Hyphanet (bis Mitte 2023 Freenet) ist eine Peer-to-Peer-Software zum Aufbau eines Rechnernetzes, dessen Ziel darin besteht, Daten verteilt zu speichern und dabei Zensur zu vereiteln und anonymen Austausch von Informationen zu ermöglichen. Dieses Ziel soll durch Dezentralisierung, Redundanz, Verschlüsselung und dynamisches Routing erreicht werden. Freenet wird als freie Software unter der GPL entwickelt. Vereinfacht kann man das Freenet als vagabundierenden Datenbestand (englisch ) betrachten, auf den alle Teilnehmer gleichberechtigt () zugreifen können. Zentrale Nameserver, Serverfestplatten und ähnliche Strukturen werden konsequent konstruktiv vermieden. Es wird nur die Übertragungsfunktionalität des regulären Internet benötigt. 2023 nannte sich das beschriebene Freenet in Hyphanet um und ein neugeschriebenes Projekt ohne integrierte Unterstützung von anonymem Austausch übernahm den Namen Freenet. Nach Einstufung der Entwickler ist es noch eine Testversion.

Geschichte

1999 beschrieb der irische Student Ian Clarke in einer Abhandlung ein „verteiltes dezentrales Informationsspeicher- und -abrufsystem“.Ian Clarke: (PDF, englisch; 246 kB) 1999. Kurz nach der Veröffentlichung begannen Clarke und eine kleine Zahl Freiwilliger, diese Idee als freie Software umzusetzen.

Im März 2000 war die erste Version bereit für die Veröffentlichung. In der folgenden Zeit wurde viel über Freenet berichtet, hauptsächlich beschäftigten die Presse dabei aber die Auswirkungen auf Urheberrechte und weniger das Ziel der freien Kommunikation. Auch die akademische Welt beschäftigte sich mit Freenet: Clarkes Abhandlung war laut CiteSeer das meistzitierte wissenschaftliche Dokument in der Informatik im Jahr 2000.

Freenet wird mit Hilfe des Internets verteilt entwickelt. Das Projekt gründete die gemeinnützige „The Freenet Project Inc.“ und beschäftigt seit September 2002 Matthew Toseland als Vollzeitprogrammierer, der von Spendengeldern und dem Erlös von Ablegerprodukten bezahlt wird. Darüber hinaus arbeiten andere frei mit.

Im Januar 2005 wurde geplant, die nächste Version, Freenet 0.7, komplett neu zu schreiben. Mitte April 2005 brachten die Entwickler von Freenet erstmals auf der offenen Mailingliste ins Gespräch, Freenet als sogenanntes Darknet zu gestalten, das heißt, dass der Zugang nur auf „Einladung“ bestehender Teilnehmer erfolgen kann. (Für Einzelheiten siehe Abschnitt Darknet.) Dieses Element ist die wichtigste Neuerung in 0.7.

Die Idee hinter dem geplanten Freenet 0.7 wurde daraufhin von Ian Clarke und dem Mathematiker Oskar Sandberg auf zwei Hackerveranstaltungen präsentiert, am 29. Juli 2005 bei der 13. DEFCON und am 30. Dezember 2005 auf dem 22. Chaos Communication Congress (22C3).Kurzinformationen zum 22C3-Vortrag

Anfang April 2006 wurde die erste Alpha-Version von Freenet 0.7 veröffentlicht, das nur Verbindungen zwischen Freunden nutzte. Am 29. Januar 2008 wurde der Opennet-Modus hinzugefügt, über den eine Verbindung ohne bestehende Kontakte möglich wurdeNews 29th Jan, 2008 - Freenet 0.7.0a2 alphatest released.

Am 8. Mai 2008 wurde Freenet 0.7.0 dann mit dem Codenamen „Darknet“ veröffentlichtSnapshot der Webseite von 2009.

Am 12. Juni 2009 wurde dann Version 0.7.5 veröffentlicht, mit persistenten Daten und besserer Leistung.12th June, 2009 - Freenet 0.7.5 released! Ab Version 0.7.5 wurde die Weiterentwicklung in Builds gezählt.

