Vogelgrippe H5N8 ist eine Viruserkrankung der Vögel und eine Form der Geflügelpest, hervorgerufen durch das Influenza-A-Virus H5N8 (abgekürzt auch A/H5N8), das heißt durch einen Subtyp des Influenzavirus, der insbesondere bei Hühnervögeln vorkommt.Erster Ausbruch aviärer Influenza A(H5N8) bei Geflügel in Europa bestätigt. Auf: euro.who.in vom 21. November 2014 Sie kann durch Wildvögel auf Zuchtgeflügel übertragen werden.The Global Consortium for H5N8 and Related Influenza Viruses: Role for migratory wild birds in the global spread of avian influenza H5N8. In: Science. Band 354, Nr. 6309, 2016, S. 213–217, doi:10.1126/science.aaf8852
Bei dem Infektionsgeschehen im Winterhalbjahr 2016/17 handelt es sich laut Friedrich-Loeffler-Institut „um den schwersten jemals in Deutschland registrierten Ausbruch“ der Geflügelpest.Friedrich-Loeffler-Institut: Schwerster jemals registrierter Vogelgrippeausbruch in Deutschland. Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 31. Januar 2017 (auf presseportal.de)
Risiken für Menschen Im Februar 2021 wurden erstmals Infektionen bei Menschen diagnostiziert. In Südrussland steckten sich sieben Arbeiter in einem Geflügel-Mastbetrieb bei infizierten Tieren an. Das Risiko für Infektionen beim Menschen gilt dennoch als sehr gering, da eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht beobachtet werden konnte.
Gleichwohl empfiehlt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vorsorglich, dass Beschäftigte, die unmittelbaren Kontakt zu infizierten Tieren hatten, zehn Tage lang auf Krankheitssymptome achten sollen, die möglicherweise auf den Kontakt mit Influenza-Viren zurückzuführen sind. Hintergrund dieser Empfehlung ist unter anderem, dass es Todesfälle nach einer Infektion mit dem eng verwandten Subtyp A/H5N6 gab.WHO: Assessment of risk associated with influenza A(H5N8) virus. Auf: who.int vom 17. November 2016.
Meldepflicht beim Menschen In Deutschland ist eine „zoonotische Influenza“ eine meldepflichtige Krankheit nach Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes. Die namentliche Meldepflicht besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod. Meldepflichtig ist die zoonotische Influenza nach dem Recht Deutschlands durch das Masernschutzgesetz seit dem 1. März 2020.
In Österreich sind „Infektionen mit dem Influenzavirus A/H5N1 oder einem anderen Vogelgrippevirus“ anzeigepflichtige Krankheiten gemäß Abs. 1 Epidemiegesetz 1950. Die Meldepflicht bezieht sich auf Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle.
In der Schweiz ist eine „Influenza A HxNy (neuer Subtyp)“ eine meldepflichtige Krankheit, und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen. Die Pflicht besteht bei klinischem Verdacht und erstreckt sich auch auf die Rücksprache mit Fachärztin oder Facharzt für Infektiologie und die Veranlassung einer erregerspezifischen Labordiagnostik.
Anzeigepflichtige Tierseuche Wie alle anderen durch Influenzaviren verursachten Geflügelkrankheiten („Geflügelpest“) ist in Deutschland die Erkrankung eine anzeigepflichtige Tierseuche ( Nr. 11 der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen).
Nachweise von A/H5N8 bei Tieren 1983 Der erste wissenschaftlich dokumentierte Ausbruch von A/H5N8 ereignete sich im November 1983 in einer Geflügelhaltung in Irland.Influenza Strain Details for A/turkey/Ireland/?/1983(H5N8). Auf: fludb.org – Influenza Research Database, aufgerufen am 6. November 2014. Damals wurden 8000 Puten und 28.000 Hühnerküken getötet, ferner 270.000 Enten, was 97 Prozent des zu diesem Zeitpunkt in Irland kommerziell gehaltenen Entenbestands entsprach.Dennis J. Alexander et al.: Highly pathogenic avian influenza outbreaks in Europe, Asia, and Africa since 1959, excluding the Asian H5N1 virus outbreaks. In: David E. Swayne (Hrsg.): Avian Influenza. Blackwell Publishing, 2008, S. 223, ISBN 978-0-8138-2047-7.
