448 folgten die Compagnies de francs-archers, als eine Art zu Fuß kämpfender Nationalmiliz, die auf dem Schlachtfeld jedoch enttäuschte. Darum entstanden 1480, unter Ludwig XI., mit den Französischen Banden (Bandes françaises) erstmals dauerhaft bestehende und fest besoldete Fußtruppen. 1534 rief Franz I. die Légions nationales ins Leben: Nach altrömischem Vorbild in zwei Kohorten und insgesamt zehn Hundertschaften gegliedert, zählte jede Legion, zumindest auf dem Papier, 6000 Mann. Die aus ausgehobenen Untertanen bestehenden Legionen erfüllten jedoch nicht die in sie gesetzten Erwartungen. Während man die Franc-archers 1508 abschaffte, gingen die freien Banden und Nationallegionen in den ab 1557/58 neu formierten Regimentern auf. Die regelmäßige Zahlung eines festen Soldes verbesserte die militärische Disziplin und beugte eigenmächtigen Plünderungen vor. Unter Karl VII. begann zudem die Entwicklung einer neuen Truppengattung, die sich auf die Schlachtfelder der Zukunft massiv auswirken sollte: die Artillerie.
Mit Aufstellung der Ordonnanzkompanien bildete sich ein neues Ranggefüge heraus, das die bisherige feudale Organisation des Vasallenheers aus Bannerherren, Rittern, Edelknechten, Schildknappen usw. abzulösen begann. Die neuen Einheiten kommandierten nicht Lehnsherren, sondern Berufsoffiziere. An der Spitze stand der (meist adelige) Hauptmann (Capitaine), assistiert von einem oder mehreren Leutnanten (Lieutenant) und Fähnrichen (Port-Enseigne) bzw. Kornetten (Cornette) und Guidons (Guidon). Die neu eingeführten Obristhauptleute (Capitaine de colonne / Capitaine-colonel) bzw. Obristen (Colonel) befehligten die Nationallegionen und, seit 1544, auch die Französischen Banden. Zur Entlastung des Obersten schuf man 1543 den Oberstleutnant (Lieutenant-colonel). In der Regel stand ein Generaloberst (Colonel général), als eine Art Generalinspekteur, an der Spitze einer Truppengattung, zunächst der Infanterie (1542) und der leichten Kavallerie (1548), später auch der Dragoner (1668) und Husaren (1778). Hinzu kam 1534 der Maréchal de camp, dem im deutschen Sprachraum der Generalwachtmeister entsprach.
Mit den Offizieren kamen die frühmodernen Vorläufer der heutigen Unteroffiziere auf, teilweise nach Waffengattung unterschiedlich. In der Infanterie waren das der Centenier (1558 mit Entstehung der Regimenter abgeschafft), Sergent, Fourier, Cap d'escouade / Cap d'escadre / Caporal und Anspessade. In der Reiterei hießen die Unterbefehlshaber Wachtmeister (Maréchal des logis) und, seit 1590, Brigadier (Brigadier). Der Aufstieg zum Offizier war auch Nichtadeligen möglich, womit ihnen, bei Erreichung eines bestimmten Rangs, automatisch die Erhebung in den Adelsstand winkte.
Das Ancien Régime Von Henri IV bis Louvois Das Regiment als militärische Einheit geht auf Charles IX zurück. Henri IV, dann Richelieu verbesserten Struktur und Disziplin in diesen Einheiten. Die Art der Rekrutierung wurde zurückhaltender, und die Aufstiegsmöglichkeiten wurden verbessert. Es war Nichtadeligen nunmehr möglich, auf Grund von Verdiensten in Ränge aufzusteigen, die bis dahin allein dem Adel vorbehalten waren.
Ein wichtiger Grund für die Schwäche der Armee zu Beginn des 17. Jahrhunderts lag darin, dass man die Aufstellung der Einheiten mit zu großer Hast durchführte und dabei wenig Wert auf die Qualität der angeworbenen Soldaten legte. Auch waren die Regimenter nach dem Ende von Konflikten aus Kostengründen zu schnell wieder entlassen worden, was bei den häufigen Kriegen der damaligen Zeit zu erneuten Anwerbungen mit den bekannten Resultaten führte. Weiterhin war die Unregelmäßigkeit der Soldzahlungen eine gravierende Schwäche in der königlichen Militärverwaltung, was der allgemeinen Disziplin sehr abträglich war.
Die königliche Armee stellte sich in zwei Körpern dar: einerseits der Elitetruppe aus den stehenden Regimentern, den Ordonnanzkompanien und der königlichen Garde, andererseits der Masse der schnell ausgehobenen Einheiten, schlecht bezahlt (viele Regimentsinhaber zweigten gerne einen Teil der Gelder, die sie von der Militärverwaltung zur Unterhaltung ihrer Regimenter erhielten, in die eigene Tasche ab), ohne Disziplin und motivationslos.
Nachdem in der Schlacht bei Fleurus die französische Infanterie irrtümlich durch die eigene Artillerie beschossen worden war, erhielt jede Fahne von Infanterie und Kavallerie danach ein doppeltes, weißes Fahnenband, das um den Fuß der metallenen Fahnenspitze geschlungen wurde.
