In der Geschichte der kanadischen Zeitungen gab es fünf wichtige Epochen der Entwicklung zur modernen Zeitung. Es beginnt mit der „Gründungsepoche“ von 1750 bis 1800, als die Drucktechnik und die Zeitungen zunächst in Form von Veröffentlichungen der Regierungsnachrichten und der Proklamationen nach Kanada kam; gefolgt von der „Partisan Period“ von 1800 bis 1850, als individuelle Drucker und Herausgeber eine große Rolle in der Politik spielten. Die „Nation Building Period“ von 1850 bis 1900, als die kanadischen Herausgeber damit begannen, eine gemeinsame nationalistische Sicht auf die kanadische Gesellschaft zu schaffen. In der „Modern period“ von 1900 bis in die 1980er-Jahre erfolgte eine Professionalisierung der Industrie und das Wachsen der Zeitungsketten. In der „Current history“ seit den 1990er-Jahren übernahmen Interessengruppen von außen die Zeitungsketten, als sie mit der neuen Konkurrenz aus dem Internet konfrontiert wurden.
Gründungsepoche 1750 bis 1800 Unter der französischen Herrschaft gab es keine druckende Presse und keine Zeitung irgendwelcher Art. Alle Zeitungen in den britischen Kolonien wurden von den 13 US-amerikanischen Kolonien zugeführt. Die Presse in Kanada entstand als ein Werkzeug der Regierung, um für die offizielle Regierung zu drucken. „Die Entdeckung dieses nicht realisierten Potentials erschreckte die Mächtigen, so dass eine jahrhundertelange Periode der Belästigung und Einschüchterung begann, um das zu kontrollieren, was heute die Macht der Presse genannt wird.“ Informationen, die Kritik an der Regierung bedeuteten, waren definitiv nicht willkommen, besonders nach dem Ende der amerikanischen Revolution im Jahr 1783 gab es eine große Anzahl von regierungstreuen Anhängern des United Empire.
Schließlich begann bei den kanadischen Drucker ein Prozess, der mehr beinhaltete, als Nachrichten der Regierung und Proklamationen zu drucken. Viele der frühen Herausgeber und Drucker waren große Persönlichkeiten, die ihre Zeitung dazu nutzten, um ihre eigenen politischen Ansichten zu transportieren, und sie erlitten genau aus diesem Grund eine große Härte seitens der Regierung. Es wurden wenige lokale Nachrichten gedruckt, und es gab wenig Nachrichten aus anderen Gegenden Kanadas, es gab auch kein System zum Austausch von Zeitungen unter den Herausgebern. Die erste Werbung erschien in den 1780er-Jahren. Die Quebec Gazette vom 12. Juli 1787 hatte eine Kleinanzeige abgedruckt, die wie folgt lautete:
Gazetten und amerikanische Gründungen Dies war eine Epoche, in der die Kultur des Druckes ins britische Nordamerika eingeführt wurde und so eine lesende Öffentlichkeit gefördert wurde. Alle Zeitungen, außer „The Upper Canada Gazette“ wurden von US-Amerikanern gegründet. Dies liegt zum Teil daran, dass sich die britisch-amerikanischen Kolonien früher als britisch-kanadische Kolonien bildeten. Im Jahr 1783 nach der amerikanischen Revolution, migrierten zirka 60.000 Loyalisten, von denen zirka 30.000 nach Kanada zogen, die dann die druckende Presse mitbrachten. Alle Zeitungen dieser ersten Stunde starteten direkt als offizielle Regierungsorgane. Sie waren alle von der Gunst der Regierung abhängig und druckten nur Informationen, die von der Regierung geduldet wurden. In jeder Provinz gab es eine wöchentlich erscheinende Gazette (benannt nach der „The London Gazette“, dem seit 1665 existierenden englischen Regierungsorgan), die die vielen Bekanntmachungen der kolonialen Verwaltungsbeamten in Umlauf brachten.
In dieser Zeit gab es keine „politische Sphäre“, alle politischen Informationen wurden von der Elite kontrolliert. In den ersten Dekaden von British Nordamerika, war der primäre Zweck die Verbreitung der offiziellen Propaganda – die Freiheit der Presse war eine fremde Idee. Ungefähr kurz vor der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gab es auch keine öffentliche Sphäre in Kanada und deshalb in ihr auch keine Presse.
