Blutendes Deutschland ist ein tendenziöser, propagandistischer, deutscher Dokumentarfilm aus der Wendezeit 1932/33 von Johannes Häussler.
Handlung Der Film gibt einen historischen Abriss über die deutsche Geschichte des Zweiten Reichs, beginnend mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Reichsgründung 1871 bis zum Niedergang der Weimarer Republik. Wichtigste Stationen sind die Schlacht von Sedan und der Sieg über Frankreich, die Kaiserkrönung Wilhelms I. im Spiegelsaal von Versailles, gefolgt von einer langen Friedensphase (1871–1914), die mit dem ökonomischen Aufblühen Deutschlands einherging. Es folgt der Erste Weltkrieg mit der Abdankung Wilhelms II., die politischen Unruhen in Berlin und andernorts (sog. Spartakistenkämpfe), das Friedensdiktat von Versailles, die polnischen Übergriffe gegen Oberschlesien, die in Versailles 1919 erzwungene deutsche Abrüstung, die mit der Aufrüstung von Deutschlands Nachbarn einherging, die rapide ansteigende Arbeitslosigkeit sowie die 1923 von den Franzosen verfügte Hinrichtung des von den Nationalsozialisten als Märtyrer gefeierten Aktivisten Albert Leo Schlageters, der gegen die Ruhrbesetzung seitens Franzosen und Belgier aufbegehrte und mehrere Sprengstoffattentate verübte.
Einen besonderen Aspekt bildet die Entstehungsgeschichte des deutschen Nationalsozialismus. Hier werden vor allem die angeblich heroischen Momente herausgearbeitet: Gezeigt werden Adolf Hitlers frühe Auftritte in München (ab 1919), bebildert auch der Tod und das Begräbnis des Berliner SA-Führers Horst Wessels, einem weiteren nationalsozialistischen „Märtyrer“, die Harzburger Front, der sog. Stahlhelmtag, Reden Hitlers und Joseph Goebbels’ und schließlich die Ernennung Hitlers zum neuen Reichskanzler durch Reichspräsident Paul von Hindenburg und die Reichstagswahl vom 5. März 1933. Der Tag von Potsdam (21. März 1933) hingegen fehlt, da er ein Tag vor der Zensurvorlage des jetzt fertigen Films stattfand. Die in den österreichischen Kinos am 16. Juni 1933 angelaufene Version, die allerdings in Wien rasch mit Verbot belegt wurde, berichtet auch noch vom Maifeiertag 1933 als dargebotenes Ereignis. Diese Fassung maß rund 1700 Meter, verteilt auf vier Akte, und war damit nur unwesentlich kürzer als die Ende März 1933 uraufgeführte, reichsdeutsche Fassung von Blutendes Deutschland.
Produktionsnotizen Blutendes Deutschland entstand 1932, also noch vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten, und wurde in seiner ersten Fassung am Silvestertag 1932 der Filmzensur vorgelegt. Die Fassung war 36 Minuten lang. Da sich die Ereignisse in Deutschland zum Jahresbeginn 1933 überschlugen, wurde die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 in die schließlich gezeigte Fassung miteingebaut. Diese 68-minütige Fassung passierte die Filmzensur am 22. März 1933 und wurde am 30. März 1933 uraufgeführt. Der Film war für die Jugend freigegebenAlfred Bauer: Deutscher Spielfilm-Almanach 1929–1950, S. 170. Neuausgabe Berlin 1976. und soll international Proteste ausgelöst haben.Deutsche Wochenschau 1938–1945
Der gebürtige Engländer Philipp Manning führte als Sprecher durch diesen Film, Hanns Heinz Ewers schrieb den Prolog.
Rezeption
Paimann’s Filmlisten befand: „Geschichtliche Reminiszenzen nach parteipolitischer Ideologie gesehen. Teils Originalaufnahmen aus Kriegsberichten und Wochenschauen, teils nachher gestellte filmische Beispiele geben in primitiver Struktur nur Umrisse und Erinnerungsbilder zum recht tendenziösen Begleitvortrag (Dr. Manning) zu Zwischentexten in nationalsozialistischer Terminologie. Infolge des verschiedenen Negativmaterials recht ungleiche Photographie, nicht immer befriedigende Tonwiedergabe. Wenn man weltanschauliche Erwägungen beiseitestellt und nur filmisch-qualitative Maßstäbe anlegt: zu skizzenhaft und zu wenig umfassend für den Titel, ohne dramatische Durchdringung des umfangreichen Stoffes“. in: Paimann’s Filmlisten.
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Filmtitel 1933 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Propagandafilm (Nationalsozialismus)