Die Atlantische Hurrikansaison 2016 begann offiziell am 1. Juni und endete am 30. November. Während dieser Periode bilden sich üblicherweise die meisten Hurrikane, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen existieren, wie etwa ein warmer Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung, um die Bildung von tropischen Wirbelstürmen zu ermöglichen. Die Saison begann fünf Monate vor dem offiziellen Start mit Hurrikan Alex. Dieser war der erste atlantische Hurrikan im Monat Januar seit Hurrikan Eins im Jahr 1938.
Die Hurrikansaison 2016 war die aktivste und kostenintensivste Saison seit der Atlantischen Hurrikansaison 2012. Sie forderte die meisten Todesopfer seit der Saison 2005. Der stärkste, tödlichste und kostenintensivste Sturm der Saison war Hurrikan Matthew, einem der südlichsten Kategorie-5-Hurrikane seit der Aufzeichnung und der erste Kategorie-5-Hurrikan, der sich im Atlantik gebildet hat, seit Hurrikan Felix 2007. Mit über 1.600 Todesopfern war Hurrikan Matthew der tödlichste Hurrikan seit Hurrikan Stan 2005. Zusammen mit der Entstehung des Hurrikan Nicole gab es erstmals zwei Stürme, die sich im Oktober bildeten und den Status Kategorie-4-Hurrikan oder höher erreicht haben. Mit dem Erreichen des Status eines schweren Hurrikans von Hurrikan Nicole hatte die Saison 2016 erstmals seit 2011 mehr als zwei schwere Hurrikane.
Stürme im Pazifischen Ozean sind im Artikel Pazifische Hurrikansaison 2016 gelistet.
Übersicht Im Jahr 2016 der Atlantischen Hurrikansaison entwickelten sich im atlantischen Becken 16 tropische Tiefdruckgebiete, von denen 15 die Stärke eines tropischen Sturms erreichten. Von diesen erreichten sechs Hurrikanstärke. Die Bildung von Hurrikan Alex am 12. Januar war das früheste Auftreten eines Hurrikan im Januar seit Hurrikan Alice, der sich bereits im Dezember 1954 bildete und den Jahreswechsel 1954/1955 überdauerte, sowie der erste Hurrikan seit 1938, der sich im Januar bildete. Hurrikan Matthew war der stärkste Sturm der Saison und erreichte andauernde Windgeschwindigkeiten bis zu 270 km/h. Ihm fielen geschätzt 1.655 Menschen zum Opfer.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Stürme in dieser Saison: Name Zeitraum Kategorie(SSHS) max. Windgeschwindigkeit(in km/h) minimaler Kerndruck(in hPa) Betroffene Gebiete Schäden(in Mio. US-$) Tote Alex 12. Januar bis 15. Januar 1 140 981 Bermuda, Azoren 1 Bonnie 27. Mai bis 4. Juni TS 75 1006 Bahamas, USA 0,64 2 Colin 5. Juni bis 7. Juni TS 85 1001 Mexiko, Kuba, USA 0,01 6 Danielle 19. Juni bis 21. Juni TS 75 1007 Mexiko 1 Earl 2. August bis 6. August 1 140 979 Puerto Rico, Dominikanische Republik, Jamaica, Mexiko 250 67 Fiona 17. August bis 23. August TS 85 1004 Gaston 22. August bis 3. September 3 195 956 Azoren TD 8 28. August bis 1. September TD 55 1009 North Carolina Hermine 28. August bis 3. September 1 130 982 Dominikanische Republik, Kuba, Bahamas, USA 800 5 Ian 12. September bis 16. September TS 95 994 Julia 14. September bis 19. September TS 65 1007 USA 6,13 Karl 14. September bis 25. September TS 110 988 Kap Verde, Bermuda Lisa 19. September bis 25. September TS 85 999 Matthew 28. September bis 9. Oktober 5 270 934 Kleine Antillen, Venezuela, Kolumbien, Jamaica, Haiti, Dominikanische Republik, Kuba, Bahamas, USA, Kanada 10.000 1655 Nicole 4. Oktober bis 18. Oktober 4 215 950 Bermuda, Nordatlantikküste 2 Otto 21. November bis 25. November 2 175 975 Panama, Costa Rica, Nicaragua, Kolumbien 34 23
Stürme Hurrikan Alex
Ein schwaches Tiefdruckgebiet bildete sich in Verbindung mit einer stationären Front am 6. Januar im Nordwesten Kubas. Die frontale Welle intensivierte sich, als sie sich in Richtung des Zentral-Atlantik bewegte. Am 10. Januar erreichte der Sturm zwischenzeitlich Orkanstärke. Von ungewöhnlich hohem Druck gesteuert, bewegte sich das System südostwärts über wärmeres Wasser. Am 12. Januar um 18:00 Uhr UTC formierte sich der subtropische Sturm Alex, als sich die zugehörigen Fronten auflösten, sein Windfeld symmetrischer wurde und die Konvektion nahe dem Zentrum zunahm. Trotz ungünstiger Wassertemperaturen konnte Alex von schnell abkühlenden oberen Lufttemperaturen profitieren. Er intensivierte sich dabei stark und drehte nach Nordosten. Das Vorhandensein einer tiefen Konvektion und eines auf Satellitenbildern erkennbaren Auges zeigte die Entwicklung Alex’ zu einem rein tropischen Sturm an. Dieser intensivierte sich am 14. Januar um 06:00 Uhr UTC zu einem Hurrikan. Bereits sechs Stunden später erreichte Alex seinen Höhepunkt mit andauernden Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h. Danach wechselte Alex die Zugrichtung nach Norden, bevor er sich vor seinem ersten Landkontakt auf Terceira, Azoren zu einem tropischen Sturm abschwächte.
