mini|Ziegelstempel der Cohors III Bracaraugustanorum equitata aus dem Kastellareal von Theilenhofen, Archäologisches Museum Gunzenhausen mini|Den Helm vom Typ Guisborough-Theilenhofen trug ein berittener Angehöriger der Cohors III Bracaraugustanorum mini|Dieser Helm gehörte einem Infanteristen der Kohorte mini|Ehreninschrift des […] Cominius Laelius Bonus Agricola Aper aus Arles Die Cohors III Bracaraugustanorum equitata [sagittaria] („3. teilberittene Kohorte aus Bracara Augusta“) war eine römische Hilfstruppe, die vom 1. Jahrhundert n. Chr. bis über die Zeit des Limesfalls um 259/260 n. Chr. hinaus in Raetien Dienst tat. Nach Untersuchungen in ihrem Stammkastell Theilenhofen wird davon ausgegangen, dass diese Einheit aus zehn Zügen bestand, davon sechs Hundertschaften (Centuriae) sowie einem Kavallerieregiment aus vier Eskadronen (Turmae).Jörg Faßbinder: Neue Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion am Obergermanisch-Raetischen Limes. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Neue Forschungen am Limes. Band 3. Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2251-7, S. 161. Der Beweis für eine Cohors equitata konnte archäologisch erbracht werden. Auf dem in Theilenhofen geborgenen Helm vom Typ Guisborough-Theilenhofen befanden sich Inschriften zu drei Eskadronen. Eine lautet aliqandi Cohor(tis) III Bracarav(gustanorum Turma) Noni: „(Im Besitz) des Aliquandus aus der Eskadron des (Decurios) Nonius aus der Cohors III Bracaraugustanorum.“Martin Kemkes, Jörg Scheuerbrandt: Zwischen Patrouille und Parade. Die römische Reiterei am Limes. Theiss, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1440-9, S. 52.
Truppengeschichte Die ursprünglich in Bracara Augusta (Braga) in Nordportugal ausgehobene Cohors III Bracaraugustanorum ist bereits für den 13. Mai 86 n. Chr. als Besatzung für Raetien bekannt.Peter Weiß: Weitere Militärdiplome für Soldaten in Mauretania Tingitana aus dem Balkanraum. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Band 162, 2007, S. 250.Werner Eck, Andreas Pangerl: Titus Flavius Norbanus, praefectus praetorio Domitians, als Statthalter Rätiens in einem neuen Militärdiplom. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Band 163, 2007, S. 239–251.Imp(erator) Caesar divi Vespasiani f(ilius) Domitianus Au- gustus Germanicus pontifex maximus tribunic(ia) potestat(e) V imp(erator) XII censor perpetuus co(n)s(ul) XII p(ater) p(atriae) equitibus et peditibus qui militaverunt in alis quattuor quae appellantur I Hispa- norum Auriana et I Augusta Thracum et Thracum veterana et II Flavia pia fide- lis mil{l}iaria et cohortibus octo I Breuco- rum et II Gallorum et III Bracaraugusta- norum et III Thracum et III Britannorum et IIII Gallorum et V Bracaraugustano- rum et VI Lusitanorum et sunt in Rae- tia sub T(ito) Flavio Norbano quinis et vice- nis pluribusve stipendiis emeritis di- missis honesta missione quorum no- mina subscripta sunt ipsis liberis poste- risque eorum civitatem dedit et conubi- um cum uxoribus quas tunc habuissent cum est civitas iis data aut si qui caelibes essent cum iis quas postea duxissent dumtaxat singuli singulas. A(nte) d(iem) III Idus Maias Sex(to) Octavio Frontone, Ti(berio) Iulio Candido Mario Celso co(n)s(ulibus). Alae Thracum veteranae cui prae(e)st Ti(berius) Claudius Agricola ex gregale Dituseni Salae f(ilio) Thrac(i). Descriptum et recognitum ex tabu- la aenea quae fixa est Romae in Capito- lio in tribunali Iovis Parati parte pos- teriore.
