mini|Mohamed Majd (rechts) mit Younes Bouab (2012)

Mohamed Majd (* 1940 in Casablanca; † 2013 ebenda; auch Mohammed Majd; ) war ein marokkanischer Schauspieler.

Neben seiner Theater-Karriere in Casablanca wurde Majd zu einem der Pioniere des marokkanischen Fernsehens sowie der marokkanischen Filmgeschichte. Nach mehreren Nebenrollen in internationalen Produktionen gelang es ihm um die Jahrtausendwende zu einem der gefragtesten und erfolgreichsten Filmschauspieler des Landes aufzusteigen. Für seine Darbietungen wurde er auf mehreren Filmfestivals im In- und Ausland mit Preisen bedacht sowie unter anderem mit dem Ordre des Arts et des Lettres gewürdigt.

Biografie

Mohamed Majd wurde 1940 in Casablanca im Derb Sultan geboren.Omar Bihmidine: Moroccan Actor Mohamed Majd Passes Away, auf moroccoworldnews.com, 24. Januar 2013, abgerufen am 19. Oktober 2016 Nach dem frühen Tod seiner Mutter wuchs er bei seiner Großmutter im Derb Martini auf und musste früh in seiner Kindheit durch Arbeit zum Familieneinkommen beitragen. Durch eine Zeitschrift erfuhr er von der Möglichkeit eines Fernstudiums mit einem Filminstitut in Frankreich. Daraufhin absolvierte er Kurse unter anderem in Marrakesch und in einem Konservatorium in Frankreich. Wegen familiärer Probleme kam Majd nach Marokko zurück, ohne die Ausbildung abgeschlossen zu haben.Abdelali Barakat: (1), auf maghress.com, 16. August 2012, abgerufen am 5. November 2016 Sein Ziel, Schauspieler zu werden, verwirklichte er gegen den Willen seines Vaters.Mohamed Majd : l’efficacité distinguée, auf aujourdhui.ma, 12. Dezember 2005, abgerufen am 5. November 2016

Zum Theater kam Majd über die Dramatiker Abdelkader El Badaoui und Mohamed Elkhalfi. Nachdem er am Theater at-Tabaqa al-ʿāmila (‚Arbeiterklasse‘) und später in der Theatergruppe des El Badaoui aktiv gewesen war, auf bledna.com, 10. Juli 2015, abgerufen am 4. November 2016, verschrieb er sich ganz der Schauspielkunst und schloss er sich als Neunzehnjähriger dem Ensemble des Théâtre municipal von Casablanca unter Direktor Tayeb Saddiki anJulie Chaudier: Maroc : Décès de Mohamed Majd, figure fidèle du cinéma marocain, auf yabiladi.com, 24. Januar 2013, abgerufen am 26. Oktober 2016, wo er bis 1970 aktiv blieb.

Majds erstes Engagement in einer Fernsehproduktion datiert aus dem Jahr 1965, als er in der 16-teiligen Fernsehserie auftrat, der ersten im marokkanischen Fernsehen ausgestrahlten Fernsehserie. 1970 spielte er im Film Forêt des Abdelmajid R’chich mit, einem der ersten Filme eines marokkanischen Regisseurs. Nach einer Krise am TheaterParcours : Mohamed Majd, auf aujourdhui.ma, 27. Dezember 2001, abgerufen am 31. Oktober 2016 begleitete er von 1972 bis Ende der 1970er-Jahre die Musikgruppe Jil Jilala als Teil ihres Managements.Abdelali Barakat: (2), auf maghress.com, 17. August 2012, abgerufen am 5. November 2016 1973 übernahm er erneut eine Rolle in einem R’chich-Film (Al Borak). In Kontakt mit dem internationalen Filmbusiness kam Majd 1976, als er in Moustapha Akkads Mohammed – Der Gesandte Gottes mitspielte.Ahmed Sijilmassi: , auf cine-philia.com, 11. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2016 Nach seinem Ausstieg bei Jil Jilala integrierte sich Majd auf Betreiben Aziz Saadallahs und Khadija Assads in die Troupe Théâtre 80, mit der er im In- und Ausland tourte.Troupe Théâtre 80, auf africultures.com, abgerufen am 5. November 2016 1980 verfasste er mit selbst ein Theaterstück., auf alwasatnews.com, 16. Februar 2005, abgerufen am 11. November 2016 Dem Theater blieb er indes nicht nur als Schauspieler, sondern auch in der Lichttechnik und Regieassistenz verbunden.

