Die Rheinmetall AG mit Sitz in Düsseldorf ist ein DAX-börsennotierter deutscher Rüstungskonzern mit Standorten in vielen Ländern.

Rheinmetall im Überblick Mit seinen Divisionen Vehicle Systems (Europe und International) ist Rheinmetall vor allem im Bereich der militärischen Rad- und Kettenfahrzeuge tätig. Die Division Weapon and Ammunition ist bei Waffensystemen und Munition aktiv. Zu den Produkten gehören Fahrzeuge wie der Kampfpanzer KF51 Panther, der Schützenpanzer KF41 Lynx, Waffensysteme wie die 120-mm-Glattrohrkanone des Leopard 2 und Kanonen für großkalibrige Munition wie Kaliber 155 mm zum Beispiel der Radhaubitze RCH 155. Zusammen mit KNDS Deutschland (bis März 2024 Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG) stellt Rheinmetall auch den Schützenpanzer Puma (im Gemeinschaftsunternehmen PSM Projekt System & Management GmbH) sowie den Radpanzer GTK Boxer (im Gemeinschaftsunternehmen Artec GmbH) her. Die Division Electronic Solutions produziert Lösungen im Bereich der Digitalisierung der Streitkräfte, der infanteristischen Ausrüstung, der Flugabwehr und der Simulation. Zuletzt konnte sich die Rheinmetall-Division Electronic Solutions großvolumige Aufträge zur Digitalisierung der Bundeswehr sichern, etwa zur Integration von IT- und Kommunikations-Systemen in die Fahrzeuge und Plattformen der Landstreitkräfte. Die Division Power Systems legt unter anderem einen Fokus auf Komponenten für das Luft- und Abgasmanagement bei Verbrennungsmotoren, hochentwickelte Gleitlager für Fahrzeuge, Aluminiumgussteile sowie auf Lösungen aus dem Bereich der E-Mobilität und der Wasserstofftechnologie. Im Jahr 2021 markierte das Aufgehen von Rheinmetall Automotive im Gesamtunternehmen eine Generalisierung als Technologiekonzern. Mit dem am 3. Juni 2026 bekanntgegebenen Verkauf fast aller zivilen Unternehmensteile an den Münchner Finanzinvestor Aequita stellt sich Rheinmetall inzwischen wieder als reines Rüstungsunternehmen auf.

Der Konzern befindet sich vollständig im Streubesitz; er wurde am 20. März 2023 in den DAX aufgenommen, nachdem er zuvor 1996 Gründungsmitglied im MDAX (Mid-Cap-DAX) und seitdem ohne Unterbrechung in diesem Aktienindex notiert war. Der Kurs der Rheinmetall-Aktie ist vom Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 bis Mai 2025 um das 16-fache gestiegen. Im Juni 2025 wurde er in den Euro Stoxx 50 aufgenommen.

Geschichte

Gründung & Frühphase mini|Frühes Geschütz der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik, bekannt als 7,5-cm-Gebirgskanone L/17 M.08 mini|Arbeiter beim Eindrehen des Zünders ins Geschoss eines von unter Karl Völler entwickelten Minenwerfers unter Verwendung von Präzisionswerkzeugen (Bildhauer Georg Busch)

Im April 1889 gründete der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein unter Generaldirektor Josef Massenez die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft, um für das Deutsche Kaiserreich Munition zu produzieren. Der thüringische Ingenieur Heinrich Ehrhardt (1840–1928) leitete den Bau des Rheinmetall-Werks in Düsseldorf und leitete dieses bis 1920. Neu entdeckte Quellen im Zentralarchiv von Rheinmetall sowie in anderen Archiven belegen, dass Heinrich Ehrhardt – anders als lange angenommen – nicht an der Gründung des Unternehmens beteiligt war.Äußerst engagierter Mitfinanzier der Gründung von Rheinmetall: Artikel und Interview über Lorenz Zuckermandel in: Das Profil – Die Zeitung des Rheinmetall Konzerns 4/2010, S. 14. Der Berliner Bankier Lorenz Zuckermandel (1847–1928) war der erste Aufsichtsratsvorsitzende. Heinrich Ehrhardt hatte bei Rheinmetall bis 1920 die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden inne. Außerdem stellte er dem Unternehmen viele seiner Patente und Erfindungen zur Verfügung und trug so maßgeblich zur technischen Entwicklung vieler Rheinmetall-Produkte bei. Das neu gegründete Werk in Düsseldorf-Derendorf an der Ulmenstraße begann im Dezember 1889 mit der Produktion.

