miniatur|rechts|200px|Bundeshaus in Bern:Sitz des Schweizer Parlaments Die Schweizer Parlamentswahlen 1979 fanden am 21. Oktober 1979 statt. Dabei waren die 200 Mandate des Nationalrats sowie 38 der 46 Mandate im Ständerat neu zu vergeben. Diese 41. Legislaturperiode dauerte vier Jahre bis Oktober 1983. Es handelte sich um die ersten Parlamentswahlen nach Gründung des Kantons Jura.

Für die 200 Mandate des Nationalrats gab es 1'845 Kandidaturen (1'505 Männer und 340 Frauen).Anzahl der Kandidaturen nach Kanton, Anmerkung: Summen sind falsch Wahlsieger war die Freisinnig-Demokratische Partei. Auf ihre damalige Zürcher Wahlkampagne "Mehr Freiheit, weniger Staat", wird noch heute häufig verwiesen. Wahlverlierer waren der Landesring, die Sozialdemokratische Partei sowie die Überfremdungsparteien. Die Republikaner verloren ihre parlamentarische Vertretung. Neu in den Nationalrat einziehen konnten dagegen zwei Parteien der neuen Linken: Die POCH gewann zwei Sitze und mit Daniel Brélaz wurde erstmals in Europa ein Grüner in ein nationales Parlament gewählt. Juraseparatistische Listen gewannen zwei Sitze (je einen im neu gegründeten Kanton und im Berner Jura).

Das Ergebnis der Ständeratswahlen unterschied sich davon deutlich: Die (traditionell untervertretene) SP erreichte mit 9 Sitzen ein Rekordergebnis, das sie erst 2003 egalisieren sollte. Die FDP war dagegen mit 4 Sitzverlusten grosse Verliererin. Der LdU verlor seinen einzigen Ständeratssitz.

Die Wahlbeteiligung bei den Nationalratswahlen 1979 betrug mit 48,05 % erstmals seit der Einführung der Proporzwahl 1919 weniger als 50 %. Sie sollte bei den folgenden Wahlen noch weiter sinken und 1995 mit 42,22 % ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichen.

Wahlmodus Nationalrat Die Nationalräte werden seit 1919 nach dem Proporzwahlsystem gewählt, d. h. die Sitze werden nach dem Wähleranteil der Parteilisten in den einzelnen Kantonen verteilt und erst innerhalb der Liste gemäss den Personenstimmen. Die Anzahl Sitze pro Kanton werden anhand der Einwohnerzahl bestimmt.

Ausführlicher hierzu: Nationalrat (Schweiz) – Wahlverfahren

Ständerat Jeder Kanton wählt seit 1848 zwei Vertreter für den Ständerat (ehemalige Halbkantone: einen Vertreter). Die Ständeratswahlen richten sich nach kantonalem Recht. In den meisten Kantonen wurde am 21. Oktober auch die Ständevertretung gewählt. Dabei kam es zu mehreren 2. Wahlgängen. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Glarus, Nidwalden und Obwalden wählten die Landsgemeinden die Ständeräte. Die Kantone Graubünden (Wahlperiode von 1978 bis 1982) und Zug (1978–1982) hatten abweichende Wahltermine. Durch die Gründung des Kantons Jura kam es dort zu vorgezogenen ausserordentlichen Ständeratswahlen am 19. November 1978.

Ausführlicher hierzu: Ständerat – Wahlverfahren

Resultate Nationalrat

Parteien, Wähler, Sitze Die landesweiten Ergebnisse sahen wie untenstehend dargestellt aus. Resultate aus den Kantonen finden sich unter Schweizer Parlamentswahlen 1979/Resultate Nationalratswahlen.

