mini|Wahlkampfveranstaltung von António da Conceição in Gleno. Die Zuschauer schwenken Flaggen der Parteien PD, PLP und KHUNTO

Die Präsidentschaftswahlen in Osttimor 2017 bestimmten regulär das Staatsoberhaupt des südostasiatischen Landes. Sie fanden am 20. März 2017 statt. Eine Stichwahl, die für den 20. April 2017 geplant gewesen wäre, wurde nicht nötig, weil sich der Kandidat der FRETILIN Francisco Lú-Olo Guterres bereits im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit der Stimmen durchsetzte. Der neue Präsident Osttimors wurde am 20. Mai 2017 in das Amt eingeführt.Sapo Notícias: , abgerufen am 16. Januar 2017.

Allgemein Insgesamt wurden 743.150 Wähler in Osttimor registriert,STAE: Vorläufige Ergebnisse, abgerufen am 22. März 2017. ein Fünftel davon in der Landeshauptstadt Dili. Unter den registrierten Wählern waren auch 1.332 Osttimoresen aus Übersee,Sapo Notícias: , abgerufen am 19. Dezember 2016.The diplomat: The Importance of Timor-Leste's 2017 Elections, 4. März 2017, abgerufen am 4. März 2017. die erstmals an den Wahlen teilnehmen konnten. Die Registrierung führte für sie aber zu Problemen. Die Osttimoresen in Europa mussten sich in der Botschaft in Lissabon persönlich registrieren lassen, was für die zahlreichen Osttimoresen aus Irland und dem Vereinigten Königreich eine weite Anreise bedeutet hat. In Australien, wo 9.226 Osttimoresen leben, konnten die Wähler nur in den osttimoresischen Generalkonsulaten in Sydney und Darwin ihre Stimme abgeben, obwohl es auch in Melbourne eine große osttimoresische Gemeinde gibt. Es gab weder die Möglichkeit einer früheren Stimmenabgabe, noch eine Briefwahl. Nur 889 Wähler haben sich in Australien registrieren lassen. In Lissabon registrierte man Wähler.SBS: First time Timor-Leste citizens can vote for their president from Australia, 9. März 2017, abgerufen am 10. März 2017.Damien Kingsbury und Michael Maley: Australia Timor-Leste Election Observer Mission 2017 Official Statement, 23. März 2017, Deakin University, abgerufen am 23. März 2017. 51 % aller Wahlberechtigten sind, laut Zahlen von 2016, zwischen 17 und 35 Jahre alt. Zwischen 36 und 59 Jahren sind 33 %. 16 % der Wähler sind 60 Jahre oder älter. 1.370 Wahlberechtigte sind Stand Dezember 2016 16 Jahre alt.Sapo Notícias: , abgerufen am 16. Dezember 2016.

Es waren die ersten Präsidentschaftswahlen, die Osttimor ohne Unterstützung der Vereinten Nationen organisierte. Problematisch war zum Beispiel der Transport von Wahlurnen aus unzugänglichen Regionen des Landes, ohne die UN-Hubschrauber.Sydney Morning Herald: Long queues as East Timorese choose to have a say in future of Asia's newest democracy, abgerufen am 20. März 2017. Für die Wahlen wurden 944 Wahllokale an 696 Standorten eingerichtet, wofür 693 Wachleute und 9410 Wahlhelfer eingesetzt wurden. Landesweit waren zusätzlich etwa 120 Mitarbeiter des Secretariado Técnico de Administração Eleitoral (STAE) tätig. STAE-Mitarbeiter waren an weißen Mützen mit dem STAE-Logo zu erkennen. Mitarbeiter der Comissão Nacional de Eleições (CNE) trugen besondere T-Shirts.

Mehr Einfluss als die traditionellen Medien hatten Facebook und andere Netzwerke, die bei der jungen Generation sehr beliebt sind.

Regularien Die Regierung änderte 2016 einige Bestimmungen im Wahlgesetz. Das Wahlalter wurde auf mindestens 16 Jahre gesenkt. Erstmals nahmen damit Wähler teil, die während der indonesischen Besatzung (1975–1999) noch nicht gelebt haben.

Die Kandidaten mussten bis zum 5. Februar 2017 dem Tribunal de Recurso de Timor-Leste gemeldet werden. Am 16. Februar wurden sie dann vom Gericht bestätigt und zwischen dem 19. und 21. Februar offiziell vom STAE bekanntgegeben. Voraussetzung für die Teilnahme an den Wahlen waren die Unterschriften von 5.000 Unterstützern, wobei aus jeder der 13 Gemeinden mindestens 100 Unterschriften kommen mussten.SAPO: Not´cias: , abgerufen am 6. Februar 2017.The Dili Weekly: Eight candidates to contest presidential election, 27. Februar 2017, abgerufen am 2. März 2017.

