mini|Christian Petzold, Viennale 2025 Christian Petzold (* 14. September 1960 in Hilden) ist ein deutscher Filmregisseur und Drehbuchautor. Er wird der Berliner Schule zugerechnet und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen.
Leben Aufgewachsen in Haan, machte er nach dem Abitur 1979 seinen Zivildienst („Keine Flucht nach Berlin!“)Interview auf der DVD Die innere Sicherheit im kleinen Filmclub des örtlichen CVJM („Doppelprogramme, bestehend aus einem Appetizer und einem Filmkunstwerk, alles für schwer erziehbare Jugendliche.“). Seit 1981 lebt er in Berlin, wo er zunächst ein Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik an der Freien Universität begann. Von 1988 bis 1994 studierte er dann an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb).
Die Drehbücher für seine Filme schreibt Christian Petzold selbst, wobei er in vielen Fällen die Ideen auch mit Harun Farocki zusammen bearbeitete und weiterentwickelte. Als damaliger Lehrer an der dffb war Farocki ein wichtiger Einfluss für den Studenten Petzold. Während Farocki jedoch eher dem Realismus und politischen Kino zugeordnet wird, zeichneten sich Petzolds Filme spätestens seit Die innere Sicherheit durch eine Beschäftigung mit dem Zwischenbereich von Leben und Tod aus. In Gespenster führt die Hauptfigur das Leben eines Phantoms,Petzold im Interview auf der Internetpräsenz des Films Gespenster. und der Hauptcharakter in Yella ist möglicherweise schon zu Beginn des Films verstorben. Die innere Sicherheit, Gespenster und Yella bilden die – von Petzold ursprünglich so nicht geplante – „Gespenster-Trilogie“.: „Im Zwischenreich“.
Nach Toter Mann, Wolfsburg und Yella folgte 2008 mit dem Spielfilm Jerichow die vierte Zusammenarbeit mit Nina Hoss in der Titelrolle. Das Drama handelt von einem aus Afghanistan in das nordostdeutsche Flachland zurückkehrenden Soldaten, der sich auf eine Affäre mit einer verheirateten Frau einlässt. Der Film erhielt eine Einladung zur Teilnahme am Wettbewerb der 65. Filmfestspiele von Venedig 2008. 2009 wurde Christian Petzold für Jerichow als bester Regisseur für den Deutschen Filmpreis nominiert.„Deutscher Filmpreis: Die Nominierungen im Überblick“, Die Welt vom 13. März 2009.
Obwohl Christian Petzold bis dahin ausschließlich als Filmregisseur arbeitete, folgte er einer Einladung des Interimsintendanten Oliver Reese an das Deutsche Theater Berlin, um Arthur Schnitzlers Der einsame Weg (wiederum mit Nina Hoss in der Titelrolle) zu inszenieren. Die Premiere fand am 14. März 2009 statt.Frankfurter Rundschau, S-Ausgabe vom 16. März 2009, Seite 21, und .
Im August 2010 starteten die Dreharbeiten zu dem Filmprojekt Dreileben, zu dem die Regisseure Dominik Graf und Christoph Hochhäusler neben Christian Petzold jeweils einen Film beisteuerten. Alle drei Filme kreisen aus unterschiedlichen Perspektiven um ein Verbrechen, das sich in einem thüringischen Ort namens „Dreileben“ ereignete. Christian Petzolds Beitrag trug den Titel Etwas Besseres als den Tod. Die Premiere des Gemeinschaftswerks fand auf der Berlinale 2011 in der Sektion „Forum“ statt.Etwas Besseres als den Tod der Internetseite der Berlinale, zuletzt abgerufen am 22. März 2011. Das Medienecho war geteilt.Vgl. Hanna Pilarczyk: „ARD-Krimi-Mehrteiler ‚Dreileben‘. Zu viele Köche ergeben Brei“, Spiegel Online vom 15. Februar 2011, zuletzt abgerufen am 22. März 2011, oder den , zuletzt abgerufen am 22. März 2011.
2012 erhielt Christian Petzold mit seinem Spielfilm Barbara (Titelrolle Nina Hoss) seine dritte Einladung zur Teilnahme am Wettbewerb der Berlinale. Der Film spielt in der DDR, im Jahr 1980, und handelt von einer Ärztin, die, nachdem sie erfolglos einen Ausreiseantrag gestellt hat, an ein Provinzkrankenhaus versetzt wird.„Drehstart für ‚Barbara‘ mit Nina Hoss. Neue Zusammenarbeit des ZDF mit Christian Petzold“ bei Presseportal.de vom 16. August 2011, zuletzt abgerufen am 12. Januar 2012. Christian Petzold wurde mit dem Silbernen Bären für die beste Regie geehrt und erhielt im selben Jahr zwei Nominierungen für den Deutschen Filmpreis (in den Kategorien Regie und Drehbuch).
