mini|hochkant=2|Verschiedene Lärminstrumente beim Ratschen mini|Der Klang von sechs Kastenratschen mini|Wandglocke beim Sakristeiportal, durch Aufwicklung des Klingelzugs stillgelegt. Das Ratschen, in einigen Gegenden auch Rätschen, Räppeln, Karsingen, Rappeln, Rengstern, Klappern (auch Kleppern, Kliäppern), Raspeln, Ratzeln, Schledern (auch Schlöttern), Kläpstern, Klibberen, Riärteln, Karren, Lören, Garren oder Klacheln (letzteres vor allem in Ostösterreich), um Trier Rauschen, in der Rhön Klapperspatzen genannt, ist ein Brauch, der in katholischen Gegenden in der Karwoche gepflegt wird. Dabei ziehen Kinder (meist Ministranten) mit hölzernen Lärminstrumenten durch die Straßen der Dörfer und Stadtteile, um die Gläubigen mit unterschiedlichen Sprüchen an die Gebetszeiten und Gottesdienste zu erinnern. Die Ratsche ist ein hölzernes Schrapinstrument, es werden aber auch andere Bauformen verwendet.

Das Ratschen in der Karwoche wurde 2015 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Hintergrund und Anlässe mini|Ein Ordensmann dreht an der Karfreitagsratsche Der Überlieferung zufolge schweigen von Gründonnerstag nach dem Gloria der Messe vom letzten Abendmahl den gesamten Karfreitag und Karsamstag über bis zum Gloria in der Osternacht die Glocken bzw. deren Zungen, die Klöppel, da sie alle zur Beichte oder zum Reisbreiessen seien. Da die Kirchenglocken zumeist eine festliche Stimmung ausdrücken, ist deren Geläute in der Zeit der Grabesruhe Jesu nicht angebracht. Um dennoch das Angelusläuten fortzusetzen, wird es um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr lautstark durch das Ratschen oder Klappern ersetzt. Auch die meist um 15 Uhr stattfindende Karfreitagsliturgie und der häufig am Vormittag begangene Kreuzweg werden rechtzeitig vorher angezeigt und ausgerufen.

Auch innerhalb der Liturgie werden die Ratschen bzw. Klappern anstelle der Altarglocken (-schellen) verwendet, z. B. bei den Prozessionen mit dem Allerheiligsten am Gründonnerstag und Karfreitag.

Der Brauch findet sich heute noch in Bayern, Österreich, Luxemburg, Gröden (Italien), in der Umgebung Triests (Italien), in Slowenien, der Pfalz, der Rhön, im Eichsfeld, an der Mosel, im Saarland, in der Eifel, im Rheinland, im Hunsrück, in katholischen Gebieten Baden-Württembergs und in Teilen Nordrhein-Westfalens.

Auch in den christlichen Städten im Heiligen Land (Israel und Westjordanland) gibt es solche Umzüge, jedoch ohne Ratschen. Dort ziehen die Pfadfinder mit Trommeln durch die Straßen.

Der Anführer einer Klappergruppe, zumeist der Älteste, wird regional Klappermeister oder Vorklapperer genannt, in Österreich auch Obernatter (abgeleitet vom lateinischen gubernator, „Steuermann“).

Geschichte mini|Denkmal vor der Abtei Münsterschwarzach In Sebastian Francks 1534 in Tübingen veröffentlichten „Weltbuch“ findet das Klappern auf folio cxxxi (recto) als Osterbrauch Erwähnung:

Instrumente mini|hochkant|Klepper aus der Fränkischen Schweiz mini|Ratsche oder Räppel mini|hochkant|Raspel aus der belgischen Eifel (Aldringen) Es werden vor allem folgende Lärminstrumente verwendet: Die Ratsche, oder auch Räppel, ist ein massiver Resonanzkörper aus Holz (z. B. Eiche oder Ahorn), der ungefähr 30 cm lang ist. Durch eine Kurbel wird eine Walze mit Nocken in Bewegung gesetzt, wodurch Holzleisten (z. B. Eschenholz) angehoben werden, die beim Zurückschnellen das charakteristische Geräusch erzeugen, aus dem sich der Name des Instruments ableitet. Oft ist das Gerät mit einem Gurt zum Umhängen versehen. Die Klapper ist ein beweglich an einem Griff befestigtes Hämmerchen, das – wenn man es ähnlich wie eine Handglocke bewegt – auf ein rechtwinklig zum Griff montiertes Schlagbrett schlägt und dadurch ein lautes Klappern erzeugt. Die Raspel, ein durch heftiges Drehen bewegtes Schrapinstrument, wobei bei der Drehung eine sehr dünne Holzplatte über die Zähne eines hölzernen Zahnrades schnarrt.

Die Lärminstrumente wurden meist von örtlichen Handwerkern oder auch geschickten Laien selbst angefertigt, mit Besitzernamen oder Jahreszahlen versehene Stücke, die sich schon lange in einer Familie befinden, lassen erkennen, dass sie oft über Generationen weitervererbt wurden und die heute gebräuchlichen Formen schon sehr lange üblich sind.

