300px|mini|Lage der finnischen ein- und zweisprachigen Gemeinden (2016). Als Finnlandschweden bezeichnet man die Angehörigen der schwedischsprachigen Bevölkerungsminderheit in Finnland. Die von ihnen gesprochene Sprachform wird Finnlandschwedisch genannt. Das Schwedische ist eine von Finnlands zwei Nationalsprachen und offiziell mit dem Finnischen gleichgestellt. Die Finnlandschweden sind eine nationale Minderheit in Finnland und bewohnen hauptsächlich neben den Ålandinseln den Küstenstreifen entlang des Österbottens sowie die Südküste, einschließlich der schwedischen Sprachinseln in einigen finnischsprachigen Städten. Die Minderheit der Finnlandschweden umfasst etwa eine Viertelmillion Menschen oder zwischen 5 und 6 Prozent der finnischen Bevölkerung. Der Anteil der Schwedischsprachigen in Finnland ist schon seit Jahrhunderten rückläufig. 300px|mini|alt=Eine skandinavische Kreuzflagge mit gelbem Kreuz auf rotem Grund.|Die inoffizielle Flagge der Finnlandschweden ist wenig bekannt und wird selten verwendet.
Name „Finnlandschweden“ (schwedisch: finlandssvenskar), im Singular „Finnlandschwede“ oder „Finnlandschwedin“ (finlandssvensk(a)), ist eine späte Bezeichnung für die schwedischsprachige Bevölkerung Finnlands. Im Schwedischen bezieht sich die Bezeichnung finne, finnar („Finne(n)“) nur auf die finnischsprachigen Bürger Finnlands, während Finnländer (finländare) im weiteren Sinne ein Sammelbegriff für die Bürger Finnlands ist, egal welcher Sprachgruppe sie angehören (z. B. finnisch, schwedisch, samisch oder romani).Suchanfrage finländare in Svenska Akademiens ordlista (schwedisch)
Die Entsprechung von schwedisch finländare war auch im Deutschen gebräuchlich, z. B. die 1907 benannte Finnländische Straße in Berlin und die kurz nach 1914 als Vorläufer der Finnischen Botschaft in Berlin gegründete Finnländische Kanzlei und später das Finnländische Büro.Geschichte der Vertretung Finnlands in Berlin, abgerufen am 26. April 2022. Ein weiteres Beispiel ist der Name Finnländischer Bahnhof. Laut Duden bezeichnet das deutsche Wort Finnländer heute jedoch spezifisch die Finnlandschweden,Suchanfrage Finnländer im Duden was der ursprünglichen Bedeutung nicht entspricht.
Herkunft und Geschichte
Die schwedischsprachige Minderheit entstammt der ab dem 12. Jahrhundert bis zum Vertrag von Fredrikshamn (1809) dauernden Zugehörigkeit Finnlands zu Schweden. Sie entstand einerseits durch Zuzug aus dem schwedischen Mutterland und später auch aus Mitteleuropa – die meisten mitteleuropäischen Einwanderer übernahmen bevorzugt die schwedische und nicht die finnische Sprache, siehe in jüngerer Zeit z. B. Carl Ludwig Engel, Georg Franz Heinrich Stockmann und Karl Fazer –, andererseits durch Assimilation vor allem der gehobenen finnischen Bevölkerungsschichten. Der Wechsel vom Finnischen zum Schwedischen war attraktiv, weil bis ins 19. Jahrhundert Schwedisch (neben Latein) die einzige Kultur- und Verwaltungssprache und die Sprache der Oberschicht des Landes war, während das Finnische praktisch nur im Alltagsleben der bäuerlichen Bevölkerung Verwendung fand. Im Mittelalter betrug der Anteil der Finnlandschweden unter der Bevölkerung des heutigen Finnland geschätzt 25 %, allerdings ist er seit Jahrhunderten rückläufig. Die Finnlandschweden umfassen heute rund 290.000 Personen und damit 5,3 % der Gesamtbevölkerung Finnlands (Stand: 2015).
