Buchenau (bis zur Eingemeindung Buchenau/Lahn) ist ein Dorf im Osten des Hessischen Hinterlandes und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Dautphetal im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Die Lahn, die durch den Ort fließt, der alte Ortskern mit den Fachwerkhäusern und der Kirche an deren Rand, sowie die Bebauung der Talhänge mit den herausstechenden „Hochhäusern“ charakterisieren den Ort.Datenquelle: Gemeinde Dautphetal
Bis zum Zusammenschluss mit elf anderen Gemeinden zur Gemeinde Dautphetal im Jahr 1974 war Buchenau eine selbstständige Gemeinde, zu der neben der Industriesiedlung Carlshütte von 1972 bis 1974 auch der heute zu Biedenkopf gehörige Weiler Katzenbach gehörte.
Geographie mini|Lage des Ortes innerhalb der Gemeinde Dautphetal
Geographische Lage Buchenau liegt am östlichen Rand des Rheinischen Schiefergebirges im engen oberen Lahntal in einem Talkessel, umgeben von den Sackpfeifen-Vorhöhen Vorderstöffel (366 m), Ellenberg (438 m) und Bundeberg (385 m). Östlich des Ortes und des Bundeberges schließt sich, durch den Einschnitt des Lauterbachs getrennt, der 460 Meter hohe Homberg mit dem Naturschutzgebiet Homberg bei Buchenau an, dessen östliche Hälfte bereits auf der Gemarkung der Nachbargemeinde Lahntal liegt.
Der alte Ortskern liegt auf etwa und umfasst die Alte Landstraße, den Gassenweg, die Hollergasse, Grabenstraße und Bachstraße. In dem Haufendorf sind hauptsächlich Dreiseit- und Hakenhöfe zu finden. Im Laufe der Zeit hat sich die Bebauung an die Talhänge bis an den Waldrand ausgedehnt.
Der höchste Punkt der Buchenauer Gemarkung befindet sich auf den Salzköpfen mit knapp an der nordöstlichen Gemarkungsgrenze, der niedrigste mit unter 235 Metern im Osten an der Lahn an der Gemarkungs- und Gemeindegrenze.
Ortsname Vor dem Zusammenschluss mit anderen Gemeinden zur Großgemeinde Dautphetal hieß Buchenau amtlich Buchenau/Lahn zur Unterscheidung von anderen Buchenaus in Deutschland. Neben der amtlichen existierten einige weitere Schreibweisen, wie Buchenau (Lahn) oder Buchenau an der Lahn. Die Schreibweisen mit Namenszusatz sind heute gelegentlich gebräuchlich.
Nachbargemeinden Die angrenzenden Orte sind von Norden im Uhrzeigersinn die Stadtteile Treisbach und Warzenbach der Stadt Wetter, im Osten der Ortsteil Brungershausen der Gemeinde Lahntal, im Südosten bis Südwesten die Dautphetaler Ortsteile Elmshausen, Allendorf und Friedensdorf sowie im Westen und Nordwesten die Biedenköpfer Stadtteile Kombach und Katzenbach.
