Britisches Englisch (; kurz BE oder BrE) ist die Bezeichnung für die Varietät der englischen Sprache, wie sie auf den britischen Inseln gesprochen und unter der Bezeichnung als Schriftsprache Verwendung findet.

Der Ausdruck Britisches Englisch ist mehrdeutig und wird je nach Kontext unterschiedlich verwendet und verstanden. So kann er sich auf die Sprache Englands, die Sprache Großbritanniens oder die Sprache der britischen Inseln beziehen. Schließlich wird britisches Englisch gelegentlich auch nur auf die Schreibweisen englischer Wörter bezogen, wie sie in britischen im Gegensatz zu amerikanischen Wörterbüchern festgelegt ist.Pam Peters: Standard British English. In: Alexander Bergs, Laurel J. Brinton (Hrsg.): The History of English: Varieties of English. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-052279-2, S. 96–97. Häufig ist mit britischem Englisch die englische Sprache in Großbritannien gemeint, gelegentlich auch nur die Sprache Englands, da sich irisches Englisch und schottisches Englisch inzwischen als eigenständige Varianten des Englischen etabliert haben.

Britisches Englisch unterscheidet sich von anderen Varianten der englischen Sprache – wie etwa dem amerikanischen Englisch – durch eine eigene Aussprache sowie Eigenheiten in Vokabular und Grammatik. Vor allem die prestigeträchtige Standardaussprache Großbritanniens, die (RP), wird in vielen Ländern in den Medien und im Bildungswesen verwendet. In Großbritannien wird RP jedoch nur von wenigen Sprechern verwendet, denn die meisten Briten haben einen regionalen Akzent. Charakteristisch für das britische Englisch ist ferner der Wortschatz, so findet man z. B. britisch vs. im amerikanischen Englisch.

Klassifikation Zusammen mit anderen nationalen Varianten des Englischen wie etwa dem amerikanischen Englisch, dem irischen Englisch oder dem neuseeländischen Englisch wird das britische Englisch als Varietät der englischen Sprache bezeichnet. Das britische Englisch zählt zu den Varietäten des Englischen, die in der Regel die Muttersprache ihrer Sprecher sind. Andere Varietäten wie etwa das indische Englisch sind zwar offizielle Sprachen ihres Landes und kommen in Verwaltung und im Bildungsbereich zum Einsatz, sind aber häufig die Zweitsprachen der meisten Sprecher.

Das britische Englisch ist zusammen mit dem amerikanischen Englisch eine Hauptvarietät des Englischen. Entweder britisches oder amerikanisches Englisch wird in vielen Ländern, z. B. in der Karibik, Afrika oder Hong Kong, als Norm betrachtet.Peter Trudgill: Standard English in England. In: Peter Trudgill (Hrsg.): Language in the British Isles. Cambridge University Press, Cambridge 1984, ISBN 0-521-24057-3, S. 32.

Geschichte

Die Ursprünge des Englischen in Großbritannien gehen auf das 7. Jahrhundert zurück, als die germanischen Stämme der Angeln, Sachsen und Jüten vom europäischen Festland nach England übersetzten und Teile Englands eroberten. Die Sprache der germanischen Eroberer verdrängte die Sprache der ursprünglich keltisch sprechenden Ureinwohner. Die Sprache zu dieser Zeit wird als Altenglisch bezeichnet, tatsächlich handelt es sich aber um eine Reihe von Dialekten. Die germanische Sprache des Altenglischen veränderte sich mit der Eroberung Englands 1066 durch die französischen Normannen, denn mit dem Einfluss der Französisch sprechenden Oberschicht gelangten viele Worte aus dem Französischen in den englischen Wortschatz, weshalb man etwa ab 1100 von der mittelenglischen Sprachperiode spricht. In der mittelenglischen Zeit ist das Englische die Sprache der unteren sozialen Schichten und zeichnet sich durch viele regionale Varianten aus, ohne dass es einen landesweiten Standard gab. Erst um 1500 sind erste Standardisierungstendenzen zu beobachten, als das Englische zunehmend das Französische und Lateinische wieder aus den Bereichen Gerichtsbarkeit, Regierung, Verwaltung und Bildung verdrängte. In der frühneuenglischen Zeit ab 1500 etablierte sich zunehmend ein Standard, dessen Aussprache und Schreibung hauptsächlich aus der südenglischen Region um London ausging. Mit der Einrichtung eines staatlichen Schulsystems im 19. Jahrhundert setzte sich ferner eine überregionale Standardaussprache durch, die Received Pronunciation.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten: eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 30–34.

