mini|Burg Breuberg im Sommer 2006, Ansicht von Südosten Die Burg Breuberg (regional auch Breuburg) steht auf dem Burgberg der Stadt Breuberg im hessischen Odenwaldkreis. Sie gehört wegen ihres guten Erhaltungszustands zu den eindrucksvollsten Burganlagen in Südhessen bzw. im Odenwald.Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Ein Führer zu Geschichte und Architektur. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, S. 180;Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000, S. 546;Anja Dötsch, Christian Ottersbach: Burg Breuberg im Odenwald: vom stauferzeitlichen Adelssitz zur Residenzburg und Festung. Schnell und Steiner, Regensburg 2008, S. 53. Prägend für die Geschichte der ursprünglich stauferzeitlichen Burggründung war nach dem Aussterben der Herren von Breuberg der geteilte Besitz verschiedener, teilweise konfessionell unterschiedlicher Adelsgeschlechter. Die Burg bildete den Mittelpunkt der Herrschaft Breuberg und wurde zeitweise als Residenz genutzt. Große Teile der Substanz dieser Epoche sind erhalten, von denen besonders die Bauten der Gotik und Renaissance von Bedeutung sind. Regional bekannt ist die Burg als Jugendherberge sowie Sitz und Museum des Breuberg-Bundes, der die geschichtliche Erforschung des Odenwaldes fördert.

Geographische Lage mini|Blick vom Kaiserturm im Bergsträßer Odenwald zur Burg Breuberg im Nordosten Burg Breuberg steht als Höhenburg im hessischen und somit nördlichen Teil des Odenwalds auf dem 306 m hohen Breuberg, unmittelbar nördlich bzw. oberhalb von Neustadt, einem Stadtteil von Breuberg. Sie erhebt sich oberhalb der Mümling, die den steil abfallenden Bergkegel in einem weiten Linksbogen zunächst in östlicher, dann nördlicher Richtung umfließt und nach etwa neun Kilometern in den Main mündet. Die Burg liegt im Sandstein-Odenwald, die meisten Steingebäude wurden entsprechend aus dem lokalen Sandstein erbaut.

Mit dem nördlich gelegenen Höhenzug ist die Burg über einen schmalen Sattel verbunden. Dort verlief auf der Höhe die Alte Frankfurter Straße, ein mittelalterlicher Handelsweg, der schon in der Römerzeit benutzt wurde.Egon Schallmayer: Die Römer in Rai-Breitenbach. In: Stadt Breuberg (Hrsg.): 1200 Jahre Rai-Breitenbach 798-1998. Breuberg, 1997 S. 85 f. Am südlichen Berghang sind noch Terrassen von Weinbergen erkennbar, die seit dem 19. Jahrhundert brach liegen. Sie bilden zusammen mit dem Berghang und der Höhenburg als Sachgesamtheit ein Kulturdenkmal.

Im näheren Umfeld der Burg Breuberg sind Kleinburgen in Tallage häufig, die meist niederadligen Burgmannenfamilien zugeschrieben werden. Es sind dies: Burg Dorndiel, die abgegangene Burg Waldamorbach am Geldloch, die sogenannte Bacheburg (Reste der ehemaligen Wasserburg beim Obernburger Ortsteil Neustädter Hof zwischen Mömlingen und Eisenbach, die eine längst zerstörte und abgegangene Vorgängerburg auf dem Schneirersbuckel nur ca. 100 Meter weiter südwestlich hatte), die Burg am Ölenbuckel des Obernburger Ortsteiles Eisenbach (die ebenfalls eine Vorgängerburg hatte) und das sogenannte Mühlhäuser Schlößchen.