Die ersten Drucker und Herausgeber Es waren die ersten Drucker und Verlage, die um die Jahrhundertwende tätig waren, die an dem langsamen und schwierigen Prozess zur Abbildung der Wahrheit arbeiteten, und so die Presse in Kanada liberalisierten. Diese Männer waren mit vielen Hindernissen konfrontiert, einschließlich Schläge und Gefängnis und die sehr ernste und sehr oft auftretende Bedrohung, wegen krimineller Machenschaften oder aufrührerischer Verleugnung mit dem Strafrecht belegt zu werden. So war das frühe Pressewesen ein wesentliches Instrument der Kolonialverwaltung, und jeder der versuchte etwas anderes zu publizieren als die Regierungsbekanntmachungen, erfuhr die Härte der Regierung. Es gab ein Verbot, dass Gesetzgebungsverfahren zu veröffentlichen, dass ggf. die Schreiber vor das Gericht führen konnte. Das waren koloniale Gesetze angewendet von britischen Autoritäten, um Loyalität herzustellen; und die Strafen waren streng. Im Ergebnis lebten viele dieser tapferen frühen Drucker und Verleger in Angst, mit massiven Schulden und unter ständiger Verfolgung.
John Bushell (1715–1761)
Bushell ging eine Partnerschaft mit Bartholomew Green ein, der jedoch starb, bevor sie ihre Pläne realisieren konnten. Bushell zog von Boston nach Halifax um und eröffnete ein Druckereigeschäft. Am 23. März 1752 publizierte Bushell seine erste Ausgabe der Halifax Gazette und wurde so in der Kolonie der erste „Drucker des Königs“. Er war ein unabhängiger Unternehmer, der kein Regierungsgehalt bekam. Was einerseits die Regierungsbeamten glaubten, was ihre Untertanen benötigen würden, und andererseits von den Abonnenten und Anzeigenkunden gewünscht wurde, war nicht notwendigerweise dasselbe. Er saß zwischen den Stühlen. Die Regierung glaubte nicht an seine Loyalität, so dass schließlich der Provinz-Sekretär als Herausgeber seiner Zeitung fungierte. Bushell, der mit diesen Hindernissen konfrontiert wurde, kämpfte schließlich mit Schulden und Alkoholsucht, die schließlich zu seinem Tod führte.
Anton Heinrich (1734–1800)
Heinrich lernte den Handel in Deutschland, aber er kam als Pfeiffer in der Britischen Armee nach Amerika, bevor er nach Halifax umzog und seinen Namen in Henry Anthony änderte. Er wollte ihn der englischen Sprache „angemessen anpassen“. Henry kaufte Bushells Unternehmen einschließlich der Halifax Gazette. Im Oktober 1765 druckte er ein Editorial in der Gazette ab, das suggerierte, die Bewohner von Nova Scotia seien gegen den Stamp Act. Das führte zu Zweifeln an seiner Loyalität, so dass er zurück nach Massachusetts fliehen und die Gazette schließen musste. Schließlich kehrte er nach seiner Begnadigung durch die Regierung zurück und wurde beauftragt, die Zeitung unter dem Namen Royal Gazette zu drucken.
William Brown (1737–1789) and Thomas Gilmore (1741–1773) Brown stammte aus Philadelphia. Als einer von zwei Männern gründete er im Jahr 1764 die von der Regierung finanziert Quebec Gazette. Die Zeitung war zweisprachig und wurde sehr stark durch die Regierung zensiert und überprüft.
Fleury Mesplet (1734–1794)
Er immigrierte von Frankreich nach Montreal und war mit der Absicht ins Land gekommen, Drucker zu werden. Jedoch wurde ihm dieses aufgrund eines Verdachts verboten, bevor er etwas drucken konnte. Man hielt ihn für einen Sympathisanten der Vereinigten Staaten und er hatte angeblich Beziehungen und Verbindungen zu Benjamin Franklin. Im Jahr 1778 druckte er Kanadas erste vollständige französische Zeitung, die The Gazette (Montreal). Sein Herausgeber Valentin Jautard schlug in den Artikeln jedoch radikale Töne an, so dass beide Männer ins Gefängnis kamen. Im Jahr 1782 wurde er freigelassen und es wurde ihm erlaubt wieder für die Regierung zu arbeiten, da er der einzig fähige Drucker war, obwohl er vom Fachlichen her beschränkt blieb.
