Kristina Šmigun-Vähi (* 23. Februar 1977 in Tartu, Estnische SSR, Sowjetunion) ist eine ehemalige estnische Skilangläuferin. Die mehrfache „Sportlerin des Jahres“ gehört zu den erfolgreichsten estnischen Sportlern. Sie gewann als erste estnische Skilangläuferin bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin die Goldmedaille im Verfolgungswettbewerb und über die Distanz von 10 Kilometer klassisch. 2003 wurde sie Weltmeisterin im Verfolgungswettbewerb. Sie gewann des Weiteren drei Silbermedaillen und zwei Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften. In ihrer Karriere gewann sie 16 Wettbewerbe im Skilanglauf-Weltcup und belegte 1999 und 2003 im Gesamtweltcup den zweiten Platz. 1997 wurde sie zweifache Juniorenweltmeisterin. Ihre Schwester Katrin Šmigun war ebenfalls lange im nordischen Skisport aktiv.
Nach der Beendigung ihrer sportlichen Laufbahn wurde sie 2019 als Abgeordnete ins estnische Parlament gewählt.
Leben Ihr Vater Anatoli Šmigun, der seine Töchter trainiert, ist Russe, daher der für Estland ungewöhnliche Familienname. Ihre Mutter Rutt Rehemaa ist Estin. Beide waren erfolgreich im nordischen Skisport. Anatoli Šmigun ist unter anderem zweifacher Junioreneuropameister von 1972 und war von 1974 bis 1978 Mitglied der sowjetischen Skilanglaufmannschaft. Somit war die sportliche Laufbahn der beiden Töchter quasi vorbestimmt. Beide begannen früh mit dem nordischen Skisport. In einem Interview betonte Šmigun-Vähi, dass sie ohne ihre Schwester wohl nicht zu einer erfolgreichen Skiläuferin geworden wäre. Der Konkurrenzkampf der Schwestern untereinander wäre ein guter Ansporn und Inspiration gewesen. Auch hätte sie die Möglichkeit gehabt, aus den Fehlern ihrer Schwester zu lernen. Ihre Cousine Jana Rehemaa und ihr Cousin Aivar Rehemaa sind bzw. waren ebenfalls aktive Skilangläufer. Kristina Šmigun-Vähi war des Weiteren eine talentierte Läuferin und wurde 1990 estnische Juniorenmeisterin im Crosslauf. Die zweisprachig aufgewachsene Estin, die über gute Englischkenntnisse verfügt und 2007 ein Studium der englischen Sprache in den USA begann, fungiert auf Siegerpressekonferenzen bei Bedarf als Übersetzerin für ihre russischen Kontrahentinnen.
In ihrem Heimatland ist Kristina Šmigun-Vähi eine Nationalheldin. Sie wurde mehrfach zur Sportlerin des Jahres gewählt. Nach ihrem Olympiasieg 2006 wurde in Estland eine Kristina Šmigun Briefmarke herausgegeben. Im März 2006 wurde sie vom estnischen Präsidenten Ilves mit der höchsten staatlichen Auszeichnung, dem Orden des weißen Sterns höchster Kategorie, ausgezeichnet. 2010 wurde sie als Estlands Frau des Jahres ausgezeichnet. Die sozial engagierte Sportlerin ist seit 2005 Botschafterin des einzigen estnischen SOS-Kinderdorfs in Keila in der Nähe der estnischen Hauptstadt Tallinn.
Am 7. Juli 2007 heiratete sie ihren langjährigen Freund und Manager Kristjan-Thor Vähi. Ein Jahr später, am 17. Juni 2008, wurde Šmigun-Vähi in Miami Mutter einer Tochter namens Victoria-Kris. Am 3. März 2011 erblickte Sohn Kristhor Tom ebenfalls in Miami das Licht der Welt.
Sportliche Karriere Beginn (1992 bis 1998) Ihr internationales Debüt im Skilanglauf gab Kristina Šmigun-Vähi 1992 bei den Juniorenweltmeisterschaften im finnischen Vuokatti. Sie belegt Platz 19 über 5 km klassisch und Platz 24 über 15 km Freistil. Ein Jahr später startete sie bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 1993 im schwedischen Falun. Während der Weltmeisterschaft feierte sie ihren 16. Geburtstag. Sie belegte Platz 35 über die 5 km klassisch und Platz 31 über die 10-km-Verfolgung. Bei den Europäischen Olympischen Winter-Jugendtagen 1993 in Aosta gewann sie die Bronzemedaille über 5 km klassisch und die Silbermedaille über 7,5 km Freistil. 1994 kurz vor ihrem 17. Geburtstag nahm sie an drei Wettbewerben bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer teil. Ihre beste Platzierung war als jüngste Teilnehmerin im Starterfeld der 27. Platz im Verfolgungswettbewerb.
