mini| mini|Das Netz der „alten“, antiken Seidenstraße (1. Jahrhundert n. Chr., Bezeichnungen lateinisch) Unter der Bezeichnung Neue Seidenstraße () werden seit 2013 Projekte zum Auf- und Ausbau interkontinentaler Handels- und Infrastruktur-Netze zwischen der Volksrepublik China und über 100 weiteren Ländern weltweit geplant und zur Umsetzung gebracht. Der Name ist in Anlehnung an die historische Seidenstraße gewählt. Die offizielle chinesische Bezeichnung für die Projekte lautet ; hiervon ist der englische Begriff Belt and Road Initiative (BRI) abgeleitet.
Eine prominente Rolle bei der Propagierung des Projektes spielt Chinas seit 2013 amtierender Staatspräsident Xi Jinping. Einige westliche Kommentatoren haben das Vorhaben geradezu als Marketing-Idee für Xi Jinping bezeichnet, „das sich als Infrastrukturprojekt tarnt“.Eyck Freymann: ‘One Belt One Road’ Is Just a Marketing Campaign. In The Atlantic, 17. August 2019 (englisch). Von offizieller chinesischer Seite wird stets betont, dass die Projekte nicht nur chinesischen Interessen dienten, sondern der ganzen Welt. Kritiker der Projekte werfen China vor, dass es ärmere Länder in eine Schuldenfalle führe, was zur Folge habe, dass diese ihre Rohstoffe und Ressourcen an die Großmacht verkaufen und verpachten müssten. Einige Ökonomen haben diese Behauptung kritisiert, da sie nicht durch empirische Studien belegt sei. Mehrere Staaten und Staatenbünde haben Parallel- und Konkurrenzprojekte zur Belt and Road Initiative geplant und gestartet.
Überblick mini|Übersichtskarte mit Das Projekt knüpft an die alten Handelsrouten an, die China einst mit dem Westen verbanden, Marco Polos Seidenstraße im Norden und die maritimen Expeditionsrouten des Admirals Zheng He im Süden. Die Belt and Road Initiative bezieht sich nun auf den gesamten geografischen Raum des historischen, bereits in der Antike genutzten internationalen Handelskorridors „Seidenstraße“. Sie umfasst zwei Bereiche: die nördlich gelegenen Landwege unter dem Titel Silk Road Economic Belt, die südlich gelegenen Seewege mit dem Namen Maritime Silk Road. Während einige Staaten das Projekt wegen möglicher chinesischer Einflussnahme kritisch betrachten, verweisen andere auf die Schaffung eines neuen globalen Wachstumsmotors durch ein Verbinden und Zusammenrücken von Asien, Europa und Afrika.
mini|Der Hafen von Gwadar, Pakistan Bestehende Korridore sind einerseits Landverbindungen über die Türkei oder Russland und andererseits Anknüpfungen vom Hafen von Shanghai, über Hongkong und Singapur nach Indien und Ostafrika, Dubai, den Suezkanal, den griechischen Hafen Piräus bis zum Logistikknotenpunkt um Triest.Gabriel Felbermayr: Wie reagieren auf Chinas Offensive?, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. August 2018; Wolf D. Hartmann, Wolfgang Maennig, Run Wang: Chinas neue Seidenstraße. Frankfurt am Main 2017, S. 51ff.; Emanuele Scimia: Trieste aims to be China’s main port in Europe, in: Asia Times vom 1. Oktober 2018; Willi Mohrs: Neue Seidenstraße. Die Häfen von Duisburg und Triest vereinbaren Kooperation, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 8. Juni 2017; Annalisa Girardi: How China Is Reviving The Silk Road By Buying Ports In The Mediterranean. In: Forbes vom 4. Dezember 2018. Insbesondere bei Waren wie Bekleidung, Elektronik und Kfz-Teilen spielen schnelle Verbindungen mit LKW und Bahn und die Nutzung des Suezkanals eine Rolle.Harald Ehren: Teilausbau der Seidenstraße, in: DVZ vom 8. Juni 2017; Wolfgang Peiner: Hamburg steht vor epochalen Veränderungen, in: Die Welt vom 17. Februar 2017. Das betrifft neben den Vernetzungen mit Japan, China, Südkorea und Südostasien auch den Handel mit Indien und Pakistan und dabei besonders mit Mumbai bzw. Kalkutta.
