Die Tiwag, Eigenbezeichnung TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG ist eine Stromerzeugungs- und Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Innsbruck und das größte Energieversorgungsunternehmen in Tirol. Die Tiwag ist zu 100 Prozent im Besitz des Landes Tirol. Im Jahr 2005 erzielte der Konzern erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro.

Das Unternehmen produziert den Strom überwiegend durch Wasserkraft in neun großen und mittleren Kraftwerken (über 10 MW Ausbauleistung) sowie zahlreichen Kleinwasserkraftwerken. Neben 7 großen und 26 kleinen Laufkraftwerken, drei Speicherkraftwerken (Unterstufe Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz, KW Achensee und KW Kaunertal) verfügt die Tiwag mit dem Kraftwerk Kühtai (Oberstufe Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz) auch über ein Pumpspeicherkraftwerk, das zur Erbringung von Systemdienstleistungen für Übertragungsnetze verwendet wird. Im Jahr 2023 wurden 3.499 GWh Strom erzeugt und 12.412 GWh abgesetzt. Geschichte mini|Aktie über 100 RM derTiroler Wasserkraftwerke AG vom August 1939

Gründung Nachdem die Stadt Innsbruck 1919 den Achensee vom Stift Fiecht gekauft hatte, gründete sie unter der Führung von Bürgermeister Anton Eder zusammen mit einem Bankenkonsortium und dem Land Tirol 1924 die Tiroler Wasserkraftwerke AG. Innsbruck hielt knapp die Hälfte der Tiwag-Aktien und zusammen mit dem Land eine Mehrheit.Angerer: Bürgermeister Dr. Anton Eder †. In: Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck, Nr. 10, Oktober 1952, S. 1–2 (Digitalisat). Neben der Stromversorgung verwaltete die Tiwag diverse Vermögenswerte, die von der Stadtgemeinde Innsbruck eingebracht wurden. Dazu gehörten der 734,8 Hektar umfassende Grundbesitz, der Achensee samt Nutzungsrechten, sämtliche Pläne und Studien zum energiewirtschaftlichen Ausbau sowie die wasserrechtliche Baubewilligung aus dem Jahr 1923. Darüber hinaus gingen mehrere Immobilien in das Eigentum der Tiwag über, darunter die Hotels „Fürstenhaus“ und „Seehof“, jeweils inklusive Nebengebäuden, Schiffshäusern und Badehütten. Ebenso erwarb die Tiwag das Fischereirecht, die Schifffahrtsberechtigung mit allen Werft- und Landungseinrichtungen sowie eine Flotte aus Motor- und Dampfschiffen. Die Tiwag übernahm auch die Aktien der Stadtgemeinde Innsbruck an der Achenseebahn.

Das erste Kraftwerk war das Achenseekraftwerk, das 1927 mit einer Leistung von 40 MW in Betrieb genommen wurde und damals das größte Speicherkraftwerk Österreichs war. In mehreren Ausbaustufen (1928 bis 1951) wurde durch die Überleitung von Wasser aus mehreren Bächen – wie der Dürrach, dem Ampelsbach und der Seeache – in den Achensee die für die Stromerzeugung nutzbare Wassermenge praktisch verdoppelt. Das ermöglichte die Installation von drei zusätzlichen Turbinen und Generatoren, wodurch die Gesamtleistung auf insgesamt 79 MW stieg.

Erste Verträge für die Stromversorgung ab 1927 nach der Fertigstellung des Achenseekraftwerks wurden bereits 1925 mit der ÖBB und den Stadtgemeinden Hall und Schwaz abgeschlossen. Einer der ersten Großkunden war auch die Bayernwerke AG. In den folgenden Jahren weitete die Tiwag ihren Abnehmerkreis durch den Kauf kleinerer Elektrizitätswerke aus und baute zudem ihr Leitungsnetz weiter aus.

Im Jahr 1934 kam es zur Fusion mit der Zillertaler Kraftwerk AG.

Zweiter Weltkrieg Ab 1938 wurde die Tiwag schrittweise unter deutsche Kontrolle gestellt. Bereits seit den späten 1920er Jahren war Tirols Stromnetz mit Bayern verbunden, nach 1938 geriet Tiwag jedoch unter den direkten Einfluss der nationalsozialistischen Wirtschaftsplanung. Der deutsche Konzern VIAG begann Verhandlungen mit den Hauptaktionären – dem Land Tirol, der Stadt Innsbruck und der Creditanstalt – um die Mehrheit an Tiwag zu übernehmen. Während Land und Creditanstalt ihre Anteile abtraten, verlangte Innsbrucks damaliger Bürgermeister Egon Denz vorteilhafte Bedingungen. Nach monatelangen Verhandlungen verkaufte Innsbruck am 6. August 1938 seine Aktien mit einem 50-prozentigen Aufschlag an VIAG, wodurch Innsbruck 6,5 Millionen Reichsmark erhielt. Die VIAG übertrug die Anteile Anfang 1939 an die Alpen-Elektrowerke-AG (AEW), die bis 1941 98,3 % der Tiwag-Aktien hielt. Gleichzeitig wurden kleinere Elektrizitätswerke in Tirol in die deutsche Stromwirtschaft integriert. Die Führungsebene von Tiwag wurde nach nationalsozialistischen Vorgaben umstrukturiert. 1943 wurde die Firmenzentrale in Innsbruck durch Bomben zerstört und ins Hotel „Fürstenhof“ am Achensee in Pertisau verlegt. Nach Kriegsende kehrte das Unternehmen nach Innsbruck zurück.