Sprache
Die schwedische Sprachvariante, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts gesprochen wird, bezeichnet man allgemein als Finnlandschwedisch. Diese Sprachvariante wird auch als finnlandschwedische Standardsprache (finlandssvenska riksspråket) bezeichnet. Daneben existieren auf dem Land aber noch sehr viele schwedische Dialekte, vor allem im Österbotten und auf den vorgelagerten Inseln (skärgården), in Südwestfinnland und in Nyland. Diese Dialekte gehören zum Ostschwedischen. In Finnland haben sich die archaischen Dialekte oft besser erhalten als in Schweden, da sie zur finnlandschwedischen Identitätsfindung innerhalb der anderssprachigen Umwelt beitrugen.Olof Mustelin: ”Finlandssvensk” – kring ett begrepps historia. Skrifter utgivna av Svenska Litteratursällskapet, vol. 511, 1983.Helda.helsinki: Genös i östra Nyland. Från dialektutjämning till dialektmarkör(2010) av Caroline Sandström. Doktoravhandling. Helsingfors universitet, Institutionen för finska, finskugriska och nordiska språk. Volym nr 20 i publikationsserien Nordica Helsingiensia (Seite zuletzt am 11. Januar 2011 kontrolliert)
Sprachsituation Im Jahr 2006 gab es ungefähr 291.000 Menschen in Finnland, die Schwedisch als Muttersprache sprachen; davon lebten 25.000 auf Åland und 266.000 im übrigen Finnland.Finlands befolkning Statistikcentralen Zusammengenommen haben ungefähr 5,4 Prozent der Gesamtbevölkerung Schwedisch als Muttersprache (5 Prozent, wenn man Åland ausnimmt). Der Anteil der Finnen, die in einsprachig schwedischen Gebieten leben, liegt bei etwa 0,8 Prozent. Der Anteil der Finnen, die Schwedisch mehr oder weniger gut sprechen und verstehen, ist jedoch weit höher, zumal beide Sprachen verpflichtende Fächer in den Schulen sind. Schwedisch spielte als grundlegende Sprache in der Öffentlichkeit und im kulturellen Leben in der finnischen Gesellschaft immer eine wichtige Rolle.
Zweisprachigkeit Laut Verfassung ist Finnland ein zweisprachiges Land. Dies bedeutet, dass die schwedischsprachige Minderheit das Recht hat, mit den staatlichen Behörden auf Schwedisch zu kommunizieren. Eine finnische Gemeinde gilt als zweisprachig, wenn mehr als 8 % der Einwohner oder mehr als 3000 Personen die jeweilige Minderheitensprache (Finnisch oder Schwedisch) sprechen. In zweisprachigen Gemeinden müssen alle Beamte zufriedenstellende Kenntnisse in beiden Sprachen aufweisen. Des Weiteren müssen alle Ortsschilder zweisprachig sein (die Mehrheitssprache an oberster Stelle). Nach einer Bildungsreform in den 1970er Jahren wurden sowohl Schwedisch als auch Finnisch Pflichtfächer an allen Schulen. Allerdings gibt es angesichts der kontinuierlichen prozentualen Abnahme des finnlandschwedischen Bevölkerungsteils auch in Finnland eine Diskussion, inwiefern Schwedisch weiter Pflichtfach an finnischen Schulen sein soll. In einer Abstimmung am 6. März 2015 sprach sich das finnische Parlament mit großer Mehrheit von 134 gegen 48 Stimmen dafür aus. Dagegen hatte unter anderem die Partei Die Finnen gestimmt.
Svenskfinland
Die Finnlandschweden identifizieren sich im heutigen Finnland vor allem als eine sprachliche Minderheit (und nicht als ethnische oder nationale Minderheit). Da die schwedische Sprache auf konstitutioneller Ebene in der gesamten Republik als offizielle Landessprache (gleichberechtigt mit Finnisch) fungiert, ist die räumliche Abgrenzung der Gebiete und Städte an Finnlands Küste, in denen die Mehrheit der Finnlandschweden lebt und die diese mit ihrer eigenen sprachlichen und kulturellen Autonomie verknüpfen, nur ein Aspekt. Ebenso relevant sind die finnlandschwedischen sozialen, politischen und kulturellen Netzwerke und Institutionen, die sich nicht geographisch beschreiben lassen. Beide „Räume“ gemeinsam bilden das auf Schwedisch so genannte Svenskfinland, das „(finnland)schwedische Finnland“.
