Ibo Ortgies (* 26. November 1960 in Hage,Die für die Stadt Norden zuständige Geburtsstation befand sich damals im vormaligen Krankenhaus Hage. Bei abweichendem elterlichen Wohnsitz (hier:Norden) wurde das zuständige Einwohnermeldeamt informiert und die Neugeborenen mit ersten Wohnsitz ebenda registriert. Diese in Hage geborenen Kinder identifizieren sich und gelten daher gemeinhin als gebürtige Norder, so auch Ortgies. Ostfriesland) ist ein deutsch-schwedischer Musikwissenschaftler, Fachübersetzer und Bankkaufmann.
Leben Ibo Ortgies wuchs in Norden (Ostfriesland) auf. Er studierte 1985–1990 historische und systematische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg. Nach einer längeren, berufsbedingten Unterbrechung nahm er 1999 eine stipendienfinanzierte Doktorandenstelle an der Universität Göteborg an. Nach erfolgter Verteidigung (Disputation, Dezember 2004)Disputation am 4. Dezember 2004. Vgl. Beschluss J 6 3699/04 des Humanistischen Fakultätsrats (Humanistiska fakultätsnämnden) der Universität Göteborg vom 28. September 2004. , abgerufen am 16. Juli 2025. seiner Dissertation über Die Praxis der Orgelstimmung in Norddeutschland im 17. und 18. Jahrhundert und ihr Verhältnis zur zeitgenössischen Musikpraxis wurde er im Januar 2005 zum Dr. phil. (schwed. fil dr) promoviert.Vgl. Veröffentlichungen Die Praxis […] 2004. 1999–2016 wirkte Ortgies als Forscher am damaligen Orgelforschungsinstitut GOArt (Universität Göteborg, 1995–2016). 2014–2017 war er auch in eigener Firma als Forscher, Forschungsdienstleister und Fachübersetzer tätig.
Forschung mini|Engler-Orgel (1732–1736), Klosterkirche Mariä Himmelfahrt, Krzeszów [dt. Grüssau], Polen.
Ortgies’ Schwerpunkte liegen auf Theorie, Geschichte und Praxis der Stimmung und Temperatur der Tasteninstrumente sowie der Ensemble-Intonation Leben und Werk von Komponisten, Instrumenten- und Orgelbauern vor 1800: Matthias Weckman, Arp Schnitger, Friedrich Stellwagen u. a. Orgelbaugeschichte Norddeutschlands und der Niederlande mini|hochkant|Norddeutsche Barock-Orgel (2000), Örgryte nya kyrka (Neue Kirche im Stadtteil Örgryte), Göteborg. Klavierbau vor der Mitte des 19. Jh., Schwerpunkt Norddeutschland (insbesondere Lübeck).
Zu Beginn der 1990er Jahre stand die Forschung über Matthias Weckman (Biographie und Handschriften) im Mittelpunkt. Durch das Projekt einer mitteltönigen Orgel mit Subsemitonien, das Ortgies als Co-Initiator und Sachverständiger in Bremen betrieb, begann er sich vertieft der Frage historischer Stimmungen und Temperaturen zuzuwenden. Heute gilt Ortgies auf diesem Gebiet und u. a. in Bezug auf Temperierungspraxis um Johann Sebastian Bach als einer der „führenden Experten“.Markus Rathey, Yale University, in seiner Rezension von Siegbert Rampe (Hrsg.): Bach-Handbuch 4: Klavier- und Orgelmusik. Laaber-Verlag, Laaber 2007, S. 203, in: Musik & Kirche. 78, Nr. 3 (Mai/Juni) 2008, S. 202–203. Seine Forschungen zur Stimmung der Orgeln, an denen Dieterich Buxtehude in der Marienkirche zu Lübeck wirkte, haben Auswirkungen auf die Chronologie der Buxtehudeschen Orgelkompositionen gehabt.Vgl. Michael Belotti: Die freien Orgelwerke Dieterich Buxtehudes. Überlieferungsgeschichtliche und stilkritische Studien. Peter Lang AG, Internationaler Verlag der Wissenschaften, Bern 2004, und Kerala J. Snyder: Dieterich Buxtehude: Organist in Lübeck. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage (revised edition), University of Rochester Press, Rochester N.Y. 2007, S. 84, 86, 229, 232. Intensive Archivstudien ermöglichten ihm überdies eine weitgehende Rekonstruktion des Zustands der großen Orgel der Marienkirche zu Lübeck zu Buxtehudes Zeit.Ortgies: Über den Umbau […]. 2006; Ortgies: Buxtehudes Orgeln in Lübeck, 2007. 2016 gelang es Ortgies durch Untersuchung historischer Literatur, mehrere unbekannte Orgeln Arp Schnitgers zu identifizieren.Ortgies: Unbekanntes über Schnitger-Orgeln […]. 2016.
