mini|hochkant|Sportpyramide, Relief von 1957 am Ursprungsort an der Außenwand der Turnhalle der Rhiemsweg-Schule in Hamburg-Horn, 2016 mini|Timmerloh 7 und 5, 2017 Herbert Spangenberg (* 15. Oktober 1907 in Hamburg; † 15. August 1984 ebenda) war ein deutscher Maler der Verschollenen Generation.

Leben Herbert Spangenberg wurde am 15. Oktober 1907 als Sohn von Annie und dem Modelltischler Fritz Spangenberg in Hamburg geboren. Er besuchte unter anderem die Siedlungsschule Langenhorn am Heerskamp (heute Timmerloh), die sich auf dem Sportplatz der heutigen Fritz-Schumacher-Schule befand. Sein Vater war dort Elternratsvorsitzender.Artikel Ein Langenhorner Junge, Heimatblatt für Langenhorn und Ochsenzoll, November 1957. Nach der Schulzeit absolvierte er von 1923 bis 1926 eine Lehre als Dekorationsmaler bei Otto Schmarje (1868–1920). Im Anschluss daran studierte er bis 1928 an der Kunstgewerbeschule in Hamburg, unter anderen bei Carl Otto Czeschka und Julius Wohlers. Seine Kommilitonen waren neben anderen Eva Hagemann (später Niemeyer-Hagemann) und Richard Lindner. Danach war er als freischaffender Künstler in Hamburg tätig. Er wohnte zu der Zeit bei seinen Eltern in einer Doppelhaushälfte in der Straße Timmerloh 7 in der Fritz-Schumacher-Siedlung. Zu der Zeit war sein Vater Kassenangestellter (später Leiter der AOK Hamburg). Herbert Spangenberg pflegte Freundschaften unter anderen mit Karl Kluth, Willem Grimm, Hans Martin Ruwoldt, Eduard Bargheer und Arnold Fiedler. Bei Martin Irwahn in Vossmoor, einem Ortsteil von Escheburg fertigte er Studien an für seine Käfigbilder.

1928 hielt er sich eine längere Zeit in Paris auf, 1930 in Kopenhagen. 1932 nahm er an der 11. Ausstellung der Hamburgischen Sezession im Kunstverein in Hamburg als Gastaussteller teil. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten löste sich am 16. Mai 1933 die Hamburgische Sezession auf, weil sie nicht, wie verlangt, ihre jüdischen Mitglieder ausschließen wollte. Viele Werke der Sezession-Künstler galten kurz darauf als Entartete Kunst. Auch Herbert Spangenberg bekam Schwierigkeiten wegen seiner Malerei, malte aber unbeirrt weiter. Der Maler und Kunsthändler Peter Lüders (1872–1945) stellte 1934 in seinem Kunstraum in der Admiralitätstraße 12 noch Werke von Sezession-Künstlern und Spangenberg aus. Auch zur Jahreswende 1934 auf 1935 wurden in Hamburg deren und Spangenbergs Werke gezeigt. Das nationalsozialistische Hamburger Tageblatt berichtete über die Ausstellung. Betroffene Künstler, die später nicht auswanderten, verbarrikadierten sich in ihrer Inneren Emigration, wie auch Herbert Spangenberg. 1937 nahm er an der Großen Frühjahrsausstellung Hamburger Künstler in der Hamburger Kunsthalle teil, die vom Kunstverein in Hamburg organisiert wurde.

