mini|Groucho Marx im Jahr 1958, ein Jahr vor dem Erscheinen seiner Autobiografie

Groucho und ich (auch Schule des Lächelns (1961); engl. Original: Groucho and Me) ist die Autobiografie des US-amerikanischen Schauspielers und Entertainers Julius Henry „Groucho“ Marx (1890–1977), die 1959 in englischer und ab 1961 auch in deutscher Sprache erschien.

Marx’ Aufstieg from rags to richesKlappentext der engl. Ausgabe (deutsch etwa „von Lumpen zu Reichtümern“). und die künstlerische Entwicklung und Stilfindung der Marx Brothers werden von ihm in der für ihn typischen, absurd humorvollen Weise erzählt: Ereignisse und Situationen aus seiner Jugend in einem Elternhaus mit stetiger Geldknappheit, die frühen, harten Jahren beim Varieté, die Erfolge der Marx Brothers auf den Bühnen am Broadway, in der Filmindustrie in Hollywood, und schließlich seine Solokarriere nach dem Krieg beim Radio und im Fernsehen.

Marx beschreibt auch selbstironisch seine Schwächen, Leidenschaften, Vorlieben, Weltanschauungen und Meinungen zu kontroversen Themen, beispielsweise Prostitution, und gibt Einblicke in sein Privat- und Familienleben mit seinen Ehefrauen und Kindern.

Autobiografie Widmung Groucho Marx widmete dieses Buch Robert Benchley, George S. Kaufman, Ring Lardner, S. J. Perelman, James Thurber und E. B. White, den seiner Ansicht nach „sechs Meistern … der weisen und witzigen Worte“.Im Original: „For What it's Worth This Book is Gratefully Dedicated to These Six Masters Without Whose Wise and Witty Words My Life Would have been Even Duller.“

Vorwort miniatur|James Thurber (1945)

James Thurber (1894–1961) schrieb das Vorwort. Dem Buchtitel entsprechend spielt er mit den beiden Persönlichkeiten des Schauspielers und erzählt, wie er zuerst Julius Henry Marx und später Groucho kennenlernte. Das Buch zeige nicht nur „die vergnüglichen Seiten der Beschwerlichkeit, sondern auch die beschwerlichen Seiten des Vergnügens“Freie Übersetzung; im Original „… shows not only the funny side of trouble, but also the troublesome side of fun.“. Thurber schließt mit den Worten: „[es] ist ein wichtiger Beitrag für die Geschichte des Showbusiness und die Saga der amerikanischen Comedy und Komödianten, Humoristen und Komik.“Freie Übersetzung; im Original „is an important contribution to the history of show business and to the saga of American comedy and comedians, comics and comicality.“

Übersicht Die englische Version umfasst 28 Kapitel. Die erste deutsche Übersetzung von Ursula von Wiese aus dem Jahr 1961 lässt teilweise Text weg und fasst Kapitel zusammen; die zweite Übersetzung von Sven Böttcher (1995) orientiert sich eng am Original. Um einen Teil von Grouchos Wortwitz zu erhalten, sind die Titel der Kapitel hier im Artikel in Englisch angegeben. Darunter stehen die deutschsprachigen Titel, sowohl der Sanssouci-Ausgabe (1961) als auch der btb-Ausgabe (1995).

Das erste Kapitel fungiert als Einleitung, als Rechtfertigung des Autors. In den Kapiteln 2 bis 5 erzählt Marx von seiner Jugend in dem teilweise chaotischen elterlichen Haushalt um die Jahrhundertwende in New York. In den Kapiteln 6 bis 12 unternimmt der jugendliche Julius – später auch zusammen mit seinen Brüdern – erste Versuche und die Brüder etablieren sich beim Varieté.

Mit dem Erfolg von I’ll Say, She Is! (1924; Kapitel 13) erreichen die Marx Brothers Berühmtheit und ersten Reichtum, der aber durch den Börsenkrach von 1929 wieder geschmälert wird (Kapitel 14 bis 17). Die beiden nächsten Kapitel behandeln die Zeit der Marx-Brothers-Filme in Hollywood.

In den Kapiteln 20 bis 27 hadert der nun erfolgreiche Schauspieler mit seiner Umgebung, gesteht Schwächen, Leidenschaften und Abneigungen ein, und berichtet Familiengeschichten aus dieser Zeit.

Im letzten Kapitel beschreibt er seine aktuelle Situation und die Freude, die er als bekannte Fernsehpersönlichkeit, seiner letzten Station als Künstler, hat.

