mini|hochkant|Nikolai Ryschkow, 2019

Nikolai Iwanowitsch Ryschkow (, wiss. Transliteration ; * 28. September 1929 in Dylijiwka, Ukrainische SSR, heute zu Torezk, Ukraine; † 28. Februar 2024 in MoskauСкончался экс-глава правительства СССР Николай Рыжков. In: Wetschernaja Moskwa, 28. Februar 2024 (russisch)) war ein sowjetischer bzw. russischer Politiker (KPdSU). Er war während der Amtszeit des Generalsekretärs Gorbatschow von 1985 bis 1991 Vorsitzender des Ministerrats und damit Regierungschef der Sowjetunion.

Leben Ryschkow stieg vom Schweißer einer Fabrik in Swerdlowsk zum Chefingenieur und Leiter einer Eisenbahnabteilung auf und wurde Bergwerksdirektor. Der KPdSU trat er 1956 bei. Daneben besuchte er das Polytechnische Institut des Urals in Swerdlowsk und erhielt 1959 sein Diplom. Danach war er stellvertretender Direktor und von 1965 bis 1970 Chefingenieur des Uralmaschsawod in Swerdlowsk, 1970 bis 1971 Direktor und 1971 bis 1975 Generaldirektor des Uralmaschkombinats für Schwermaschinenbau.

1974 wurde er in den Unionssowjet des Obersten Sowjet gewählt und erhielt das Amt des Sekretärs der Kommission für Wirtschaftsplanung und Haushalt. Ab 1975 war er zudem stellvertretender Minister für Schwer- und Transportmaschinenbau und ab 1979 Erster stellvertretender Vorsitzender der Staatlichen Plankommission Gosplan. 1981 – gefördert durch Andropow – wurde er, ohne vorher Kandidat gewesen zu sein, Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der KPdSU, 1982 bis 1985 Sekretär und Leiter der Wirtschaftsabteilung des ZK und 1985 bis 1991 Vorsitzender des Ministerrats der Sowjetunion. Von April 1985 bis 1990 war er unter Michail Gorbatschow Vollmitglied im höchsten politischen Gremium, dem Politbüro und ab 27. September 1985 als Nachfolger von Nikolai Alexandrowitsch Tichonow zum Vorsitzenden des Ministerrates berufen worden.

Auf dem XXVIII. Parteitag der KPdSU im Juli 1990 verlor Ryschkow seinen Sitz im Politbüro. 1991 wurde er als Regierungschef durch Walentin Pawlow ersetzt. Bei den ersten russischen Präsidentschaftswahlen von 1991 kandidierte er erfolglos für die Kommunistische Partei. mini|Ryschkow und der aktuelle russische Präsident Wladimir Putin im Jahr 2000 Nach dem Ende der Sowjetunion wurde Ryschkow im Dezember 1993 in die Duma gewählt und 1996 Vorsitzender der linken Patriotischen russischen Volkspartei. Von 2003 bis 2023 war er Mitglied des Föderationsrates.Letztes Politbüromitglied der KPdSU zieht sich zurück, jungewelt.de, 4. Oktober 2023, abgerufen am 8. Februar 2024.

Am 28. Februar 2024 starb Ryschkow im Alter von 94 Jahren in Moskau.

Positionen Ryschkow war eher ein Technokrat ohne ausgeprägtes politisches Profil. Doch unterstützte er Gorbatschow bei dessen Versuch, Planung zu dezentralisieren, neue Wirtschaftsformen und neue Technologien einzuführen. Dagegen vertrat er die Einführung der Perestroika (Umgestaltung) und die neuer Marktmechanismen, wie das Programm der 500 Tage, nur sehr zurückhaltend und sah dies als hauptsächlichen Grund für den ökonomischen Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetrepubliken.

