Die Imperial der Modelljahre 1957 bis 1963 waren Oberklasseautomobile, die der US-amerikanische Chrysler-Konzern unter dem Markennamen Imperial anbot. Die Fahrzeuge, die in drei Baureihen verfügbar waren, erhielten in jedem Produktionsjahr eine in Details neu gestaltete Karosserie. Ungeachtet dessen werden die Autos der Jahre 1957 bis 1963 in der Automobilliteratur überwiegend einer gemeinsamen Modellfamilie zugerechnet, weil die Technik unter dem Blech weitestgehend unverändert blieb.N.N.: The Imperial Family. Motor Life, Heft November 1959.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. New York (Beekman House) 1984. ISBN 0-517-42462-2, S. 387.Andere Autoren fassen die von 1961 bis 1963 entstandenen Modelle als eine eigenständige Familie auf; Grund dafür ist, dass diese Fahrzeuge eine vergleichbare Frontgestaltung haben. Vgl. Monte McElroy: The 1961–1963 Imperial Models. WPC News, Mai 1982, S. 6. Insbesondere die 1961er Imperials fielen durch außergewöhnlich hohe Heckflossen auf, die im Kontrast zu Elementen des Retrodesign standen. Die Imperials konkurrierten auf dem heimischen Markt mit den Modellen von Cadillac und Lincoln, erreichten aber deren Verkaufszahlen nicht.
Hintergrund mini|Imperials Markenzeichen: „kaiserlicher“ Adler Zu Beginn der 1950er-Jahre war der Chrysler-Konzern viergleisig aufgestellt. Im gehobenen Marktsegment trat der Konzern mit der Marke Chrysler an, darunter waren die Marken Dodge, DeSoto und Plymouth positioniert. Anders als General Motors und Ford hatte Chrysler zu dieser Zeit noch keine eigenständige Marke in der Oberklasse. Dieses Segment wurde stattdessen mit hochwertig ausgestatteten Varianten der Chrysler-Modelle bedient, die teurer als die Modelle Chrysler Windsor, Saratoga und New Yorker waren und unter der seit 1926 verwendeten Bezeichnung Chrysler Imperial verkauft wurden. Die Zugehörigkeit dieser Modelle zur Marke Chrysler, die auch zu den Massenherstellern gehörte, wirkte sich nach Ansicht des Managements verkaufshindernd aus, weil dem Namen Chrysler weniger Strahlkraft beigemessen wurde als etwa Cadillac oder Lincoln.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. New York (Beekman House) 1984. ISBN 0-517-42462-2, S. 387. Deshalb machte Chrysler ab 1955 Imperial zu einer eigenständigen fünften Marke im Konzern.John Katz: 1955 Imperial. Special Interest Vehicles Nr. 129 (Mai/Juni 1992), S. 52.Time Magazine vom 15. November 1954, S. 100. Anders als Cadillac und Lincoln distanzierte sich Imperial technisch und stilistisch anfänglich nicht von den Fahrzeugen der anderen Konzernmarken. Die Ähnlichkeiten waren beabsichtigt. Chrysler erhoffte sich dadurch eine verkaufsfördernde Ausstrahlung auf die preiswerteren Großserienmodelle der anderen Konzernmarken.N.N.: Imperial LeBaron. Chryslers Largest has a Stylish New Look. Car Life vom Juli 2964. Allerdings wurde sie in der Presse kritisiert: Die große Ähnlichkeit zu den Chrysler-Modellen verhindere, dass die Marke Imperial eine eigenständige Persönlichkeit entwickeln konnten.N.N.: Luxury Automobiles on Trial. Vergleichstest Imperial Crown, Cadillac Series 60 Fleetwood und Lincoln Premiere des Modelljahrs 1959, Motor Trend, Heft September 1958.
In den ersten beiden Modelljahren verkaufte Imperial zusammen 21.716 Limousinen und Coupés. Zum Modelljahr 1957 wurde die zweite Generation vorgestellt, die bis 1963 im Programm blieb.