Das offizielle Endergebnis soll zwischen dem 23. und 25. März verkündet werden. Einsprüche können bis zum 2. April eingereicht werden. Internationale Wahlbeobachter kamen von der Europäischen Union und der Australia Timor-Leste Election Observer Mission (ATLEOM). Dazu kamen ein paar Vertreter der ansässigen Botschaften anderer Staaten und nationale Wahlbeobachter.

Kandidaten mini|links|Logo von José Neves

+ Kandidaten Nr. Bild Name 1 Antonio Maher Lopes 2 100px|Francisco Lú-Olo Guterres(FRETILIN) Francisco Lú-Olo Guterres 3 Amorim Vieira 4 100px José Neves 5 100px José Luís Guterres 6 100px Angela Freitas 7 100px Luís Alves Tilman 8 100px António da ConceiçãoSapo Notícias: , abgerufen am 17. Februar 2017.

Der derzeitige Präsident Osttimors Taur Matan Ruak erklärte in einem Interview im Dezember 2016, dass er nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren werde. Am 3. März 2017 bestätigte er bisherige Vermutungen, dass er mit der neu gegründeten Partidu Libertasaun Popular (PLP) bei den im Juli stattfindenden Parlamentswahlen antreten will, um Premierminister zu werden.Timor Agora: Taur: “Hau nia Partidu Mak PLP, Prontu Kompete CNRT-Fretilin”, 5. März 2017, abgerufen am 5. März 2017.Matadalan online: , abgerufen am 11. Dezember 2015. Auch der Friedensnobelpreisträger, ehemalige Präsident und Premierminister José Ramos-Horta lehnte, trotz vielfacher Aufforderung, eine erneute Kandidatur ab.Observador: Ministro da Educação timorense é candidato às eleições presidenciais, 27. Januar 2017, abgerufen am 27. Januar 2017.

Bis zum Ende der Frist reichten acht Personen ihre Kandidatur ein.

Für die kleine Partido Socialista de Timor (PST) trat ihr stellvertretender Generalsekretär Antonio Maher Lopes (Kampfname: Fatuk Mutin) an. Die Kür zum Kandidaten erfolgte am 2. Oktober 2016 durch das Zentralkomitee der Partei.Timor Agora: Partido Socialista de Timor apoia António Maher Lopes / Fatuk Mutin às Eleições Presidenciais 2017, 2. Oktober 2016, abgerufen am 2. Oktober 2016.

Am 26. Oktober 2016 erklärte José Samala-Rua Neves seine Kandidatur als Unabhängiger. Bis Juli 2016 war er stellvertretender Kommissar der Comissão Anti-Corrupção (CAC).Suara Timor Lorosae: , abgerufen am 27. Oktober 2016.

Francisco Lú-Olo Guterres, der Vorsitzende der FRETILIN trat nach 2007 und 2012 zum dritten Mal als Kandidat seiner Partei an.Timor Agora: , abgerufen am 17. Dezember 2016. Xanana Gusmão, ehemaliger Premierminister und Staatspräsident, und Vorsitzender des Congresso Nacional da Reconstrução Timorense CNRT, sagte Lú-Olo seine Unterstützung zu. Damit standen die beiden größten Parteien des Landes hinter Lú-Olo.Crikey: Is East Timor run by a 'stable' govt or conspiratorial oligarchy?, 27. Januar 2017, abgerufen am 27. Januar 2017. Weitere Unterstützer waren die beiden Parteineugründungen Partido Esperança da Pátria PEP und Centro Acção Social Democrata Timorense CASDT.Timor Agora: Entrevista eskluzivu ho kandidatu PR Lu-Olo: Xanana apoia ha’u tanba kompriende konstituisaun, 8. März 2017, abgerufen am 5. Juni 2017.

Zum zweiten Mal nach 2012 trat José Luís Lugu Guterres, Vorsitzender der Frenti-Mudança (FM) und ehemaliger Außenminister an. Diesmal bewarb er sich als unabhängiger Kandidat.

Am 25. Januar reichte Amorim Vieira als Unabhängiger seine Kandidatur beim Tribunal de Recurso ein. Er lebte früher in Schottland und war dort in der Scottish National Party in East Kilbride aktiv.