Eingebettet zwischen der Bundesstraße 62 und der Bahnstrecke der Oberen Lahntalbahn befindet sich im westlichen Bereich der Gemarkung von Buchenau sowie südöstlich der Ortslage ein Abschnitt des Landschaftsschutzgebiets Auenverbund Lahn-Ohm mit einer Gesamtgröße von rund 5915 Hektar. Ziele der Unterschutzstellung sind „[…] die Erhaltung und Entwicklung des typischen Charakters der Talauen von Lahn und Ohm mit ihren Nebenbächen in ihren Funktionen als Lebensstätte auentypischer Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensgemeinschaften, als Überflutungsgebiet und als Erholungsraum sowie wegen ihrer Bedeutung für das Lokalklima.“Hintergrundinformationen zum Projekt im Landkreis-Marburg-Biedenkopf (PDF; 724 KB) Östlich des Ortes im Bereich des namensgebenden Berges liegt das Naturschutzgebiet Homberg bei Buchenau mit einer Größe von etwa 33,7 Hektar.Umweltatlas Hessen (abgerufen am 11. November 2013, Stand der Daten: 2009, Letzte Aktualisierung: 2010)
Geologie mini|Geologische Karte der Dillmulde und angrenzender Gebiete mini|Kalksteinbruch am nordöstlichen Rand des Ortes beim Schützenplatz am Fuße des Wollenspeiert mini|Der ehemalige Steinbruch am Silberg ist heute ein Biotop Die Landschaft um Buchenau liegt am äußersten Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges und ist von Gesteinen geprägt, die während des Devons und Karbons in einem Meer abgelagert wurden. Die Meeresküste lag lange Zeit etwa dort, wo sich heute der Nordrand des Schiefergebirges befindet, also etwa im Raum Düsseldorf, Wuppertal und Brilon. Während der variszischen Gebirgsbildung am Ende des Karbons wurden die Ablagerungen gefaltet und von zahlreichen Störungen durchzogen. Das so entstandene Gebirge wurde im Perm wieder abgetragen und bildete ein wenig gegliedertes Hügelland, das zu den Zeiten, in denen flache Meere Teile des heutigen Deutschlands bedeckten, immer nur am Rand von diesen überflutet wurde. Seit dem Ende des Tertiärs wurde das Schiefergebirge wieder gehoben, sodass sich Bäche und Flüsse einschneiden konnten und sich die heutige Landschaft bildete.
Geologische Gliederung Nach der Einteilung des Schiefergebirges in Großstrukturen liegt Buchenau am Ostende der Dillmulde unmittelbar nördlich der Hörre-Zone. Die Großeinheit der Dillmulde ist ein Synklinorium und wird in mehrere Untereinheiten gegliedert, die als langgestreckte, aber nur wenige Kilometer breite Falten oder tektonische Schuppen in Südwest-Nordost-Richtung vom Westerwald bis zum Rand des Schiefergebirges ziehen. Von Nordwesten nach Südosten werden im Gebiet von Buchenau unterschieden: die Kombacher Mulde die Eisemröther Schuppe, auf ihrer Nordwestseite an der Eisemröther Überschiebung auf die Kombacher Mulde überschoben die Endbacher Schuppe, auf ihrer Nordwestseite an der Endbacher Überschiebung auf die Eisemröther Schuppe überschoben Das Einfallen der Schichtung ist mit nur wenigen und meist kleinräumigen Ausnahmen nach Südosten gerichtet. Auch die Überschiebungen fallen nach Südosten ein. Die Gesteine sind je nach ihrer Härte mehr oder weniger geschiefert, die harten Gesteine sind meist senkrecht zur Schichtung geklüftet.
Gesteine Die Grauwacken und Tonschiefer der Kombacher Mulde stammen aus dem Karbon und bauen die Höhen des Hirschsteins und des Stöffels auf. Über Mornshausen und das Lahnknie nördlich von Friedensdorf erreicht die Eisemröther Überschiebung die Umgebung von Buchenau und zieht sich an der Ostseite von Hirschstein und Stöffel entlang. Sie ist im Gelände nicht direkt zu beobachten, allenfalls die abweichenden Gesteine der Eisemröther Schuppe südöstlich davon verraten ihre Lage. Es handelt sich um Wissenbacher Schiefer, Sand- und Kalksteine des Oberdevons, in die im Unterkarbon zahlreiche Diabase eingedrungen sind. Diese Gesteine bilden den Untergrund von Buchenau und reichen nach Südosten bis zum Hauwald. Die Endbacher Überschiebung erreicht das Lahntal von Südwesten bei Elmshausen, ist auf dessen Nordseite jedoch nicht mehr aufgeschlossen. Die von ihr begrenzte Endbacher Schuppe baut die Höhen südlich von Elmshausen auf und besteht aus Tonschiefern und Sandsteinen des Mitteldevons. Alle diese geologischen Einheiten sind aufgrund der wenig ergiebigen Böden dicht bewaldet.
Tonsteine, Sandsteine, untergeordnet auch Konglomerate und Dolomite des Zechsteins bilden die offene Landschaft um Warzenbach und nördlich davon. Die jüngsten Gesteinsbildungen um Buchenau sind die Flussablagerungen der Lahn (Lockergesteine wie Kies, Sand, Auelehm).