M(arci) Valeri Macri s(es)q(uiplicarii), G(ai) Iuli Laeti s(es)q(uiplicarii), G(ai) Corneli Latronis s(es)q(uiplicarii), M(arci) Iuli Labeonis s(es)q(uiplicarii), Q(uinti) Fabi Casperiani s(es)q(uiplicarii), T(iti) Pinni Ampliati s(es)q(uiplicarii), M(arci) Pompei Flavi s(es)q(uiplicarii).
Die Übersetzung folgt der des Epigraphikers Werner Eck: „Imperator Caesar, Sohn des vergöttlichten Vespasianus, Domitianus Augustus Germanicus, oberster Priester, Inhaber der tribunizischen Amtsgewalt zum fünften Mal, zwölf Mal als Sieger akklamiert, Zensor auf Lebenszeit, Konsul zum zwölften Mal, Vater des Vaterlandes er hat den Reitern und Soldaten zu Fuß, die in vier Reitergeschwadern dienten: in der Ala I Hispanorum Auriana und in der Ala I Augusta Thracum und in der Ala Thracum veterana und in der Ala II Flavia, die tausend Mann umfasst und die ehrenden Titel verantwortungsvoll und treu erhalten hat, und in acht Kohorten: in der Cohors I Breucorum und in der Cohors II Gallorum und in der Cohors III Bracaraugustanorum und in der Cohors III Thracum und in der Cohors III Britannorum und in der Cohors IIII Gallorum und in der Cohors V Bracaraugustanorum und in der Cohors VI Lusitanorum, die in Raetien unter dem Kommando des Titus Flavius Norbanus stehen, nachdem sie je 25 oder mehr Jahre gedient und ehrenvoll entlassen worden sind, deren Namen unten angeführt sind, ihnen, ihren Kindern und deren Nachkommen das Bürgerrecht gegeben und das Recht auf eine rechtmäßige Ehe mit den Frauen, welche sie zu dem Zeitpunkt hatten, als ihnen das Bürgerrecht verliehen wurde, oder, falls sie ohne Frau wären, mit denen, die sie später heiraten würden, natürlich jeweils nur einer mit je einer. Am 13. Mai unter den Konsuln Sextus Octavius Fronto und Tiberius Iulius Candidus Marius Celsus (86 n. Chr.). Aus der ala Thracum veterana, die von Tiberius Claudius Agricola kommandiert wird, für den ehemaligen Reiter Ditusenes, den Sohn des Sala, einen Thraker. Abgeschrieben und auf Richtigkeit überprüft nach dem Text auf einer Bronzetafel, die in Rom auf dem Kapitol am Tribunal des Iupiter Paratus auf der Rückseite angebracht ist.
Siegel der sesquiplicarii (Soldaten mit eineinhalbfachem Sold) Marcus Valerius Macer, Gaius Iulius Laetus, Gaius Cornelius Latro, Marcus Iulius Labeo, Quintus Fabius Casperianus, Titus Pinnius Ampliatus, Marcus Pompeius Flavus.“
Quelle: Werner Eck: Bürokratie und Politik in der römischen Kaiserzeit. Administrative Routine und politische Reflexe in Bürgerrechtskonstitutionen der römischen Kaiser. Springer, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-18741-9, S. 83–84.