Als Orgelexperte hat Ortgies an Orgelrestaurierungen und rekonstruktiven Orgelneubauten beratend mitgewirkt, darunter: mini|Van-der-Putten-Orgel (2002), Waller Kirche, Bremen-Walle
Engler-Orgel (1732–1736), Klosterkirche Mariä Himmelfahrt, Krzeszów [dt. Grüssau], Polen: Entwurf der Temperatur auf Grundlage der von der restaurierenden Orgelwerkstatt Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH gemessenen Pfeifenlängen – Übergangsform von einer mitteltönig-modifizierten Temperatur zu einer wohltemperierten Stimmung, die die Ganzton-Transposition zwischen Kammerton und Chorton ermöglicht.
Norddeutsche Barock-Orgel,Artikel in der englischen Wikipedia: :en:North German baroque organ in Örgryte Nya Kyrka. Örgryte nya kyrka (Neue Kirche im Stadtteil Örgryte), Göteborg. Rekonstruktion nach Arp Schnitger, Gottfried Fritzsche und Hans Scherer. – Mitwirkung als Experte in der wissenschaftlichen Reference group.Joel Speerstra (Hrsg.): The North German Research Project at Göteborg University. Göteborg Organ Art Center, Göteborg, 2003. Mitteltönige Orgel mit Subsemitonien (zwei Manuale und Pedal), Waller Kirche, Bremen-Walle. Konzipiert als Orgel aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Fertigstellung 2002 durch die Orgelwerkstatt Winold van der Putten, Finsterwolde, Niederlande. – Mitwirkung als Co-Initiator und Sachverständiger.„Daniela Staiger-Ortgies […] seit 1992 als Organistin in der evangelischen Kirchengemeinde Bremen-Walle und ist zusammen mit Ibo Ortgies Initiatorin des Orgelbauprojektes.“ Vgl. Daniela Staiger-Ortgies: Das Konzept der Waller Orgel. In: Festschrift zur Orgeleinweihung am 11. und 12. Mai 2002 in der Evangelischen Kirche zu Bremen Walle. Kirchengemeinde Walle, Bremen 2002. Online, S. 1. Abgerufen am 20. November 2016 (PDF-Datei; 228 kB).Webseite der Orgelwerkstatt van der Putten über die Orgel in Bremen-Walle.Bremen-Walle, Evangelische Kirche (Rubrik: Orgelbouwnieuws). In: ORGELkrant. (Beilage zu Het Orgel). Nr. 10 (Oktober), 2002. „Utopa“-Barockorgel, Orgelpark, Amsterdam. Rekonstruktion (2012–2018) nach Zacharias Hildebrandt. – Entwurf der wohltemperierten Stimmung dieser Orgel.Fabian Brackhane: Orgelbarock 2.0 oder: Die Quadratur des Kreises? Eine neue Hybrid-Orgel für den Amsterdamer Orgelpark. In: Organ – Journal für die Orgel. Nr. 4, 2016, S. 48–51.