Gewässer Buchenau besitzt seit jeher ergiebige Wasserquellen und reichlich nutzbares Grundwasser. In früheren Zeiten entnahmen die Einwohner das Wasser von Brunnen, die im Umfeld des Ortes gegraben worden waren. Auch wurden die durch den Ort fließenden Bäche als Viehtränke genutzt. Die Lahn, in die eine Vielzahl kleinerer Bäche und Gräben in der Ortslage von Buchenau münden, durchzieht als größtes Gewässer die Gemarkung von West nach Ost. Linksseitig öffnet sich von Nordwesten kommend das Katzenbachtal, das den namensgebenden Bach an die Lahn führt. Der Ellenbach kommt vom Ellenberg in den Ort, ist dort verrohrt und fließt entlang der Bachstraße und der Alten Landstraße ebenso in den sogenannten Mühlgraben wie der Goldbach und der Seelbach. Der Allbach sowie der Hüttengraben der Carlshütte im Westen der Gemarkung fließen orographisch rechtsseitig nahe der Hütte, der Lauterbach mündet im Osten der Gemarkung linksseitig in der Nähe des Hauses Lahneck in die Lahn.
Klima Buchenau liegt nach Köppen-Geiger im „gemäßigten Ozeanklima“ (Cfb-Klima) der mittleren Breiten. Die Tagesmitteltemperatur beträgt im Sommer 16 bis 17 und im Winter etwa −1 bis 1 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt im Bereich Buchenau ungefähr 700 bis 800 Millimeter.Umweltatlas Hessen. In: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie 2005, [1. Februar 2006]
Geschichte Frühgeschichte Erste Anzeichen menschlichen Wirkens in der Buchenauer Gemarkung reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Es wurden bereits viele Gefäßreste, Feuersteinspäne, Pfeilspitzen sowie Steinbeile und weitere steinzeitliche Gegenstände gefunden, die zumindest auf Siedlungen aus dieser Zeit in der Umgebung hinweisen. Aus der späten Hallstattzeit bis in die Latènezeit ist der Ringwall am Rimberg, etwa vier Kilometer südlich von Buchenau, datiert. In der benachbarten Elmshäuser Gemarkung wurden römische Münzen des Kaisers Valerian (253–260) gefunden.Verein für hessische Geschichte und Landeskunde: Mittheilungen an die Mitglieder des Verein für hessische Geschichte und Landeskunde, Jahrgang 1896, Kassel 1897, S. 46 (Digitalisierte Version)
Mittelalter und Neuzeit Die erste urkundliche Erwähnung Buchenaus erfolgte 1238 in einer Urkunde des Klosters Caldern. Vorher gelangte die Zent Dautphe mit dem Tod des Grafen Giso IV. an die Ludowinger und somit an die Landgrafschaft Thüringen. Nachdem dort der letzte männliche Erbe gestorben war, kam es zum Thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg, in dem Sophie von Brabant die hessischen Besitzungen für ihren Sohn Heinrich unter anderem gegen das Erzbistum Mainz, das ebenfalls Gebietsansprüche stellte, in der Landgrafschaft Hessen sichern konnte. Eine Adelsfamilie von Buchenau/de Bokenowe wurde zwischen 1210 und 1575 mehrfach erwähnt.
Im Jahr 1567 fiel Buchenau an die Landgrafschaft Hessen-Marburg unter Ludwig IV., nachdem Landgraf Philipp I. (Der Großmütige) gestorben war. 1604 fiel mit Hessen-Marburg Buchenau an Moritz den Gelehrten von Hessen-Kassel, der das reformierte calvinistische Bekenntnis einführte. 20 Jahre später ging Hessen-Marburg nach Erbstreitigkeiten mit Ludwig V., dem Getreuen, von Hessen-Darmstadt und nach dem Religionskonflikt im Dreißigjährigen Krieg an diesen. Zum Ende des Krieges 1649 fielen Buchenau und das Hinterland an Hessen-Darmstadt, die Nachbarorte Warzenbach und Brungershausen, wie auch Marburg, kam zu Hessen-Kassel. 16 Jahre darauf fand in Buchenau die erste dokumentierte Grenzbegehung statt.
mini|hochkant|General Nikolaus von Luckner mini|Feldzug des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg 1762