Kavallerie Die Reiterei der Linie bestand zu Beginn des stehenden Heeres aus der Kavallerie (cavalerie) und den Dragonern (dragons). Letztere waren zwar von der Bestimmung her nur berittene Infanterie, wurden in Frankreich jedoch zur leichten Kavallerie gerechnet. Erste Einheiten von Husaren erschienen im Dreißigjährigen Krieg, jedoch wurde erst nach 1692 auf Befehl des Königs ein erstes reguläres Regiment als „Hussards royale“ aufgestellt. Ab 1779 erfolgte die Aufstellung von sechs Regimentern Jäger zu Pferde (Chasseurs à cheval), und zwischen 1779 und 1788 existierten sechs Regimenter Chevau-légers. Sie wurden in die Jäger zu Pferde eingegliedert. Dazu kamen kleinere Einheiten der königlichen Garde wie die Mousquetaires de la garde, die Grenadiers à cheval, die Maréchaussée und die Gendarmerie de France.
Bei Beginn der Revolution bestanden in der Linie 24 Regimenter Kavallerie, 17 Regimenter Dragoner, 12 Regimenter Jäger zu Pferde und sechs Regimenter Husaren.
Da es oftmals Infanterie- und Kavallerieregimenter mit dem gleichen Namen gab, wurde bei der Kavallerie hinter dem Regimentsnamen der Zusatz „cavalerie“ bzw. „dragons“ angefügt (Régiment Colonel-Général cavalerie).
Reorganisation durch Kriegsminister François Michel Le Tellier de Louvois Unter der Regentschaft von König Ludwig XIV. war es François Michel Le Tellier de Louvois, der die Reorganisation der Armee fortsetzte, die sein Vater Michel Le Tellier de Louvois begonnen hatte. Letzterer konnte für sich das Verdienst beanspruchen, die erste Armee geschmiedet zu haben, die diesen Namen verdiente, etwas, was Frankreich nie vorher besessen hatte. Die Zahl und Qualität der Offiziere, die erlassenen Vorschriften und die Professionalität der Soldaten machten sie zu etwas, was als erste wirkliche militärische königliche Kraft in Frankreich betrachtet werden kann.
Mit einem ersten Gesetz richtete François Michel Le Tellier de Louvois bei der königlichen Garde eine Militärschule zur Ausbildung der künftigen Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere ein. Er erließ eine bindende Verordnung über die Uniformierung, Ausrüstung und Bewaffnung.
Die Offiziere blieben zwar Besitzer ihrer Kompanien, wurden aber verpflichtet, Tagebücher über die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung strenger Disziplin und Nachweise über die regelmäßige und korrekte Auszahlung des Soldes zu führen.
Er initiierte auch ein System des Vorrückens in der Schlachtordnung per vorgegebener Regulierung eine Verordnung über die Verleihungskriterien des Ordre royal et militaire de Saint-Louis das Hôtel des Invalides den Bau von Kasernen, um die bisherige Praxis, die Soldaten weit verstreut in Bürgerhäusern unterzubringen, zu beenden
Es blieb jedoch weiterhin die Käuflichkeit der Offiziers- und Regimentsinhaberstellen, die unter Regie des Königs standen. Die Armee von Louis XIV erreichte eine Stärke von mindestens 200.000 Mann unter Waffen (manche Quellen sprechen sogar von bis zu 300.000 Mann), was für Europa eine bis dahin unbekannte Zahl gewesen war. Unerwünschte Nebenwirkungen waren nicht zu vermeiden, das fehlerhafte Rekrutierungssystem führte zu einem gewissen Prozentsatz an unbrauchbaren Offizieren und Mannschaften in den Reihen der Armee.
Auch wenn die Regimenter nur mit Namen bezeichnet wurden, gab es eine numerische Rangliste, in der jedem Regiment eine Nummer zugewiesen war. Diese Nummer sagte viel über das Ansehen der Einheit aus. (Eine niedrige Nummer war sehr begehrt und wurde heiß umkämpft.)
Die Regimenter mit dem Namenszusatz „Royal“ hatten den König als Regimentsinhaber, das Régiment de la Reine und das Régiment du Dauphin gehörten der Königin bzw. dem Thronfolger. Diese Regimenter wurden alle von einem „Colonel-lieutenant“ bzw. einem „Mestre de camp-lieutenant“ kommandiert, ebenso die Regimenter, deren Inhaber ein Prinz von Geblüt oder sonst ein höherer Adeliger war, der kein Interesse hatte, mit seinem Regiment in den Krieg zu ziehen und dabei möglicherweise umzukommen.
Die „sechs großen Alten“ (Les Six Grands Vieux) waren die angesehensten Infanterieregimenter: Régiment de Picardie Régiment de Navarre Régiment de Champagne Régiment des Gardes françaises Régiment de Normandie Régiment de La Marine
Ihnen folgten die „fünf kleinen Alten“ (Petits Vieux) Régiment de Bourbonnais Régiment de Béarn Régiment d’Auvergne Régiment de Flandre Régiment de Guyenne
Dienstgrade Im Deutschen Reich war die militärische Hierarchie bis zum Generalissimus klar geregelt. In Frankreich gab es Dienstgrade praktisch nur bis zum Maréchal de camp, was in etwa einem General entsprach. Die großen Heerführer beanspruchten keine Ränge – es genügte, wenn der Stab wusste, wer man war. Lieutenant-général, Colonel général und Maréchal de France waren keine Ränge, sondern lediglich Dienststellungen, deren primäre Bedeutung in den damit verbundenen hohen finanziellen Einnahmen bestand.
Auch unterschieden sich (und tun es noch heute) die Rangbezeichnungen erheblich von denen vieler anderer Armeen. Ein Major z. B. war kein Rang, sondern eine Dienststellung – so wurde der Offizier genannt, der für die allgemeine Organisation innerhalb des Regiments verantwortlich war –, Brigadier war ein Unteroffiziersdienstgrad, Brigadier des armées du roi dagegen war ein hoher Offiziersrang.