Veröffentlichungen Zur Frage der Orgeltemperatur bei [Dieterich] Buxtehude. In: Buxtehude. Organ Works I. Léon Berben an der Lampeler-Kröger-Orgel der St. Aegidius-Kirche in Berne. Ramée, RAM 2505, 2025, CD-Booklet, S. 20–23. Rezension der Dissertation von Antje Becker: Von der Alten Musik zu den alten Instrumenten: Die Schnitger-Pioniere Paul Rubardt, Gustav Fock und Hans Henny Jahnn. Orgelhistorische Forschung um 1920/30. (Diss. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2023). Ortus Musikverlag, Beeskow 2024. In: Het Orgel. 121, Nr. 3, 2025, S. 54–47. Gottfried Frietzschs Orgelbau in Hamburg: St. Katharinen und die Subsemitonien. In: Ars Organi. 68, Nr. 3, 2020, S. 146–156. (Umfassende Aktualisierung, Änderung und Erweiterung des vorgenannten Artikels der Snyder-Festschrift). Matthias Weckmann und Anmerkungen zur 'sinreichen, außbündigen Orgel-Kunst' Weckmanns. In: Matthias Weckmann. Complete Organ Works. Léon Berben an der Friederich-Stellwagen-Orgel (1637) der Jakobikirche (Lübeck) und der Hans-Scherer-Orgel (1624) in St. Stephan (Tangermünde). AEOLUS Music, AE 11261, 2020, CD-Booklet, S. 20–29. Gottfried Frietzsch and the Subsemitones in the Large Organ of Hamburg, St. Catherine’s. In: Johann Norrback, Joel Speerstra und Ralph Locke (Hrsg.): Festschrift for Prof. Kerala J. Snyder (= GOArt Publications. Bd. 4). Göteborgs universitet, Göteborg 2019, 13 S. online (PDF: 1,8 MB).
[Drei einzelne Artikel] The Temperament of the Utopa Baroque Organ, A Star is Born: The Tonal Design of the Cymbelstern und Towards a Digital Hildebrandt Archive. In: Hans Fidom (Hrsg.): The New Baroque Organ at the Orgelpark. Orgelpark and VU University Press, Amsterdam 2018, S. 73–90, 91–98 und 99–152. (= Hans Fidom (Hrsg.): Orgelpark Research Reports. Bd. 5/2). online (ePub: 16,2 MB). Een portret van Arp Schnitger? In: Het Orgel. 113, Nr. 2, 2017, S. 41–47. (Übersetzt von Ibo Ortgies u. James F. Wallmann. Deutsch: Unbekanntes über Schnitger-Orgeln. Hinweise, Funde, Hypothesen, Zuschreibungen. In: Ars Organi 64, 2016, Heft 1, S. 24–33, u. Heft 2, S. 83–89. — Niederländisch: Nieuws over Schnitger. Aanwijzigingen, vondsten, observaties, hypothesen en toeschrijvingen. In: Het Orgel. 112, 2016, Heft 1, S. 3–11, u. Heft 2, S. 3–9. übersetzt von Jan Smelik). — Die deutsche Fassung liegt beiden Übersetzungen zugrunde, wobei der englische Artikel verändert, durch weitere Funde ergänzt und revidiert wurde. Wertvollstes aus dem 17. Jahrhundert. Vor 400 Jahren wurde Matthias Weckman geboren. In: Musik & Kirche. 86, Nr. 6 2016, S. 392–394. Ibo Ortgies, Léon Berben: Zu: Harald Vogel, Bruhns und sein Opus Magnum, das Praeludium e-Moll (ex e). In: Ars Organi 63, 2015, H. 1, S. 20–24, hier der Abschnitt 'Zur Orgelstimmung bei Bruhns' (S. 24). In: Ars Organi. 