Gleichzeitig wurde der Ausbau der Wasserkraft vorangetrieben, darunter Anlagen in Zillertal und Gerlostal. Die Westtiroler Wasserkraftwerke AG (WTK) wurde 1940 mit Beteiligung von RWE, AEW und dem Reichsgau Tirol-Vorarlberg gegründet, um insbesondere die Wasserkraft im Ötztal auszubauen. Aufgrund technischer und kriegsbedingter Schwierigkeiten kam es jedoch nur zu wenigen Fertigstellungen. 1941 ging das Innkraftwerk Kirchbichl in Betrieb,75 Jahre Kraftwerk Kirchbichl. In: Tiroler Tageszeitung. 18. Dezember 2016. während viele andere Bauvorhaben, wie das Kraftwerk Haiming, unvollendet blieben. Parallel wurde das Leitungsnetz erweitert, um Tirol besser an das deutsche Stromnetz anzubinden. Eine 1938 errichtete Leitung versorgte die rüstungswichtige Aluminiumindustrie in Töging, eine weitere Verbindung nach Kaprun wurde erst nach Kriegsende 1946 fertiggestellt. Bis 1948 wurde das Gerloskraftwerk im Zillertal mit Unterstützung der AEW vollendet, wodurch Tirol an das österreichische Verbundnetz angeschlossen wurde.

Durch die Wiedereingliederung Osttirols in das Land Tirol übernahm die Tiwag zum 1. Jänner 1948 zudem die Versorgung des Bezirks Lienz.Die Tiwag – seit 60 Jahren verlässlicher Partner Osttirols. In: Kleine Zeitung. 21. September 2008, S. 45.

Verstaatlichung und Expansion Die Elektrifizierung ländlicher Gebiete, insbesondere von Streusiedlungen, war mit hohen Kosten verbunden, weshalb Landesgesellschaften argumentierten, dass eine Übernahme der Gemeindewerke notwendig sei, um diese Kosten durch Erträge aus städtischen Elektrizitätswerken auszugleichen. Dies führte dazu, dass die Tiwag durch das Verstaatlichungsgesetz 1953 zur Landesgesellschaft Tirols wurde. Nach der Übernahme in Landesbesitz begann die Tiwag, die Strominfrastruktur auszubauen, neue Kraftwerke zu errichten und ihre Netze zu modernisieren, um die Stromversorgung zu stabilisieren.

Neue Kraftwerke entstanden in Imst und am Kalserbach in Osttirol. In den 1950er-Jahren stieg die Anzahl der Direktabnehmer sowie die bezogenen Strommengen durch Gemeinden. Grund für den Anstieg war unter anderem der Kohlemangel in den Nachkriegsjahren, wodurch die Nutzung von Elektroheizungen anstieg. Zur selben Zeit baute die Tiwag die Landwirtschaft als Absatzmarkt weiter aus, da aufgrund mangelnder Arbeitskräfte die Nachfrage nach elektrisch betriebenen Maschinen stieg.

Zwischen 1961 und 1965 errichtete die Tiwag das Kraftwerk Kaunertal mit einer Maximalleistung von 392 MW und dem dazugehörigen Speicher Gepatsch. Bis zum Bau der Maltakraftwerke im Jahr 1979 war es das größte Kraftwerk in Österreich.H. Lauffer: Das Kaunertalkraftwerk. In: Österreichische Wasserwirtschaft. Heft 20, 1968, S. 129.

Ausbau der Wasserkraft In den 1970er-Jahren begann die Planung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz. Der Bau erfolgte von 1977 bis 1981 und umfasst ein Oberstufenkraftwerk (KW Kühtai) mit einer Leistung von 289 MW, die Unterstufe (KW Silz) mit einer Maximalleistung von 500 MW sowie dem Speicher Längental (3 Mio. m³ Fassungsvermögen) und dem höhergelegenen Jahresspeicher Finstertal (60 Mio. m³). Das Wasser für die Stromerzeugung stammt aus einem Einzugsgebiet von 139 km² mit 13 Bächen. Der 149 m hohe Steinschüttdamm des Finstertaler Stausees wurde zur dritthöchsten Talsperre Österreichs. Ebenso wurde zwischen 1984 und 1988 in Osttirol das Kraftwerk Amlach errichtet, das als Laufkraftwerk mit einem kleinen, naturnahen Speichersee (Speicher Tassenbach) konzipiert wurde und über eine Gesamtleistung von 60 MW verfügt.

