mini|Hubert Stier mini|Grabmal auf dem Neuen St.-Nikolai-Friedhof in Hannovers Stadtteil Nordstadt mini|Hauptbahnhof Hannover (1900) Hubert Oswald Stier (* 27. März 1838 in Berlin; † 25. Juni 1907 in Hannover) war ein deutscher Architekt, Baubeamter und Hochschullehrer. Er baute vorwiegend im Stil der Neorenaissance Bahnhöfe, Museumsbauten und Kirchen, vor allem in Berlin und Hannover.

Leben Hubert Stier war der Sohn des Berliner Architekten Wilhelm Stier (1799–1856) und dessen Ehefrau Dorothea Carolina Sophia, geb. Oswald (1801–1863).Reinhard Glaß: Stier, Ludwig Oswald Hubert. glass-portal.hier-im-netz.de; zum Thema Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) Sein Vater war Professor an der Berliner Bauakademie und Mittelpunkt eines hunderte Studenten umfassenden Bewundererkreises, des heute noch existierenden Akademischen Vereins Motiv. Schon als Neunjähriger wurde er von seinem Vater zu dessen Vorlesungen in der Bauakademie und zu den Vereinssitzungen mitgenommen und studierte folgerichtig selbst Architektur. Nach dem Reifezeugnis erhielt er von 1855 bis 1856 die erste Ausbildung im Atelier seines Vaters. Nach dem anschließenden Studium an der Bauakademie in Berlin, das er 1858 mit der Bauführerprüfung abschloss, unternahm er 1862 eine Studienreise durch Deutschland und Österreich. Anschließend arbeitete er als Bauführer in verschiedenen Stellungen, u. a. beim Bau der Anatomie. Im Büro des Architekten Hermann Friedrich Waesemann war er von 1863 bis 1864 beteiligt beim Bau des Roten Rathauses in Berlin-Mitte. Er besuchte wieder die Bauakademie, wo er insbesondere Unterricht bei Heinrich Strack hatte und legte 1866 die Baumeisterprüfung ab. Nach erneuten Studienreisen zwischen 1866 und 1868 nach Frankreich und Italien wurde er 1868 Regierungsbaumeister in Berlin und war bis 1876 auch als Privat-Baumeister tätig. Von 1872 bis 1874 war er Direktor der Charlottenburger Baugesellschaft.

1876 ging er als Regierungsbaumeister nach Hannover zur Königlichen Eisenbahn-Direktion, wo er für den zweiten Entwurf des neu zu erbauenden Hauptbahnhofs der Stadt verantwortlich zeichnete. Der erste Entwurf des Berliner Architekten Friedrich Hitzig war am politischen Widerstand der Hannoverschen Bürgervereine gescheitert. Stiers Planung verband den Berliner Entwurf mit dem Rundbogenstil der Hannoverschen Architekturschule und eigenen Ideen. Die technische Ausführung des Hauptbahnhofs mit der der Zeit weit vorauseilenden Konzeption von Gepäck- und Personentunnel unter einem hochgelegten Gleiskörper, die außerhalb des Deutschen Reiches später als Hannover-System bezeichnet wurde, entwarf Ernst Grüttefien.

mini|Flusswasserkunst am Friederikenplatz, Hannover. Der Wasserturm von Carl Dopmeyer, davor der Monumentalbrunnen von Karl Gundelach (Schale heute auf dem Klagesmarkt). mini|Palacio Municipal (Rathaus) in La Plata (Argentinien) mini|Bahnhof Harburg im Jahr der Fertigstellung 1897 mini|Ratsgymnasium Goslar

1880 wurde Hubert Stier Lehrer an der Technischen Hochschule Hannover, 1883 Professor, 1899 Baurat und 1905 Geheimer Baurat.

Unterdessen war Stier, der 1893 unter der Adresse Lützowstraße 1 in Hannover wohnte, das Ehrenkreuz von Schwarzburg 2. Klasse verliehen worden.Adressbuch / Stadt- und Geschäfts-Handbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover und der Stadt Linden. 1893, Abteilung I, Teil 3: Alphabetisches Verzeichnis der Behörden und Anstalten, der Einwohner und Handelsfirmen, Hannover: Klindworth’s Verlag, 1893, S. 814; Digitalisat der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek über die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Neben Bauten von Geschäftshäusern in Hannover zeichnete Stier verantwortlich für zahlreiche Bauten.