Der Name „Delaney“ zieht sich als Running Gag durch mehrere Kapitel: Wenn immer Groucho aus Gründen der Diskretion – oder aus Sorge vor einem Prozess – einen Namen in einer Geschichte verschleiern möchte, bezeichnet er eine Person, ein Unternehmen oder einen Club als „Delaney“. Einige dieser Delaneys klärt Groucho selber auf, andere wurden durch Sven Böttcher recherchiert.Anmerkungen von Sven Böttcher zu Groucho und ich, S. 348–378.

Inhalt 1. Why Write when You Can Telegraph Your Punches? Wozu schreiben, wenn man Witze telegraphieren kann? (1961); Wozu schreiben, wenn man seine Witzchen telegraphieren kann? (1995).

Groucho hadert mit der Tatsache, dass ihn sein Verleger zu einem weiteren Buch überredet hat und auch mit der speziellen Schwierigkeit, eine Autobiographie zu schreiben. Niemand sei daran interessiert – und es gäbe doch bereits soviele andere Bücher. Über Kochbücher kommt er zu Mausefallen und Agrarsubventionen – und wie die Vermeidung dieser dem Verkauf von Groucho and Me nützlich sein könnte.

Er bereitet den Leser darauf vor, dass „90 % von 90 % des Buches frei erfunden“ sei.Vergleicht man von Groucho Marx angegebene Jahres- oder Altersangaben, so ist auch da eine gewisse künstlerische Freiheit anzunehmen – objektiv gesehen passt nicht immer alles exakt zusammen. Er könne zwar eine authentische Autobiografie schreiben, doch die dürfte dann erst nach seinem Tode veröffentlicht werden – was ihm aber dann nicht mehr nütze. Abschließend rät er, vielleicht besser doch einfach „ein Lexikon zu lesen oder Obstbäume zu beschneiden“, statt sich mit diesem „Groucho-Ersatz“ abzugeben.

2. Who Needs Money (We Did) Wer braucht Geld? (Wir brauchten es wirklich) (1961); Besser Kleingeld als kein Geld (1995).

mini|Minnie Marx (vor 1923)

Groucho erzählt von seiner Jugend mit vier Brüdern und „einem ständigen Strom armer Verwandter“ in einem Haushalt mit chronischer Geldknappheit und häufigen Umzügen im Osten von New York. Seine Mutter Minnie bezeichnet er als das Zentrum und den Zusammenhalt der Familie, die auch Ratgeberin für Nachbarn und Freunde war und die beispielsweise eine Ehe einfädelte, deren Planung bis zur völlig chaotischen Hochzeit beschrieben wird.

Seinen Vater Simon charakterisiert Groucho als lebenslustigen, begeisterten, aber unfähigen Kartenspieler und den „unfähigsten Schneider, den Yorkville je hervorgebracht hat“. Zum Beleg folgen zwei Erzählungen: Die des Anzugs für den reichen, dicken Konditor Stookfleisch, dessen Hose vor der Auslieferung von Chico in die Pfandleihe gebracht wurde, und die der 50-US$-Investition in eine Hosenbügelmaschine für 800 US$, die am Ende niemand brauchte.

3. Home is Where You Hang Your Head Gemütlich ist’s, daheim zu sein (1961); Trautes Heim, allein: kein Glück (1995)

Die Großeltern waren im Alter von etwa 50 Jahren in die USA eingewandert und lebten zusammen mit der Familie. Louis „Lafe“ SchönbergIm Originaltext wird die Schreibweise „Schoenberg“ verwendet. war Bauchredner gewesen, liebte Whiskey (aus Rückständen einer Brennerei) und rauchte zeitlebens Zigarren und Pfeife („die Düfte verbreitete, als ob dicke, alte Unterwäsche in einem feuchten Keller verbrannt würde“), bis er im Alter von 101 Jahren starb. Da er kein Englisch sprach, reparierte er Schirme. Seine Frau Fanny war eine jodelnde Harfenspielerin, auf deren Harfe sich Harpo das Spielen beibrachte. Harpo war „der solide Mann der Familie“, der freiwillig Klavierspielen übte, während Chico, der eine große Begabung für Mathematik hatte, nur an Karten- und Würfelspielen und Pferdewetten interessiert war, wobei für ihn die Kombination von mobilem Familienbesitz mit einer in der Nähe gelegenen Pfandleihe eine bedeutende Rolle spielte. Chico konnte nur mit Gewalt zum Klavierüben gezwungen werden.

Den Abschluss bilden die Beschreibungen einer Schiffsfahrt von Groucho (5) und Chico (8) mit Minnie (30) nach Europa – wobei sie wegen ihres Aussehens von einem Pferdehändler bedrängt wurde – sowie die Kleidungs- und Haarfärbegewohnheiten von Minnie Marx.

