mini|hochkant=1|Abb. 1: Klassifikation von Gütern nach Nachfrageverhalten bei Einkommensänderungen. Als Luxusgut bezeichnet man umgangssprachlich eine Klasse von Gütern, die von einem Konsumenten als Luxus wahrgenommen werden oder in der Volkswirtschaftslehre (und dort speziell in der Mikroökonomik) eine Klasse von Gütern, deren Nachfrage sich bei steigendem Einkommen überproportional zum Einkommensanstieg erhöht. Gegensatz ist das Billigsortiment.

Die umgangssprachliche Definition stellt die Luxusgüter dem Luxusbegriff gegenüber, was auch unter anderen der Volkswirt N. Gregory Mankiw vertritt.N. Gregory Mankiw/Mark P. Taylor, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 4. Auflage, Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-7910-2787-6Johannes Natrop, Grundzüge der Angewandten Mikroökonomie, Oldenbourg, München 2006, S. 82, ISBN 978-3-486-71315-2 Eine Vielzahl von Ökonomen stellt bei Luxusgütern deren Zusammenhang zu Einkommen und Nachfrage her.Friedrich Breyer, Mikroökonomik: Eine Einführung, 2011, S. 143Susanne Wied-Nebbeling/Helmut Schott, Grundlagen der Mikroökonomik, Springer, Heidelberg u. a. 2007, S. 48, ISBN 978-3-540-73868-8Alfred Endres/Jörn Martiensen: Mikroökonomik. Eine integrierte Darstellung traditioneller und moderner Konzepte in Theorie und Praxis, Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 320, ISBN 978-3-17-019778-7

Unabhängig von der Definition unterliegen Luxusgüter der Hochpreisstrategie ihrer Anbieter. Im Hinblick auf das Preisniveau und auf die Beziehung zwischen Einkommen und Nachfrage gibt es volkswirtschaftlich drei Güterklassen, nämlich inferiore Güter, normale Güter und Luxusgüter.Susanne Wied-Nebbeling/Helmut Schott, Grundlagen der Mikroökonomik, 2005, S. 49 Bei inferioren Gütern führen steigende Einkommen sogar zu sinkender Nachfrage, bei normalen Gütern wächst die Nachfrage unterproportional oder proportional zum Einkommen, bei Luxusgütern steigt die Nachfrage überproportional. Normale und Luxusgüter heißen auch superiore Güter, weil bei beiden die Nachfrage steigt. Über diese Abgrenzungen besteht in der Fachliteratur jedoch keine einheitliche Meinung.Susanne Wied-Nebbeling/Helmut Schott, Grundlagen der Mikroökonomik, 2005, S. 49 Normalgüter dienen der Grundversorgung; ihre Nachfrage ist anfangs sehr hoch, es tritt jedoch sehr schnell Sättigung ein; erst danach beginnt die Grenze zu den Luxusgütern.Horst W. Opaschowski, Freizeitökonomie: Marketing von Erlebniswelten, 1995, S. 29

Geschichte Als Haupteigenschaft der ersten Luxusgüter der Antike galt ihre natürliche Knappheit. Deshalb gehörten Edelmetalle wie Gold oder Silber für die Elite zu den Luxusgütern. Manche Historiker zählen auch Olivenöl zu den antiken Luxusgütern. Die Nabatäer kontrollierten einen großen Teil der Weihrauchstraße, auf der Weihrauch und andere Luxusgüter von Südarabien bis ans Mittelmeer zum Hafen Gaza transportiert wurden.Ariel Lewin/William H. C. Propp, Palästina in der Antike, 2004, S. 168 Für die Römer galt Pfeffer als das wichtigste Würzmittel, sie verwendeten auch Gewürznelken und Ingwer zur Verfeinerung der Fleischgerichte.Eberhard Schmitt, Überseegeschichte: Beiträge der jüngeren Forschung, 1999, S. 207 FN 4 Seefahrer und Händler brachten im 7. Jahrhundert vor Christus exotische Luxusgüter aus dem Orient und Afrika nach Etrurien, wo sie einen regen Absatz fanden.Peter Kranz/Ulla Kreilinger/Eva Heidebroek-Soldner/Georg Pöhlein, Antikensammlung Erlangen: Auswahlkatalog, 2002, S. 39 Auch Porzellan, Seide oder Tee mussten aus Übersee nach Europa gebracht werden, vor allem Seide galt als „Prestigegut“. Von ihr berichtete der römische Philosoph Seneca um 64 vor Christus in seinem Werk „Über Wohltaten“ () bissig, dass die Damen „nicht einmal ihren ehebrecherischen Liebhabern mehr von sich im Schlafzimmer als in der Öffentlichkeit zeigen“.Seneca, De beneficiis, um 64 v. Chr., 7, 9, 5