Für „seine intellektuelle Brillanz und sein[en] Sinn für zupackende Geschichten“, die „ihn zum Erben Käutners [machen]“, erhielt er 2013 den Helmut-Käutner-Preis.„Christian Petzold erhält Helmut-Käutner-Preis“, Focus vom 25. November 2012, zuletzt abgerufen am 28. November 2012.
mini|Petzold beim Internationalen Filmfestival San Sebastián im September 2014 Im September 2014 veröffentlichte Christian Petzold seinen Film Phoenix (Titelrolle Nina Hoss), der den Holocaust mit einer in der Nachkriegszeit spielenden Geschichte thematisiert. Hierfür erhielt er den Preis der internationalen Filmkritik auf dem Filmfestival San Sebastián.Georg Diez: Was soll das? In: Spiegel online, 22. September 2014..
Nach der Inszenierung zweier Polizeiruf-110-Folgen (Kreise, 2015; Wölfe, 2016) schuf Petzold mit Transit (2018) eine freie Adaption des gleichnamigen Romans von Anna Seghers. Der Kinofilm mit Franz Rogowski und Paula Beer in den Hauptrollen erhielt eine Einladung in den Wettbewerb der 68. Berlinale.
2018 wurde er in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences berufen, die jährlich die Oscars vergibt.Academy invites 928 to Membersphip. In: oscars.org (abgerufen am 26. Juni 2018).
2019 drehte Petzold den Spielfilm Undine (2020), wobei er erneut auf Paula Beer und Franz Rogowski als Hauptdarsteller zurückgriff. Es ist der erste Teil einer geplanten Trilogie, die sich der deutschen Romantik und dabei speziell des Motivs der Elementargeister annehmen soll. In den folgenden Filmen plant Petzold sich den Luft- bzw. Erdgeistern thematisch zu widmen.Norbert Raffelsiefen: „Schicksale statt Thesen“. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 23. März 2019, Nr. 70, S. 24. Der Film lief 2020 im Wettbewerb der 70. Berlinale und wurde dort mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet.Preise von unabhängigen Jurys. In: berlinale.de, 29. Februar 2020 (abgerufen am 29. Februar 2020).
Nach Undine folgte mit Roter Himmel (2023) ein zweiter Teil zu einer geplanten Filmtrilogie. Für den Film erhielt Petzold 2023 den Großen Preis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin. Im Jahr darauf wurde er in die Wettbewerbsjury der 74. Berlinale eingeladen.Internationale Jury. In: berlinale.de, 1. Februar 2024 (abgerufen am 1. Februar 2024).
Im Jahr 2025 stellte Petzold mit Miroirs No. 3 erneut einen Spielfilm mit Paula Beer in der Hauptrolle fertig. Er wurde im Mai im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2025 uraufgeführt. Ebenfalls 2025 wurde er Präsident der Viennale.
Petzold ist mit der Filmemacherin Aysun Bademsoy verheiratet und lebt in Berlin. Das Paar hat zwei Kinder.
Zitat
„Das Kino ist eine riesige Sammlung von unerlösten Menschen.“"Kino ist eine Sammlung unerlöster Menschen", Die Presse, 30. April 2018
Filmografie 1995: Pilotinnen (Fernsehfilm) 1996: Cuba Libre (Fernsehfilm) 1998: Die Beischlafdiebin (Fernsehfilm) 2000: Die innere Sicherheit 2002: Toter Mann (Fernsehfilm) 2003: Wolfsburg 2005: Gespenster 2007: Yella 2008: Jerichow 2011: Dreileben – Etwas Besseres als den Tod (Fernsehfilm) 2012: Barbara 2014: Phoenix 2015: Polizeiruf 110: Kreise (Fernsehfilm) 2016: Polizeiruf 110: Wölfe (Fernsehfilm) 2018: Transit 2018: Polizeiruf 110: Tatorte (Fernsehfilm) 2020: Undine 2023: Roter Himmel 2025: Miroirs No. 3
Auszeichnungen mini|Christian Petzold auf der Berlinale 2018 mini|Christian Petzold mit dem erhaltenen Silbernen Bären für Roter Himmel bei der Berlinale 2023 1996: Filmfestival Max Ophüls Preis: Förderpreis Langfilm für Cuba Libre 2001: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Die innere Sicherheit 2001: Deutscher Filmpreis als bester Spielfilm für Die innere Sicherheit 2002: Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste für Toter Mann 2002: Deutscher Fernsehpreis für Toter Mann 2003: Adolf-Grimme-Preis für Toter Mann (zusammen mit Hans Fromm, Nina Hoss und Sven Pippig) 2003: FIPRESCI-Preis im Panorama der