mini|hochkant=1.3|« DOCET OMNIA » („Es lehrt alles“) im Tympanon des Dreiecksgiebels des Haupteingangs des Collège de France (2004) Das Collège de France () ist eine öffentliche Universität in Paris. Es genießt als Grand établissement (wie etwa die Elite-Hochschulen École des hautes études en sciences sociales (EHESS) oder Sciences Po) ein herausragendes wissenschaftliches Prestige. Bis dato sind mit dem Collège de France 21 Nobelpreisträger und 8 Fields-Medaillengewinner verbunden. Jeder Professor ist verpflichtet, Vorlesungen zu halten, deren Teilnahme kostenlos und für jedermann zugänglich ist. Die etwa 50 Professoren werden von den Professoren selbst aus einer Vielzahl von Disziplinen sowohl in den Natur- als auch in den Geisteswissenschaften ausgewählt. Das Collège de France wurde im Jahr 1530 gegründet und steht unter dem Motto „Docet Omnia“ (Latein für „Es lehrt alles“). Aufgaben mini|Der Haupteingang des Collège de France an der Place Marcelin-Berthelot im 5. Arrondissement in Paris (2019) Das im 5. Arrondissement von Paris angesiedelte Collège de France ist einmalig in Frankreich und ohne Vergleich im westlichen Bereich (vergleichbare Ausnahmen sind allenfalls das Institute for Advanced Study in Princeton oder das All Souls College an der University of Oxford). Obwohl es mit seinen Professuren und Instituten universitären Charakter hat, kennt es keine eingeschriebenen Studierenden, kein durchstrukturiertes Lehrprogramm und keine Abschlusszeugnisse. Vielmehr dient es der freien natur- und geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung und deren publikumswirksamer Vermittlung in Form von Veröffentlichungen sowie von Vorlesungen, die kostenlos allen Interessierten zugänglich sind. Der offizielle Auftrag des Collège ist es, „das Wissen in seiner Entstehung zu lehren“ (enseigner le savoir en train de se faire).

Seit einigen Jahren gibt es eine Außenstelle des Collège, die mit der Universität Paul Cézanne Aix-Marseille III verbunden ist und je ein Institut zur Erforschung von Klimaveränderungen und von Erdbeben umfasst.

Die 54 Professuren des Collège decken ein breites Fächerspektrum ab, das in fünf Gruppen aufgeteilt ist: Mathematik, Physik, sonstige Naturwissenschaften einschließlich Medizin, Philosophie/Soziologie/Wirtschafts- und Rechtswissenschaft sowie Geschichte/Sprach- und Literaturwissenschaft/Archäologie. Die Lehrstuhlinhaber sind in der Regel Franzosen, doch ist das Collège darauf bedacht, immer auch einen gewissen Prozentsatz Ausländer zu berufen. Zwei der Professuren werden jeweils für ein Jahr mit ausländischen Gastprofessoren besetzt. Hinzu kommen kürzere Vortragsserien eingeladener Forscher aus dem In- und Ausland.

Wird eine Professur vakant, berät und befindet die Versammlung der Professoren darüber, welcher Disziplin und Forschungsrichtung sie in Zukunft gewidmet sein und welche Person auf sie berufen werden soll. Rufe erhalten nur Persönlichkeiten, die als führende Kapazitäten ihres Faches anerkannt sind. Ein Lehrstuhl am Collège de France gilt in Frankreich unbestritten als Krönung einer Gelehrtenkarriere. Eine bestimmte formale Qualifikation als Einstellungsvoraussetzung wird nicht verlangt.

Geschichte mini|Der Innenhof des Collège de France mit einer Statue des Humanisten Guillaume Budé, auf dessen Anregung hin König Franz I. die Institution im Jahr 1530 gründete Der Ursprung des Collège de France geht auf das Jahr 1530 zurück, als König Franz I. einem Vorschlag seines Bibliothekars, des bedeutenden Humanisten Guillaume Budé, folgte und „königliche Vorleser“ (lecteurs royaux) ernannte. Diese sollten finanziell gesichert und unabhängig in Fächern tätig sein und lehren, die dem jungen Humanismus verpflichtet waren, aber von der Pariser Universität, die von den orthodoxen Theologen der Sorbonne beherrscht wurde, geächtet wurden. Diese Fächer waren zunächst Hebräisch und Altgriechisch, dessen Studium die Sorbonne kurz zuvor (1529) verboten hatte, sowie klassisches Latein. Wenig später kamen Recht, Mathematik sowie Medizin hinzu.

Der Name des neuen Gelehrtenkollegiums war Collège Royal oder auch Collège des trois langues (bzw. lateinisch Collegium Trilingue, in Anlehnung an eine ältere Einrichtung im Umkreis der Universität Löwen). Es war die erste Institution des höheren Bildungswesens in Frankreich, die bewusst an den Universitäten vorbei gegründet wurde, da diese als von gestrigen Theologen und Juristen beherrscht und verkrustet erschienen. Nach der Revolution wurde das Collège umbenannt in Collège national, um im 19. Jahrhundert je nach Regime mehrfach den Namen zu wechseln: Collège impérial, royal, national, impérial und schließlich mit der Etablierung der III. Republik im Jahr 1870 Collège de France.

2019 wurde mit Thomas Römer erstmals ein Deutscher zum Leiter des Collège de France gewählt.

Seine lateinische Devise lautet seit der Gründung: docet omnia, deutsch „(es) lehrt alles“.

