Der Kreis Bielefeld war ein von 1816 bis 1972 bestehender Kreis, zunächst im zur preußischen Provinz Westfalen gehörenden Regierungsbezirk Minden sowie ab 1946/47 im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Detmold. Er umfasste zuletzt das unmittelbare Umland der Stadt Bielefeld. Die Stadt selbst hatte bis 1878 zum Kreis gehört und war dann als eigener Stadtkreis ausgegliedert worden, beherbergte aber nach wie vor die Kreisverwaltungsbehörden. Von 1878 bis 1969 trug der Kreis die amtliche Bezeichnung Landkreis Bielefeld. Am 1. Januar 1973 fiel das Kreisgebiet durch die kommunale Neuordnung größtenteils an die Stadt Bielefeld, ansonsten an den Kreis Gütersloh. Der Kreis war hinsichtlich Form und Funktion ein typischer Kragenkreis.
Geografie Lage Der Kreis Bielefeld lag zu beiden Seiten des Teutoburger Waldes und hatte mit seiner Nordosthälfte Anteil an der Ravensberger Mulde und im Südwesten an der Emssandebene.
Nachbarkreise Der Kreis grenzte 1972 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Herford, Lemgo, Detmold, Paderborn, Wiedenbrück und Halle (Westf.) sowie an die als Enklave von ihm umschlossene kreisfreie Stadt Bielefeld.
Geschichte Vorgeschichte Das Kreisgebiet gehörte ursprünglich zur Grafschaft Ravensberg, die seit 1648 zu Brandenburg-Preußen gehörte. Von 1719 bis 1807 lag es im preußischen Verwaltungsgebiet Minden-Ravensberg und deckte den größeren Teil des Amtes Sparrenberg mit der Stadt Bielefeld und Teilen der Vogteien Heepen, Schildesche, Brackwede und Werther ab. Nach der Besetzung durch das napoleonische Frankreich gehörte das Kreisgebiet seit 1807 zum Distrikt Bielefeld des Weser-Departements im Königreich Westphalen. In Anlehnung an die alten Vogteien wurden Kantone gebildet, darunter im Bielefelder Raum die Kantone Bielefeld, Brackwede, Heepen, Schildesche und Werther.
1811 kam es zu Änderungen der Verwaltungsgliederung, da das nördlich des Johannisbachs gelegene Gebiet des Distrikts Bielefeld von Frankreich annektiert wurde. Jöllenbeck, Theesen, Vilsendorf und Brake gehörten nun zum Kanton Enger im Arrondissement Minden des französischen Departements der Oberen Ems.
Im verkleinerten Distrikt Bielefeld, der nun zum Departement der Fulda des Königreichs Westphalen gehörte, kam es ebenfalls zu einigen Änderungen. Die Dornberger Bauerschaften kamen vom Kanton Werther zum Kanton Schildesche. Der Kanton Heepen gab Milse an den Kanton Schildesche und Heepen-Senne, das fortan Senne II hieß, an den Kanton Brackwede ab. Der Kanton Brackwede verlor Steinhagen an den Kanton Brockhagen.
Nach der Rückeroberung durch Preußen im Jahre 1813 gehörte das gesamte Ravensberger Land zunächst zum Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein und ab 1815 zur neuen preußischen Provinz Westfalen. Die in der napoleonischen Zeit eingerichteten Kantone und Bürgermeistereien bestanden zum größten Teil als Verwaltungsbezirke fort.
1816–1841 Der 1816 gegründete Regierungsbezirk Minden, einer von drei Regierungsbezirken in der Provinz Westfalen, wurde mit Wirkung vom 1. November 1816 durch Verordnung der Königlichen Regierung in Minden vom 18. Oktober 1816 in zwölf Kreise gegliedert, darunter der Kreis Bielefeld mit Sitz in Bielefeld. Der Kreis wurde gebildet aus dem Kanton Bielefeld, dem Kanton Brackwede, dem Kanton Schildesche einschließlich Theesen, Vilsendorf und Brake sowie dem Kanton Heepen ohne Elverdissen, das zum Kreis Herford kam.Amtsblatt der Regierung Minden 1816, S. 174 f. Der Kreis gliederte sich in eine Stadt und fünf weitere Verwaltungsbezirke, unter denen Brackwede, Heepen und Schildesche den Rang einer Bürgermeisterei hatten. Isselhorst wurde von der Bürgermeisterei Brackwede mitverwaltet und Dornberg von der Bürgermeisterei Schildesche.