Am 4. Februar 2010 wurde in Version 0.7.5 Build 1240 das Web of Trust plugin für dezentrale Moderation standardmäßig mitausgeliefert.4th February, 2010 – Freenet status update Build 1240

Am 13. April 2011 meldete Freedom House, dass Freenet in China das beliebteste und verbreitetste Werkzeug gegen Zensur war.Leaping Over the Firewall: A Review of Censorship Circumvention Tools

Am 22. September 2013 wurde mit Freenet 0.7.5 build 1457 das Release Management von Steve D. ehrenamtlich übernommen.Freenet 0.7.5 build 1457 release announcement

Sonstiges Bis Ende 2003 hat eine Gruppe namens Freenet-China das Programm ins Chinesische übersetzt und es in der Volksrepublik China auf CDs und Disketten verbreitet. Die chinesischen Computer- und Internet-Filter sperren das Wort „Freenet“ (Stand: 30. August 2004).Xiao Qiang: . in: China Digital Times. 30. August 2004. Internetverbindungen Freenets werden für die Versionen vor 0.7 blockiert. Dies war möglich, weil bis dahin zu Beginn eines Verbindungsaufbaus einige vorhersagbare Bytes entstanden.

Eine im Mai 2004 veröffentlichte Analyse besagt, dass die meisten Freenet-Nutzer zu diesem Zeitpunkt aus den USA (35 %), Deutschland (15 %), Frankreich (11 %), Großbritannien (7 %) und Japan (7 %) kamen. Diese Analyse gründet sich wahrscheinlich auf die IP-Adressliste der Teilnehmer, die für die Versionen vor 0.7 vom Projekt bereitgestellt wurde, und berücksichtigt somit keine separaten Freenet-Netzwerke wie Freenet-China.

Benutzung Jeder Anwender stellt Freenet einen Teil seiner Festplatte als Speicher zur Verfügung. Man gibt hierbei nicht bestimmte Ordner oder Dateien für die anderen frei, wie das beim üblichen Filesharing der Fall ist, sondern reserviert einen bestimmten Anteil an Festplattenspeicher (in der Größenordnung von Gigabyte), den Freenet selbstständig mit verschlüsselten Datenstückchen aus dem Netz belegt.

Die Benutzung von Freenet ist mit der des World Wide Web (WWW) vergleichbar. Mittels eines beliebigen Browsers kann, wie vom WWW gewohnt, im Freenet gesurft werden. Das Programmmodul FProxy arbeitet als lokales Server-Programm und ist im Allgemeinen unter http://localhost:8888/ erreichbar. Von dieser Einstiegsseite aus kann man einzelne Freenet-Adressen anfordern oder hochladen, außerdem werden Links zu einer kleinen Anzahl Freesites bereitgestellt, die als erste Anlaufstelle im Freenet dienen.

mini|Gateway von Freenet 0.5 (2005, Ausschnitt): Wenn das Activelink-Bild erfolgreich geladen wurde, ist die zugehörige Seite wahrscheinlich auch erreichbar.

Eine Freesite stellt für Freenet in etwa das gleiche dar, was Websites für das WWW darstellen. Es sind Dokumente, die durch das Freenet-Gateway zugänglich werden. Sie können Links zu anderen Freesites oder zu sonstigen Daten beinhalten, welche durch einen Freenet-Schlüssel erreichbar sind.

Mithilfe sogenannter Activelinks kann die Verbreitung ausgewählter Freesites gefördert werden. Bindet man auf der eigenen Freesite ein kleines Bild einer anderen Freesite ein, so wird diese automatisch gefördert, wenn die eigene Freesite mit dem Bild geladen wird.

Das Laden von Inhalten dauert verhältnismäßig lange, da Freenet die Prioritäten bei der Sicherheit setzt. Am Anfang kann es mehrere Minuten dauern, da der Teilnehmer noch nicht gut in das Freenet-Netz integriert ist. Erst durch die Integration lernt das Programm, an welche anderen Teilnehmer am besten Anfragen versendet werden können.

Anwendungsgebiet Neben der schlichten Veröffentlichung von Informationen eignet sich Freenet zur zeitversetzten Kommunikation, das heißt, sowohl eine Art E-Mail-System als auch Diskussionsforen können sinnvoll auf Freenet aufbauen.

Ein sehr verbreiteter Typ von Freesites sind Blogs (Weblogs), die von den Freenet-Nutzern analog als „Flogs“ (Freelogs) bezeichnet werden. Ein besonderer Anreiz für die Einrichtung ist die Anonymität, mit der man seine Berichte im Freenet veröffentlichen kann.

WebOfTrust: Spam-resistente, anonyme Kommunikation

Mit dem WebOfTrust-Plugin bietet Freenet ein Anti-Spam-System, das auf anonymen Identitäten und Vertrauenswerten aufbaut. Jede anonyme Identität kann jeder anderen anonymen Identität positives oder negatives Vertrauen geben. Die Vertrauenswerte der bekannten Identitäten werden zusammengeführt, um unbekannte Identitäten einschätzen zu können. Nur die Daten von Identitäten mit nicht negativem Vertrauen werden heruntergeladen.