Das moderne Englisch verbreitete sich durch Auswanderung und Kolonialisierung weltweit. In Ländern wie den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada oder Australien wurde das Englische Landessprache und wird von der Mehrheit der Bevölkerung gesprochen. Diese Landessprachen werden als eigene Varietäten der englischen Sprache betrachtet. In Abgrenzung zu z. B. der Varietät des amerikanischen Englisch wird das Englische, das in Großbritannien gesprochen wird, als britisches Englisch bezeichnet. Der Ausdruck Britisches Englisch findet sich ab dem 19. Jahrhundert; ein erster Beleg datiert nach dem Oxford English Dictionary aus dem Jahr 1869.

Geografische Verteilung Durch seine über 1500 Jahre lange Geschichte zeichnet sich das britische Englisch durch eine besonders große regionale und soziale Variation aus, was es von jüngeren Varianten des Englischen wie dem australischen Englisch unterscheidet, das aufgrund seiner kürzeren Geschichte wesentlich homogener ist.Peter Trudgill: The Dialects of England. Basil Blackwell, Oxford 1990, ISBN 0-631-13917-6, S. 9. Dabei kann man zwischen traditionellen Dialekten unterscheiden, die heute hauptsächlich nur noch von älteren Leuten in ländlichen Gegenden gesprochen werden, und den heutigen modernen Dialekten, die von den meisten Sprechern auf den britischen Inseln gesprochen werden.Peter Trudgill: The Dialects of England. Basil Blackwell, Oxford 1990, ISBN 0-631-13917-6, S. 51. Unter den traditionellen Dialekten gibt es auch einige urbane Dialekte; besondere Bekanntheit auch außerhalb Englands haben das Geordie in Newcastle und das Cockney in London erlangt.

Dialekte, Regiolekte und Soziolekte Britische Regiolekte des Englischen mini|hochkant=1.8|Geographische Gliederung der Regiolekte in England

Die heutigen englischen Regiolekte lassen sich grob in eine nördliche und eine südöstliche Großvariante einteilen. Der Norden umfasst die nördlichen Regionen Englands von der Grenze zu Schottland bis zu den West und East Midlands. Die South Midlands, East Anglia und der Südosten Englands einschließlich der Region um London wird von der südlichen Großvariante dominiert. Ferner kann man noch von einer westlichen Variante sprechen, die Lancashire sowie den südlichen Westen bis nach Cornwall umfasst.

Kennzeichen der nördlichen Regiolekte (Midlands, North) ist die Aussprache des im Süden Englands üblichen Lautes wie beispielsweise in als und wie beispielsweise in als . Der Westen zeichnet sich weitestgehend dadurch aus, dass das r in allen Positionen gesprochen wird (sogenannte rhotische Akzente).Peter Trudgill: The Dialects of England. Basil Blackwell, Oxford 1990, ISBN 0-631-13917-6, S. 51–55.

Abgrenzen von diesen regionalen Dialekten in England muss man das Scots und das schottische Englisch, das in Schottland gesprochen wird und häufig als eigene nationale Variante des Englischen klassifiziert wird. Das irische Englisch, das in eine nordirische und südirische Hauptvariante unterschieden wird, zählt nicht zum britischen Englisch, sondern ist eine eigene Varietät des Englischen.