Als sechster Kandidat erklärte António Kalohan da Conceição seine Kandidatur. Der damalige Staats- und Bildungsminister trat für die Partido Democrático (PD) an. Nach dem Bruch der Regierungskoalition hatte Conceição zunächst, wie alle anderen Minister der PD, seine Parteimitgliedschaft ruhen lassen, um die Stabilität der Regierung zu gewährleisten. Dann übernahm er aber die Führung der PD und wurde nun als ihr Kandidat nominiert. Unterstützung erhielt die PD von der kleineren Partei KHUNTO.Michael Leach: Timor-Leste’s 2017 elections: the presidential race commences, 3. März 2017, In: The Insider, abgerufen am 7. März 2017. Daneben unterstützte Conceição im Wahlkampf auch die PLP und Isabel da Costa Ferreira, der Gattin des Staatspräsidenten, die gemeinsam mit dem Kandidaten auftrat.Facebook-Auftritt von Isabel da Costa Ferreira: S.E. Primeira-Dama, hanesan mos Aktivista Direitos Humanos hanesan, 9. März 2017, abgerufen am 11. März 2017. Conceiçãos Wahlslogan war „Friedliche Politik“.Deutsche Welle: East Timor holds first presidential election since UN peacekeepers left, 20. März 2017, abgerufen am 20. März 2017.

Am 1. Februar kündigte Angela Freitas, die Parteivorsitzende der Partido Trabalhista (PT) an, dass sie zur Wahl antreten werde.Sapo: , abgerufen am 1. Februar 2017. 2012 war ihre Kandidatur bereits vor dem Wahlgang gescheitert, weil sie nicht die nötigen 5000 Unterschriften von Unterstützern vorlegen konnte.Independente: Court finds Freitas presented dual electoral cards with candidacy application, 26. Januar 2012Independente: Court refuses Angela Freitas’ Presidential candidacy, 15. Februar 2012Radio Timor-Leste: Court of Appeals should be responsible for its decision: Angela Freitas, 16. Februar 2012. 2007 hatte sie ihre Kandidatur zurückgezogen, mit der Begründung die „ärmliche und instabile Situation“ lasse keine korrekten Wahlen zu.Di'ak Ka Lae: .

Am 5. Februar reichte als letzter Luís Mau-Hunu Alves Tilman seine Kandidatur ein. Vor seiner Kandidatur war der Präsident der Industrie- und Handelskammer Osttimors in Ermera überregional kaum bekannt.

Lú-Olo hatte 13.000 Unterschriften von Unterstützern vorgelegt, Conceição 9.000 und José Luís Guterres 7.700. Bei sechs Kandidaten wurde vom STAE noch länger geprüft, ob sie die Bedingungen für die Unterstützungslisten erfüllt haben. Bei den eingereichten Unterschriften wurden mehrere Unregelmäßigkeiten festgestellt, wie doppelte Unterschriften, Personen, die mehrere Kandidaten unterstützen und minderjährige Unterzeichner. Das STAE informierte das Tribunal und dieses gab den Einreichenden zwei Tage Zeit für Nachbesserungen. Am 17. Februar wurde die Reihung der acht Kandidaten auf dem Wahlschein von Gerichtspräsident Guilhermino da Silva ausgelost und bekannt gegeben. Alle acht wurden zur Teilnahme zugelassen.

Am selben Tag kritisierte Antonio Maher Lopes das Tribunal, es würde unterschiedliche Maßstäbe anwenden. Bei ihm wurde abgelehnt seinen Kampfnamen Fatuk Mutin auf dem Wahlschein mitaufzunehmen. Bei dem FRETILIN-Kandidat Francisco Guterres soll der Kampfname Lú-Olo genannt werden.Sapo Notícias: , abgerufen am 17. Februar 2017.

Beobachter spekulierten, dass es zu Verschiebungen im Machtgefüge kommen werde. Die jüngere Generation habe weniger eine Bindung zu den alten Helden des Unabhängigkeitskampfes und habe mehr die Themen Bildung und Arbeitsplätze im Auge. Das sollte auf Kosten der FRETILIN und des CNRT gehen. Trotzdem galt Lú-Olo als Favorit, gewisse Chancen wurden nur António da Conceição zugestanden.

Die FRETILIN hatte bei der letzten Wahl ihre Hochburgen im Osten des Landes, während der CNRT bei den Parlamentswahlen 2012 im Westen Stimmen holte. Der inzwischen verstorbene Kandidat der Partido Democrático PD Fernando de Araújo gewann bei den Präsidentschaftswahlen 2012 im Westen.

Wahlkampf mini|Wahlkampfzentrale von António da Conceição in Bairro Pite

Der offizielle Wahlkampf lief vom 3. bis zum 17. März, drei Tage vor der Abstimmung.