Unterhalb dieser Ebene existierten Dörfer, Bauerschaften und Güter, die nicht durchgehend als Gemeinden im heutigen Sinne konstituiert waren: mini|hochkant|Lage des Kreises im Regierungsbezirk Minden 1816–1831 Verwaltungsbezirk Orte, Bauerschaften, Güter Bielefeld Stadt und Feldmark Bielefeld Brackwede (Bürgermeisterei) Brackwede, Brock, Quelle, Vorstadt Gadderbaum, Sandhagen, Senne I, Senne II, Ummeln Dornberg Babenhausen, Deppendorf (ab 1817), Großdornberg, Hoberge, Kirchdornberg, Niederdornberg, Gut Uerentrup Heepen (Bürgermeisterei) Altenhagen, Brönninghausen, Gräfinghagen, Heepen, Hillegossen, Lämershagen, Lippe, Lübrassen, Gut Lübrassen, Gut Eckendorf (teilweise), Milse, Gut Milse, Gut Niedermühlen (bis 1828), Oldentrup, Sieker, Stieghorst, Ubbedissen Isselhorst Ebbesloh, Hollen, Holtkamp, Isselhorst, Niehorst Jöllenbeck (Bürgermeisterei, ab 1832) Niederjöllenbeck, Oberjöllenbeck (ab 1832) Schildesche (Bürgermeisterei) Brake, Gellershagen, Weichbild (Dorf) Schildesche, Gut Brodhagen, Bauerschaft Schildesche, Stift Schildesche, Arrode Schildesche, Theesen, Vilsendorf Am 20. April 1817 wurde die Bauerschaft Deppendorf aus dem Kreis Halle in den Kreis Bielefeld umgegliedert. 1828 wurde das Gut Niedermühlen in die Feldmark der Stadt Bielefeld eingegliedert. Zum 1. Januar 1832 wurde die Bürgermeisterei Jöllenbeck mit den Ortschaften Niederjöllenbeck und Oberjöllenbeck vom Kreis Herford in den Kreis Bielefeld umgegliedert, ebenso ein 2 km² großes Gebiet von Elverdissen nach Brake.
Für die damalige Zeit ungewöhnlich folgte die Verwaltungsgliederung des Kreises Bielefeld nicht überall der kirchlichen Gliederung. Ubbedissen, Lämershagen, Gräfinghagen und Senne II waren ins evangelische Kirchspiel Oerlinghausen eingepfarrt, obwohl Oerlinghausen selbst seit jeher nicht zu Ravensberg, sondern zum Fürstentum Lippe gehörte. Diese Zuordnung änderte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Gründung eigener Kirchengemeinden in Ubbedissen und Senne II. Die Vorstadt Gadderbaum war trotz ihrer politischen Zugehörigkeit zu Brackwede nach Bielefeld eingepfarrt. Ansonsten entsprachen die politischen Verwaltungsbezirke im Wesentlichen dem Umfang der gleichnamigen Kirchspiele.
1841–1930 Mit der Einführung der Westfälischen Landgemeindeordnung von 1841 wurden die bisherigen Verwaltungsbezirke zu Ämtern. Unterhalb dieser Ebene wurden nun bis 1845 flächendeckend Gemeinden im Sinne der Landgemeindeordnung konstituiert. Unter anderem gingen die Bauerschaft Lübrassen in der Gemeinde Heepen und die Bauerschaft Lippe in der Gemeinde Ubbedissen auf. Aus Hoberge und dem Gut Uerentrup wurde die Gemeinde Hoberge-Uerentrup, aus Niederdornberg und Deppendorf die Gemeinde Niederdornberg-Deppendorf und aus Lämershagen und Gräfinghagen die Gemeinde Lämershagen-Gräfinghagen gebildet. Danach gliederte sich der Kreis Bielefeld in eine amtsfreie Stadt und sechs Ämter mit 34 amtsangehörigen Gemeinden: Amt Gemeinden (Stand 1845) amtsfrei Stadt Bielefeld Brackwede Brackwede, Gadderbaum-Sandhagen, Quelle, Senne I, Senne II, Ummeln Dornberg Babenhausen, Großdornberg, Hoberge-Uerentrup, Kirchdornberg, Niederdornberg-Deppendorf Heepen Altenhagen, Brönninghausen, Heepen, Hillegossen, Lämershagen-Gräfinghagen, Oldentrup, Sieker, Stieghorst, Ubbedissen Isselhorst Ebbesloh, Hollen, Holtkamp, Isselhorst, Niehorst Jöllenbeck Niederjöllenbeck, Oberjöllenbeck Schildesche Brake, Gellershagen, Milse, Bauerschaft Schildesche, Weichbild (Dorf) Schildesche, Theesen, Vilsendorf Das Amt Isselhorst wurde schon 1847 mit dem Amt Brackwede zum Amt Brackwede-Isselhorst zusammengeschlossen, das einige Jahre später nur noch Amt Brackwede hieß. Die Ämter Schildesche und Jöllenbeck wurden teilweise in Personalunion von einem Amtmann verwaltet. 1883 wurde Sandhagen-Gadderbaum aus dem Amt Brackwede ausgegliedert und bildete fortan das Amt Gadderbaum. Die Ortsbezeichnung Sandhagen geriet seitdem außer Gebrauch.