mini|Luftbild aus nordöstlicher Richtung

Geschichte der Burg Mittelalter Ebenso wie die Veste Otzberg wurde Burg Breuberg wahrscheinlich um oder kurz nach 1200Anja Dötsch, Christian Ottersbach: Burg Breuberg im Odenwald: vom stauferzeitlichen Adelssitz zur Residenzburg und Festung. Schnell und Steiner, Regensburg 2008, S. 8;Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, S. 181;Alexander Antonow: Burgen im Main-Viereck. Breuberg, Freudenberg, Miltenberg, Prozelten, Rothenfels, Wertheim, Wildenberg. Antonow, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-924086-30-3, S. 30, vermutet allerdings einen hölzernen Vorgängerbau um die Mitte des 12. Jh.;nach Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000, S. 547 bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts. von der Reichsabtei Fulda unter Abt Markward I. gegründet, um fuldische Besitztümer im Odenwald wie das Kloster Höchst zu sichern.Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, S. 181;Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000, S. 547. Die Vogtei befand sich im Besitz der örtlich begüterten Edelherren von Lützelbach, die sich daraufhin Herren von Breuberg (auch Reiz von Breuberg) nannten. Ihre Stammburg wurde bisher in der Nähe der Lützelbacher Kirche vermutet. 2001 zeigte der Fund eines starken Fundaments beim Ausheben von Leitungsgräben, dass diese Vermutung wahrscheinlich richtig ist (Burg Lützelbach).Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Verlag Ellen Schmid, Brensbach 1998, ISBN 3-931529-02-9, S. 44;Holger Göldner: Stammburg der Breuberger entdeckt? In: hessenARCHÄOLOGIE 2001, S. 139. 1115 wurde erstmals urkundlich Ludwig von Luetzelbach erwähnt, Neues allgemeines Deutsches Adels - Lexicon im Vereine mit mehreren Historikern herausgegeben von Prof. Dr. Ernst Heinrich Kpeschke. Dritter Band, Seite 321. Leipzig, Verlag von Friedrich Voigt. 1861.Valentin Ferdinand Gudenus: Codex Diplomaticvs: Exhibens Anecdota Ab Anno DCCCLXXXI, Ad MCCC. Mogvntiaca, Ivs Germanicvm, Et S.R.I. Historiam Illvstrantia. Göttingen 1743, S. 293 f. Nr. 106. später 1160 noch Wiknand von LuetzelbachM. Stimmlng, Mainzer Urk.- Buch I 1932 Nr. 586 und 6(5) sowie Conradus Reiz de Lucelenbach im Jahre 1222 Konrad II., der mutmaßliche Sohn des Erbauers, als Konrad Reizo von Bruberc.

Sicher in die früheste Bauphase der Burg zu datieren sind nur der Bergfried und das spätromanische Portal der Kernburg. Wohngebäude aus dieser Zeit haben sich nicht erhalten, wenngleich in den Gebäuden der Kernburg einzelne Mauern früherer Gebäude verbaut sein könnten.Anja Dötsch, Christian Ottersbach: Burg Breuberg im Odenwald: vom stauferzeitlichen Adelssitz zur Residenzburg und Festung. Schnell und Steiner, Regensburg 2008, S. 8

Bereits 1323 starb das Geschlecht der Breuberger mit Eberhard III. von Breuberg im Mannesstamm aus. Der Besitz fiel zur Hälfte an Konrad von Trimberg, je ein Viertel an die Grafen von Wertheim und die Herren von Weinsberg. Die Zersplitterung des Besitzes wird an den komplizierten Besitzverhältnissen der folgenden Zeit deutlich: 1336 gehörte die Burg zu drei Vierteln zu Wertheim, Trimberg und die Herren von Eppstein hielten je ein Achtel. 1337 wurde ein Teilungsvertrag geschlossen, in dem festgehalten wurde, welcher Partei welche Bauteile der Burg gehörten und wer sie instand halten musste. Wesentliche Teile wie der Brunnen wurden gemeinschaftlich unterhalten.Anja Dötsch, Christian Ottersbach: Burg Breuberg im Odenwald: vom stauferzeitlichen Adelssitz zur Residenzburg und Festung. Schnell und Steiner, Regensburg 2008, S. 11

Der Burg kam von Wertheimer Seite eine wichtige Rolle in der Territorialpolitik zu, weshalb die Grafen bemüht waren, sie nach und nach vollständig zu erwerben. Doch erst 1497 unter Graf Michael II. gelang dies mit dem Kauf des letzten Anteils. Etwas mehr als 50 Jahre, zwischen 1497 und 1556, besaßen die Grafen von Wertheim die Burg vollständig. Viele Baumaßnahmen fallen in diese Zeit, insbesondere die Anpassung der Befestigung an die Feuerwaffen mit dem Bau der Geschütztürme und der Kanonenplattform (Schütt).Anja Dötsch, Christian Ottersbach: Burg Breuberg im Odenwald: vom stauferzeitlichen Adelssitz zur Residenzburg und Festung. Schnell und Steiner, Regensburg 2008, S. 15–18. In der Burg wurden neue Gebäude errichtet, so das Wertheimer Zeughaus (1528) und Teile des Torbaus. Breuberg wurde damit zu einer kleinen Wertheimer Residenz, aber auch zu einer Festung gegen die Ambitionen größerer Landesherren wie die Landgrafen von Hessen, die Mainzer Erzbischöfe oder die Kurpfalz.Anja Dötsch, Christian Ottersbach: Burg Breuberg im Odenwald: vom stauferzeitlichen Adelssitz zur Residenzburg und Festung. Schnell und Steiner, Regensburg 2008, S. 15. Bereits 1378 war unterhalb der Burg die Stadt Neustadt als Burgsiedlung gegründet worden.