Partei Wähler % (+/-) Sitze (+/-) Sozialdemokratische Partei 447'99024,44 % −0,43 % 51−4 Freisinnig-Demokratische Partei 440'09924,01 %+1,80 % 51+4 Christlichdemokratische Volkspartei 390'28121,29 %+0,20 % 44−2 Schweizerische Volkspartei 212'70511,60 %+1,66 % 23+2 Landesring der Unabhängigen 74'6234,07 %−2,00 % 8−3 Liberale Partei der Schweiz51'2582,80 %+0,33 % 8+2 Evangelische Volkspartei 40'7442,22 %+0,25 % 3±0 Partei der Arbeit 38'1872,08 %−0,29 % 3−1 Progressive Organisationen der Schweiz 31'1281,70 %+0,71 % 2+2 Nationale Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat 24'2571,32 %−1,15 % 2±0 Grüne Parteien (VD, ZH) 11'5830,63 %+0,57 % 1+1 Entente Jurassienne (BE) 8'3440,46 %+0,46 % 1+1 Partito Socialista Autonomo (PSA) (TI) 8'1470,44 %+0,09 % 1±0 Liste d’unité jurassienne et populaire (JU) 7'4670,41 %+0,26 % 1+1 Revolutionäre Marxistische Liga 7'1380,39 %+0,02 % 0±0 Republikanische Bewegung 7'1280,39 %−2,28 % 0−3 Eidgenössisch-Demokratische Union 4'6260,25 %−0,10 % 0±0 Vigilance (GE) 4'4600,24 %−0,05 % 1±0 Demokratische Alternative (BE) 3'2360,18 %+0,18 % 0±0 Hopp Schwiiz – Gesellschaft für weniger Staat (ZH) 2'2670,12 %+0,12 % 0±0 Kritisches Oberwallis (VS) 2'2190,12 %+0,12 % 0±0 Mouvement constitution et libertés (VD) 1'8370,10 %+0,10 % 0±0 Mouvement social indépendent (VS) 1'5680,09 %+0,09 % 0±0 Sozial-Liberale Bewegung europäischer Föderalisten (ZH, BE, BS, AG, TG) 1'2960,07 %+0,07 % 0±0 Mouvement hors parti démocratie et progrès (VS) 1'2360,07 %+0,07 % 0±0 Liberalsozialisten (ZH) 9950,05 %−0,01 % 0±0 Bürgerliste gegen die Ämterkumulation (BE) 9430,05 %+0,05 % 0±0 Alternative démocratique (NE) 5930,03 %+0,03 % 0±0 Alliance des conservateurs, radicaux et socialistes (VS) 3600,02 %+0,02 % 0±0 Christen am Gotthard (ZH) 2220,01 %+0,01 % 0±0 Europäische Föderalistische Partei (ZH) 1450,01 %−0,01 % 0±0 Vereinzelte Stimmen in Einerwahlkreisen (AI, GL, NW, OW, UR) 6'1090,33 %+0,27 % 0±0Total1'833'191100 % ±0 200±0

Wähleranteile in den Kantonen (mit mehreren Sitzen) Wählerzahlen, Prozente kleinerer Parteien und Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1979/Resultate Nationalratswahlen KantonSPFDPCVPSVPLdULPSEVPPdAPOCHNA27,6 %20,5 %22,5 %13,9 %5,5 %5,0 %1,6 %31,4 %26,7 %11,5 %10,5 %7,8 %3,9 %1,0 %7,1 %33,3 %14,1 %13,9 %7,6 %11,2 %4,7 %10,3 %3,9 %30,5 %18,0 %2,5 %31,5 %3,1 %3,4 %0,3 %1,4 %3,6 %30,7 %23,0 %39,9 %6,4 %21,5 %14,7 %14,0 %21,3 %19,9 %0,6 %20,5 %22,9 %35,4 %21,2 %30,9 %37,7 %12,5 %31,7 %50,4 %5,1 %37,4 %20,6 %4,8 %26,4 %7,7 %35,3 %32,3 %21,1 %6,3 %4,1 %22,6 %28,0 %49,4 %28,4 %39,0 %27,6 %1,0 %4,1 %18,0 %27,6 %44,1 %8,2 %2,1 %15,2 %36,3 %34,1 %2,3 %2,7 %22,4 %16,9 %24,6 %26,4 %5,3 %1,9 %24,9 %27,1 %5,1 %6,8 %0,8 %16,7 %9,3 %11,6 %22,6 %58,8 %0,8 %30,9 %32,8 %34,1 %26,5 %22,4 %9,7 %14,5 %11,2 %5,7 %1,2 %2,3 %2,5 %Schweiz24,4 %24,0 %21,3 %11,6 %4,1 %2,8 %2,2 %2,1 %1,7 %1,3 %

Sitzverteilung in den Kantonen Stimmen und Prozente in den Kantonen sowie die Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1979/Resultate Nationalratswahlen.