Gegen 1990 kam es zu weiteren Engagements Majds in Nebenrollen bei internationalen Produktionen wie bei Philippe de Brocas Sheherazade – Mit 1001 PS ins Abenteuer (1990)Jamal Bahmad: Obituary. Mohamed Majd 1940 - 24 January 2013, auf africultures.com, abgerufen am 5. Jänner 2017. Bei marokkanischen Produktionen beschränkte er sich damals auf Rollen in Fernsehfilmen und -serien; erst ab den späten 1990er-Jahren trat Majd wieder in marokkanischen Kinoproduktionen auf, als Wendepunkt hierzu gilt Nabil Ayouchs Filmdrama Ali Zaoua, Prinz der Straße (2000). Majd spielte in weiterer Folge unter anderem in Daoud Aoulad-Syads Aoud rih (2002), Tarfaya (2004) und Fi intidar Pasolini (2007) mit. In dieser Spätphase seines Schaffens finden sich auch preisgekrönte Filme, die internationale Bekanntheit erlangten. Beispiele hierfür sind Faouzi Bensaïdis Tausend Monate (2003), Die große Reise von Ismaël Ferroukhi (2004), Rachid Boucharebs Tage des Ruhms (2006) und Quelle der Frauen von Radu Mihăileanu (2011).

Ende 2012 nahm Majd am Dubai International Film Festival teil, um den Film Zero (Nour-Eddine Lakhmari) zu bewerben. Kurz darauf wurde er wegen Atemproblemen in die Moulay-Yusuf-Klinik in Casablanca eingeliefert, auf agadircity.com, 18. Januar 2013, abgerufen am 20. Oktober 2016, wo er am 24. Januar 2013 verstarb. Sein Grab befindet sich im Friedhof ach-Chouhada in Casablanca.Décès de l'acteur marocain Mohamed Majd, à l'âge de 73 ans, auf nouvelobs.com, 24. Januar 2013, abgerufen am 19. Oktober 2016

Mohamed Majd war mit der Schauspielerin Fatiha Ouatili verheiratet, die auch die Mutter seiner Kinder ist. Diese Ehe wurde geschieden., auf goud.ma, 16. Januar 2013, abgerufen am 21. Oktober 2016

Bedeutung und Anerkennung

Mohamed Majd wurde mehrfach als „bester Schauspieler“ ausgezeichnet: 2001 am Festival der drei Kontinente in Nantes für seine Darbietung in Aoud rihCheval de vent (Le) | Aoud rih, auf africultures.com, abgerufen am 30. Oktober 2016, 2003 am Festival national du film in Oujda für Tausend MonateJihad Benchekroun: , auf agadirnet.com, 2. Dezember 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016, 2005 am Festival Internacional de Cine de Mar del Plata20º Festival, auf mardelplatafilmfest.com, abgerufen am 30. Oktober 2016 sowie am Festival national du film in TangerJohn Hopewell: Moroccan fest blesses ‘Child’, auf variety.com, 12. Dezember 2005, abgerufen am 26. Oktober 2016 für seine Rolle im Spielfilm Die große Reise sowie 2008 am Festival International du Film Francophone de Namur für Fi intidar Pasolini., auf fiff.be.

Das Internationale Filmfestival Marrakesch 2006 richtete eine Personale für ihn aus.FIFM 2006 : Hommage à Mohamed Majd, auf aujourdhui.ma, 6. November 2006, abgerufen am 8. November 2016 Im Zuge der Eröffnung dieses Festivals wurde Majd zudem zum Chevalier des Arts et Lettres ernannt.Boubacar Kanté: Le comédien Mohamed Majd fait chevalier dans l'Ordre des arts et lettres françaises, auf aps.sn, 5. Dezember 2006, abgerufen am 6. November 2016 Schon zuvor wurde ihm 2005 bei einem Festival in MartilAtika Haimoud: Festival de Martil : Le cinéma autrement, auf aujourdhui.ma, 23. Dezember 2004, abgerufen am 21. November 2016 ein Tribut gewidmet, ebenso 2012 beim Festival International Cinéma Méditerranéen Tétouan., auf festivaltetouan.org

Bedingt durch seinen Karriereverlauf wurde Majd als Sechzigjähriger zum Aushängeschild des Wiederauflebens des marokkanischen Kinos um die Jahrtausendwende. Seinen internationalen Durchbruch verdankte Majd, so Jamal Bahmad in einem Nachruf, nicht nur seinem Talent, sondern auch der starken Präsenz der globalen Filmindustrie in Marokko wie den Atlas Corporation Studios bei Ouarzazate. Majd war ihm zufolge ein Beispiel dafür, wie einheimische Schauspieler sich von Nebenrollen in internationalen Produktionen zu Hauptrollen in sowohl ausländischen als auch marokkanischen Filmen weiterentwickeln können. Bahmad betonte in seinem Nachruf weiters Majds Einsatz für Jungschauspieler und neue Filmproduzenten in der marokkanischen Filmindustrie.

