Achtsamkeit (Substantivierung des Adjektivs achtsam, , ) ist eine Form der Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse und Belange anderer Menschen, eine interaktive Praxis mit einer ethisch-politischen Dimension. Der Begriff steht zwischen Achtung und menschlicher Zuwendung. Er ist von der Autonomie einerseits und von dem Geisteszustand Achtsamkeit im Sinne von Geistesgegenwart andererseits abzugrenzen.

Der fürsorgeethische Begriff der Achtsamkeit In der Ethik der Achtsamkeit wird „Achtsamkeit“achtsamkeit, f. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. 2. Auflage. Band 6. 1965–2018, Spalte 1405, Zeile 75; dwds.de – Dabei hat die Bedeutung 1 den Aspekt der Zuwendung und nicht die Bedeutung eines Geisteszustands: „hat er mir doch die liebe vnd achtsamkeit gegen jhme … nit entzogen Fickler: Hosius 405“. als eine interaktive Praxis verstanden.Dem Begriff der Achtsamkeit, der sich seit 2001 etabliert hat, kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu: „Mit dem Begriff ‚Achtsamkeit‘ wird der starke Impetus von ‚Achtung‘ aufgegriffen […] ohne daß dies implizit mit Autonomie verknüpft ist.“ Elisabeth Conradi: Take Care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit 2001, S. 55f. Achtsamkeit ist etwas, das zwischen Menschen in der Zuwendung entsteht und von diesen gemeinsam erfahren wird.Gerald Posselt: Die Sorge um sich und die anderen. Selbstsorge und Wahrsprechen als ethisch-politische Praxis. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 2022, Jg. 70 (Nr. 1): S. 116–138, hier: S. 118. Von achtsamer Zuwendung durchzogene Interaktionen werden als gelingend bewertet, Berücksichtigung findet dabei auch die ethisch-politische Dimension des Handelns.Christiane Gödecke, Maria Peters, Helen Kohlen: Care Ethik und Pflege als Praxis. Theoretische Ansätze und empirische Befunde. In: A. Riedel, S. Lehmeyer (Hrsg.): Ethik im New Roman, Gesundheitswesen. Springer Reference Pflege – Therapie – Gesundheit So werden etwa auch „organisatorisch-institutionelle, strukturelle und politische Rahmenbedingungen sozialer Interaktionen in die Reflexion“ einbezogen.Frans Vosman, Elisabeth Conradi: Einleitung – Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. In: Elisabeth Conradi, Frans Vosman (Hrsg.): Praxis der Achtsamkeit. Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. Campus Verlag, Frankfurt am Main / New York 2016, S. 14. Elisabeth Conradi zufolge bedeutet „achtsame Zuwendung“ u. a. „sich auf die [gegenwärtige] Situation einzulassen und die eigene Aufmerksamkeit mindestens einem (anderen) Menschen zu widmen“. „Menschen beziehen sich sorgend auf andere, lassen sich tatsächlich aufeinander ein, pflegen Beziehungen und eine gewisse Verbindlichkeit im Miteinander. In diesem Sinne ist die „Praxis der Achtsamkeit“ mehr als eine Haltung der Empathie, sie spielt sich auch nicht bloß in der Innenwelt einer Person ab. Schließlich bedeutet Achtsamkeit auch, die Antwort auf Unterstützung abzuwarten: zu hören, wie die Zuwendung angekommen ist und daraus praktische Konsequenzen zu ziehen.“Frans Vosman, Elisabeth Conradi: Einleitung – Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. S. 16.

Im Unterschied zur Bedeutung 'mindfulness' (Geistesgegenwart) geht es bei der Bedeutung 'care' (Fürsorge) darum, zu bewerten: Gelingendes Handeln wird von misslingendem Handeln unterschieden.Frans Vosman, Elisabeth Conradi: Einleitung – Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. S. 15.

Literatur Klaartje Klaver, Andries Baart: Attentiveness in care: Towards a theoretical framework. In: Nursing ethics, 2011, Band 18, Heft 5, S. 686–693 (). Elisabeth Conradi, Frans Vosman (Hrsg.): Praxis der Achtsamkeit. Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. Campus Verlag, Frankfurt am Main / New York 2016, ISBN 978-3-593-50633-3. Elisabeth Conradi: Take Care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit. Campus, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-593-36760-2. achtsamkeit, f. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. 2. Auflage. Band 6. 1965–2018, Spalte 1405, Zeile 75; dwds.de

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