Verse beim Umzug mini|Kinder beim Ratschen in der Karwoche

Einer der Sprüche, die gerufen und anschließend von heftigem Lärm begleitet wurden, lautet:Ratscher-Buben und -Mädchen. Stadtmuseum Bad Ischl (abgerufen am 2. Januar 2010). „Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß (= Engelsgruß), den jeder katholische Christ beten muss.“

Die Klapperbuben und heute auch Klappermädchen müssen sehr früh aufstehen, wollen sie den ersten Termin um 6 Uhr morgens wahrnehmen. Hatte ein potenzieller angemeldeter Klapperer verschlafen, so wurde er vor seinem Haus ausgeklappert und verspottet XY, steh auf zum Beten, wir sind schon alle angetreten.

Am Karsamstag (regional verschieden) wurde dann der Klapperlohn eingesammelt. Dabei zog die Klappergruppe von Haus zu Haus und sammelte Ostereier, Geld oder auch Süßigkeiten. Der Klapperspruch lautete dann: Wir haben geklappert fürs Heilige Grab und bitten um eine milde Gab’. Nicht zu groß und nicht zu klein, damit wir können zufrieden sein.

Im Rhönort Poppenhausen (Wasserkuppe) heißt es heute noch, es werden „die Eier ausgeklappert“. Mit dem Spruch: „Wir haben gewacht am Heiligen Grab und bitten um eine milde Gab“ treten Messdiener (heute auch Mädchen) an die Haustüren. Neben ursprünglich Naturalien wird von den Klapperjungen für ihren mühevollen Dienst Geld gesammelt. Früher war es hier üblich, dass der Küster von jedem der zwölf Jungen ein Ei bekam.

Auch am Morgen des Karsamstags wird ein Sprüchlein aufgesagt: Weiber/Frauen, steht auf zum Kuchenbacken. Hurra, hurra, der Kuchen geht auf.

In der Osternacht, also von Karsamstag auf Ostersonntag, ziehen in Alsdorf (Eifel) Jugendliche durch die Dorfstraßen mit folgendem Gesang (in Hochdeutsch): Steht auf, steht auf zum heil'gen Grab, es ist schon an der Zeit. Es fängt schon an zu tagen, der Tag ist nicht mehr weit. Auf, auf, ihr Lieben, lasst die Faulen liegen, lasst sie liegen in ihrer Ruh’, wir eilen mit Vergnügen dem heil'gen Grabe zu!

In einer Gemeinde im Pfälzerwald erklingt beispielsweise am Karsamstagmorgen folgende Weise: Wachet auf, im Namen Herr Jesu Christ Der helle Tag vor Augen ist Der helle Tag, der über uns wacht Gott schenk uns einen guten Tag Einen guten Tag, eine fröhliche Zeit Gelobt sei Gott in Ewigkeit.

Im westlichen Sauerland (hauptsächlich ehem. Amt Balve) merkt man sich den Takt der dort „Riärteln“ genannten Tradition mit dem Spruch: Ei, Ei oder Geld

Es gibt regional noch eine Vielzahl weiterer Sprüche, teilweise im örtlichen Dialekt. Am Untermain wird beispielsweise vor der Karfreitagsliturgie gerufen: Wir klippern und klappern auf Haufen, wer in die Kärsch (Kirche) will, der muss laufen, laufen. Eine Version in Unterfranken ist: Wir klappern auf einem Haufen, wer in die Kirche will, der muss laufen.

In manchen Gegenden Mittelfrankens gibt es auch noch folgende Sprüche: Zum Angelusläuten Wir klappern zum Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss, das Ave Maria, gratia plena! Die 3. Zeile wird in einigen Gegenden ausgelassen und das muss wird oft, sehr zum Vergnügen der Klapperkinder, in Mus abgewandelt.

Zu den Zeremonien Hört, ihr Leut, das ist das erste zu den Zeremonien, Zeremonien! Die zweite Gruppe singt dann statt „erste“ das „zweite und letzte“.

Beim Eiersammeln wird häufig geratscht: Feieramt, Feieramt Hausfra (bzw. Hausmo) pack dei Eier zam! Zehne, zwölfe wöl mer ham!

In Unterfranken klappern die Kinder so um eine Gabe: Wir klappern um ein Ei und nehmen auch zwei, drei, mit etwas Geld dabei.

In Teilen Oberfrankens schlöttern die Kinder mit diesem Spruch: Jetzt kommt der Osterkönig, gebt uns nicht zu wenig. Lasst uns nicht zu lange steh'n, denn wir müssen weitergeh'n. Eier raus, Eier raus, sonst gehen wir ins Hühnerhaus und leeren alle Nester aus. Wenn die Leute einen Hund besitzen wird noch dieser Spruch hinterher gesungen: Bauer häng dein Pudel o, dass er uns net beiß'n ko. Beißt er mi, verklag i di, 1000 Taler kostets di.