4. Out on a Limb of My Family Tree Auf einem Ast meines Stammbaums (1961); Auf einem morschen Ast meines Stammbaums (1995)

mini|Al Shean (1940), Grouchos Lieblingsonkel

Groucho erläutert, wie er zu den Vornamen „Julius“ und „Henry“ kam: Beide lassen sich auf zwei beruflich erfolglose Onkels und eine unergiebige Erbstrategie seiner Mutter Minnie zurückführen. Ein weiterer Onkel, Dr. Carl Krinkler, war Hühneraugenoperateur und saß fünf Jahre wegen Brandstiftung im Gefängnis. Grouchos erfolgreichster (und Lieblings-)Onkel war Al Shean (1868–1949), der Bruder von Minnie, der im Showgeschäft erfolgreich am Vaudeville-Theater und als Filmschauspieler war. Zudem war er eine imposante Erscheinung, erschien bei Familienbesuchen in Frack und Zylinder und warf beim Abschied den Nachbarskindern eine Handvoll Nickels zu – ein glamouröses Verhalten, das Groucho mit dem „Showbusiness-Virus“ infizierte und davon abbrachte, Medizin zu studieren.

5. My Youth – and You Can Have it Meine Jugend – die ich gerne hergebe (1961); Meine Jugend – die kriegen Sie geschenkt (1995)

Grouchos Jugendgeschichten handeln von magerem Taschengeld, Jawbreakers (wo man sie verstecken sollte – und wo nicht), einem knickrigen Lehrer, dem man das Essen holen „durfte“, der allerersten Liebe im Alter von zwölf Jahren („Lucy … Zähne so ebenmäßig wie die Körner an einem gesunden Maiskolben“) – und wie Makronen für 5 Cent und ein Schneesturm diese Liebe zerstörten, warum Chico, Harpo und er selber im Abstand von jeweils zwei Jahren die exakt selbe Bar-Mitzwa-Rede hielten, und wie er danach die Schule verließ, um als Bürohilfe für 3,50 US$ die Woche zu arbeiten, aber dann wegen fehlender Anwesenheit entlassen wurde – und wieder zur Schule ging.

6. Have Nothing, Will Travel Wenn man eine Reise tut (1961); Was man nicht im Geldbeutel hat, muß man in den Beinen haben (1995)

Der 15-jährige Julius verließ die Schule und wurde nach einem Vorsingen für Varieté-Vorstellungen in Grand Rapids engagiert. Während der Vorstellung musste er Frauenkleider tragen und als Robin Larong, der die Nummer konzipiert hat (und auch Frauenkleider trug), nach wenigen Vorstellungen spurlos mit den Einnahmen verschwand, stand Julius ohne Geld auf der Straße. Er verkaufte sein Kostüm, hatte einige Stunden lang eine Anstellung als Kutscher und kehrte – als ihm seine Mutter Geld schickte – nach Hause zurück. Dort erhielt er sein zweites Engagement als Pausensinger für die wunderschöne, aber unbegabte Engländerin Irene Furbelow. Auch diese Theatererfahrung verlief unerwartet: Furbelow gibt Julius ein Rückfahrticket nach New York und brennt mit einem Löwenbändiger – und Julius’ Gage von 65 US$ – durch. Eine weitere Anstellung als Perückenreiniger bei Heppner am Broadway kündigte er nach einer Woche.

7. The First Act is the Hardest Der erste Akt ist der schwerste (1961); Beim ersten Akt tut’s immer weh (1995)

Chico verlor seinen Hoteljob als Klavierspieler (abends) und Rettungsschwimmer (tagsüber), als er beinahe zusammen mit einem Gast ertrank. Danach folgte eine Anstellung in einer Firma, die Löschblätter herstellte. Als Chico seinen Wochenlohn (4 US$) verspielt hatte und nicht zu den Familienfinanzen beitragen konnte, überreichte er stattdessen seinen Eltern am Wochenende 4.000 Löschblätter.

Harpo verlor seinen Lieferjungenjob bei einem Metzger, nachdem er sich selber zu sehr an einer Lieferung bedient hatte. In einer Anstellung als Page – Groucho erklärt ausführlich, wofür Hotelpagen früher standen – entlief ihm das Haustier der englischen Tragödin Cecilia Langhorne, ein junger Panther, der zuerst einen Hund tötete und dann selber getötet wurde.

Zu diesem Zeitpunkt ergriff Minnie Marx die Initiative, steckte ihre vier Teenager-Jungen in Matrosenanzüge und verschaffte ihnen als Gesangsgruppe The Four Nightingales (Die vier Nachtigallen) Engagements, was sich über vier Jahre als mehr oder weniger erfolgreich erwies. Nur eine einzige Vorführung, in der auch Minnie und ihre 55-jährige Schwester als Schulmädchen auftraten, fiel dabei aus dem Rahmen.