Ab 1938 unterstützte er Karl Kluth als Bühnenbildner an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel unter dem Intendanten Kurt Eggers-Kestner. Kluth hatte dort schon ab Juli 1937 eine Gastspielverflichtung als Bühnenbildner, die 1938 durch ein festes Engagement ersetzt wurde. Im November 1939 kam es zu einem Eklat wegen des Bühnenbildes einer Wilhelm Tell-Inszenierung. Karl Kluth wurde Kulturbolschewismus vorgeworfen und sein Engagement beendet.Ulrich Schulte-Wülwer: Kieler Künstler – Band 3: In der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 1918–1945. Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte herausgegeben von Jürgen Jensen, Band 88, Boyens, Heide 2019, ISBN 978-3-8042-1493-4, S. 87, 111 (Fußnoten 437, 438) 1940 porträtierte Herbert Spangenberg Gustaf Gründgens. 1941–1945, im Zweiten Weltkrieg war er Zeichner in Kopenhagen und Silkeborg. 1942 hatte er zudem in Hamburg einen Atelierraum im Haus Stinnes, Schöne Aussicht 23, wie auch Maximilian Jahns, der seit 1940 dort ein Atelier hatte. Otto Thämer, Fritz Schirrmacher (1893–1948) und Herbert Mhe (1891–1952) hatten zu der Zeit ebenfalls ein Atelier dort. 1943 verbrannten einige seiner Bilder bei seinen Eltern, die nicht mehr im Timmerloh wohnten. 1944 heiratete er Hilmar Wüstenfeld.

mini|hochkant|Außenansicht eines Spangenberg-Fenstermosaiks von 1960, Ostseite der Synagoge Hohe Weide an der Straßenecke Heymannstraße und Hohe Weide in Hamburg-Eimsbüttel, 2010

1946 trat Spangenberg der neugegründeten Hamburgischen Secession bei und war deren Mitglied bis 1952. 1948 wurde er zusammen mit Erich Hartmann, Otto Rodewald und Hans Martin Ruwoldt in deren Vorstand gewählt. Ebenfalls 1948 erwarb die Hamburger Kunsthalle ein oder mehrere Werke von ihm.Herbert Spangenberg in So fing man einfach an, ohne viele Worte von Julia Friedrich und Andreas Prinzing, Walter de Gruyter, 2013, S. 75. Zudem schenkte Emmi Ruben 1948 der Hamburger Kunsthalle ihre Kunstsammlung, in der Herbert Spangenberg auch vertreten war.Seite 2 des Textes Emmi-Ruben-Weg, PDF-Datei von hamburg.de 1950 war er Gründungsmitglied des neugegründeten Deutschen Künstlerbundes. Zudem war er von 1950 bis 1966 Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler Hamburg. Er hegte freundschaftliche Kontakte zu Karl Hofer, Otto Dix, Alexander Camaro, Erich Heckel und Karl Hartung. Ein Angebot Karl Hofers für eine Professur in Berlin lehnte er ab, sowie ein Stipendium für die Villa Massimo. 1951 zog er in die Bismarckstraße 77 in Hamburg-Eimsbüttel.Eintrag ab 1952 im Hamburger Adressbuch bis 1966. Im Telefonbuch danach steht er nicht mehr drin, nur 1970 seine Ex-Frau Hilmar Spangenberg unter derselben Adresse. 1953 war er Jurymitglied des Deutschen Künstlerbundes. Im Jahre 1954 schuf er drei Bleiglasfenstermosaiken für die Schule Weddestraße in Hamburg-Horn. 1957 schuf er ein zweifarbiges Relief mit dem Titel Sportpyramide, das an der Außenwand der neugebauten Turnhalle der Rhiemsweg-Schule in Hamburg-Horn angebracht wurde. Ebenfalls 1957 wurde ihm der Edwin-Scharff-Preis verliehen. Zudem war er auch Jurymitglied der Ausstellung Hamburger Künstler 1957, die in der inzwischen abgerissenen Halle der Nationen (Planten un Blomen) stattfand und vom Berufsverband Bildender Künstler Hamburg geleitet wurde. 1960 entwarf er die fünf saalhohen, schlanken Fenstermosaiken der Synagoge Hohe Weide in Hamburg-Eimsbüttel, die am 4. September 1960 eingeweiht wurde. Den Himmelsrichtungen entsprechend sind die Fenster in helleren oder dunkleren Farbtönen gehalten, wobei nach Norden hin die warmen Farbtöne dominieren.Synagoge Hohe Weide, hamburg.de Darin dargestellt sind die jüdischen Symbole Davidstern, Gesetzestafeln, Torarolle, Menora und Besamimbüchse. 1963 wurde er Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