Am 27. November 1994 nahm Šmigun-Vähi an ihrem ersten Weltcup-Rennen teil. Im finnischen Kiruna belegte sie Rang 25 über die 5 Kilometer in der klassischen Technik. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 1995 im schwedischen Gällivare wurde sie Zweite über 15 Kilometer Freistil hinter Julija Tschepalowa. Über die 5 Kilometer in der klassischen Technik gewann sie ebenfalls die Silbermedaille. Dort wurde sie knapp von der russischen Athletin Natalja Baranowa geschlagen. Šmigun-Vähi trat ebenfalls bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 1995 im kanadischen Thunder Bay an. Dort konnte die damals erst 18-jährige Skilangläuferin mit Platz fünf über die 5-km-klassisch einen Achtungserfolg verbuchen.
Bei den Juniorenweltmeisterschaften 1996 im italienischen Asiago musste sich Šmigun-Vähi erneut Julija Tschepalowa geschlagen geben und gewann die Silbermedaille über die 15 km Freistil und die 5 km klassisch. 1997 konnte sie bei den Juniorenweltmeisterschaften im kanadischen Canmore die Titel über beide Distanzen erringen. Die Familie Šmigun verbuchte dabei einen Doppelsieg über die 15 km Freistil. Kristina gewann vor ihrer Schwester Katrin. Im Gesamtweltcup belegte sie 1997 den 13. Rang.
In der Saison 1998 erlitt Šmigun-Vähis Karriere einen Rückschlag. Nach anfänglich guten Resultaten mit mehreren Top-Ten-Platzierungen im Weltcup fiel sie am Silvester-Abend 1998 von einem Snowmobil und brach sich das Schlüsselbein. Sie musste mehrere Wochen pausieren und absolvierte keine Rennen bis zu den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano. Dort trat sie trotzdem über die 30 km Freisti an, belegte aber einen enttäuschenden 46. Platz mit über 12 Minuten Rückstand auf die Siegerin Julija Tschepalowa.
Erste Erfolge und Dopingvorwürfe (1999 bis 2002) 1999 entschied sich die Familie Šmigun aufgrund der geringen finanziellen Mittel des estnischen Skiverbands ein eigenes Team mit Skitechnikern und Masseur aufzubauen, um den Skilanglaufsport professionell bestreiten zu können. So konnte Kristina Šmigun-Vähi 1999 ihren ersten Weltcup-Sieg im tschechischen Nové Město na Moravě über 15 km Freistil erringen. In dieser Saison erreichte sie des Weiteren zwei zweite Plätze und drei dritte Plätze bei Weltcup-Rennen. Sie beendete die Saison mit Platz vier in der Weltcup-Gesamtwertung, gewann die Gesamtwertung der Teildisziplin Langdistanz und belegte Platz drei in der Sprintgesamtwertung. Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 1999 gewann sie mit Silber über 15 km Freistil und Bronze über 30 km klassisch ihre ersten internationalen Medaillen.
mini|Kristina Šmigun (2006) In der Saison 2000 konnte Šmigun-Vähi vier Weltcupsiege erringen (zwei Sprints in der freien Technik, eine Verfolgung und einen 10-km-Freistilwettbewerb) und weitere vier Podiumsplatzierungen erreichen. Bis zur letzten Weltcup-Station im italienischen Bormio lag sie an der Spitze der Weltcup-Gesamtwertung. In den letzten beiden Rennen errang sie jeweils den sechsten Platz. Ihre Widersacherin Bente Skari konnte jedoch das vorletzte Rennen für sich entscheiden und den Vorsprung im Weltcup-Gesamtwertung mit Platz acht im letzten Rennen verteidigen. Šmigun-Vähi belegte mit 11 Punkten Rückstand Platz zwei der Weltcup-Gesamtwertung. Sie gewann den Gesamtweltcup in der Teildisziplin Mitteldistanz, wurde Zweite über die Langdistanz und Dritte in der Sprintwertung.
2001 erzielte Šmigun-Vähi zu Beginn der Saison einige gute Weltcup-Resultate, erkrankte allerdings im Laufe der Saison an einem grippalen Infekt. Trotzdem begab sie sich zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften ins Höhentrainingslager. Die Erkrankung forderte aber ihren Tribut und Šmigun-Vähi konnte bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2001 nur einen 12. Platz über 10 km klassisch verbuchen. Über 15 km Freistil wurde sie nur 41. und wurde somit sogar von ihrer Schwester geschlagen, die den 39. Platz belegte. Nach dem enttäuschenden Abschneiden bestritt sie keine weiteren Rennen mehr in der Saison.