Das Gesamtprojekt betrifft nach Schätzungen heute mehr als 60 % der Weltbevölkerung und ca. 35 % der Weltwirtschaft. Der Handel entlang der Seidenstraße könnte bald knapp 40 % des gesamten Welthandels umfassen, wobei ein Großteil auf den Seeweg entfällt.Heinrich von Pierer: 100 Länder, 900 Milliarden Euro Investitionen – Warum Deutschland beim Megaprojekt Seidenstraße nicht außen vor bleiben darf. In: Focus vom 19. März 2018. Der Landweg der Seidenstraße scheint auch in Zukunft im Hinblick auf das Transportvolumen ein Nischenprojekt zu bleiben.Vgl. Bernhard Simon: Can The New Silk Road Compete With The Maritime Silk Road? In The Maritime Executive vom 1. Januar 2020. Bei der maritimen Seidenstraße, schon heute die Route für mehr als die Hälfte aller weltweit bewegten Container, werden Tiefwasserhäfen ausgebaut, logistische Knotenpunkte errichtet und insbesondere neue Verkehrswege ins Hinterland geschaffen.Vgl. Marcus Hernig: Die Renaissance der Seidenstraße (2018), S. 7 ff.
Landwege mini|Übersicht über die Eisenbahn-Streckenvarianten Der Silk Road Economic Belt („Seidenstraßen-Wirtschaftsgürtel“, ) erstreckt sich zu Land von verschiedenen Bereichen Chinas aus über Süd-, West- und Zentralasien mit Ländern wie Iran, Türkei, Pakistan und West-Russland nach Mittel- und Westeuropa. Die internationalen ökonomischen Kooperationen lassen sich mit China als Ausgangsland geografisch in sechs Korridore gruppieren:Die Neue Seitenstraße. AKADS, Saarbrücken 2017, ISBN 978-3-7438-3122-3, S. 71. Bangladesch – Indien – Myanmar Indochinesische Halbinsel Mongolei – Russland Pakistan Zentralasien – Westasien Europa
Der Landweg gilt infolge der beteiligten Länder wie Iran, Kasachstan, Russland oder auch Usbekistan als nicht unbedingt nachhaltig sicher, befahrbar und durchlässig.Hendrik Ankenbrand „Chinas neue Seidenstraße“ in FAZ vom 27. Dezember 2016; Chinesen wollen im Hafen Triest investieren – Warenverkehr der Seidenstraße läuft übers Meer, in: Die Presse vom 16. Mai 2017; Wolf D. Hartmann, Wolfgang Maennig, Run Wang: Chinas neue Seidenstraße. Frankfurt am Main 2017, S. 51ff. Vgl. auch Dirk Ruppik: Von Löwen und Drachen, in: Deutsche Seeschifffahrt 2/2018, S. 36 ff.
China – Indochinesische Halbinsel
Verbindet China mit den indochinesischen Ländern Kambodscha, Laos und Vietnam sowie mit Malaysia, Singapur, Thailand und Indonesien.
China – Pakistan mini|Karakorum Highway über den Kunjirap-Pass zwischen China und Pakistan, 2007
Das 62-Mrd.-US-Dollar-Projekt des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) mit der Querung von Pakistans Landmitte zwischen dem rund 4.700 m hoch gelegenen Kunjirap-Pass und der am Arabischen Meer gelegenen Hafenstadt Gwadar, teils auf dem Karakorum Highway wird als ambitioniertester Teil des Projekts bewertet.Social Science Research Network (SSRN), papers.ssrn.com: What Is One Belt One Road? A Surplus Recycling Mechanism Approach – dt. „Was ist One Belt One Road? Ein Überschuss-Recycling-Mechanismus-Ansatz“ (englisch). In Gwadar entsteht ein Tiefwasserhafen in strategischer Nähe zur Zufahrt zum Persischen Golf.
China – Zentralasien – Westasien 2009 ging die Zentralasien-China-Gasleitung in Betrieb, die Erdgas aus Usbekistan nach China transportiert (auch „Turkmenistan-China-Gaspipeline“) Nahe der Stadt Korgas in Xinjiang entstehen ein internationaler Flughafen und ein riesiger Güterumschlagplatz Seit 2016 verbindet die Bahnstrecke Angren–Pop das Ferghanatal mit dem restlichen Staatsgebiet Usbekistans, zentrales Bauwerk ist der Kamchiq-Tunnel. Kurz nach dem Wiederausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran im Mai 2018 nahm China eine neue über 8.350 km lange Eisenbahnverbindung zwischen dem nordchinesischen Bayan Nur (Innere Mongolei) und der iranischen Hauptstadt Teheran in Betrieb: Der erste Zug lieferte 1.150 Tonnen Sonnenblumenkerne und sollte die Verbindung in 15 Tagen bewältigen, mindestens 20 Tage weniger als die notwendige Spanne zur See.