Obwohl Ryschkow sich als Kommunist sah, vertrat er auch nationalistische Positionen. Er lehnte westliche Einflüsse auf Russland strikt ab und sah die Russisch-Orthodoxe Kirche als „nationale Religion des russischen Volkes“. Für Ryschkow waren alle ehemaligen Sowjetrepubliken einst Teile eines russischen Staates gewesen. Die Sowjetunion habe als „Fundament einen russischen Kern“ und verkörpere „die russische Idee in der Welt“. Ryschkow widersprach Lenins Kritik am russischen Chauvinismus. Ryschkow sah die Sowjetunion als Fortsetzung des russischen Staates an. Beide seien historisch gewachsen und insofern legitim. Ryschkow sah den Zerfall der Sowjetunion daher kritisch und sah insbesondere Michail Gorbatschow und Boris Jelzin in der Verantwortung für deren Zerfall, der bereitwillig bzw. aus eigennützigen Motiven geschehen sei. In seinem Buch Der Kronzeuge führte er aus, in der Sowjetunion hätten die Völker freundschaftlich zusammengelebt, bis durch die von Michail Gorbatschow angestoßenen Reformen (Perestroika) nationalistische Bewegungen die Sowjetunion zerstört hätten. Die FAZ bezeichnete in einer kritischen Rezension Ryschkows Buch und seine Positionen als „Moskauer Dolchstoßlegende“.

Sanktionen Nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland wurde Ryschkow 2014 auf Sanktionslisten der Vereinigten StaatenTreasury Sanctions Russian Officials, Members Of The Russian Leadership’s Inner Circle, And An Entity For Involvement In The Situation In Ukraine. In: treasury.gov, 20. März 2014 und der Europäischen UnionReuters: EU sanctions list includes Russian commanders, Crimea PM, März 2014 gesetzt.

Auszeichnungen Held der Arbeit der Russischen Föderation Verdienstorden für das Vaterland 4. und 1. Klasse Orden der Ehre Leninorden (zweimal) Orden der Oktoberrevolution Orden des Roten Banners der Arbeit (zweimal) Orden des Vaterländischen Krieges I. Klasse (1985)Рыжков Николай Иванович, warheroes.ru (russisch) Staatspreis der UdSSR (1969, 1979) Ehrenbürgerschaft der Stadt Gjumri (2001)Liste der Ehrenbürger von Gjumri, Internetseite der Stadt Gjumri

Publikationen XXVII. Parteitag der KPdSU — Über die Hauptrichtungen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der UdSSR von 1986 bis 1990 und für den Zeitraum bis zum Jahr 2000. Berichterstatter: N. I. Ryshkow. Verlag Progress, Moskau 1986. главный свидетель („Der Kronzeuge“). Algoritm, Moskau 2010, ISBN 978-5-699-37037-5. Übersetzung: Mein Chef Gorbatschow. Die wahre Geschichte eines Untergangs. Aus dem Russischen von Albert Dusa. Das Neue Berlin, Berlin 2013, ISBN 978-3-360-02168-7 (Rezension, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juli 2014).

Literatur Michail Gorbatschow: Der Staatsstreich. Bertelsmann, München 1991, ISBN 3-570-01408-8. Erinnerungen. Siedler, Berlin 1995, ISBN 3-88680-524-7.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Regierungschef der Sowjetunion Kategorie:Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU Kategorie:Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU Kategorie:Duma-Abgeordneter (Russische Föderation) Kategorie:Abgeordneter des Föderationsrats (Russland) Kategorie:Person auf der EU-Sanktionsliste infolge der russischen Annexion der Krim Kategorie:Held der Arbeit der Russischen Föderation Kategorie:Nationalheld Armeniens Kategorie:Ehrenbürger von Gjumri Kategorie:Träger des Leninordens Kategorie:Träger des Ordens der Oktoberrevolution Kategorie:Träger des Staatspreises der UdSSR Kategorie:Träger des Verdienstordens für das Vaterland Kategorie:Träger des russischen Ordens der Ehre Kategorie:Träger des Ordens des Roten Banners der Arbeit Kategorie:Träger des Ordens des Vaterländischen Krieges I. Klasse Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Russe Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2024 Kategorie:Mann