1878 wurde die Stadt Bielefeld als Stadtkreis aus dem Kreis ausgegliedert. Die Kreisverwaltung des in „Landkreis Bielefeld“ umbenannten Restkreises verblieb in Bielefeld. 1893 wurde Milse aus dem Amt Schildesche in das Amt Heepen umgegliedert.Amtsblatt der Regierung Minden 1893, S. 93 Etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts lautete der amtliche Name der Gemeinde Ubbedissen Ubbedissen-Lippe.Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen 1905, S. 12Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich 1940, S. 124Amtliches Gemeindeverzeichnis 1964, Zeile 114 Zum 1. April 1900 wurde der vorstädtisch geprägte Teil von Gadderbaum, ein Gebiet von 2,33 km², in die Stadt Bielefeld eingemeindet; ebenso zum 1. August 1907 ein 2,01 km² großes Gebietsstück von Quelle an der Ostseite des Bielefelder Passes.
1930–1969 mini|hochkant|Lage und Gebietsstand von Stadt- und Landkreis 1930–1947 mini|hochkant|Lage von Stadt- und Landkreis im Regierungsbezirk Detmold 1947–1968 Am 1. Oktober 1930 kam es zu einer umfangreichen kommunalen Neuordnung, deren Hauptzweck die Vergrößerung der Stadt Bielefeld war: 0,79 km² im Westen von Hoberge-Uerentrup mit dem Wohngebiet Wolskuhle wurden nach Bielefeld eingemeindet. Großdornberg gab das Wohngebiet Wellensiek mit 0,51 km² an Bielefeld ab. Der größte Teil von Gellershagen mit 3,62 km² wurde nach Bielefeld eingemeindet; die restlichen 1,74 km² fielen an Babenhausen. Theesen gab seinen Untertheesen genannten und 1,34 km² großen Südteil an Bielefeld ab. Das Dorf Schildesche mit 4,01 km² wurde vollständig nach Bielefeld eingemeindet. Der größte Teil der Bauerschaft Schildesche mit 4,07 km² wurde nach Bielefeld eingemeindet; 1,87 km² fielen an Vilsendorf und 0,98 km² an Brake. Heepen gab 3,20 km² große Gebietsteile an den Heeper Fichten und im Raum Baumheide an Bielefeld ab. Oldentrup gab 0,07 km² an Bielefeld ab. Sieker wurde mit 6,59 km² vollständig nach Bielefeld eingemeindet. Der größte Teil von Stieghorst mit 5,08 km² wurde nach Bielefeld eingemeindet; die restlichen 0,26 km² kamen zu Senne I.
Gellershagen, Bauerschaft und Dorf Schildesche, Sieker sowie Stieghorst waren damit keine selbständigen Gemeinden mehr. Aufgrund der Eingemeindung des größeren Teils des Amts Schildesche in die Stadt Bielefeld wurde das Amt aufgelöst; Brake kam zum Amt Heepen sowie Theesen und Vilsendorf zum Amt Jöllenbeck. Der Landkreis gliederte sich nun in 5 Ämter mit 29 Gemeinden: Amt Gemeinden (Stand 1. Oktober 1930) Brackwede Brackwede, Ebbesloh, Hollen, Holtkamp, Isselhorst, Niehorst, Quelle, Senne I, Senne II, Ummeln Dornberg Babenhausen, Großdornberg, Hoberge-Uerentrup, Kirchdornberg, Niederdornberg-Deppendorf Heepen Altenhagen, Brake, Brönninghausen, Heepen, Hillegossen, Lämershagen-Gräfinghagen, Milse, Oldentrup, Ubbedissen-Lippe Gadderbaum Gadderbaum Jöllenbeck Niederjöllenbeck, Oberjöllenbeck, Theesen, Vilsendorf
1934 verlor Gadderbaum seinen Status als Amt und wurde zu einer amtsfreien Gemeinde mit eigener Ortspolizeibehörde.
Mit der offiziellen Auflösung Preußens und damit auch der Provinz Westfalen durch den Alliierten Kontrollrat 1947 und der vorhergehenden Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 1946 wurde der Regierungsbezirk Minden und damit der Landkreis Bielefeld Teil des neuen Landes Nordrhein-Westfalen. Durch den Beitritt des Landes Lippe zum Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1947 (1948 formal vollzogen) wurde der Regierungsbezirk Minden 1947 um die lippischen Gebiete vergrößert. Dem nun nach dem neuen Verwaltungssitz als Regierungsbezirk Detmold bezeichneten Bezirk (kurzzeitig und anfänglich als „Regierungsbezirk Minden-Lippe“ bezeichnet) gehörte der Kreis Bielefeld bis zu seiner Auflösung an.
Nieder- und Oberjöllenbeck wurden am 10. August 1952 zur Gemeinde Jöllenbeck zusammengeschlossen. Im September 1964 wurde der Name der Gemeinde Ubbedissen-Lippe durch einen Beschluss der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen wieder in Ubbedissen geändert.Ministerialblatt NRW 1964, S. 1581 Brackwede erhielt 1956 das Stadtrecht und wurde 1959 amtsfrei. Der Sitz des Amts Brackwede verblieb in Brackwede.