Lehrende des Collège mini|hochkant|Münze des Collège de France von 1845, Vorderseite: Adam Mickiewicz, Jules Michelet, Edgar Quinet mini|hochkant|Münze des Collège de France von 1845, Rückseite: Aufschrift: Ut omnes unum sint.(Am Rand: Borrel fecit 1845)

Weitere Dozenten des Collège de France finden sich unter :Kategorie:Hochschullehrer (Collège de France).

Gegenwärtiges Kollegium +NameNationalitätStartjahrProfessur (Deutsch)Professur (Französisch)Nalini Anantharaman2022SpektralgeometrieGéométrie spectraleTimothy Gowers2020KombinatorikCombinatoireXavier Leroy2018InformatikSciences du logicielPierre-Louis Lions2002Partielle Differentialgleichungen und AnwendungenÉquations aux dérivées partielles et applicationsStéphane Mallat2017DatenwissenschaftSciences des donnéesJean Dalibard2012Atome und StrahlungAtomes et rayonnementLouis Fensterbank2023Aktivierungen in der ChemieActivations en chimie moléculaireMarc Fontecave2008Chemie biologischer ProzesseChimie des processus biologiquesAntoine Georges2009Physik kondensierter MateriePhysique de la matière condenséeMarc Henneaux2019Felder, Strings und SchwerkraftChamps, cordes et gravitéJean-François Joanny2018Weiche Materie und BiophysikMatière molle et biophysiqueJean-Marie Tarascon2013Festkörperchemie und EnergieChimie du solide et énergieEdouard Bard2001Entwicklung des Klimas und der OzeaneÉvolution du climat et de l'océanFrançoise Combes2014Galaxien und KosmologieGalaxies et cosmologieAlessandro Morbidelli2023Planetenbildung: von der Erde zu ExoplanetenFormation planétaire : de la Terre aux exoplanètesHugues de Thé2014Zelluläre und molekulare OnkologieOncologie cellulaire et moléculaireStanislas Dehaene2005Experimentelle kognitive PsychologiePsychologie cognitive expérimentaleDenis Duboule/ 2022Entwicklungsbiologie und GenomentwicklungÉvolution du développement et des génomesSonia Garel2020Neurobiologie und ImmunitätNeurobiologie et immunitéEdith Heard2012Epigenetik und ZellgedächtnisÉpigénétique et mémoire cellulaireJean-Jacques Hublin2021PaläoanthropologiePaléoanthropologieThomas Lecuit2016Dynamiken des LebendigenDynamiques du vivantLluis Quintana-Murci/ 2019Humangenetik und EvolutionGénomique humaine et évolutionPatrick Boucheron2015Geschichte der Macht in Westeuropa, 13.–16. JahrhundertHistoire des pouvoirs en Europe occidentale, XIIIe-XVIe siècleJean-Pierre Brun2011Technik und Wirtschaft im antiken MittelmeerraumTechniques et économies de la Méditerranée antiqueDominique Charpin2014Mesopotamische ZivilisationCivilisation mésopotamienneAnne Cheng2008Chinas GeistesgeschichteHistoire intellectuelle de la ChineLaurent Coulon2023Zivilisation des pharaonischen ÄgyptensCivilisation de l'Égypte pharaoniqueFrançois Déroche2014Geschichte des Korans: Text und ÜberlieferungHistoire du Coran. Texte et transmissionFrançois-Xavier Fauvelle2019Geschichte und Archäologie der afrikanischen LänderHistoire et archéologie des mondes africainsJean-Luc Fournet2015Schriftkultur der Spätantike und byzantinische PapyrologieCulture écrite de l'Antiquité tardive et papyrologie byzantineFrantz Grenet2013Geschichte und Kulturen des vorislamischen ZentralasiensHistoire et cultures de l'Asie centrale préislamiqueHenry Laurens2003Neuere Geschichte der arabischen WeltHistoire contemporaine du monde arabeAntoine Lilti2022Geschichte der Aufklärung, 18.–21. JahrhundertHistoire des Lumières, XVIIIe-XXIe siècleDario Mantovani2018Recht, Kultur und Gesellschaft des antiken RomsDroit, culture et société de la Rome antiqueVinciane Pirenne-Delforge2017Religion, Geschichte und Gesellschaft in der antiken griechischen WeltReligion, histoire et société dans le monde grec antiqueThomas Römer/ 2008Biblische UmweltMilieux bibliquesWilliam Marx2019Vergleichende LiteraturwissenschaftLittératures comparéesFrançois Recanati2019Philosophie der Sprache und des GeistesPhilosophie du langage et de l'espritLuigi Rizzi2020Allgemeine SprachwissenschaftLinguistique généraleClaudine Tiercelin2010Metaphysik und ErkenntnistheorieMétaphysique et philosophie de la connaissancePhilippe Aghion2015Institutionen-, Innovations- und WachstumsökonomieÉconomie des institutions, de l'innovation et de la croissanceSamantha Besson/ 2019VölkerrechtDroit international des institutionsEsther Duflo2022Armut und staatliche PolitikPauvreté et politiques publiquesDidier Fassin2022Moralische Fragen und politische Herausforderungen in zeitgenössischen GesellschaftenQuestions morales et enjeux politiques dans les sociétés contemporainesFrançois Héran2017Migration und GesellschaftMigrations et sociétésPierre-Michel Menger2013Soziologie kreativer ArbeitSociologie du travail créateur Stand: September 2024

Literatur André Tuilier: Histoire du Collège de France. Band I. Fayard, Paris 2006.

Weblinks

Internetauftritt des Collège de France (englisch, französisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Grand établissement Kategorie:Universität in Paris Kategorie:Monument historique im 5. Arrondissement (Paris) Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1530 Paris Kategorie:Monument historique seit 1926 France