Skam (norwegisch für u. a. „Scham“)Skam umfasst auch Bedeutungen wie Schande, Schmach oder Peinlichkeiten. ist eine norwegische Fernseh- und Webserie für Jugendliche über den Alltag von Schülern der Hartvig-Nissen-Schule in Oslo. Sie wurde von NRK P3 produziert und setzte auf virales Marketing im Internet. Der erste Clip erschien am 22. September 2015 online, die erste volle Episode wurde am 25. September im Fernsehen ausgestrahlt. Die vierte und letzte Staffel wurde im Frühling 2017 ausgestrahlt.

Konzept und Inhalt Die Serie erzählt den Alltag von Jugendlichen an der weiterführenden Schule Hartvig Nissens skole in Oslo. Jede der vier Staffeln hat eine andere Hauptfigur (Eva, Noora, Isak und Sana). Die Zuschauer konnten den Figuren in sozialen Medien wie Instagram, Facebook und YouTube folgen und so mehr über die Handlung erfahren.

Über die offizielle Website wurden an wechselnden Tagen der Woche in Echtzeit kurze Szenen veröffentlicht, begleitet von zusätzlichen Inhalten wie Chats oder E-Mails zwischen den Hauptfiguren. Auf NRK3 wurde wöchentlich eine Episode als Zusammenstellung der unter der Woche veröffentlichten Clips ausgestrahlt.

Produktion und Ausstrahlung Hinter der Serie stand die Idee, das Internetangebot des NRK für ein jüngeres Publikum attraktiver zu machen. Julie Andem arbeitete seit 2007 für den NRK und war für das Kinderprogramm NRK Super bereits an drei Serien beteiligt, die als fiktive Videoblogs konzipiert waren: Sara, Mia und Jenter. Bei letzterer übernahm Andem bereits Regie, Drehbuch und Schnitt, das Konzept entwickelte sie zusammen mit Ingvill Marie Nyborg. Nach vier erfolgreichen Staffeln trat schließlich NRK P3 an sie heran, um eine ähnliche Serie für ein jugendliches Publikum zu entwickeln.

Um die Serie gründlich vorzubereiten, reiste Andem ein halbes Jahr durch Norwegen und befragte Teenager über ihr Leben. Dabei identifizierte sie nach eigener Aussage ein bestimmendes Element: Druck – dem sich Teenager ausgesetzt fühlen und den sie ihnen mit ihrer Fernsehserie nehmen möchte. Sie arbeitete nicht mit professionellen Schauspielern, sondern suchte bei einem Casting aus 1.200 Jugendlichen die vielversprechendsten Kandidaten aus, anhand derer sie dann erst die Figuren der Serie entwickelte. Gedreht wurde mit einem sehr knappen Zeitkontingent, da die meisten Schauspieler zur Schule gehen oder einen Job haben. Der erste Handlungsstrang, den Andem entwickelte, war die Beziehung von Noora und William (Staffel 2); um diese Geschichte gebührend vorzubereiten, schrieb sie die Staffel 1 als Vorgeschichte dazu.

Die Serie wurde fast ausschließlich über soziale Medien beworben, da das Zielpublikum so am ehesten die Möglichkeit hatte, sie aus eigenem Antrieb zu entdecken, so der ausführende Produzent Håkon Moslet. Aufgrund des besonderen Konzepts der Echtzeitveröffentlichung und der Interaktivität durch Einbindung sozialer Medien in die Geschichte, wofür Mari Magnus als Webproducer verantwortlich ist, ist Skam vor allem als Webserie erfolgreich. Die Produktionskosten sind im Vergleich zu anderen von NRK produzierten Serien sehr gering; für die zweite und dritte Staffel 2016 genügte ein Budget von ca. 10 Mio. NOK (etwa 1,1 Mio. €).

Ab der dritten Staffel erhielt sie auch Aufmerksamkeit aus dem Ausland, woraufhin der NRK mit Forderungen nach englischen Untertiteln für die ohnehin weltweit einsehbaren Videos in der Mediathek konfrontiert wurde. Dies lehnte man jedoch u. a. mit der Begründung ab, dass die Lizenzierung der verwendeten Musikstücke keine Vermarktung im Ausland zulasse. Gleichzeitig ging man gegen inoffiziell im Internet weiterverbreitete untertitelte Videos vor. Ab 13. Januar 2017 führte NRK auf Druck von IFPI Norwegen auch für die Inhalte in der Mediathek Geoblocking ein, wodurch Episoden und Videos der Serie aus dem Ausland nicht mehr einsehbar sind.