Es ist unwahrscheinlich, dass die Kohorte mit der Cohors III Callaecorum Bracaraugustanorum zu identifizieren ist, die im Jahre 90 n. Chr. unter den Einheiten in Iudaea genannt wird. und dort auch später noch als separate Einheit erscheint. An welchem raetischen Standort die Cohors III Bracaraugustanorum im 1. Jahrhundert n. Chr. in Garnison lag, ist bisher unbekannt geblieben. Möglicherweise könnte sie die Besatzung des Kastells Gomadingen gebildet haben. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Truppe zu dieser Zeit im Kastell Munningen stationiert war. Diese Vermutung äußerte bereits der österreichische Althistoriker Ernst Stein (1891–1945).Ernst Stein: Die kaiserlichen Beamten und Truppenkörper im römischen Deutschland unter dem Prinzipat (= Beiträge zur Verwaltungs- und Heeresgeschichte von Gallien und Germanien. Band 1), Seidel & Sohn, Wien 1932, S. 171–172. Nach einer möglichen Zwischenstation in PannoniaSo John Walker: Castleshaw: The Archaeology of a Roman Fortlet. Greater Manchester Archaeological Unit, 1989, ISBN 0-946126-08-9, S. 78. erscheint eine Cohors III Bracaraugustanorum dann im Jahr 103 n. Chr. in Britannia.. Bei Castleshaw fanden sich Ziegelstempel der Cohors III Bracaraugustanorum. Das dortige Kastell Castleshaw wurde um 79 n. Chr. errichtet und bereits in den 90er Jahren wieder aufgegeben. Anschließend wurde der Garnisonsort mit einem neu errichteten Kleinkastell um 105 n. Chr. reaktiviert, doch bereits in den 120er Jahren erneut verlassen. Die Einheit soll außerdem auch in Manchester und auf anderen Militärplätzen stationiert gewesen sein. Ob es sich bei der in Britannien zu dieser Zeit genannten Kohorte um die zuvor in Raetien stationierte Einheit handelt, ist fraglich. Zumindest für einen späteren Zeitpunkt lässt sich anhand von Überschneidungen bei den Militärdiplomen aus Britannien und Raetien nachweisen, dass eine zweite Cohors III Bracaraugustanorum auf der britischen Insel angenommen werden muss.
Das in Weißenburg gefundene Militärdiplom vom 30. Juni 107 zeigt, dass die Kohorte zu diesem Zeitpunkt in Raetien lag, wo sie auch in den folgenden Jahrzehnten immer wieder erwähnt wird (116 n. Chr.) und (16. August 116 n. Chr.), und (unter Hadrian). und zur Stammtruppe des Kastells Theilenhofen wurde. Die in den Militärdiplomen des Jahres 116 n. Chr. erscheinende Bezeichnung sagittaria (Bogenschützen) trägt sie zuvor noch nicht. Die Einheit hat daher zumindest zeitweilig wenigstens einige Kontingente an Bogenschützen besessen. Einige Jahre nach dem Herrschaftsantritt des Kaisers Hadrian (117–138) war die Kohorte vielleicht zum zweiten Mal in Britannien stationiert und lag dort spätestens zwischen 122 und maximal 127 n. Chr. (als Cohors III Bracarorum, 122 n. Chr.), (124 n. Chr.), (127 n. Chr.; aus demselben Jahr auch ein neu veröffentlichtes Militärdiplom: Werner Eck, Andreas Pangerl: Neue Diplome für die Hilfstruppen von Britannia. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Band 162, 2007, S. 225). Anschließend wird sie für den Bau des Steinkastells und des Militärbads von Theilenhofen gemutmaßt. Im Jahr 2002 wurde von Franz Herzig eine dendrochronologische Datierung des teilweise in Holz ausgebauten ersten Militärbads vorgenommen. Die untersuchte Probe konnte in das Jahr 126 n. Chr. datiert werden.C. Sebastian Sommer: Trajan, Hadrian, Antoninus Pius, Marc Aurel …? – Zur Datierung der Anlagen des Raetischen Limes. In: Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege. Band 56, 2015, S. 321–327, hier: S. 142. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass der Bau des ersten Theilenhofener Militärbads in diesem oder dem folgenden Jahr geschah und auch das Steinkastell in dieser Zeit entstand.Bernd Steidl: … civitatem dedit et conubium … Acht neue Militärdiplomfragmente aus Raetien. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. Band 79, 2014, S. 61–86, hier: S. 71. Eine nicht genauer datierbare Entlassungsurkunde mit dem Namen der Cohors III Bracaraugustanorum datiert von 128 bis 133 ebenfalls in Raetien..