Louis Roy (1771–1799) Am 18. April 1793 gründete Roy die Upper Canada Gazette, die bis 1849 bestand. Im Jahr 1797 verließ Roy die Zeitung, wer er politisch verfolgt wurde, nachdem er hochbrisante Meinungen abdruckte. Er floh nach New York.
Parteigänger-Epoche (1800–1850) Dies ist eine Epoche, in der die Drucker und Herausgeber erste Erfolge bei ihren Bemühungen hatten, die Presse aus der Regierungskontrolle zu befreien. Die Zeitungen waren Organe der politischen Parteien und Herausgeber und spielten eine wichtige Rolle in der Politik vor Ort. Die Diskussion und Debatte umgab die politische Sphäre in der Küstenregion des Nordatlantiks und wurde auch im Binnenland Kanadas aktiv geführt. Die Parteigänger-Zeitungen des 19. Jahrhunderts wurden Teil der öffentlichen Sphäre. Große Schritte erfolgten im Prozess der Demokratisierung der Presse und im Jahr 1891 wurde das Recht an der Berichterstattung über politische Prozesse endgültig gewonnen. Die Zeitungen aus dieser Epoche unterschieden sich nicht wesentlich voneinander und förderten die Demokratisierung der Information. Sie begannen damit, die traditionellen hierarchischen Sozialstrukturen auszuhöhlen und damit zu schwächen.James John Talman: The Newspapers of Upper Canada a Century Ago. In: Canadian Historical Review. Band 19, Nr. 1, 1938, S. 9–23. Drucker und Herausgeber Die Entwicklung der öffentlichen Sphäre in Kanada war eng verbunden mit der Entwicklung einer freien Presse, es sind viele Parallelen zu finden. Die meisten der frühen Herausgeber waren – oder wurden – bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts sehr aktive Politiker. Zu dieser Zeit gab es ein wachsendes Bedürfnis zur politischen Debatte. Die unabhängigen Drucker dieser Epoche begannen, ihre Kolumnen für Meinungsäußerungen zu nutzen, um die politische Klasse herauszufordern, um Fehler der Regierung aufzudecken, und sogar um bestimmte Kandidaten zu fördern. Diese Männer waren große Persönlichkeiten, und darin unerschrocken, auch unpopulären Meinungen eine starke Stimme zu geben. Im Ergebnis wurden die Zeitungen oftmals ein Forum zur Debatte zwischen sich streitenden Druckern. Das politische Thema, das am meisten diskutiert wurde, war die Frage des „Responsible Gouvernment“ (zu dt. etwa: „Verantwortliche Regierung“). In diesem System war die Exekutive verantwortlich für die Wahl des Gesetzgebers. Keines der Gesetze konnten ohne Zustimmung des Gesetzgebers verabschiedet werden. Im Binnenland jedoch blieb die ernannte Exekutive nur verantwortlich für die Kolonialherrschaft, die bis 1855 Großbritannien Rechenschaft ablegen musste. Viele der Herausgeber und Drucker respektive Politiker dieser Zeit befassten sich mit diesem Schlüsselthema. Während dieser Epoche haben die Drucker immer noch unter sehr schwierigen Bedingungen gearbeitet. Wie in der Epoche zuvor waren viele der Drucker und Herausgeber von Schulden geplagt und mussten unermüdlich arbeiten, um genug zu verdienen, damit sie ihre politische Karriere fördern und die Zeitung am Leben erhalten konnten. Diese Männer setzten die schwierige Arbeit fort, die kanadische Presse zu liberalisieren, und es lag in der Geschichte dieser Männer begründet, dass trotz der ganzen Schwierigkeiten die ersten Erfolge zu sehen waren. mini|275px|Le Canadien. 22. November 1806, Jahrgang 1, 1. Ausgabe
Le Canadien