mini|St. Jacobi Die Sankt-Jacobi-Kirche ist die östlichste der fünf evangelisch-lutherischen Hauptkirchen Hamburgs. Trotz vieler Veränderungen im Laufe der Geschichte und massiver Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist die Kirche einer der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Bauten in der Stadtmitte. Sie ist ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.
Lage Die Hauptkirche St. Jacobi liegt im Osten der Hamburger Innenstadt an der Steinstraße. Diese war eine der Hauptstraßen des frühen Hamburg und daher bereits im 13. Jahrhundert gepflastert. Die einstmals dichte Wohnbebauung der umliegenden Gängeviertel wurde bereits im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts abgerissen und durch Kontorhäuser ersetzt.
Geschichte mini|hochkant|Darstellung von 1675 mini|hochkant|Ansicht von 1830. Vorne links die Lübschen Buden mini|Gedenktafel an die Errettung der Kirche im Stadtbrand 1842 in der Eingangshalle St. Jacobi ging aus einer Kapelle an einem Jakobsweg hervor und ist dementsprechend dem Apostel Jakobus geweiht. Bei der ersten Erwähnung 1255 lag St. Jacobi noch außerhalb der gesicherten Stadt östlich des Heidenwalls. Erst nach der Erweiterung der Stadtmauer ab 1260 wurde sie als vierte Hauptkirche in die Hamburger Stadtbefestigung einbezogen.
Der Hauptteil der Kirche geht auf einen Neubau im 14. Jahrhundert zurück: Zwischen 1350 und etwa 1400 baute man eine dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil, ähnlich der benachbarten Kirche St. Petri. 1438 entstand im Nordosten ein Sakristeianbau, heute Hamburgs einziges Zeugnis gotischer Profanarchitektur. Zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde St. Jacobi um ein viertes Kirchenschiff an der Südseite erweitert. Im Mittelalter bestand der Turm der Kirche aus fünf Stockwerken, besaß allerdings keinen Turmhelm, sondern schloss mit zwei parallelen Satteldächern ab. Erst zwischen 1587 und 1589 wurde ein Turmhelm geschaffen, der in seiner spätgotischen Gestaltung der nahen St.-Gertruden-Kapelle entlehnt war.
Eine weitere Veränderung des Baus erfolgte Mitte des 18. Jahrhunderts: Statische Probleme am westlichen Ende der Kirche verlangten, die Fundamente zu sichern und das Mauerwerk zu verstärken; hierdurch wurde die Westfront auch in ihrem Aussehen verändert. Die Pläne hierfür lieferte der Architekt Johannes Nicolaus Kuhn († 13. November 1744). 1769 wurde St. Jacobi auf Anregung von Johann Albert Heinrich Reimarus mit dem ersten Blitzableiter in Deutschland versehen, der durch Mathias Andreas Mettlerkamp ausgeführt wurde.
Anfang des 19. Jahrhunderts diente St. Jacobi wie viele Kirchen napoleonischen Truppen als Pferdestall. Während der Franzosenzeit wurde der spätgotische Turmhelm 1810 abgetragen und durch ein niedriges Notdach in Pyramidenform ersetzt. 1827 bis 1828 wurde auf den wegen Baufälligkeit um ein Stockwerk verringerten Turmstumpf ein neugotischer Turmhelm gesetzt, welcher bis zur Zerstörung von St. Jacobi 1944 bestand. Vom Hamburger Brand 1842 blieb die Kirche verschont, woran eine Gedenktafel in der Eingangshalle erinnert. Umfassende Veränderungen der Kirche erfolgten zwischen 1859 und 1869. So wurde das Kupferdach durch eine Schieferdeckung ersetzt und eine neugotische Eingangshalle an der Südseite des Kirchenbaus nach Entwurf von Isaiah Wood, dem Mitarbeiter George Gilbert Scotts errichtet. Dieser war in den Jahren zuvor Bauleiter beim Neubau der Nikolaikirche gewesen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Innenraum erneuert.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche am 18. Juni 1944 bei einem Luftangriff zerstört. Sie brannte aus, und der Turm stürzte durch die Gewölbe in den Innenraum. Die historische Innenausstattung konnte jedoch durch die rechtzeitige Auslagerung gerettet werden. Nach dem Krieg wurde St. Jacobi nach mittelalterlichem Vorbild bis 1963 wiederhergestellt; nur den Turm mit einer Höhe von 125 m gestalteten die Hamburger Architekten Hopp & Jäger modern, wie sie es ein Jahr zuvor beim Wiederaufbau der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld schon mit deren Turm getan hatten. Die vierseitige Turmuhr gestaltete hierbei der Grafiker und Künstler Alfred Mahlau im Jahr 1960.
Laut Bauuntersuchungen aus dem Jahr 2025 können die mittelalterlichen unteren Turmgeschosse den Stahlbetonhelm auf die Dauer nicht tragen. Am 23. Januar 2026 gab die Kirchengemeinde in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt bekannt, 2028 solle mit dem Rückbau des Helms begonnen werden. Eine Entlastung durch eine innere Stützkonstruktion habe sich als nicht durchführbar erwiesen.Website der Gemeinde St. Jacobi: Aufwendige Turmarbeiten an St. Jacobi geplant , abgerufen am 23. Januar 2026.