China – Europa mini|Zug auf der Strecke Lanzhou–Xinjiang, 2008 mini|Zug mit Containern der China Railway Express Co. in Deutschland, 2016 mini|300px|Der Güterverkehr auf der Schiene zwischen Deutschland und China – und der Warenverkehr insgesamt, aufgeschlüsselt nach Volumen, Laufzeit und Kosten. Quelle: Infrastrukturatlas 2020, Urheber: Appenzeller/Hecher/Sack, Lizenz: CC BY 4.0
Eine Route der Neuen eurasischen Kontinentalbrücke führt durch China, Kasachstan, Russland, die Ukraine und die Slowakei bis nach Mitteleuropa. An der chinesisch-kasachischen und der ukrainisch-slowakischen Grenze wird von der Eisenbahn-Normalspur auf Breitspur bzw. zurückgewechselt.Güterzug aus China in Wien eingetroffen. ntv.de vom 27. April 2018. Eine andere Route verbindet Chongqing (via Kasachstan, Russland, Belarus und Polen) und mehrere Zielbahnhöfe in Europa, darunter Duisburg (siehe Trans-Eurasia-Express). In Dostyk oder Altynkol in Kasachstan und an der polnisch-belarussischen Grenze werden die Container wegen der unterschiedlichen Spurweiten der beteiligten Bahnen umgeladen.
Die Zollabfertigung wurde durch die seit Januar 2012 vollständig in Kraft getretene Zollunion Belarus-Kasachstan-Russland vereinfacht. Besonders Duisburg, am Ende der 11.000 Kilometer langen Route gelegen, ist ein wichtiger multimodaler Logistikknoten. Die Duisburg-Ruhrorter Häfen gelten als der größte Binnenhafen Europas und der Rhein als wichtigste Wasserstraße in Westeuropa.
Geschichte Ab 2008 wurde unter dem Namen Trans-Eurasia-Express eine kommerzielle Güterzugverbindung zwischen China und Deutschland angestrebt. Seit 2011 bestehende Routen nach Deutschland führen nach Duisburg, Hamburg und Nürnberg. Seit 2011 lässt Hewlett-Packard Laptops und Zubehör in fünfzig plombierten 40-Fuß-Containern während der Sommermonate mit wöchentlich ein bis drei Company Trains in drei Wochen von der Produktionsstätte bis nach Duisburg fahren. Seit 2012 verkehrt mit dem Yuxinou ein regelmäßiger Güterzug zwischen Chongqing und Duisburg. Seit Juni 2013 fahren Züge von DHL.Güterzugverbindungen China–Westeuropa – Die stählerne Seidenstraße In: industrie.de, 1. April 2014, abgerufen am 22. Januar 2020. 2016 verkehrten insgesamt rund 1700 Güterzüge zwischen China und Europa. Ende April 2018 traf der erste direkte Güterzug zwischen China (Chengdu) und Österreich nach der Fahrt von über 9.800 km und 14 Tagen (und damit ca. vier Wochen schneller als über den Seeweg) mit 44 Containern unter anderem mit Elektronik-Bauteilen, LED-Lampen und Schlafsäcken in Wien ein. Mitte 2018 kamen in Duisburg pro Woche bis zu 35 Güterzüge mit 12 Tagen Fahrtdauer an., plusminus vom 1. August 2018. Im Juni 2019 erklärt die DB Cargo ihre Transportkapazität auf der transkontinentalen Verbindung in den Fernen Osten bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent erhöhen zu wollen. Damit sollen im Jahr 2020 ungefähr 100.000 Standard-Container («TEU») auf der stählernen Seidenstraße befördert werden.Die stählerne Seidenstrasse – Güterzugverkehr aus China wächst rasant in Neue Zürcher Zeitung vom 15. Juni 2019. Im Juni 2019 wurde eine Absichtserklärung zwischen Rostock Port, Hafen Verona (Consorzio ZAI Interporto Quadrante Europa) und UTLC ERA (United Transport and Logistic Company – Eurasian Rail Alliance, verantwortet den kompletten Tür-zu-Tür-Transportservice auf der Breitspurbahn 1520 mm) über die Entwicklung der multimodalen Eisenbahntransporte. Die Containertransporte werden vom Logistikzentrum im italienischen Verona nach Rostock geleitet, wo sie auf dem kurzen Seeweg nach Baltijsk gelangen. Von dort folgen die Gütertransporte auf der Breitspurbahn über Russland und Kasachstan nach China. Am 11. November 2019 erreichte ein erster intermodaler Container-Transport den Hafen von Baltijsk (Pillau), Exklave Kaliningrad, Russland. Die Container wurden von der chinesischen Grenze bis Baltijsk auf 1520-mm-Spur befördert, im Hafen von Baltijsk auf ein Container-Schiff umgeladen und zum Fährhafen Sassnitz, Deutschland gefahren, dort auf Containertragwagen der 1435-mm-Spur umgeladen und zu ihrem Zielbahnhof, dem Hauptgüterbahnhof Mannheim, transportiert.The first container Train from China to Europe in multimodal traffic. In: OSJD Bulletin 5–6/2019, S. 86.