Modellpalette Während die Imperial der Jahre 1955 bis 1956 Einheitsmodelle gewesen waren, stellte Imperial zum Modelljahr 1957 im Bereich der Serienfahrzeuge eine dreiteilig gegliederte Modellpalette auf, die bis 1963 beibehalten wurde: Die preiswerteste Modellreihe hieß Imperial Custom. Die internen Modellbezeichnungen kennzeichneten diese Reihe mit dem Zusatz „L“ für „Low“ (z. B. LY1-L). Die mittlere Modellreihe übernahm die Bezeichnung Imperial Crown, die bislang für die verlängerten Repräsentationslimousinen genutzt worden war. Die Werkscodes hatten hier den Zusatz „M“ für „Medium“ (z. B. LY1-M). Die hochwertigste Modellreihe schließlich hieß Imperial LeBaron (Zusatzcode „H“ für „High“). Sie war nur als viertürige Limousine erhältlich. Die Modellbezeichnung erinnerte an das US-amerikanische Karosseriebauunternehmen LeBaron, das vor dem Zweiten Weltkrieg einige Jahre lang hochwertige, individuelle Aufbauten für Oberklassefahrzeuge hergestellt hatte und später vom Chrysler-Konzern übernommen werden war. Hinzu kam die verlängerte Repräsentationslimousine Crown Imperial, die teilweise in Handarbeit und nur in sehr geringen Stückzahlen gefertigt wurde. Alle Imperial-Modelle waren technisch und stilistisch identisch; sie unterschieden sich lediglich durch spezielle Dekorelemente und den Umfang der Serienausstattung voneinander.
Modellbeschreibung Chassis und Fahrwerk Die Imperial-Modelle hatten einen „gewöhnlichen“Monte McElroy: The 1961–1963 Imperial Models, Teil 1: WPC News, Mai 1982, S. 9. Kastenrahmen, der im Fall des Cabriolets durch X-förmige Verstrebungen verstärkt war. Den gleichen Rahmen hatte auch der New Yorker, das teuerste Modell der Marke Chrysler. Allerdings war der Radstand der Imperials mit 3.276 mm länger als der der übrigen Chrysler-Modelle. Die Radaufhängung entsprach ebenfalls den großen Chrysler-Modellen. Sie bestand aus Doppelquerlenkern mit Drehstabfedern vorn und einer Starrachse an halbelliptischen Blattfedern hinten. Eine Luftfederung, die sowohl Cadillac als auch Lincoln für einige Modelle gegen Aufpreis anboten, gab es bei Imperial zunächst nicht; sie erschien erst als Option zum Modelljahr 1959 und wurde lediglich an den Hinterrädern eingesetzt. Der Aufpreis für die Luftfederung betrug 156 US-$.Jim Whipple: Imperial Consumer Analysis 1959, Car Life, Heft Mai 1959. Die Karosserie war mit dem Chassis verschraubt.
Imperial behielt die Chassiskonstruktion bis 1963 unverändert bei, obwohl alle anderen Marken des Chrysler-Konzerns bereits 1960 auf selbsttragende Karosserien umgestellt hatten.
Alle Imperial-Modelle dieser Generation waren serienmäßig mit vier Scheibenbremsen ausgestattet.
Motorisierung und Getriebe mini|Chryslers Achtzylinder-Hemi-Motor (1957) Als Antrieb verwendete Imperial den jeweils größten Achtzylindermotor des Chrysler-Konzerns.
In den ersten beiden Modelljahren war es eine weiterentwickelte Version des 1952 vorgestellten Firepower-Motors, dessen Hubraum auf 6.423 cm³ (392 Kubikzoll) vergrößert worden war. Er hatte halbkugelförmige (hemisphärische) Brennräume; daraus erklärt sich die alternative Bezeichnung „Hemi“. Seine Leistung betrug 325 Netto-PS (SAE). Im Modelljahr 1959 ersetzte Imperial den Hemi-Motor durch einen neu konstruierten, 6.767 cm³ (413 Kubikzoll) großen Achtzylindermotor, dessen Brennräume keilförmig gestaltet waren. Er wurde auch als Wedge Head bezeichnet.Monte McElroy: The 1961–1963 Imperial Models, Teil 1: WPC News, Mai 1982, S. 3 ff, S. 8. Er war etwa 45 kg leichter als der Firepower-Achtzylinder. Seine Leistung betrug anfangs 350 und später – ab 1962 – 340 Netto-PS (SAE). Abgesehen davon ließ sich der Wedge Head auch kostengünstiger herstellen als der Hemi.
Die Kraft übertrug jeweils ein automatisches Dreiganggetriebe vom Typ TorqueFlite, das über Drucktasten vom Armaturenbrett aus gesteuert wurde. Zum Modelljahr 1962 erschien eine neu konstruierte Variante der TorqueFlite-Automatik, die schmaler und knapp 30 kg (60 lbs) leichter war als ihr Vorgänger. Ungeachtet dessen verkraftete sie zehn Prozent mehr Drehmoment als die bisherige Konstruktion. Die Getriebeübersetzungen blieben unverändert.