In der Eifel ist es üblich, anstelle von Versen kurze Wörter oder Sätze zu rufen, bzw. am Abend direkt vor der Ostermette zu singen. Morgens lautet der Ruf Morjensglock, Morjensglock loud (Morgenglocke läutet) oder Opstohn (Aufstehen), am Mittag Mähdachsglock (Mittagsglocke) oder Mättisch (Mittag), am Abend Nateglock, Owendsglock oder Bätglock (Nacht-, Abend- oder Betglocke); vor dem Karfreitagsgottesdienst und der Osternachtsfeier ruft man Zesaame (zusammen). In der Voreifel lautet der laut ausgesungene Ruf Üblich ist es auch, nur die Tagzeit zu nennen: Et ass Middisch usw.

In der Gegend um Daun herum singen die Kinder (Mittag, Hahnenschrei, übermorgen ist Ostern), am nächsten Tag Am Ostersonntag wird morgens bei Sonnenaufgang „Leit steiht op, holt dä Herrjott op, et es Osterdach.“ gerufen.

In Rivenich rufen sie: Meetisch (mittags); Betklock (morgens und abends) und dann jeweils entweder iwermuer/muer is heilich Ustrdach (übermorgen/morgen ist heiliger Ostertag).

Im Saarland Im Bliesgau des Saarlandes wird anstelle der gerufenen Texte um 6, 12 und 18 Uhr ein abgewandeltes Marienlied gesungen, zur Melodie des Weihnachtslieds "Es wird schon gleich dunkel":

"Gegrüßet sei'st Maria, du himmlische Zier, du bist voll der Gnaden, der Herr ist mit dir. Eine ganz frohe Botschaft dein Mutterherz trifft, du himmlische Botschaft, Ave Marie."

Morgens und Abends zur Betstunde Beetklock, Rosenstock, wenn’d nemme laut klingelt dann kläppert et noch Beetklock, Rosestock, wenn's nemme läut dann klappert's noch [Betglocke, Rosenstock, wenn es nicht mehr läutet dann kläppert es noch!] Mittags Mittach, Mittach, Hohnekrach, Sunndach, Meendach is Osterdach, Osterdach

[Mittag, Mittag, Hahnengeschrei, Sonntag und Montag ist Ostertag]

Zur heiligen Messe am Karfreitag und am Ostersonntag zur Auferstehung gehen die Jugendlichen im Saarland in der Regel dreimal. Sie singen dazu: „Erschd Mòl“ („Zum ersten Mal“) oder „Zwedd Mòl“ („zum zweiten Mal“). Beim dritten Mal lautet der Vers wie folgt: „Zu haaf, zu haaf, wer in de Kirch will, der laaf“ (Zuhauf, zuhauf, wer in die Kirche will, der laufe).

In anderen Orten im Saarland: „Steht alle auf, Ihr lieben Leut’, und eilt zum heilgen Grab hinauf.“ (Vers ist verdreht, es muss heißen) "Ihr lieben Leut', steht alle auf, und eilt zum heiligen Grab hinauf."

Insgesamt gibt es unzählige verschiedene Sprüche. Oft sind diese sogar innerhalb eines Ortes verschieden.

In der fränkischen Schweiz wird morgens um 5.30 Uhr zum Gebet gerufen: Uremus, Uremus, jetzt schlöttern wir den englischen Gruß, den jeder Christ verrichten muss. [Von lat. Oremus „Lasst uns beten“]

Regionales

Baden-Württemberg, Ebnet (Stadtteil von Freiburg i.Br.) Weil die Glocken der katholischen Kirchen zwischen Gründonnerstag und der Auferstehungsverkündung am Karsamstag nicht läuten dürfen, wird in Ebnet auf andere Weise zur Messe gerufen:

Zu jedem Gottesdienst, auch zu den abendlichen Trauermetten, ziehen die Jungen paarweise durch den Ort. Sie fangen bei den Kirchenfenstern Häusern an und knien sich mit ihrem "Instrument" hin, um durch Drehung der Kurbel zu lärmen. Dann rufen sie ihren Spruch: "S erstmol in d'Kirch!" oder "S zweitmol in d'Mette!" Am Morgen des Karfreitag wird schon um 6 Uhr früh "Betzit" (Angelus) gerätscht. Vor der Kirche treffen sich die Jungen für das "Zsamme-Rätsche" auf der Friedhofsmauer. Nachdem am Karsamstag zum letzten Mal gerätscht wurde, gehen die Jungen nach dem Gottesdienst nochmal vor die Häuser und Höfe, um den Lohn für ihre Arbeit zu empfangen. Dafür gibt es verschiedene Heischeverse:

"Do han i e Körbli, des schreit gottserbärmli.

Gen mer e paar Eier, dno halt i mi Leier.

Gen mer e Schunke, dno will i vum Hus eweg gumpe.

Gen mer e Sester Nuß, dno blib i s'ganz Johr duss.