63, 2015, Nr. 3, S. 184–186. Ulenkampf. [Johann/Hans Hinrich/Heinrich Ulenkampf, vor 1680–1725 oder später] In: Uwe Pape, Wolfram Hackel (Hrsg.): Sachsen-Anhalt und Umgebung (= Lexikon norddeutscher Orgelbauer 3). Pape Verlag, Berlin 2015, S. 585. Schnitger. [Neben Arp Schnitger dessen Söhne Arp Schnitger II, Franz/Frans Caspar Schnitger d. Ä., Hans Schnitger und Johann Jürgen/Georg Schnitger, sowie sein Enkel Frans Caspar Schnitger d. J.] In: Uwe Pape, Wolfram Hackel (Hrsg.): Sachsen-Anhalt und Umgebung (= Lexikon norddeutscher Orgelbauer 3). Pape Verlag, Berlin 2015, S. 505–509. Johann Sebastian Bach and Temperament. In: Hans Fidom (Hrsg.): The New Baroque Organ at the Orgelpark. Orgelpark, Amsterdam 2014, §§ 224–270. (= Hans Fidom (Hrsg.): Orgelpark Research Reports. Bd. 5/1, § 224–270). online (PDF: 15,7 MB; ePub: 6 MB). Matthias Weckmann. In: Michael Zywietz (Hrsg.): Lexikon der Kirchenmusik. Laaber-Verlag, Laaber 2013, S. 1374–1375. Zur Problematik von Zusammenhang und Disparität zwischen Orgelrepertoire, Improvisation und Ensemble-Intonation. In: Muzikološki zbornik / Musicological Annual. 47 (Dept. of Musicology, Univ. of Ljubljana). . Nr. 2, 2011, S. 139–152. Subsemitonien und Aufführungspraxis. In: Wolfgang Kreuzhuber (Hrsg.): Die älteste Orgel Wiens. Die „Wöckherl-Orgel“ (1642) in der Wiener Franziskanerkirche. Institut für Orgel, Orgelforschung und Kirchenmusik an der Universität für Musik und Darstellende Kunst, Wien 2011, S. 184–189. Der Orgelbauer Friedrich Stellwagen (1603–1660) – ein Beitrag zu Leben, Werk und Bedeutung (mit Werkverzeichnis Friedrich Stellwagen). In: Berit Drechsel (Hrsg.): Die Stellwagen-Orgel in der Marienkirche zu Stralsund. Festschrift zur Wiederweihe der restaurierten Orgel. Evangelische Kirchengemeinde St. Marien, Stralsund 2008, S. 8–19, 122 (Werkverzeichnis). [Elf einzelne Artikel]: Stimmung und Temperierung – eine Einführung; Neue Deutsche Orgeltabulatur: Von Albrecht Dürer zu Johann Sebastian Bach [Ferner Orgeln in:] Leufsta Bruk; Övertorneå und Hedenäset (finn. Hietaniemi). Urspr. in Stockholm, Tyska kyrkan; Dresden, Schlosskapelle; Leiden, Pieterskerk; Roskilde, Dom; Noordbroek, Hervormde Kerk; Zutphen, Sint Walburgiskerk; Haringe, Sint-Martinuskerk; Houdan, Église Saint-Jacques et Saint-Christophe. In: Mechanik der Poesie II. Die Orgel im 17. und 18. Jahrhundert. Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde, Greifenberg (Bay.) 2008. (CD-ROM). Temperatur. In: Siegbert Rampe: Bachs Klavier- und Orgelwerke. Das Handbuch. Teilband 2 = Band 4, 2. Laaber-Verlag, Laaber 2008, ISBN 978-3-89007-459-7, S. 623–640. Bachstämning. In: Tidig Musik. (Schweden). . Nr. 4, 2008, S. 14–17. Die Temperierung als Problem der Nutzung von Orgeln in der Basso continuo-Gruppe. In: Christian Ahrens, Gregor Klinke: „…con cembalo e l'organo …“. Das Cembalo als Generalbaßinstrument. Symposium im Rahmen der 29. Tage Alter Musik in Herne 2004. Katzbichler, München-Salzburg, 2008, S. 169–184.