Karosserie Design: Vom Forward Look zum Retrolook Stilistisch setzte Virgil Exner in der zweiten Imperial-Generation wie in allen anderen 1957 vorgestellten Chrysler-Modellen seinen Forward Look um, ein zunächst sehr klares Designkonzept mit glatten Flächen. In den ersten Jahren gehörten hierzu hohe Heckflossen, die bereits in der Mitte der hinteren Türen in einem kontinuierlichen Schwung anzusteigen begannen. Diese Form der Heckflossengestaltung wurde als Flightsweep bezeichnet.Monte McElroy: The 1961–1963 Imperial Models. Teil 2: WPC News, Juni 1982, S. 7. Allerdings entwickelte Exner das Designkonzept nicht konsequent weiter; vielmehr verlief die Entwicklung widersprüchlich. In den ersten Jahren ergänzte Exner vor allem auffälliges Ornat, das dem ursprünglichen Entwurf weitgehend gefehlt hatte. Bereits die Modelle des Jahrgangs 1959 galten als „überdekoriert“. Mit der Modelljahr 1961 veränderte Exner die Form des Imperial so stark, dass aus dem anfänglich innovativen Entwurf ein Design wurde, das Gestaltungselemente der Vergangenheit zitierte. Der 1961er Imperial war einer der ersten Automobile im Retrodesign. Einige Betrachter hielten das Design der 1960er-Jahre für „klassisch“,Bob Russo: Three For the Money. Vergleichstest Imperial LeBaron, Cadillac DeVille und Lincoln Continental (Modelljahr 1961), in: Motor Life, Heft Juli 1961. andere für veraltet.Monte McElroy: The 1961–1963 Imperial Models, Teil 1: WPC News, Mai 1982, S. 5.
Ungeachtet aller optischen Änderungen blieb Karosseriestruktur unterhalb der äußeren Blechteile über den gesamten Produktionszeitraum nahezu unverändert. In den ersten Jahren war sie mit den anderen Modellen der Chrysler-Marken austauschbar, auch wenn die Blechteile jeweils eigenständig waren.James Whipple: Imperial Customer Analysis (zum Modelljahr 1957). In Car Life, Heft Mai 1958. Imperial behielt die Karosseriestruktur über das Jahr 1959 hinaus bei; damit setzte sich die Marke ab 1960 von den nun eigenständig karossierten übrigen Chrysler-Modellen ab.
Karosserieversionen Anders als in der ersten Generation der Jahre 1955 und 1956 bot Imperial ab 1957 neben dem Coupé und der Limousine auch ein Cabriolet an, das in Konkurrenz zum Cadillac Eldorado positioniert war.N.N.: ’57 Imperial. In: Motor Trend, Heft Dezember 1956. Das Coupé war auf die Baureihen Custom und Crown beschränkt, das Cabriolet gab es nur in der mittleren Ausstattungsreihe. Die Limousine wurde von 1957 bis 1960 alternativ als Four Door Sedan mit drei Seitenfenstern und Mittelpfosten oder als Hardtop Sedan mit zwei Seitenfenstern ohne B-Säule angeboten; ab 1961 war nur noch die Version mit zwei Seitenfenstern lieferbar. Hinzu kam ein verlängertes Repräsentationsfahrzeug mit der Bezeichnung Crown Imperial bzw. Crown Ghia Limousine.
Southampton mini|Four Door Sedan mit vier Seitenfenstern und Mittelpfosten (1957 bis 1959) mini|Imperial Crown Southampton Sedan mit drei Seitenfenstern und ohne Mittelpfosten (1957 bis 1961) Die zweitürigen und einige viertürige Versionen des Imperial wurden seit 1956 als Southampton Coupé bzw. Southampton Sedan verkauft. Der Begriff Southampton war bei Imperial keine Bezeichnung für ein bestimmtes Modell oder eine bestimmte Ausstattungslinie. Er beschrieb vielmehr eine besondere Dach- bzw. Karosserieform und stand für einen Aufbau mit zwei Seitenfenstern, der keine B-Säule hatte. Im Falle des Coupé war diese Bauform die einzig verfügbare; der Southampton Hardtop Sedan hingegen war bis 1960 parallel zu der Version mit sechs Seitenfenstern und Mittelpfosten im Angebot. In diesem Zusammenhang hatte er eine eigenständige, der Differenzierung dienende Bedeutung. Imperial behielt den Begriff Southampton ab 1961 bei, obwohl nach dem Entfall der Limousine mit drei Seitenfenstern eigentlich keine Differenzierung mehr notwendig war. Nach dem Verständnis des Chrysler-Marketing vermittelte der Begriff Southampton ein „High-Society-Gefühl“ („High Society Air“). Erst bei der dritten, ab 1964 produzierten Modellfamilie verzichtete Imperial auf den Begriff Southampton.Monte McElroy: The 1961–1963 Imperial Models, Teil 1: WPC News, Mai 1982, S. 6.