1998 bis 2013 Ab 1998 kam es wiederholt zu Einzelnachweisen bei Wildvögeln und zu Ausbrüchen in Geflügelhaltungen in den USA.Liste von H5N8-Nachweisen Auf: fludb.org – Influenza Research Database, aufgerufen am 6. November 2014. Ab 2010 wurden die Viren kontinuierlich auch bei asiatischen Wildvögeln und in Tierbeständen in Asien – insbesondere in Südkorea, in Taiwan und in der Volksrepublik China – nachgewiesen. Auf: ecdc.europa.eu vom 18. November 2016.
2014 Eine besonders aggressive (HPAI-)Variante des Subtyps A/H5N8 wurde Anfang 2014 in Südkorea nachgewiesen, wo mehrere Millionen Hühner und Enten getötet wurden; auch Gluckenten und andere Zugvögel waren infiziert und starben.New Avian Flu Virus Ravages Poultry in Korea. Auf: Sciencemag.org vom 6. Februar 2014. Information received on 18/01/2014 from Dr TaeYung Kim, Director General, Livestock Policy Bureau, Ministry for Food, Agriculture, Forestry & Fisheries, Sejong-Si, Korea (Rep. of).J. Jeong, H. M. Kang, E. K. Lee et al.: Highly pathogenic avian influenza virus (H5N8) in domestic poultry and its relationship with migratory birds in South Korea during 2014. In: Veterinary microbiology. Band 173, Nr. 3–4, 2014, S. 249–57, PMID 25192767. Später wurde der Nachweis geführt, dass diese Variante Ende 2013 bereits in der Volksrepublik China aufgetreten war; durch Zugvögel gelangten die Erreger schließlich über die Behringstraße auch in die USA.Dong-Hun Lee et al.: Intercontinental Spread of Asian-origin H5N8 to North America through Beringia by Migratory Birds. In: Journal of Virology. Band 89, Nr. 12, 2015, S. 6521–6524, doi:10.1128/JVI.00728-15. Im Dezember 2014 wurde das Virus in der russischen Teilrepublik Jakutien bei einer abgeschossenen wilden Pfeifente nachgewiesen. Immediate notification report der Weltorganisation für Tiergesundheit vom 25. Dezember 2014 (PDF).
Im Dezember 2014 wurde aus den USA bekannt, dass ein privat gehaltener Gerfalke sich im Verlauf der Jagd auf frei fliegende Wildvögel in Whatcom County, Washington, mit A/H5N8 infiziert hatte. Im Original publiziert auf oie.int vom 16. Dezember 2014. Im gleichen County wurde kurz darauf nachgewiesen, dass einige Gene dieser Virusvariante (A/gyrfalcon/WA/41088/2014 H5N8) im Wege der Reassortierung auf A/H5N1 übergegangen sind. vom 20. Januar 2015, REF OIE 17014, Report Date: 20/01/2015, Country :United States of America. Weitere Virusnachweise wurden Anfang 2015 aus den US-Bundesstaaten Kalifornien, Idaho und Nevada vom 3. Februar 2015 „from Dr John Clifford, Deputy Administrator, Animal and Plant Health Inspection Service, United States Department of Agriculture“ an die OIE. sowie aus Kanada Im Original publiziert auf oie.int vom 1. Mai 2015. bekannt.
Die hochpathogene Variante trat in Deutschland erstmals Anfang November 2014 auf,Hon S. Ip et al.: Novel Eurasian Highly Pathogenic Avian Influenza A H5 Viruses in Wild Birds, Washington, USA, 2014. In: Emerging Infectious Diseases. Band 21, Nr. 5, Mai 2015, doi:10.3201/eid2105.142020, Volltext (PDF). im Mastputenbetrieb Osterhuber Agrar in Heinrichswalde (Mecklenburg-Vorpommern). Meldung der deutschen Behörden an die Weltorganisation für Tiergesundheit vom 6. November 2014.Geflügelpest soll nicht das Ende sein: Putenmäster will wieder durchstarten. Auf: nordkurier.de vom 10. November 2014.