In anderen Nachrufen wurde Majd als „Gigant im wachsenden marokkanischen Kino“Youssef Aït Akdim: Maroc : Mohamed Majd, fidèle parmi les fidèles, auf jeuneafrique.com, 25. Januar 2013, abgerufen am 31. Oktober 2016, „einer der erfolgreichsten Schauspieler im Laufe des marokkanischen Kinos“Ismail Azzam: , auf hespress.com, 24. Januar 2013, abgerufen am 1. November 2016 und als „Botschafter des marokkanischen Kinos in der arabischen Welt [und] in der internationalen Szene“Siham Jadraoui: Portrait : Mohamed Majd, fin d un parcours acharné, auf aujourdhui.ma, 28. Januar 2016, abgerufen am 1. November 2016 gewürdigt, die Schauspielerin Naïma Bouhmala pries ihn als „Pionier der marokkanischen Kunst“., auf bayanealyaoume.press.ma, abgerufen am 1. November 2016 Der marokkanische König Mohammed VI. betonte in einem an die Hinterbliebenen gerichteten Kondolenzschreiben Majds Beitrag zur Ausstrahlung der marokkanischen Filmkunst, auf mapnews.ma, 25. Januar 2013, abgerufen am 31. Oktober 2016 und verlieh ihm posthum den nationalen Verdienstorden Wissam Al Moukafaa Al Watania in der Offiziersstufe.Sa Majesté le Roi préside au Palais royal à Rabat une réception à l'occasion du 50e anniversaire du Souverain, auf lematin.ma, 21. August 2013, abgerufen am 31. Oktober 2016

Majds Verhältnis zu den Künsten

Als primäre Leidenschaft Majds galt das Theater. Majd war seit seiner Kindheit zum Theater hingezogenAbdelali Barakat: (3), auf maghress.com, 22. August 2012, abgerufen am 6. November 2016 und spielte im Laufe seines Lebens in mehr als siebzig verschiedenen Theaterstücken mit. Durch seine Begeisterung für das Theater galt Majd zudem als Liebhaber der Musik.

Das Kino hingegen hatte sich Majd einem Porträt auf der Homepage des Filmfestivals von Tétouan zufolge wegen des Erfordernisses angenähert, wenn nicht gar mit Unnachgiebigkeit. Sein Wechsel vom Theater zum Kino ist zum einen in der marokkanischen Kulturpolitik begründet. Majd kritisierte die marokkanische Subventionspolitik, die er in der Verantwortung dafür sah, dass die Unterstützung des Theaters aus der Gesellschaft abgenommen hatte. Majds Theatergruppe hatte bei ihren Touren Schwierigkeiten mit der Promotion und Organisation ihrer Auftritte. Darüber hinaus war Majds Theaterstück Schadd al-Mantīh nicht zur Aufführung zugelassen.Abdelali Barakat: (4), auf maghress.com, 23. August 2012, abgerufen am 7. November 2016

Dem marokkanischen Kino verweigerte sich Majd lange Zeit, da er darin seine qualitativen Ansprüche nicht gewährleistet sah. Es sei, so Majd, in den 1990er-Jahren noch ein Baby gewesen. Trotz zahlreicher Beteiligungen bei ausländischen Produktionen betonte Majd jedoch, sich nicht von seinem Land und dessen Traditionen separieren zu wollen; sein wahrer Stolz sei, in Filmen in seinem Heimatland mitgewirkt zu haben.

Filmographie Majd war an über 80 Kino- und Fernsehfilmen beteiligtMohamed Majd, l'un des plus grands acteurs marocains, est décédé ce jeudi, auf atlasinfo.fr, 25. Januar 2013, abgerufen am 26. Oktober 2016, darunter sind folgende Produktionen: 1970: Forêt () 1973: Al Borak () 1976: Mohammed – Der Gesandte Gottes 1983: Afghanistan pourquoi? () 1989: Deadline 1990: Sheherazade – Mit 1001 PS ins Abenteuer 1990: Der Marsch 1991: Le vent de la Toussaint 1997: Die Bibel – Salomon 1998: Die Bibel – Jeremia 1998: Les amis d’hier () 1999: Whispers () 2000: Ali Zaoua, Prinz der Straße 2001: Aoud rih () 2001: L’Algérie des chimères (Mini-Serie), Episode Le médecin de l’Émir 2001: Tayf Nizar () 2002: Le miroir du fou 2002: Et après? () 2002: Zwielicht in Tanger 2002: Unter fremdem Himmel 2002: Das Jesus Video 2002: Wld Al Hamria () 2003: Tausend Monate 2003: L’Adieu 2003: Eclats Du Passé () 2004: Die große Reise 2004: Tarfaya 2004: Ten’ja 2004: Trik Marrakech () 2004: Nafeh El-Atssah () 2004: Fatouma () 2005: Zaina – Königin der Pferde 2005: C.R.A.Z.Y. – Verrücktes Leben 2005: Syriana 2005: Tarik Sahih () 2006: Tage des Ruhms 2006: Parfum de mer () 2006: Charles de Gaulle – Ich bin Frankreich! (TV-Serie), Episode 2 2006: Casa 2006: Al Hay Al Khalfi () 2007: Der Feind in den eigenen Reihen – Intimate Enemies 2007: Fi intidar Pasolini () 2007: Ali Baba und die 40 Räuber 2007: Les Jardins de Samira () 2007: Yasmine et les hommes ()