Mit Arnold Fiedler stand er im engeren Kontakt, so besuchte er ab 1948 dessen Diskussionsabende mit verschiedenen Hamburger Malern und den Kunsthistoriker Hanns Theodor Flemming in der Heilwigstraße 33. Im 14. Arrondissement in Paris hatte Arnold Fiedler von 1959 bis 1969 ein Atelier in der Rue Guilleminot 7. Wenn Herbert Spangenberg in Paris war, besuchte er ihn dort, wie auch die Künstlerin Nanette Lehmann, zu der Spangenberg 1964 in den Siegrunweg 18 in Hamburg-Rissen zog. 1966 ließ er sich von seiner Frau Hilmar scheiden, mit der er inzwischen die Tochter Simone hatte. Nanette Lehmann wurde seine langjährige Lebensgefährtin. Er malte bei ihr 80 großformatige Gemälde. 1982 setzte Gelenkrheumatismus seiner Arbeit ein Ende. Nach seinem Tode 1984 verwaltete Nanette Lehmann seinen Nachlass.Erwähnung Spangenbergs in Mit Keramikkunst bleibt Nanette Lehmann unsterblich, Die Welt, 30. Dezember 1999. In der Zentralen Datenbank Nachlässe sind persönliche Fotografien, Werkfotografien, Ausstellungsunterlagen, Veröffentlichungen über ihn, der Verbleib von Werken, Zeitungsartikel sowie Korrespondenz von ihm erfasst.Herbert Spangenberg in der Zentralen Datenbank Nachlässe

Herbert Spangenberg ist mit Werken unter anderem in den Sammlungen der Hamburger Kunsthalle, des Hotels Louis C. Jacob in Hamburg, der Hamburger Behörde für Kultur und Medien, des NDR, der Martin Brinkmann AG, der Hamburger Sparkasse, des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte im Schloss Gottorf, Spangenbergs auf der Museumsseite des Jüdischen Museums BerlinKurzbiografie Spangenbergs des Bundeshauses in Bonn, der Telekom Bad Honnef vertreten sowie in der Sammlung Deutsche Bank, der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Universität zu Köln im Schloss Wahn und in den Sammlungen von Rolf Italiaander im Museum Rade am Schloss Reinbek, von Hermann-Josef Bunte und der Kunsthistorikerin Maike Bruhns. Die Sammlung von Hermann-Josef Bunte befindet sich seit 2016 als Dauerleihgabe im Hermann-Stenner-Haus in Bielefeld. Hermann-Josef Bunte verkaufte 2012 zwar 250 Arbeiten von Künstlern der Hamburgischen Sezession an die Hamburger Sparkasse, doch waren es scheinbar Werke der Sezession bis 1933, wo Spangenberg noch kein Mitglied war. über den Kauf der Teilsammlung von Hermann-Josaef Bunte

Stil Stilistisch ist das Frühwerk Spangenbergs der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen, speziell dem Magischen Realismus, wenn auch die Werke teilweise surrealistische Züge aufweisen. Sind seine Bilder in den späten 1920ern unbunt und dunkel gehalten, so wenden sie sich doch ab den 1930ern der Farbigkeit und der Helligkeit zu. Ab den späten 1940ern widmet er sich stilistisch zunehmend der Abstrakten Malerei mit der allmählichen Abkehr vom Gegenstand. 1952 stellte er in Köln ein gänzlich abstraktes Bild aus, doch befinden sich in seinen Bildern meist geometrische Formen, manchmal auch formale Strukturen, wie beim Gemälde Zug der Fische. Die Synagogenfenster von 1960 könnte man wiederum der Geometrischen Abstraktion zuordnen, wenn nicht Symbole mit eingearbeitet wären. In seinem Spätwerk, ab 1968, schuf er hauptsächlich von der Pop Art oder Art déco beeinflusste Frauenbilder in dunklen Tönen, deren gemalte Gesichter gelegentlich grotesk-satirisch übersteigert sind wie bei manchen Bildern des Verismus der Neuen Sachlichkeit in den 1920er Jahren. Hin und wieder erinnern sie leicht an Gestalten von Richard Lindner.

Verbleib öffentlicher Werke mini|Die drei, zu ihrem Schutz von innen abgedeckten Bleiglasfenstermosaiken am Ursprungsort an der Schule Weddestraße in Hamburg-Horn, 2016