Hubert Stier wurde auf dem Neuen St.-Nikolai-Friedhof in Hannovers Stadtteil Nordstadt begraben.

Mitgliedschaften 1866: Gründungsmitglied der Deutschen Bauzeitung Ab 1869: Mitglied im Architektenverein zu Berlin, wo er sich mehrmals an den Monatskonkurrenzen beteiligte. Ab 1878: Mitglied im Architekten- und Ingenieurverein in Hannover. 1899: Aufnahme als Ehrenmitglied in die Bauhütte zum weißen Blatt in Hannover 1903: Gründungsmitglied des Bundes Deutscher Architekten (BDA)

Familie Hubert Stier war verheiratet mit Caroline Luthmer. Sie hatten mehrere Kinder. Der Sohn Hubert Wilhelm Ferdinand Stier (1886–1946)Standesamt Berlin-Wittenau, Sterbebuch 1946, Urkunde Nr. 630. In: Ancestry.com. Berlin, Deutschland, Sterberegister, 1874–1986 [Datenbank online]. wurde Regierungsbaumeister und der Sohn Rudolf Wilhelm Oswald Stier (1890–1966) wurde Gartenarchitekt (Stadthallengarten in Kassel). Die Tochter Hedwig Karoline (* 1877) heiratete den Regierungsbauführer Walter Ludwig Eduard Hoffmann, deren Sohn Hubert Hoffmann ebenfalls Architekt wurde.

Bauten und Entwürfe 1872–1874: Flora-Etablissement in (Berlin-)Charlottenburg (nach Entwürfen von Johannes Otzen, 1904 abgerissen) Um 1872: Entwurf für ein Kriegerdenkmal in (Berlin-)Charlottenburg, Ausführung durch den Bildhauer Albert Wolff, Denkmalschutz 1872–1877: Restaurierung des Doms zu Limburg a.d. Lahn 1875–1876: Mietshaus Bülowstraße 37 in Berlin-Schöneberg, Denkmalschutz 1875–1877: Herz-Jesu-Kirche (Berlin-Charlottenburg), Denkmalschutz 1875–1877: Hauptbahnhof Hannover 1875–1880: Kriegerdenkmal auf dem Marienberg in Brandenburg an der Havel (1945 zerstört) 1877/1978: Haus der Gesellschaft der Freunde, Breslau 1880–1881: Haus Brackebusch in Hannover 1880–1888: Restaurierung der Liebfrauenkirche Arnstadt 1882: Postamt Arnstadt Um 1882: Kaiserliches Postamt Wilhelmshafen 1882–1884: Hauptbahnhof Hildesheim (1959/60 durch Neubau ersetzt) 1883: Rathaus (Palacio Municipal) von La Plata (Argentinien), Ausführung Ernesto Meyer 1883: Postamt Parchim (heute Hotel) 1882–1884: Postamt Hameln 1886–1887: Restaurierung der Nikolaikirche EisenachGroßherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (ohne Wartburg): Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Stadt Eisenach (, Band 3, Abt. 1, = H. 39)digitalesammlungen.uni-weimar.de 1886–1888: Bahnhof Uelzen (jetzt Hundertwasser-Bahnhof) 1886–1888: Ratsgymnasium Goslar 1886–1889: Hauptbahnhof Bremen 1886–1889: Bahnhof Kreiensen 1887–1897: Alte Harburger Elbbrücke Harburg & Wilhelmsburg (heute Hamburg-Harburg & Hamburg-Wilhelmsburg) Straßenbrücke über die Süderelbe, Ausführung M.A.N., Architekt Hubert Stier 1888: Nikolaitor in Eisenach (Umbau) 1890–1892: Stadtkirche St. Trinitatis in Sondershausen (Restaurierung) 1892: Rathaus Geestemünde (1944 kriegszerstört) 1892–1894: Maschstraße 25 in Hannover (Bauleitung) 1893–1902: Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Hohensyburg 1895: Gewinn des Wettbewerbs um das Neue Rathaus in Hannover (Entwurf nicht ausgeführt) 1895–1897: Harburg Hauptbahnhof (heute Hamburg-Harburg) 1896–1897: Reformierte Kirche am Waterlooplatz in Hannover, 1943 weitgehend kriegszerstört, 1956/60 Wiederaufbau Dieter Oesterlen 1896–1898: Flusswasserkunst in Hannover (1963 während der Ära des Stadtplaners Rudolf Hillebrecht abgerissen) 1897–1901: Provinzialmuseum in Hannover (heute Niedersächsisches Landesmuseum) 1903–1905: Paulus-Kirche (Berlin-Zehlendorf), Denkmalschutz 1907–1908: Realgymnasium in Einbeck Bahnhof Suderburg

