mini|hochkant|Ulrich Dirnagl (2015) Ulrich Dirnagl (* 9. August 1960 in München) ist ein deutscher Neurologe. Seit 2017 ist er Gründungsdirektor des QUEST Centers for Responsible ResearchGeschichte des BIH, auf bihealth.org, abgerufen am 17. Februar 2023 am Berlin Institute of Health.

Leben Ulrich Dirnagl absolvierte von 1980 bis 1988 ein Studium der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und arbeitete dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Neurologie. In dieser Zeit entstand seine Promotion zum Thema „Ätiologie und Signifikanz der 0.5-2 / Minute Oszillationen des Hirndruckes“ die von Karl Max Einhäupl betreut wurde. Zwischen 1988 und 1989 forschte er an der Cornell University in den Vereinigten Staaten und kehrte im Anschluss daran nach München zurück, wo er als wissenschaftlicher Assistent an der neurologischen Klinik der Universität München arbeitete. 1993 erfolgte ein Umzug nach Berlin, wo er als Oberarzt der Neurologischen Klinik an der Charité arbeitete. In dieser Zeit begann er mit dem Aufbau eines Forschungslabors „Experimentelle Neurologie“ dessen Schwerpunkt es sein sollte, eine Brücke zwischen der Grundlagenforschung in den Neurowissenschaften auf der einen und der klinischen Neurologie auf der anderen Seite darzustellen.

Seine Habilitation für experimentelle Neurologie erfolgte im Dezember 1993 an der LMU. 1999 wurde mit Hilfe der Herrmann und Lilly Schilling Stiftung für Medizinische Forschung die Abteilung für Experimentelle Neurologie an der Berliner Charité gegründet und ein Lehrstuhl für Experimentelle Neurologie eingerichtet, der mit Ulrich Dirnagl besetzt wurde. Die Abteilung für Experimentelle Neurologie wurde bis Mai 2022 von ihm geleitet. Darüber hinaus ist Ulrich Dirnagl in einer Vielzahl von Initiativen und Programmen aktiv. Von 2017 bis 2025 analysierte er im Laborjournal in der monatlich erscheinenden Kolumne „Einsichten eines Wissenschaftsnarren“ auf kritische Weise das Wissenschaftssystem. Im Oktober 2025 wurde er emeritiert.

Forschungsschwerpunkte Auf dem Gebiet der experimentellen Neurologie liegen die Forschungsschwerpunkte von Ulrich Dirnagl auf folgenden Gebieten: Physiologie und Pathophysiologie der Regulation des zerebralen Blutfluss Pathologie des Schlaganfalls Hirnbildgebung

Ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit von Ulrich Dirnagl liegt in der Untersuchung der Forschung selbst (Meta-Forschung), insbesondere der Schlaganfallforschung. Hierbei versucht er die Frage zu beantworten, weshalb vielversprechende Ergebnisse der Grundlagenforschung sich nur selten in Klinischen Studien reproduzieren lassen, eine Voraussetzung um zukünftig betroffenen Patienten von Nutzen zu sein. In einer Reihe von Veröffentlichungen argumentiert er, dass mangelnde Qualitätsstandards in der Grundlagenforschung, z. B. fehlende Randomisierung und Verblindung, zu geringe Stichproben, eine unzureichende Dokumentation, aber auch die Schwierigkeit, Ergebnisse zu publizieren, die die ursprüngliche Hypothese nicht bestätigen, einer erfolgreichen Translation im Wege stehen.

Funktionen und Mitgliedschaften 1993–1999: Direktor des Labors für Experimentelle Neurologie, Charité 1999–2022: Direktor der Abteilung für Experimentelle Neurologie, Charité seit 1999: Stellvertretender Direktor Neuroscience Center, Charité 2001–2016: Programm Direktor des Internationalen Master-MD und PhD Programms Medical Neurosciences 2005 bis 2007: Sprecher des Sonderforschungsbereich SFB5007 „Die Bedeutung nicht-neuronaler Zellen bei neurologischen Erkrankungen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2006–2008: Mitglied und Mitglied des Steuerungskomitees des Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien (BCRT) 2006–2012: Mitglied des Bewilligungsausschusses für die Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 2007: Mitglied, Mitglied des Direktoriums und Klinischer Koordinator des Exzellenzclusters NeuroCure 2007–2012: Generalsekretär der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft 2008–2018: Gründungsdirektor des Centrum für Schlaganfallforschung Berlin 2008–2013: Koordinator Affording Recovery in Stroke (ARISE), Koordinator des European Stroke Network 2009–2016: Editor in Chief, Journal of Cerebral Blood Flow and Metabolism 2013–2017: Klinischer Koordinator des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen 2013–2016: Mitglied des Beratergremiums der Stiftung Wings for Life 2015: Mitbegründer und Koordinator von SPARK-Berlin (gemeinsam mit Craig Garner) 2017–2022: Visiting Professor University of Oxford seit 2017: Gründungsdirektor des QUEST (Quality | Ethics | Open Science | Translation) Center for Responsible Research, Berliner Institut für Gesundheitsforschung seit 2018: Gewähltes Mitglied der Academia Europaea

Stipendien und Auszeichnungen 1993: Verleihung des Gerhard Hess Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1995–1999: Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2016: Verleihung des Thomas Willis Lecture Award, American Heart Association 2016: Verleihung des Berliner Wissenschaftspreises 2017: Verleihung des Münster Heart Center Lecture Award, Stiftung Herzzentrum Universitätsklinikum Münster 2026: Verleihung des Science Hero Awards durch die Konferenz der Biologischen Fachbereiche.

hrsg. mit Bernd Elger: Neuroinflammation in Stroke. Springer, Belin 2004, ISBN 3-540-40348-5. (Hrsg.) Rodent Models of Stroke. Humana Press, Totowa 2010, ISBN 978-1-60761-749-5; 2. Auflage: Human Press, New York 2016, ISBN 978-1-4939-5618-0. mit Jochen Müller: Ich glaub, mich trifft der Schlag: Warum das Gehirn tut, was es tun soll, oder manchmal auch nicht. Droemer, München 2016, ISBN 978-3-426-27679-2.

Weblinks

Blog von Ulrich Dirnagl: dirnagl.com Interview im Onlinemagazin des Stifterverbands Merton: Wir produzieren zu viel Forschungsmüll Artikel in Die Zeit: Wo sind all die Nager hin? Interview ZDF: Tag gegen den Schlaganfall Interview Forschergeist Podcast: Vertrauen und Kontrolle in der Wissenschaft Interview Bayerischer Rundfunk aus der Reihe Nacht:sicht vom 13. Feber 2017 Hirnforschung

Einzelnachweise

Kategorie:Neurologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1960 Kategorie:Mann