Siedlungsgebiete Der Großteil der Finnlandschweden lebt in drei räumlich getrennten Bereichen: Im Süden ist die Küste von Nyland (finnisch Uusimaa) zwischen Pyttis (Pyhtää) und Hangö (Hanko) zu einem großen Teil schwedischsprachig. Ebenfalls zum finnlandschwedischen Siedlungsgebiet gehört der als Åboland (Turunmaa) bezeichnete Südteil des Schärenmeers vor der Küste von Egentliga Finland (Varsinais-Suomi) im Südwesten des Landes. Dazu kommt an der Westküste ein Küstenstreifen in der Landschaft Österbotten (Pohjanmaa), der von Kristinestad (Kristiinankaupunki) bis Karleby (Kokkola) reicht. Auch in den 1940 infolge des Winterkrieges abgetretenen östlichen Gebieten siedelten Finnlandschweden; so waren 1939 von den 74.495 Einwohnern in der Provinz Wiborg 4.541 schwedischsprachig.Statistisk årsbok för Finland 1939. Helsingfors Statsrådets tryckeri, 1940.
Die autonome Provinz Åland, deren Bewohnern eine Sonderstellung zukommt, wird oft nicht mehr zum Siedlungsgebiet der Finnlandschweden im eigentlichen Sinne gezählt.
Institutionen Zu den wichtigen überregionalen Institutionen in Svenskfinland gehören Svenska Finlands folkting als politische Repräsentation, die schwedischsprachigen Medien wie die Tageszeitung Hufvudstadsbladet sowie schwedischsprachige Buchverlage wie Schildts & Söderströms und Förlaget M, schwedischsprachige oder zweisprachige Universitäten wie Åbo Akademi und Universität Helsinki, wissenschaftliche Gesellschaften wie die Schwedische Literaturgesellschaft in Finnland, große Stiftungen wie Svenska kulturfonden, die schwedischsprachige Brigade Nyland der Streitkräfte und der nationale schwedischsprachige Sportverband Finlands Svenska Idrott.
Schwedenfinnlandschweden
Es gibt unterschiedliche Erhebungen darüber, wie viele Finnlandschweden von Finnland nach Schweden ausgewandert sind. Eine Quelle besagt, dass zwischen 1945 und 1976 etwa 400.000 finnische Staatsbürger nach Schweden emigrierten und davon etwa 200.000 permanent dort blieben. Aus den Migrationsströmen berechnete man, dass darunter ein Drittel Finnlandschweden waren.Charlotta Hedberg: The Finland-Swedish Wheel of Migration. Doktorarbeit. Institutionen för kulturgeografi, Uppsala universitet, 2005.
Eric De Geer von der Universität Uppsala erhob 2004 eine gründliche Statistik über Finnischsprachige in Schweden. Er fand dabei heraus, dass etwa 20 Prozent (circa 60.000 Personen) der Einwanderer nicht aus der finnischen, sondern aus der finnlandschwedischen Sprachgruppe in Finnland kamen.Eric de Geer: Den finska närvaron i Mälarregionen, 2004 (schwedisch). Gelesen am 29. März 2011. Selbst in Schweden betrachten sich diese Einwanderer als Finnlandschweden oder sogar als Schwedenfinnlandschweden (schwedisch: sverigefinlandssvenskar) und haben in Bergslagens Gruben- und Stahlgemeinden und in anderen Orten Schwedens, wo sie sich in größerem Ausmaß niederließen, finnlandschwedische Vereinigungen gegründet, wie es auch die finnischsprachigen Einwanderer taten.
Amerikafinnlandschweden Auch die Anzahl der Finnlandschweden, die in die USA und nach Kanada auswanderten, war hoch. Man schätzt, dass in der Zeit zwischen 1871 und 1929 etwa 73.000 Personen ausgewandert seien.Anders Myhrman: Finlandssvenskar i Amerika.
Die zwei Begriffe „Minderheit“ und „Sprache“ wurden erst 1912 von Rolf Pipping geprägt; davor sprach man gewöhnlich von „Amerikaschweden“ (schwedisch: amerikasvenskar).Rolf Pipping: Språk och stil. Finsk tidskrift 10, 1938, S. 202–214, 267–276, besonders S. 272.
Identität Der in der Schweiz lebende Journalist und Sachbuchautor Mikael Krogerus beschreibt die finnlandschwedische Identität kurz wie folgt:
Er behauptet gleichzeitig, dass sich all das ändern wird, da die finnlandschwedische Band KAJ überraschend die schwedische Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest gewann und Schweden somit in Basel vertritt.