Mitte November 2014 trat dieser Subtyp in einem Legehennenbetrieb im niederländischen Oudewater, Ortsteil Hekendorp, auf; die 150.000 Tiere des Betriebs wurden vorsorglich getötet., 16. November 2014: Information received on 16/11/2014 from Dr Christianne Bruschke, Chief Veterinary Officer, Ministry of Economic Affairs, Ministry of Economic Affairs, The Hague, Netherlands. Wenig später wurde das Virus in einem Pekingenten-Bestand in Nafferton im Osten von Yorkshire (England) entdeckt.Bird flu: Culling to begin at Nafferton farm. Auf: bbc.com vom 18. November 2014. Die Farm wurde betrieben von Cherry Valley Foods, der größten britischen Entenzuchtfirma, die auch Standorte in China und Deutschland hat.. Im Original publiziert auf telegraph.co.uk vom 18. November 2014.
Später wurden erneut Infektionen in den Niederlanden diagnostiziert (Ter Aar, Kamperveen bei Kampen).Vogelgriep Kamperveen blijkt variant H5N8. Auf: nu.nl vom 22. November 2014.
Auf der Ostseeinsel Rügen bei Ummanz wurde A/H5N8 im November 2014 erstmals in Europa bei einem Wildvogel, einer im Rahmen des Wildvogelmonitorings geschossenen Krickente, festgestellt. H5N8-Virus: Vogelgrippe erstmals in Europa bei Wildvogel. Auf: spiegel.de vom 22. November 2014. Auf: oie.int vom 25. November 2014 (PDF).
Da zwischen den Geflügel-Mastbetrieben in Deutschland, in den Niederlanden und in England keine Handelsbeziehungen und keine Tiertransporte stattfanden, gilt eine Übertragung der Viren durch frei lebende Vögel als am wahrscheinlichsten.Cornelia Adlhoch et al.: Comparing introduction to Europe of highly pathogenic avian influenza viruses A(H5N8) in 2014 and A(H5N1) in 2005. In: Eurosurveillance. Band 19, Nr. 50, 18. Dezember 2014, Volltext.
Mitte Dezember 2014 wurde das Virus auf einem Geflügelhofbetrieb im Landkreis Cloppenburg in NiedersachsenErreger H5N8: Gefährliches Vogelgrippe-Virus in Niedersachsen. Auf: spiegel.de vom 16. Dezember 2014. und in Porto Viro (Italien) nachgewiesen Im Original publiziert auf oie.int vom 16. Dezember 2014..
2015 Anfang Januar 2015 starben im Rostocker Zoo (Mecklenburg-Vorpommern) drei Weißstörche an den Folgen einer Infektion mit A/H5N8; daraufhin wurden neun weitere Störche getötet, bei denen anschließend ebenfalls der Subtyp nachgewiesen wurde. Auf: ndr.de vom 9. Januar 2015. Wenig später wurde die Untersuchung aller 500 gehaltenen Vögel angeordnet und weitere infizierte Vögel getötet,Vogelgrippe im Rostocker Zoo: Weitere 18 Tiere mussten getötet werden. Auf: spiegel.de vom 10. Januar 2015. darunter zehn Ibisse und acht Reiher. Im Original publiziert auf ndr.de vom 12. Januar 2015. Zur gleichen Zeit wurde im Landkreis Nordhausen (Thüringen), im Bereich der Aulebener Teiche, eine Stockente geschossen, in der A/H5N8 nachgewiesen wurde,H5N8 im Landkreis Nordhausen. Auf: nnz-online.de vom 12. Januar 2015. und kurz darauf trat der Subtyp erneut in Mecklenburg-Vorpommern auf, im Haushuhn-Bestand eines Hobbyhalters in Anklam.Schwerin: H5N8-Erreger bei Huhn nachgewiesen. Auf: spiegel.de vom 21. Januar 2015.
Im Februar 2015 wurden in Füzesgyarmat (Ungarn) mehr als 21.000 Stück Geflügel getötet, nachdem der Subtyp in einem Bestand nachgewiesen worden war. vom 25. Februar 2015 des Ministry of Agriculture, Budapest, Hungary. Im Februar 2015 erfolgte ferner ein Nachweis bei einem Höckerschwan in Schweden. Immediate notification report, im Original publiziert auf oie.int vom 20. März 2015.
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