Als Hauptabnehmer der Luxusgüter fungierten im Mittelalter vorwiegend die königlichen oder adligen Höfe. Der von Kaufleuten betriebene Handel spezialisierte sich auf Fernhandel mit Luxusartikeln.Gerhard Dilcher, Marktrecht und Kaufmannsrecht im Frühmittelalter, in: ders. (Hrsg.), Bürgerrecht und Stadtverfassung im europäischen Mittelalter, 1996, S. 11 Die Nachfrage des spätmittelalterlichen Zentraleuropa nach knappen Gewürzen war so groß, weil sie sich auf eine kleine Oberschicht begrenzte, sodass Gewürznelken (Molukken), Ingwer, Muskatnussgewächse (Banda Neira), Pfeffer oder Zimt ausgesprochene Luxusgüter waren.Eberhard Schmitt, Überseegeschichte: Beiträge der jüngeren Forschung, 1999, S. 207 Der Preis des Pfeffers, eines der am meisten begehrten Luxusgüter in den Städten und auf dem Lande, fiel im Jahre 1607 in Augsburg und in Wien (in Wien von 112,5 Kreuzer je Pfund im Jahre 1600 auf 45 Kreuzer im Jahre 1607).Wilhelm Abel, Agrarkrisen und Agrarkonjunktur: Eine Geschichte der Land- und Ernährungswirtschaft Mitteleuropas seit dem hohen Mittelalter, 1978, S. 154

Der Merkantilismus konzentrierte sich im 17. Jahrhundert unter anderem auf die Theorie, dass sich im eigenen Land der Wohlstand einstellen werde, wenn der Export von Luxusgütern gesteigert, der Import jedoch verringert werde und damit das Geld im Lande bliebe.Uwe Schultz, Versailles: Die Sonne Frankreichs, 2002, S. 47 Friedrich I. führte im März 1698 mit der Perücken- und Karossensteuer erstmals eine Luxussteuer ein,Karl Braun-Wiesbaden, Von Friedrich dem Großen bis zum Fürsten Bismarck, 1882, S. 24 die im November 1717 wieder abgeschafft wurde. Ebenso wurde die heute noch existente Hundesteuer in Preußen erstmals im Jahre 1810 als Luxussteuer initiiert. Im gleichen Jahr belegte Zar Alexander I. französische Luxusgüter mit hohen Einfuhrzöllen.Heinrich August Winkler, Geschichte des Westens, 2009, o. S. Kaiser Wilhelm II. führte im Mai 1902 die Sektsteuer als Luxussteuer ein, sie lebt bis heute als Schaumweinsteuer fort. David Ricardo stellte hierzu 1817 fest, dass „Steuern auf jene Waren, die man gewöhnlich als Luxusgegenstände betrachtet, belasten nur jene, die diese gebrauchen.“David Ricardo, Principles of Political Economy and Taxation, 1817, S. 231

Arten Zu den Luxusgütern gehören insbesondere Güter exklusiver Markennamen mit Hochpreisstrategie („Luxusmarken“) wie Modelabels der haute couture (etwa Hugo Boss, Pierre Cardin, Christian Dior, Yves Saint Laurent), Accessoires (Gucci, Louis Vuitton), Luxusuhren (etwa der Marken Breitling SA und Rolex), Gebrauchsgegenstände wie Autos (Ferrari, Lamborghini, Mercedes-Maybach, Rolls-Royce Motor Cars), Sammlerobjekte (Antiquitäten, Briefmarkensammlungen, Kunstwerke, Münzsammlungen), hochpreisige Nahrungs- oder Genussmittel (Champagner, Delikatessen wie Kaviar oder Trüffel), Hausrat (Christofle, Poggenpohl, Rosenthal, Villeroy & Boch) oder Luxuswohnungen. Sichere Geldanlagen sind Luxusgüter und keine Grundbedürfnisse.Kenneth J. Arrow, The Theory of Risk Aversion, in: ders. (Hrsg.), Essays in the Theory of Risk-Bearing, 1971, S. 103 Der Hochpreis ergibt sich entweder aus künstlicher Knappheit (etwa Hermès) oder aus der Hochpreisstrategie (Bally). Zum Hochpreis-Segment zählen in der Gastronomie Luxushotels oder auch die vom Guide Michelin ausgezeichnete „Sterne-Gastronomie“.