Neuzeit Nach dem Aussterben der Grafen von Wertheim 1556 wurde die Burg erneut geteilt. Sie befand sich nun je zur Hälfte im Besitz der Grafen von Erbach (seit 1747 der Linie Erbach-Schönberg) und der Grafen zu Stolberg-Königstein. Mit Beginn des 17. Jahrhunderts fiel der stolberg-königsteinische Anteil an der Burg an die Grafen von Löwenstein-Wertheim (später Löwenstein-Wertheim-Rosenberg).

mini|Das hoche haus Breuberg. Merian-Stich aus der Topographia Franconiae 1648 Im Dreißigjährigen Krieg wechselte Burg Breuberg mehrmals den Besitzer. Ausgangspunkt war, dass die Festung je zur Hälfte Landesherren mit unterschiedlicher Konfession gehörte. Mit dem Vorstoß Gustav Adolfs nach Franken übernahmen die protestantischen Grafen von Erbach die Burg komplett. Die Schweden setzten Graf Gottfried von Erbach als Kommandanten ein, welcher der Gegenpartei derart schadete, dass die Grafschaft Erbach später eine hohe Entschädigung zu zahlen hatte. Er starb aber bereits 1635 und wurde in der Burgkapelle bestattet, wo sein Sarkophag im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Im Zuge des Vorrückens der Kaiserlichen nach der Schlacht bei Nördlingen wechselte der Besitz wieder zu den Löwensteinern mit Graf Ferdinand Carl von Löwenstein als Befehlshaber. Die Schweden versuchten 1637 erfolglos unter Jakob von Ramsay, Gouverneur der Festung Hanau, die Burg zu belagern. An das Ereignis erinnert noch die Schwedenschanze nördlich des Wolferhofs.Hans H. Weber: Der Breuberg und seine Besitzer vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In: Burg Breuberg im Odenwald. Geschichte und Landschaft. Neustadt 1979, S. 72. 1639 wurde der erbachische Rat Hinterhöfer von einem löwensteinischen Söldner erschossen, als er vor dem Tor auf Einlass wartete. 1644 konnten die Grafen von Erbach den Breuberg in einem Überraschungsangriff zurückerobern und hielten ihn bis zum Westfälischen Frieden besetzt.Anja Dötsch, Christian Ottersbach: Burg Breuberg im Odenwald: vom stauferzeitlichen Adelssitz zur Residenzburg und Festung. Schnell und Steiner, Regensburg 2008, S. 22 f.

In den größeren kriegerischen Konflikten der Neuzeit wie dem Pfälzischen und dem Österreichischen Erbfolgekrieg war die Festung noch durch Truppen gesichert. Als Herrschaftssitz verlor die Burg aber rasch an Bedeutung. Es blieb die Nutzung als Verwaltungs- und Amtssitz, der erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Neustadt verlegt wurde. Zuvor diente die Burg kurzzeitig ab der napoleonischen Zeit und der Zugehörigkeit zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt in der Zeit von 1810 bis etwa 1850 als Sitz des Landratsbezirks Breuberg, dem Vorgänger des Kreises Neustadt. Danach war Ende des 19. Jahrhunderts in der Burg eine Spielzeugfabrik untergebracht. Ein Fabrikant aus Mainz ließ dort afrikanische Tiere aus Holz fertigen. Da er einen Bruder in den USA hatte, wurden diese verschifft und in den Vereinigten Staaten (z. B. auch in New York) verkauft. Dies endete mit dem Ersten Weltkrieg. Die Burg stand kurze Zeit leer, verblieb aber im Besitz der Häuser Erbach (später Erbach-Schönberg, protestantisch) und Löwenstein-Wertheim (später die Linie Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, katholisch).