Regionen traditioneller Dialekte in England Hinweis: Die Aktualität ist nicht gewährleistet, bei den kursiven Einteilungen handelt es sich um je eine Kategorie. Eine Gruppe von Dialekten wird mit Northumberland zusammengefasst, obwohl auch Gebiete in Schottland dabei sind. Eine weitere heißt Lower North, reicht ebenfalls bis Schottland. Lancashire weist Unterschiede mit den erstgenannten auf. South Yorkshire sowie Lincolnshire hat relative Ähnlichkeit mit dem Lower North. Teile des Lincolnshire weisen starke Ähnlichkeit mit Leicestershire auf. Staffordshire, wozu auch Gebiete in Wales gezählt werden, weist Gebiete mit Ähnlichkeiten zu Lancashire sowie andere mit Ähnlichkeiten Leicestershire auf. Northern Southwest, der auch Gebiete in Wales umfasst und Eastern Southwest sind recht ähnlich. Western Southwest ist distinkt. Central East und die Eastern Counties sind relativ ähnlich. Der Southeast unterscheidet sich davon deutlich.

Soziolekte Neben regionalen Dialekten kann man im britischen Englisch auch eine große soziale Variation beobachten. Häufig überlappen sich regionale und soziale Varianten: Dialektgebrauch ist eher mit niedrigem sozialen Status assoziiert. Beispiel für einen Soziolekt, der auf eine Region beschränkt ist, ist das Cockney, das Englisch der Londoner Arbeiterklasse.

Obwohl eine große Mehrheit der Briten einen regionalen Akzent hat, gilt dialektale Sprechweise häufig als ein Makel. Die Mundart verriet „Unbildung“ und galt als Hindernis im gesellschaftlichen Fortkommen. So zeigten Experimente, dass Sprecher der Received Pronunciation (RP) intelligenter, fleißiger und selbstbewusster als Nicht-RP-Sprecher bewertet werden, sogar von Nicht-RP-Sprechern selbst. Auch die Aussprache eines Schülers hat einen signifikanten Einfluss auf die Bewertung durch Lehrer und damit seinen Schulerfolg. Es gibt einige Indizien, dass sich die Einstellung gegenüber regionalen Akzenten seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts geändert hat, allerdings gibt es immer noch verbleibende Vorurteile.Jenny Cheshire: Indigenous nonstandard English varieties and education. In: Peter Trudgill (Hrsg.): Language in the British Isles. Cambridge University Press, Cambridge 1984, ISBN 0-521-24057-3, S. 546–547, 556.

Auch bestimmte Färbungen des oder sind Soziolekte der Oberschicht (siehe unten: Received Pronunciation).

Slang

Slang ist eine Bezeichnung für eine „nachlässige Umgangssprache“, speziell im anglo-amerikanischen Raum.Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Kröner, Stuttgart 1983, ISBN 3-520-45201-4, S. 465. Ihm entspricht das französische Argot. Der Ausdruck Slang ist nicht eindeutig definiert, häufig wird mit Slang auch Vulgärsprache, Gaunersprache oder Cant, Jargon und Substandard-Sprache assoziiert.Jonathon Green: Language! 500 Years of the Vulgar Tongue. Atlantic Books, London 2014, ISBN 978-1-84887-898-3, S. 11–16. Je nach Kontext wird Slang nicht nur für eine sehr informelle Umgangssprache, sondern auch als eine Bezeichnung für Gruppen- oder Sondersprache oder Soziolekt verwendet.

Vulgärsprache findet man in allen Sprachen, schon im Latein der Römerzeit findet man dazu Belege, aber im Vergleich zum heutigen Slang ist Vulgärsprache auf wenige Ausdrücke beschränkt.Jonathon Green: Language! 500 Years of the Vulgar Tongue. Atlantic Books, London 2014, ISBN 978-1-84887-898-3, S. 22. Der Ausdruck Slang hat sich zunächst für die englische Sprache etabliert, ab dem 20. Jahrhundert wurde es auch auf Formen der Umgangssprache in anderen Sprachen bezogen.Julie Coleman (Hrsg.): Global English Slang. Methodologies and Perspectives. Routledge, London/New York 2014, ISBN 978-0-415-84268-6.