Von 1927 bis 1963 gab es ein Kirchenmuseum bei und in der Kirche. Die historische Aufarbeitung dieses Bestandes steht in Teilen noch aus.
Ausstattung
Von den insgesamt zwanzig mittelalterlichen Altären der St.-Jacobi-Kirche haben sich zwei erhalten: Der St.-Trinitatis-Altar im Hauptchor (um 1518; Eiche; 210 × 141 cm [Mitteltafel]) wurde 1518 von der Böttcherzunft geschenkt,Vgl. Uwe M. Scheede (Hrsg.): Goldgrund und Himmelslicht. Die Kunst des Mittelalters in Hamburg. Ausstellungskatalog Kunsthalle Hamburg. Hamburg 1999, S. 256 f., Kat. Nr. 45 (Georg Syamken). der St.-Petri-Altar im ersten Südschiff 1508 von den Fischern.Vgl. Uwe M. Scheede (Hrsg.): Goldgrund und Himmelslicht. Die Kunst des Mittelalters in Hamburg. Ausstellungskatalog Kunsthalle Hamburg. Hamburg 1999, S. 254 f., Kat. Nr. 44 (Sebastian Giesen). Zwei weitere gotische Flügelaltäre in der St.-Jacobi-Kirche sind der aus dem Hamburger Mariendom stammende St.-Lukas-Altar der Malerzunft von Hinrik Bornemann, Absolon Stumme und Wilm Dedeke (1499; Eiche; 180 × 148 cm [Schrein]) im 2. Südschiff sowie ein möglicherweise aus dem Zisterzienserkloster Reinfeld stammender Gemäldealtar, der zuletzt in der Eilbeker Osterkirche gestanden hatte und nach deren Übernahme seitens der bulgarisch-orthodoxen Kirche 2019 nach St. Jacobi verbracht wurde.Neuer Altar für die Hauptkirche St. Jacobi. Nordkirche.de, 27. November 2019, abgerufen am selben Tage.
Die barocke Kanzel von 1610 ist ein Werk von Georg Baumann. Der aus Alabaster, Marmor und Sandstein gearbeitete Kanzelkorb zeigt Szenen der Heilsgeschichte: Verkündigung, Geburt Christi, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. In den Brüstungsfeldern des Treppenaufgangs sind die vier Evangelisten dargestellt. Der Schalldeckel stellt die Zehn Gebote dar.
In der Jakobikirche gibt es zwei Emporen mit Emporenmalerei. An der Brüstung der Empore unter der Kemper-Orgel im südlichen Seitenschiff finden sich neun Bilder zum NT. An der neu gestalteten Westempore im Hauptschiff unter der Arp-Schnittger Orgel befinden sich 34 Bilder zum At und NT, die von Otto Wagenfeld gestaltet wurden. Ursprünglich umfasste der Zyklus über 50 Bilder.
Die Glasmalerei an den Chorfenstern führte 1957–1961 Charles Crodel aus, der auch die Farbglasfenster der Matthäuskirche in Winterhude und von St. Marien in Fuhlsbüttel schuf. Die von ihm dargestellten Themen veranschaulichen den Ablauf des Kirchenjahres von der Geburt Jesu, der Passion, Himmelfahrt und dem Pfingstwunder. Das Gemälde Der reiche Mann und der Tod wurde 1622 von David Kindt gemalt, der auch 1648 den Hauptpastor der St. Jacobi Severin Schlüter malte. An der Wand des Nordschiffs befindet sich eine Stadtansicht Hamburgs von Joachim Luhn aus dem Jahr 1681.
Über der Sakristei befindet sich der Herrensaal, der ursprünglich als Bibliothek diente. Seit 1543 war er Versammlungssaal der Kirchspielherren und erhielt 1710 eine neue Ausstattung. Die Deckengemälde mit Bürgertugenden weisen auf die Bedeutung der Kirchspielverwaltung für das Stadtregiment hin und stammen wie die Landschaftsgemälde an den Wänden von Johann Moritz Riesenberger d. J. (1673/7–7. Mai 1740).Rudolf Vierhaus: Deutsche biographische Enzyklopädie (DBE). Band 8, ISBN 3-598-25030-4, S. 412 (). Wappentafeln an der Wand nennen Pastoren, Kirchspielherren und Geschworene seit dem 16. Jahrhundert.jacobus.de: Herrensaal Sakristei; 360° Aufnahmen, youtube
Orgeln In St. Jacobi gibt es zwei große Orgeln:
Arp-Schnitger-Orgel mini|Arp-Schnitger-Orgel
Die berühmte Arp-Schnitger-Orgel von 1693 auf der Westempore ist mit ihren 60 Registern und ca. 4000 Pfeifen die größte erhaltene Barockorgel im nordeuropäischen Raum. Von 1989 bis 1993 wurde sie grundlegend restauriert.