Nachdem der dänische Sender DR3 im Dezember 2016 mit der Ausstrahlung der ersten Staffel begann und das schwedische Fernsehen SVT und das finnische Fernsehen Yle sie in ihren Onlineangeboten SVT Play bzw. Yle Areena/Arenan veröffentlichten (jeweils untertitelt), kündigte Simon Fullers Produktionsfirma XIX Entertainment an, die Rechte am Format für Nordamerika erworben zu haben. Außerdem gab NRK in diesem Rahmen die Produktion einer vierten Skam-Staffel bekannt. Auf der Fernsehmesse MIPCOM in Cannes wurde im Oktober 2017 öffentlich, dass Facebook die Rechte an der US-Version für seine Videoplattform Facebook Watch gekauft hat. Die Ausstrahlung begann am 24. April 2018 unter dem Namen SKAM Austin.

Am 7. April 2017 erschien der Trailer zur vierten Staffel, deren Veröffentlichung ab 10. April erfolgte. Außerdem wurde bekanntgegeben, dass die Serie nach vier Staffeln beendet wird. Beim französischen Sender France 4 läuft seit Februar 2018 ein weiteres Remake der Serie namens SKAM France. Die deutsche Adaption namens DRUCK startete im März 2018 auf funk, dem Online-Medienangebot von ARD und ZDF. Die Rechte wurden außerdem in die Niederlande, nach Spanien, und Italien verkauft. Das Theater Aveny-T in Kopenhagen entwickelte aus jeder der vier Staffeln je ein Theaterstück, die Premiere war am 15. September 2017.

Auch in Kroatien wird die Serie seit 2024 unter dem Titel SRAM ausgestrahlt, produziert wird die kroatische Version vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen HRT. Ausgestrahlt wird sie im ersten Programm HRT1 und im Internet. Bisher wurden drei Staffeln veröffentlicht.

Internationale Remakes Mittlerweile gibt es sieben Remakes der Serie in sieben verschiedenen Ländern: In Deutschland unter dem Namen Druck, mit bisher 8 Staffeln. In Italien unter dem Namen Skam Italia, mit bisher 5 Staffeln und einer angekündigten 6. Staffel. In Belgien unter dem Namen wtFOCK, mit bisher 6 Staffeln. In Frankreich unter dem Namen Skam France, mit bisher 11 Staffeln und einer angekündigten 12. Staffel. In den Niederlanden unter dem Namen Skam NL, welche jedoch nach der 2. Staffel abgesetzt wurde. In Spanien unter dem Namen Skam España, welches nach der 4. Staffel beendet wurde. In den USA unter dem Namen Skam Austin aus Austin (Texas), welches nach der 2. Staffel beendet wurde. In Kroatien unter dem Namen Sram, mit bisher 3 Staffeln.

Episodenliste mini|Die Hartvig Nissens skole in Oslo, deren Schüler die Hauptfiguren der Serie sind

Staffel 1 Die erste Staffel umfasst elf Episoden und behandelt das Leben von Eva Mohns, in weiteren wichtigen Rollen treten Evas Freundinnen Noora, Vilde, Sana und Chris auf. Die turbulente Beziehung zwischen Eva und ihrem Freund Jonas steht im Mittelpunkt.

Staffel 2 Die zweite Staffel umfasst zwölf Episoden und hat als neue Hauptfigur Noora Sætre. Ihre Beziehung zum älteren William bestimmt die Handlung.

Staffel 3 Die dritte Staffel umfasst zehn Episoden, Hauptfigur ist mit Isak Valtersen erstmals ein Junge. Erzählt wird seine Liebe zum älteren Even.

Staffel 4 Die vierte und letzte Staffel hat Sana Bakkoush als Protagonistin und umfasst zehn Episoden. In der zehnten Episode, dem Serienfinale, wechselt der Protagonist ausnahmsweise szenenweise (Vilde, Chris Schistad, Jonas, Chris Berg, Even, William, Eskild und Linn); außerdem erschien die letzte Episode an einem Samstag statt wie üblich an einem Freitag.

Rezeption Die erste Episode der Serie war in der NRK-Mediathek eine der meistgesehenen Serienepisoden aller Zeiten. In der ersten Juniwoche 2016 machte das Streaming von Skam über die Hälfte des gesamten Traffics der NRK-Mediathek aus. Die Serie ist mittlerweile Norwegens erfolgreichste Webserie aller Zeiten, mit durchschnittlich 1,2 Millionen Besuchern der Website und über einer Million Zuschauern für die wöchentlichen Episoden im Streaming. Während die erste Staffel durchschnittlich 154.000 Zuschauer erreichte, waren es bei der zweiten schon 531.000 und bei der dritten 789.000.