Neue Identitäten können über Captcha-Bilder bekannt gemacht werden. Sie lösen Captchas anderer Identitäten und erhalten von diesen Identitäten ein Vertrauen von 0. Dadurch sind sie für diese Identitäten sichtbar, aber für keine anderen. Wenn sie dann sinnvolle Beiträge schreiben, können sie positives Vertrauen erhalten (>0), so dass sie für alle Identitäten sichtbar werden, die den vertrauenden Identitäten vertrauen.

Software für Freenet Für das Hochladen von Daten gibt es spezielle Software, die insbesondere den Austausch größerer Dateien erleichtert. Diese werden intern in kleine Stücke zerlegt () und gegebenenfalls mit redundanten Datenblöcken versehen (Fehlerkorrekturverfahren).

Technische Einzelheiten Funktionsweise Alle Inhalte werden in sogenannten Schlüsseln gespeichert. Der Schlüssel ergibt sich eindeutig aus dem Hash-Wert des enthaltenen Inhalts und hat vom Aussehen her nichts mit dem Inhalt zu tun. (Zum Beispiel könnte eine Textdatei mit dem Grundgesetz den Schlüssel YQL haben.) Die Schlüssel sind in einer sogenannten verteilten Hashtabelle gespeichert.

Jeder Teilnehmer speichert nicht etwa nur die Inhalte, die er selbst anbietet. Stattdessen werden alle Inhalte auf die verschiedenen Rechner – die sogenannten Knoten (englisch ) – verteilt. Die Auswahl, wo eine Datei gespeichert wird, erfolgt durch Routing. Jeder Knoten spezialisiert sich mit der Zeit auf bestimmte Schlüsselwerte.

Die Speicherung auf dem Rechner erfolgt verschlüsselt und ohne Wissen des jeweiligen Nutzers. Diese Funktion ist von den Entwicklern eingeführt worden, um den Freenet-Benutzern die Möglichkeit zu geben, die Kenntnis der Daten glaubhaft abstreiten zu können, die in dem für Freenet reservierten lokalen Speicher zufällig für das Netz bereitgehalten werden.The Freenet Project: , abgerufen am 15. Mai 2008, englisch, Zitat: „It is hard, but not impossible, to determine which files that are stored in your local Freenet Datastore. This is to enable plausible deniability as to what kind of material that lies on your harddrive in the datastore.“ Bisher sind allerdings in der Rechtsprechung zumindest in Deutschland keine Fälle bekannt, in denen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wurde, die Kenntnis abzustreiten, so dass die Wirksamkeit dieser Maßnahme vor deutschen Gerichten nicht geklärt ist.

Wenn eine Datei aus dem Freenet heruntergeladen werden soll, wird sie mit Hilfe des Routing-Algorithmus gesucht. Die Anfrage wird an einen Knoten geschickt, dessen Spezialisierung dem gesuchten Schlüssel möglichst ähnlich ist.

Beispiel: Wir suchen den Schlüssel HGS. Wir sind mit anderen Freenet-Knoten verbunden, die die folgenden Spezialisierungen haben: ANF, DYL, HFP, HZZ, LMO. Wir wählen HFP als Adressaten unserer Anfrage, da dessen Spezialisierung dem gesuchten Schlüssel am nächsten kommt.

mini|362px|Typischer Ablauf einer Anfrage: Die Anfrage wird von Knoten zu Knoten durch das Netz geleitet, kehrt aus einer Sackgasse (Schritt 3) und einer Schleife (Schritt 7) zurück, findet schließlich die gesuchten Daten und liefert diese zurück.

Wenn der Adressat den Schlüssel nicht in seinem Speicher hat, wiederholt er die Prozedur, als ob er selbst den Schlüssel haben wollte: Er schickt die Anfrage weiter an den Knoten, der seiner Meinung nach am besten darauf spezialisiert ist.

Und so geht es weiter. Wenn ein Knoten schließlich über die gesuchte Datei verfügt, wird diese vom Fundort zum ursprünglichen Anfrager transportiert. Aber dieser Transport erfolgt über alle an der Anfrage-Kette beteiligten Knoten. Diese Gestaltung ist ein zentrales Merkmal von Freenet. Sie dient dazu, die Anonymität von Quelle und Empfänger zu wahren. Denn so kann man, wenn man selbst eine Anfrage erhält, nicht wissen, ob der Anfrager die Datei selbst haben oder nur weiterleiten will.

Wenn die Datei übertragen wird, speichern einige Rechner eine Kopie in ihrem Speicher. Beliebte Dateien gelangen so auf viele Rechner im Freenet-Netz. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Anfragen nach dieser Datei schneller erfolgreich sind.