Šmigun-Vähi gewann zu Beginn der Saison 2002 das Weltcup-Rennen über 15 km Freistil in Ramsau und konnte weitere vier Podiumsplatzierungen verbuchen, bis sie mit Dopingvorwürfen konfrontiert wurde. Beim Weltcup-Rennen im italienischen Brusson, am 12. Dezember 2001, wurde ein erhöhter Wert an 19-Norandrosteron, einem Vorhormon des Steroids Nandrolon, in der A-Probe festgestellt. Die Analyse der Probe ergab einen Wert von 6,4 ng/ml. Der maximale Wert für Frauen ist auf 5 ng/ml festgelegt. Šmigun-Vähi beantragte die Öffnung der B-Probe. Die Analyse im Institut für Dopinganalytik und Sportchemie Kreischa ergab einen Wert von 4,2 ng/ml, woraufhin sie umgehend des Dopingverdachts freigesprochen wurde. Dieses Ergebnis führte zu einer großen Unruhe in der Skilanglaufszene. Die kanadische Skilangläuferin Beckie Scott forderte öffentlich die Weltdopingagentur WADA auf, die Vorgänge im Fall Šmigun zu untersuchen. Der Vorsitzende der WADA Richard Pound erklärte daraufhin, dass bei der Untersuchung der A-Probe im italienischen Labor fälschlicherweise davon ausgegangen wurde, dass es sich um die Probe eines Mannes handele. Wäre bekannt gewesen, dass es sich um eine Probe einer weiblichen Sportlerin handelte, wäre Šmigun-Vähi nicht positiv getestet worden. Wie sich erst später herausstellte, wurde ihre A-Probe aufgrund eines falsch ausgefüllten Formulars im italienischen Labor mit der Probe eines Mannes verwechselt.Deutsch-Estnisches Forum e. V., Aufgrund der Wettkampfpause und der psychischen Belastung der Dopingvorwürfe konnte Šmigun-Vähi bei den Olympischen Winterspielen 2002 nicht an die zu Beginn der Saison gezeigten Leistungen anknüpfen. Ihr bestes Resultat war jeweils Platz sieben über 15 Kilometer Freistil (Massenstart) bzw. 30 Kilometer klassisch. Im ersten Weltcup nach den Olympischen Spielen konnte sie allerdings ihren zweiten Sieg in der Saison verbuchen. Sie beendete die Saison mit Platz vier in der Weltcup-Gesamtwertung.
Weltmeistertitel und Olympiasieg (2003 bis 2007) 2003 konnte Šmigun-Vähi die Weltcups in Kawgolowo und in Kiruna jeweils über 5 km Freistil gewinnen sowie weitere sechs Podiumsplatzierungen erreichen. Die Nordischen Skiweltmeisterschaften 2003 im italienischen Val di Fiemme wurden zu ihren bisher erfolgreichsten internationalen Meisterschaften. Sie gewann Gold in der 10-km-Verfolgung, Silber über 10 und 15 km klassisch (Massenstart) und Bronze über 30 km Freistil. Hinter der in der Saison mit 14 Weltcup-Siegen überragenden Norwegerin Bente Skari belegte sie Platz zwei in der Weltcup-Gesamtwertung.
Die Saison 2004 begann für Šmigun-Vähi sehr erfolgreich. Sie konnte vier Weltcupsiege und weitere vier Podiumsplatzierungen erringen und führte lange Zeit in der Weltcup-Gesamtwertung. Im späteren Verlauf der Saison wurde sie allerdings immer schwächer. Wie sich später herausstellte, war sie an einem Virus erkrankt und konnte infolgedessen nicht die volle körperliche Leistung erbringen. Sie belegte den Platz fünf der Weltcup-Gesamtwertung und Platz drei der Teildisziplin Distanzrennen.
mini|Kristina Šmigun beim Weltcup in Otepää 2007 Wie schon in der vorherigen Saison konnte Šmigun-Vähi zum Anfang der Saison 2005 mehrere Podiumsplatzierungen erkämpfen und siegte unter anderem in Kuusamo über 10 km Freistil und in Ramsau über 15 km Freistil im Massenstart. Aber auch diesmal konnte sie die Form nicht bis zum Ende der Saison erhalten. Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2005 in Oberstdorf verfehlte sie im ersten Rennen als Vierte über 10 km Freistil zwar nur knapp eine Medaille. Als Titelverteidigerin und Topfavoritin gestartet, musste sie dem hohen Anfangstempo Tribut zollen und stieg aussichtslos zurückliegend noch während des in der klassischen Technik gelaufenen ersten Teilabschnittes aus dem Rennen aus. Auch über die 30 km klassisch kam sie über einen 14. Platz nicht hinaus. In der Weltcup-Gesamtwertung belegte sie abschließend den vierten Platz und Platz drei der Teildisziplin Distanzrennen.