In der Mediathek des schwedischen Fernsehens SVT, SVT Play, wurde die Serie im Januar 2017 mit insgesamt über 22 Millionen Aufrufen zu der meistgesehenen Serie aller Zeiten. Die erste Episode ist mit 1,4 Millionen Aufrufen der am meisten abgerufene Abschnitt der Serie.

Die Serie erhielt gute Kritik und viel Lob dafür, dass wichtige Themen wie sexueller Missbrauch angesprochen werden. Martine Lunder Brenne von Verdens Gang bezeichnete Skam im November 2016 als „Norwegens coolste Serie“, vor allem wegen des Umgangs mit Homosexualität in der dritten Staffel. Kristoffer Hegnsvad von Politiken sprach gar von der „besten Jugendserie der Welt“, die ihre Zielgruppe sehr gut anspreche, aber gleichzeitig universell und für jedes Alter geeignet sei. In der ersten Staffel fand er eine „klischeehafte“ Kombination von Romanze und Intrige, die jedoch mit einem Augenzwinkern und einem Körnchen Wahrheit dargeboten werde. Die Kamera bewege sich zwischen Werbeästhetik, Skating-Video und einem dokumentarischen Thriller-Stil, bei dem keine Monster, sondern scheiternde Freundschaft, Untreue oder soziale Ausgrenzung für eine ängstliche Grundstimmung sorgen; dazu in Wechselwirkung stehe die an House of Cards erinnernde Verwendung von Smartphone-Bildschirmen im Bild. Gut geschriebene Dialoge würden von Geräuschen und Musik passend begleitet. Besonders lobte Hegnsvad die verwendete Musikauswahl, die „überlegen“ und auf dem Niveau von Sofia Coppola und Xavier Dolan sei.

Auf Gaytimes.co.uk empfahl man die Serie und lobte sie als „sehr viel realistischer“ als Hollywood-Geschichten; die Figuren seien „nett, aber unbeholfen und absolut glaubwürdig“. Rachel Donadio beschrieb sie auf Nytimes.com als „gewagt, emotional und lebensnah“, lobte das plattformübergreifende Format und die „kluge Social-Media-Strategie“. Mehrfach wurden Vergleiche mit der britischen Serie Skins – Hautnah gezogen, jedoch auch die deutlichen Unterschiede herausgestellt und Skam als die „bodenständigere“ Version jener Serie beschrieben. Sarah Hughes vom Guardian hob etwa hervor, dass die Jugendlichen nicht nur auf Partys, sondern zu einem großen Teil in unspektakulären Alltagsszenen gezeigt werden. Trey Taylor schrieb auf DazedDigital, die Serie sei zwar nicht perfekt, aber „schonungslos ehrlich“, und bringe Vorurteile zum Einstürzen.

Die Gratiszeitung NATT&DAG wählte Skam zur besten Serie des Jahres 2015.

Ab Herbst 2017 wird die Universität Oslo zu der Serie den medienwissenschaftlichen Kurs Digital fortelling – webserien Skam über digitales Erzählen und die Ästhetik von Webserien anbieten. Außerdem wird Dag Øistein Endsjø im gleichen Semester das religionswissenschaftliche Seminar Religion i Skam anbieten.

Auszeichnungen Preis Kategorie Nominierte(r) Resultat  Gullruten 2016 Bestes TV-Drama Beste neue Serie Innovation des Jahres Publikumspreis Josefine Frida Pettersen Bester Schnitt TV-Drama Ida Vennerød Kolstø Newcomer des Jahres Julie Andem, Mari Magnus Beste Regie TV-Drama Julie Andem Nordiske Seriedager Awards 2016Beste Drama-SerieSkamGewonnen Nordens språkpris 2016 der Vereinigung Norden QX-Gaygala 2017 Beste ausländische Fernsehsendung Gullruten 2017 Bestes TV-Drama Bester Schauspieler Tarjei Sandvik Moe Publikumspreis Henrik Holm, Tarjei Sandvik Moe Fernsehmoment des Jahres O helga natt (Ep. 9, St. 3) Bestes Drehbuch Drama Julie Andem Beste Regie Drama Julie Andem Beste Kamera Drama Ragnar Molstad Bester Schnitt TV-Drama Renate Henrikshaugen Ehrenpreis „Peer Gynt“ 2017 des norwegischen Parlaments Skam und Julie Andem Nordiske Seriedager Awards 2017Beste Drama-SerieSkam, Staffel 4Gewonnen