Die Vorläufer von Hurrikan Alex produzierten Windböen bis zu 97 km/h (60 mph) auf Bermuda und küstennahe Wellen mit einer Höhe bis zu 6 Meter. Dieser Sturm beeinträchtigte den Luftverkehr, entwurzelte Bäume, verursachte gelegentliche Stromausfälle und zwang Fähren, ihren Service einzustellen. Auf den Azoren hinterließ der Sturm maximale Niederschlagsmengen von bis zu 103 mm in Lagoa. Die stärksten Böen mit 92 km/h trafen Ponta Delgada und verursachten geringfügige bis mäßige Schäden. Eine Person starb an den Folgen eines Herzinfarktes, da wegen des Sturms ein Rettungshubschrauber nicht starten konnte.
Tropischer Sturm Bonnie
Sturmverlauf Am 24. Mai begann das NHC eine Wetterstörung zu beobachten, die aus einem Zusammenwirken einer Kaltfront und eines Höhentrogs entstand. Am nächsten Tag bildete sich ein Tiefdruckgebiet, welches schließlich um 21:00 Uhr UTC des 27. Mai als tropisches Tiefdruckgebiet mit ausreichender Organisation deklariert wurde. Der Sturm bewegte sich innerhalb einer nur wenig förderlichen Umgebung Richtung West-Nordwest. Einen Tag später intensivierte sich das Tief in den Tropischen Sturm Bonnie. Die anhaltenden Effekte starker Windscherungen und feuchter Luft brachten den Sturm dazu, sich am 29. Mai weiter abzuschwächen. Bonnie schwächte sich eine Stunde vor dem ersten Landkontakt im Osten von Charleston, South Carolina zu einem tropischen Tiefdruckgebiet ab. Das Tief wand sich durch South Carolina für über einen Tag, bevor sie am 30. Mai als Tiefdruckgebiet den nordöstlichen Teil des Staates durchlief. Bonnie intensivierte sich auf Grund guter Bedingungen am 2. Juni wieder zu einem tropischen Tief. Später erstarkte das Tiefdruckgebiet durch eine starke Konvektion zu einem tropischen Sturm. Anschließend schwächte der Sturm am 4. Juni wieder zu einem tropischen Tief ab, um am 5. Juni abschließend als Tiefdruckgebiet zu verschwinden.
Auswirkungen Auf Grund der Formation wurde eine Sturmwarnung in South Carolina vom Savannah River bis zum Little River ausgegeben. Starker Regen auf Grund von Bonnie führte zu örtlichen Überflutungen und zwang die South Carolina Highway Patrol die Südbahnen der Interstate 95 in Jasper County zu sperren. Brandungsrückströmungen entlang der südöstlichen Küstenlinie der Vereinigten Staaten führten zu Dutzenden Rettungsaktionen; der Körper eines 20-Jahre alten Mannes wurde in Brevard County, Florida geborgen, nachdem er ertrunken war. Der Körper eines 21-Jährigen wurde in New Hanover County, North Carolina geborgen, bevor er einige Tage zuvor verschwunden war. Bonnie hat insgesamt einen Sachschaden von geschätzt 640.000 US-Dollar verursacht.