Rechtsfragen Luxusgüter unterliegen stets der Pfändung. Selbst wenn sie nach Abs. 1 Nr. 1, 5 und 6 ZPO als unpfändbar gelten, können sie gemäß ZPO im Wege der Austauschpfändung durch Überlassung eines dem Verwendungszweck genügenden Ersatzstücks gepfändet werden (Austausch einer Rolex von 16.000 Euro gegen eine Swatch von 30 Euro). Unpfändbare Gegenstände nach § 811 Abs. 1 Nr. 1, 5 und 6 ZPO sind Gegenstände des persönlichen Gebrauchs, Hausrat oder der Berufsausübung bzw. Erwerbstätigkeit dienende Sachen. In manchen Staaten wird für bestimmte Luxusgüter eine Luxussteuer erhoben (wie in Dänemark oder Finnland).

In Frankreich ist die Vernichtung von unverkaufter Ware seit Anfang 2022 verboten.Unverkaufte Luxusgüter, die nicht vernichtet werden dürfen, sind auf der Suche nach neuem Leben, via AFP, 7. Februar 2022 Die Vernichtung von Lagerbeständen war für Luxusmarken eine Möglichkeit zu verhindern, dass ihre Ware in „falsche Hände“ fiel, wie es die NZZ formulierte, als sie 2018 über die letztmalige Vernichtung von Beständen im Wert von 90 Millionen Pfund bei Burberry berichtete.Nicht jeder darf tragen, was er will, NZZ, 21. Juli 2018, S. 36 In Deutschland war im Kreislaufwirtschaftsgesetz schon 2020 die sogenannte Obhutspflicht eingeführt worden, welche aber keine Sanktionen vorsah. Am 23. April 2024 stimmte das EU-Parlament der Regelung zu, dass Neuware nicht mehr vernichtet werden darf, wobei diese Regelung auf Biligware am anderen Ende der Skala abzielt.Unverkaufte Mode darf nicht mehr vernichtet werden, Spiegel, 23. April 2024

Soziologie Die Soziologie hat vier Kriterien herausgearbeitet, die ein Luxusgut ausmachen:Dimitri Mortelmans, Sign values In processes of distinction: The concept of luxury, in: Semiotica 157 (1), 2005, S. 507 ff. Der Gebrauchswert ist die Bedeutung eines Gutes bezüglich seiner subjektiven Nützlichkeit (Ophelimität) bzw. seiner objektiven Eignung für einen bestimmten Verwendungszweck.Volker Häfner, Gabler Volkswirtschafts-Lexikon, 1983, S. 210 Der Tauschwert vollzog in der Klassischen Nationalökonomie (François Quesnay und Adam Smith) eine Identifizierung mit dem Preis.Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaftstheorie, 2013, S. 402 Symbolische Funktion als Verkörperung von sozialen Verhältnissen in Form des Statussymbols. Über die bestehende Sozialordnung hinausgehende Zeichenfunktion ().Theo Jung, Zeichen des Verfalls: Semantische Studien zur Entstehung der Kulturkritik im 18. und frühen 19. Jahrhundert, 2012, S. 149 ff. Ophelimität ist die subjektive Wohlfahrt, Nutzen die objektive. So steigert das Rauchen einer Zigarette zwar die Ophelimität als subjektives Wohlbefinden, jedoch objektiv ist es dem Wohlbefinden des Rauchers abträglich.

Wirtschaftliche Aspekte Luxuswaren sind keine „Nachfrageprodukte“, die ein rationales Problem lösen. Sie sind vielmehr „Angebotsprodukte“, die eine sinnliche Erlebniswelt schaffen, emotionale Lösungen bieten und einen Traum konkretisieren.Miriam Büttner/Frank Huber/Stefanie Regier/Kai Vollhardt, Phänomen Luxusmarke, 2006, S. V Außerdem wirken sie als Statussymbole, mit denen ein sozialer Status signalisiert wird, selbst wenn keine Autorität vorhanden ist wie bei Hochstaplern.Joachim Hurth, Angewandte Handelspsychologie, 2006, S. 90 Nachfrager nach Luxusgütern verfolgen ferner das Ziel, sich durch den Kauf dieser Güter von der Masse der übrigen Konsumenten abzuheben und einen bestimmten Lebensstil zu demonstrieren.Hans-Peter Liebmann/Joachim Zentes, Handelsmanagement, 2001, S. 496 Luxusgüter stellen keine Eigenschaft dieser Güter dar, sondern es handelt sich um das Marktverhalten einiger Marktteilnehmer mit bestimmten Präferenzen in bestimmten Einkommenssituationen.Steffen J. Roth, VWL für Einsteiger, 2016, S. 64 f. So wird ein von BAföG lebender Student seinen Hunger mit Junk Food stillen, später als Vorstandsmitglied eines Großunternehmens jedoch im „Sterne-Lokal“ speisen.