Quelle: KantonTotalSPFDPCVPSVPLdULPSPdAEVPPOCHNAJuraGrünePSAVigREP14434 +1210 −12111172211173110−111+1299−260−1101111+162131132122110−11 +15112121 +11 +19135521 −12 +1111121130−11+12723212236181331611221116550−113+11−11 +1712+14−120−11+113510+19 +23−15+14−221+110 −2Schweiz20051 −451+444−223+28−38 +23−13 ±02 +22 ±02 +21 +11±01 ±00 −3

Ergebnisse der Ständeratswahlen

Sitzverteilung Der Ständerat zählte wegen der Gründung des Kantons Jura erstmals 46 statt 44 Mitglieder.

Partei Wahlen 1979 Wahlen 1975CVP1817FDP1115SP95SVP55LPS31LdU01

Gewählte Ständerätinnen und Ständeräte Es wurden drei Frauen in den Ständerat gewählt (1971 eine, 1975 keine). Detaillierte Ergebnisse mit Stimmen aller Kandidierenden unter Ständeratswahlen in der 41. Legislaturperiode

Kanton 1. Ständeratssitz 2. Ständeratssitz Julius Binder, CVP (neu) Hans Letsch, FDP (neu) Hans Ulrich Baumberger, FDP (bisher) nur ein Sitz Carlo Schmid, CVP (neu) nur ein Sitz Eduard Belser, SP (neu) nur ein Sitz Carl Miville-Seiler, SP (neu) nur ein Sitz Peter Gerber, SVP (neu) Arthur Hänsenberger, FDP (neu) Pierre Dreyer, CVP (bisher) Otto Piller, SP (neu) Monique Bauer-Lagier, LPS (neu) Willy Donzé, SP (bisher) Peter Hefti, FDP (bisher) Hans Meier-Ott, CVP (neu) Luregn Mathias Cavelty, CVP (neu) Leon Schlumpf, SVP (bisher) Pierre Gassmann, SP (neu) Roger Schaffter, CVP (neu) Alphons Egli, CVP (bisher) Peter Knüsel, FDP (bisher) Jean-François Aubert, LPS (neu) René Meylan, SP (neu) Norbert Zumbühl, CVP (neu) nur ein Sitz Jost Dillier, CVP (bisher) nur ein Sitz Esther Bührer, SP (neu) Ernst Steiner, SVP (bisher) Alois Dobler, CVP (bisher) Josef Ulrich, CVP (bisher) Max Affolter, FDP (neu) Walter Weber, SP (bisher) Paul Bürgi, FDP (bisher) Jakob Schönenberger, CVP (neu) Luigi Generali, FDP (neu) Alberto Stefani, CVP (bisher) Franco Matossi, SVP (neu) Hans Munz, FDP (bisher) Leo Arnold, CVP (bisher) Franz Muheim, CVP (bisher) Edouard Debétaz, FDP (bisher) Hubert Reymond, LPS (neu) Guy Genoud, CVP (bisher) Odilo Guntern, CVP (bisher) Othmar Andermatt, FDP (bisher) Markus Kündig, CVP (neu) Emilie Lieberherr, SP (neu) Jakob Stucki, SVP (neu)

Fraktionen in der 41. Legislaturperiode Fraktionen sind Zusammenschlüsse einer oder mehrerer Parteien. Für die Bildung einer Fraktion sind mindestens 5 Mandate erforderlich. Nur Fraktionen stellen Mitglieder in den Kommissionen des National- oder Ständerats. Fraktionslose dagegen haben keinen Einsitz in diesen Kommissionen. Untenstehende Tabelle gibt den Stand zu Beginn der Legislaturperiode wieder.Fraktionen seit 1912

Fraktion Gesamt Nationalrat Ständerat Christlichdemokratische Fraktion 62 44 18 Freisinnig-Demokratische Fraktion 62 51 11 Sozialdemokratische Fraktion 60 51 9 Fraktion der Schweizerischen Volkspartei 28 23 5 Unabhängige und evangelische Fraktion 11 11 0 Liberale Fraktion 11 8 3 Fraktion der PdA, PSA und POCH 7 7 0 ohne Fraktionszugehörigkeit 5 5 0

Weblinks Bundesblatt vom 4. Dezember 1979 mit den amtlichen Schlussresultaten Bundesamt für Statistik: Nationalratswahlen 1979. Überblick - (Beiträge zur schweizerischen Statistik, Heft 59) Internationale Parlamentarische Union, Ergebnisse der Wahlen 79 (englisch; PDF; 30 kB)

Einzelnachweise

Parlamentswahlen 1979 Kategorie:Parlamentswahl 1979 Wahlen 1979