Auf die Stelle für den Ersten Organisten der St.-Jacobi-Kirche soll sich Anfang des 18. Jahrhunderts auch Johann Sebastian Bach beworben haben, der aber aus finanziellen Gründen von der Kirchenleitung abgelehnt wurde. Bach ging daraufhin nach Leipzig.
Kemper-Orgel mini|Kemper-Orgel In der Kirche gibt es im Seitenschiff eine zweite große Orgel, erbaut in den Jahren 1960 und 1968 von dem Orgelbauer Emanuel Kemper (Lübeck). Das Instrument wurde als Universalinstrument der Orgelbewegung errichtet. 1960 wurde zunächst am Ende des südlichen Seitenschiffs ein dreimanualiges Instrument mit 45 Registern errichtet. 1968 wurde es zum Schiff Richtung Steinstraße hin erweitert. 2007 bis 2008 wurde die Anlage durch Orgelbau Rainer Wolter umgebaut und restauriert. Seitdem hat die Orgel 66 Register auf drei Manualwerken und Pedal; das zusätzliche Manualwerk (Seitenwerk) ist schwellbar und an alle Werke frei koppelbar. Eine Besonderheit ist das Register „Hölzern Gelächter“, ein Xylophon aus einer Kino-Orgel.
I Hauptwerk C–a31. Pommer (T) 32′2. Pommer 16′3. Prinzipal 8′4. Holzprinzipal 8′5. Gambe 8′6. Unda maris 8′7. Große Oktave 4′8. Oktave 4′9. Quinte ′10. Oktave 2′11. Terz ′12. Mixtur VI-VIII 2′13. Scharff IV ′14. Trompete 16′15. Trompete 8′16. Prinzipal (St) 8′17. Oktave (St) 4′ Tremulant II Oberwerk C–a318. Fugara 8′19. Gedackt 8′20. Dolce 8′21. Prinzipal 4′22. Flöte 4′23. Oktave 2′24. Quinte ′25. Siffflöte 1′26. Acuta V 1′27. Schalmei 8′ Tremulant III Schwellwerk C–a328. Gedackt 16′29. Salicional 8′30. Gedackt 8′31. Voix céleste 8′32. Prinzipal 4′33. Flauto dolce 4′34. Nasat ′35. Blockflöte 2′36. Piccolo ′37. Sesquialtera II38. Streichmixtur V 2′39. Oboe 8′40. Vox humana 8′ Hölzern Gelächter Tremulant Seitenwerk (schwellbar) C–a341. Holzflöte 8′42. Traversa 4′43. Jahnn-Flöte 2′44. Kornett II-V45. Französische Trompete 8′46. Clairon 4′ Pedalwerk C–f147. Pommer 16′48. Subbass 16′49. Gedacktbass (T) 16′50. Quinte ′51. Gedackt (T) 8′52. Oktave 8′53. Oktave 4′54. Flauto dolce (T) 4′55. Nachthorn 2′56. Mixtur VI ′57. Posaune 16′58. Trompete 8′ Schwellpedal59. Gedacktbass (SW) 16′60. Bassflöte (SW) 8′61. Oktavbass (SW) 8′62. Nachthorn (SW) 4′63. Glockenton II (SW) 2′64. Prinzipalbass (St) 8′65. Prinzipal (St) (T) 8′66. Oktave (St) (T) 4′ Koppeln HW/P, OW/P, SW/P, SW/HW, OW/HW, SW/OW; Seitenwerk als fliegendes Manual an alle Manuale koppelbar, Suboktavkoppel Seitenwerk an alle Manuale Spielhilfen: 4 freie Kombinationen, 2 Pedalkombinationen, Tutti, Registercrescendo (frei einstellbar), Setzeranlage (2008) Anmerkungen: (St) = Register nur für das Steinstraßenschiff (T) = Transmission (SW) = Register schwellbar im Seitenwerk. Spiel- und Registertraktur elektrisch, Taschenlade
Geläut Im Turm befinden sich sieben Kirchenglocken und zwei Glocken für den Uhrschlag.Videoaufnahme des Geläuts mit Informationen zu den Glocken, auf YouTube Die 1397 gegossene und im Ersten Weltkrieg eingeschmolzene große Glocke hatte seltene, kunsthistorisch bedeutsame Glockenritzzeichnungen.Ingrid Schulze: Ritzzeichnungen von Laienhand – Zeichnungen mittelalterlicher Bildhauer und Maler? Figürliche Glockenritz-Zeichnungen vom späten 13. Jahrhundert bis zur Zeit um 1500 in Mittel- und Norddeutschland. Leipzig 2006, ISBN 978-3-939404-95-8, S. 67ff., 84ff.
Nr. Name Gussjahr Gießer Durchmesser(mm) Gewicht(kg) Nominal(16tel)1 1959 Glocken- und Kunstgießerei Rincker 1.812 3.588a0 +2 2 1.595 2.321 c1 +4 3 1.425 1.651 d1 +3 4 1.231 1.156 f1 +4 5 1.105 838 g1 +3 6 947 573 b1 +4 7 840 398 c2 +4 Stundenglocke 1948 Schilling, Apolda 1.120 900 fes1 Viertelstundenglocke 1.010 630 ges1
Sanierung