Internationalen Filmfestspiele Berlin für Wolfsburg 2004: Preis der DEFA-Stiftung zur Förderung der deutschen Filmkunst 2005: Adolf-Grimme-Preis mit Gold für Wolfsburg (zusammen mit Nina Hoss (Darstellung) und Benno Fürmann) 2005: Findlingspreis des Verbandes für Filmkommunikation für Gespenster 2005: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Gespenster 2007: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Yella 2008: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Jerichow 2009: Filmpreis der Stadt Hof bei den Internationalen Hofer Filmtagen 2011: Deutscher Fernsehpreis zusammen mit Dominik Graf und Christoph Hochhäusler in der Kategorie „Besondere Leistung Fiktion“ für die Trilogie Dreileben 2012: Grimme-Preis „Spezial“ für Dreileben zusammen mit Dominik Graf und Christoph Hochhäusler 2012: Silberner Bär, Preis für die beste Regie der Internationalen Filmfestspiele Berlin für Barbara 2012: Deutscher Filmpreis in Silber als bester programmfüllender Spielfilm für Barbara 2012: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Barbara 2013: Helmut-Käutner-Preis 2016: Deutscher Fernsehkrimipreis, Sonderpreis für die Regie in Polizeiruf 110: Kreise 2018: Bayerischer Filmpreis für das Drehbuch von Transit 2018: Julius-Campe-Preis für seine Verdienste um die deutsche Literatur, mit besonderem Bezug auf den Film TransitJulius-Campe-Preis geht in diesem Jahr an Christian Petzold, buchmarkt.de, erschienen und abgerufen am 19. Juli 2018 2018: Auszeichnung des Neiße Filmfestivals für sein filmisches Schaffen, Sächsische Zeitung vom 20. Mai 2018 2020: Schillerpreis der Stadt Mannheim 2020: BZ Kulturpreis 2021: Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland 2023: Silberner Bär – Großer Preis der Jury der Internationalen Filmfestspiele Berlin für Roter Himmel
Interviews 2020: Wenn du mich verlässt, muss ich dich töten ...(Interview mit Thomas Abeltshauser). In: epd Film 7/20: S. 28–33
Literatur Manfred Hobsch, Ralf Krämer, Klaus Rathje: Filmszene D. Die 250 wichtigsten jungen deutschen Stars aus Kino und TV. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-511-2, S. 318 f. Johanna Schwenk: Leerstellen – Resonanzräume: Zur Ästhetik der Auslassung im Werk des Filmregisseurs Christian Petzold. Filmstudien 63, Nomos Verlag 2011, ISBN 978-3-8329-6933-2. Christian Petzold: Barbara: Ein Drehbuch. Herausgegeben von Fred Breinersdorfer und Dorothee Schön für die Deutsche Filmakademie. Pro Business 2012, ISBN 978-3-86386-232-9. Ilka Brombach, Tina Kaiser (Hrsg.): Über Christian Petzold. Vorwerk 8, Berlin 2018, ISBN 978-3-940384-99-7. Das Kino ist die Zukunft, aber es schaut immer zurück. Ein Gespräch mit Christian Petzold von Bernd Stiegler und Alexander Zons. Augenblick. Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft 75/76, Schüren Verlag, Marburg 2020, ISBN 978-3-7410-0206-9. Brad Prager: Christian Petzold: YELLA. Film-Lektüren 2, edition text+kritik 2021, ISBN 978-3-96707-415-4. Andreas Becker (Hg.): Christian Petzold. Film-Konzepte 65, edition text+kritik 2022, ISBN 978-3-96707-641-7.
Weblinks
Christian Petzold im Autor*innenlexikon (sic!) der Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Geisteswissenschaften, Germanistik „Arm filmt gut? Das gefällt mir nicht“, Die Zeit vom 9. Januar 2009 (Interview zu Jerichow) „Interview mit Christian Petzold: ‚Kino ist wie ein Bankraub‘“, Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2010 „Christian Petzold im Interview: Eingetrübte Romantik“, Monopol vom 6. März 2012 (Interview zu Barbara) „Regisseur Christian Petzold: ‚Unsere Identität bestimmt sich über Arbeit‘“, Die Zeit vom 26. April 2012 „Regisseur Christian Petzold: ‚Was es da an Irren gab!‘“, Die Zeit vom 31. Januar 2013 „Christian Petzold im Gespräch: Wie Techniken der Macht zu Techniken der Liebe werden“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. Februar 2013
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Drehbuchautor