Tropischer Sturm Colin
Sturmverlauf Anfang Juni trat ein Tiefdruckgebiet in das Karibische Meer ein. Das Tief verblieb unorganisiert; es besaß eine isolierte Konvektion hauptsächlich im östlichen Quadranten. Am 3. Juni drehte sich der Sturm nordwärts in den Golf von Mexiko und die Konvektion bewegte sich in das Zentrum des Sturms. Der Sturm bewegte sich über die Yucatán-Halbinsel am 5. Juni, als das NHC den Sturm als Tropisches Tiefdruckgebiet 3 klassifizierte und Sturmwarnungen für die „Big Bend“-Region in Florida ausgab. Später intensivierte sich das Tief zum tropischen Sturm Colin, kurz nachdem Sturmwarnungen für den Osten Floridas und Georgias ausgegeben wurden. Der tropische Sturm ist der früheste dritte benannte tropische Sturm seit den Aufzeichnungen für das Atlantische Gebiet 1887. Colin beschleunigte in Richtung der Küste Floridas am 6. Juni, blieb aber unorganisiert und bewegte sich allmählich weiter nordostwärts. Anschließend verursachte eine starke Intensivierung der Konvektion Windgeschwindigkeiten bis zu 85 km/h (50 mph). Colin beschleunigte weiter Richtung Nordosten, behielt dabei seine Intensität und traf am 7. Juni gegen 03:00 Uhr UTC das erste Mal in der „Big Bend“-Region auf Land. Anschließend begann der Sturm sich abzuschwächen, als er sich vor die Küste Georgias bewegte, bis er einige Stunden später als außertropisches System verschwand.
Auswirkungen Colin verursachte starken Niederschlag in großen Teilen Floridas. Es wurden ebenso Flut- und Tornadowarnungen ausgegeben. Insgesamt ertranken drei Menschen entlang des Florida Panhandle auf Grund von Brandungsrückströmungen, während ein vierter vermisst wurde und nun als verstorben gilt. Colin richtete in der Tampa Bay Area einen Gesamtschaden von 10.000 US-Dollar an.
Tropischer Sturm Danielle
Sturmverlauf Am 8. Juni entwickelte sich eine tropische Welle vor der Westküste Afrikas, welche am 15. Juni das südwestliche karibische Meer erreichte. Am selben Tag erhöhte sich die Konvektion und das System organisierte sich drei Tage nach Eintreten in die „Bay of Campeche“ besser, um anschließend gegen 12:00 Uhr UTC des 19. Juni als tropisches Tiefdruckgebiet klassifiziert zu werden. Sie bewegte sich west-nordwestwärts und dann nordwestwärts; am 20. Juni um 06:00 Uhr UTC entstand aus dem Tiefdruckgebiet der tropische Sturm Danielle. Nur sechs Stunden später erreichte der Sturm maximale Windgeschwindigkeiten von 75 km/h (45 mph). Danielle hatte ersten Landkontakt nahe Tamiahua, Mexiko mit abgeschwächten Winden bis zu 65 km/h (40 mph). Der Sturm schwächte stark ab, als er sich weiter ins Land bewegte, und wurde am 21. Juni um 00:00 Uhr UTC zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herabgestuft. Am selben Tag schwächte sich das Gebiet weiter ab und löste sich über den Bergen des östlichen Mexikos auf.
Auswirkungen Danielle verursachte lediglich geringen Sachschaden. In Mexiko ertrank ein obdachloser Mann nach einer Sturzflut in Ciudad Madero, Tamaulipas.
Hurrikan Earl
Sturmverlauf Am 28. Juli begann das NHC eine tropische Welle im Zentralatlantik zu beobachten. Die schnelle Bewegung der Wetterstörung verhinderte eine weitere Entwicklung in den nächsten Tagen, bis sie am 2. August Jamaika erreichte, wo ein Aufklärungsflugzeug ein Vorhandensein einer geschlossenen Zirkulation bestätigte. Da bereits Winde in tropischer Sturmstärke vorlagen, wurde die Störung als Tropischer Sturm Earl klassifiziert. Er bewegte sich hauptsächlich westwärts und intensivierte sich über warmem Ozeanwasser und leichten Windscherungen und erreichte Hurrikanstärke am 3. August mit maximalen Windgeschwindigkeiten bis zu 140 km/h. Earl traf das erste Mal am 4. August um 06:00 Uhr UTC im Südwesten von Belize City, Belize auf Land. Er schwächte sich über Land schnell ab, hielt aber die minimale Intensität für einen tropischen Sturm, als er am nächsten Tag weiterzog und im Süden der „Bay of Campeche“ auftauchte. Hurricane Hunters, welche in den Sturm flogen, maßen unerwarteterweise maximale Windgeschwindigkeiten von bis zu 95 km/h (60 mph). Der Sturm behielt diese Geschwindigkeiten bei, als er am 6. August um 02:00 Uhr UTC erneut im Süden von Veracruz, im Bundesstaat Veracruz, Mexiko, auf Land traf. Earl schwächte seitdem stark ab und die Zirkulation des Sturms löste sich um 15:00 Uhr UTC auf.
Auswirkungen