Schriften Hubert Stier (Hrsg.): Architektonische Erfindungen von Wilhelm Stier. Berlin 1867. Die Liebfrauenkirche zu Arnstadt. Studie über die bauliche Entwicklung derselben. Frotscher, Arnstadt 1882 (als Nachdruck: Thüringer Chronik-Verlag, Arnstadt 2001). Aus meinem Skizzenbuch. Architektonische Reisestudien aus Frankreich. Wittwer, Stuttgart 1885–1889. Hubert Stier (Hrsg.): Romanische Studien. Nach eigenen Ausführungen und Aufnahmen sowie nach Entwürfen der Studierenden der Technischen Hochschule zu Hannover. Seemann, Leipzig 1895.

Unveröffentlichte Quellen Altchristliche und romanische Baukunst. Vorlesung, vorgetragen in den Studienjahren 1884/85 und 1885/86 an der Technischen Hochschule Hannover. Kollegheft. Bearbeitet von Johannes Franziskus Klomp. Hannover 1886. (Fotokopie des Originals vorhanden in der TIB/UB Hannover) Ornamentik II. Vorlesungen von Prof. Hubert Stier. Nachschrift von Ferdinand Eichwede. Hannover: Technische Hochschule . (Vorhanden in der TIB/UB Hannover)

Literatur Paul Trommsdorff: Der Lehrkörper der Technischen Hochschule Hannover 1831–1931. Hannover 1931, S. 95. Klaus Siegner: Die Bahnhofsarchitektur Hubert Stiers (1838–1907). Ein Beitrag zur niedersächsischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts. Göttingen 1986. Winfried Gründel: Hubert Stiers Provinzialmuseum (Niedersächsisches Landesmuseum) in Hannover. Entstehungsgeschichte – Gestaltung – Wertung. Göttingen 1989. Helmut Knocke, Hugo Thielen: Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon. Handbuch und Stadtführer. 3., rev. Auflage. Schäfer, Hannover 1995, S. 72–73 (Landesmuseum), 78–79 (Reformierte Kirche) und 94–95 (Hauptbahnhof). Helmut Knocke. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 351. Günther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland. Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850–1900. Schlüter, Hannover 1998, ISBN 3-87706-538-4, S. 568. Sid Auffarth: Vom Unbehagen am Monumentalen. Notizen zur Baugeschichte des Niedersächsischen Landesmuseums in Hannover. In: Heide Grape-Albers (Hrsg.): Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover 2002. 150 Jahre Museum in Hannover – 100 Jahre Gebäude am Maschpark. Festschrift zum Jahr des Doppeljubiläums. Niedersächs. Landesmuseum, Hannover 2002, ISBN 3-929444-29-1, S. 96–129. Hundertwasser-Bahnhof Uelzen. Fotos von Ulf Böttcher und Rainer Schimmel. Text von Bernd Weinkauf. Stadt-Bild-Verlag, Leipzig 2003. ISBN 3-934572-18-9 (darin S. 10–13: Bahnhof Uelzen – Das Empfangsgebäude von 1887 [von Hubert Stier]).

Weblinks

Reinhard Glaß: Stier, Ludwig Oswald Hubert. glass-portal.hier-im-netz.de; zum Thema Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) Herz-Jesu-Kirche, Berlin. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin. Gefallenendenkmal in Berlin von 1873-75 für die preußischen Kriege 1864, 1866 und 1870/71 von Hubert Stier (Sockel) und Albert Wolff (Tierfigur). Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin. Bahnhof Suderburg, von Hubert Stier. kdtroeger.de

Hubert Stier: Projekte. In: Architekturmuseum der TU Berlin. Abgerufen am 29. August 2026 Hubert Stier, In: museum-digital berlin. Abgerufen am 29. August 2026

Einzelnachweise

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