In den 1980er-Jahren baute die Tiwag neben großen Wasserkraftwerken auch verstärkt den Bereich Kleinwasserkraft aus. Zuvor hatte das Unternehmen lediglich bestehende Kleinkraftwerke übernommen, darunter das Kraftwerk Alpbach (1947) und das unwirtschaftliche Kraftwerk Oberndorf (1909). 1980 errichtete Tiwag ihr kleinstes Kraftwerk in Grins. In den folgenden Jahren wurden fünf weitere Kleinkraftwerke in Nord- und Osttirol gebaut, darunter das Kraftwerk Urgbach (1986) und das „Zwillingskraftwerk“ Leiersbach (1988).

Ab den 1970er-Jahren wurde der Einfluss der Großwasserkraftwerke auf die Umwelt zunehmend kritisch hinterfragt. Die Debatte über den Umweltschutz im Kraftwerksbau intensivierte sich in Österreich besonders in den 1980er-Jahren, etwa durch die Proteste gegen das Donaukraftwerk Hainburg 1984.Ein Donaukraftwerk für den Stand-by-Betrieb. In: Der Standard. 4. Dezember 2004. In den 1990er-Jahren führte Tiwag eine Bürgerbeteiligung beim Kraftwerksprojekt Sidanbach durch und das Kraftwerk wurde nach einer Volksbefragung 1994 umgesetzt.

Am 25. Juni 1999 wurde das Kraftwerk Langkampfen in Betrieb genommen, ein Laufkraftwerk, das das Wasser des Inn zur Stromerzeugung nutztTiwag eröffnet neues Kraftwerk. In: Wirtschaftsblatt. 26. Juni 1999. und eine Maschinenleistung von 32 MW aufweist.

Ausbau seit 2000 2004 legte die Tiwag dem Land Tirol Pläne für die mögliche Errichtung von Wasserkraftwerken vor. Nach weiteren Überarbeitungen legte die Tiwag 2006 Pläne für den Aus- und Neubau von vier Kraftwerken vor, welcher von der Landesregierung angenommen wurde. Die Umsetzungen verzögerten sich jedoch aufgrund von Einsprüchen von Umweltschutzverbänden (siehe Abschnitte Projekte und Kritik).

Ab dem Jahr 2000 errichtete Tiwag zudem mehrere Kleinkraftwerke, darunter das ARA Seefeld, ein Abwasserkraftwerk, das erstmals in Österreich das 625 Meter hohe Gefälle zwischen Seefeld und dem Inntal zur Stromgewinnung nutzte. Mit einer jährlichen Produktion von 5,5 GWh Ökostrom ging es Ende 2003 in Betrieb. 2002 begann der Bau des Kraftwerks Navisbach im Wipptal, das mit einer Bruttofallhöhe von 265 m jährlich 16,1 GWh Strom erzeugt. Es wurde 2004 fertiggestellt. 2005 startete der Bau der Osttiroler Kleinkraftwerke Schwarzach und Dorferbach mit einer Leistung von 9,9 MW. Sie gingen 2007 bzw. 2006 in Betrieb. 2012 plante Tiwag eine Erweiterung des Kraftwerks Schwarzach mit einem zweiten Maschinensatz. Nach langen Verhandlungen begannen 2021 die Bauarbeiten, die 2023 abgeschlossen wurden, die Engpassleistung auf knapp 17 MW erhöhten und ökologische Ausgleichsmaßnahmen umfassten. Unternehmensprofil Die Tiwag-Tiroler Wasserkraft AG ist eine Kapitalgesellschaft mit Sitz in Innsbruck und Muttergesellschaft des Tiwag-Konzerns. Sie befindet sich zu 100 % im Eigentum des Landes Tirol.

Der Konzern deckt die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich Strom ab, darunter Kraftwerksbau, Stromerzeugung, Handel und reguliertes Netzgeschäft bis hin zum Endkundenmarkt. Im Jahr 2023 belief sich der Stromabsatz an Tarifkunden im Kernmarkt Tirol auf 3941 GWh. Im selben Jahr erwirtschaftete die Tiwag einen Umsatz von 2,29 Milliarden Euro und beschäftigte 1413 Mitarbeiter, davon 1196 Angestellte, 171 Arbeiter und 46 Lehrlinge. Geleitet wird die Tiwag durch die zwei Vorstandsmitglieder Michael Kraxner und Alexander Speckle.

Außerdem veröffentlicht die Tiwag im Zwei-Jahres-Rhythmus einen Nachhaltigkeitsbericht, der die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit laufender und abgeschlossener Tiwag-Projekte und -Maßnahmen erläutert.

Leistungen und Geschäftsbereiche Das Hauptgeschäft der Tiwag ist die operative Erzeugung von Strom, der Stromhandel sowie der Stromvertrieb. Unter die Erzeugung von Strom fällt auch der Kraftwerksbau. Diese Tätigkeiten sind in die Geschäftsfelder Strom unreguliert, Strom reguliert sowie Wärme und Gas gegliedert.