Das Unternehmen expandierte in den Folgejahren schnell, teils durch staatliche Aufträge und teils weil man in den Jahren 1891 und 1892 Patente auf zwei Verfahren zur Herstellung nahtloser Rohre erhielt. Um den durch Erweiterung des Stammwerks erhöhten Stahlbedarf zu decken, wurde 1892 die Metallwerk Ehrhardt & Heye AG in Düsseldorf-Rath erworben und 1896 als Abteilung Rath in das Unternehmen eingegliedert. Rheinmetall stellte 1896 das weltweit erste felddiensttaugliche Schnellfeuergeschütz mit veränderlichem Rücklauf und kombinierter Rohrrücklauf- und -vorholvorrichtung vor. Es basierte auf Patenten des Ingenieurs Konrad Haußner. Die preußische Artillerieprüfungskommission lehnte es (in Verkennung oder in Unkenntnis der Möglichkeiten) ab. Nach der erfolgreichen Einführung von Rohrrücklaufgeschützen durch Frankreich (Canon de 75 mle 1897) änderte sich diese Einstellung und die Entwicklung wurde für das Unternehmen zu einem großen wirtschaftlichen Erfolg. Für die Erprobung von Waffen und Munition wurde 1899 ein Gelände in der Nähe von Unterlüß in der Lüneburger Heide gepachtet; dieser Standort existiert noch und umfasst eine Fläche von 50 Quadratkilometern. Auf Initiative von Heinrich Ehrhardt übernahm Rheinmetall 1901 die in Konkurs gegangene Munitions- und Waffenfabrik AG in Sömmerda und erweiterte so seine Produktpalette. Das als Dreyse’sche Gewehrfabrik gegründete Unternehmen produzierte Handfeuerwaffen, Patronen und Geschosszünder.

Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit mini|Rheinmetall-Verwaltungsgebäude in Düsseldorf-Derendorf, Architekt: Richard Bauer, 1914

In den Folgejahren wuchs Rheinmetall auch auf Grund von Bestellungen aus dem Ausland. 1906 wurde das Werk in Düsseldorf erweitert. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 war Rheinmetall einer der größten Rüstungshersteller im Deutschen Kaiserreich und beschäftigte fast 8000 Mitarbeiter. Technischer Direktor der Rheinischen Metallwaaren- und Maschinenfabrik, nach der Telegrammadresse kurz Rheinmetall genannt, war der Ingenieur Karl Völler (* 22. Februar 1877), der am 15. Mai 1916 bei Experimenten mit neuer Munition auf dem Versuchsgelände in Unterlüß in der Lüneburger Heide starb. Bis zum Ende des Krieges vergrößerte sich die Belegschaft auf knapp 48.000 Arbeiter und Angestellte, darunter etwa 9000 Frauen. Die bebauten Flächen im Stammwerk vervierfachten sich in dieser Zeit.

mini|Rheinmetall-Schreibmaschine, ca. 1920 Mit Ende des Krieges kam die Rüstungsproduktion zum Stillstand und Rheinmetall musste zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Die Bestimmungen des Versailler Vertrages machten eine Umstellung auf zivile Produkte notwendig. Rheinmetall produzierte daher im Rheinland Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Landmaschinen und Dampfpflüge. Im Werk in Sömmerda wurden feinmechanische Geräte wie Schreib- und Rechenmaschinen hergestellt. Um die Produktion ziviler Güter sicherzustellen, wurde die Stahlproduktion in Rath verstärkt. Ab 1921 erlaubten die Bestimmungen der Alliierten wieder die Produktion von Waffensystemen in geringer Stückzahl. Allerdings wurde das Werk in Düsseldorf-Derendorf 1921 (Alliierte Rheinlandbesetzung) sowie von 1923 bis 1925 von belgischen und französischen Truppen besetzt (Ruhrbesetzung) und teilweise verwüstet.Rainer Nolden: Düsseldorf-Derendorf. Sutton Verlag, Erfurt 2002, ISBN 978-3-89702-404-5, S. 52–55 (online). Mangels Aufträgen musste die zivile Produktion bis auf die Herstellung von Dampfpflügen eingestellt werden. Die Staatsholding VIAG des Deutschen Reichs kaufte 1925 bei einer Kapitalerhöhung eine Mehrheitsbeteiligung an Rheinmetall. Im April 1933 kaufte Rheinmetall den vor der Liquidation stehenden Lokomotivhersteller Borsig und kam damit in den Besitz eines großen Werkes in Berlin-Tegel. Dies führte 1936 zur Änderung der Firma in Rheinmetall-Borsig AG. Im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht entwickelte und produzierte das Unternehmen ab Mitte der 1930er Jahre im Auftrag des Reichskriegsministeriums verstärkt Waffen und Munition. Die Fertigungspalette reichte von Maschinengewehren und -kanonen über Panzerabwehrgeschütze, Minenwerfer und Feldkanonen bis hin zu Flugabwehrkanonen und Eisenbahngeschützen. Für Entwicklung und Bau von gepanzerten Kettenfahrzeugen wurde 1937 in Berlin das Tochterunternehmen Alkett (Altmärkische Kettenwerke) gegründet (siehe auch: Montan-Schema). Von 1937 an handelte es sich um den zweitgrößten deutschen Rüstungskonzern.Stefanie van de Kerkhof: Die westdeutsche Rüstungsindustrie zwischen Wiederaufbau, Boom und Krise. Das Fallbeispiel Rheinmetall in vergleichender Betrachtung. In: Der Steinkohlenbergbau in Boom und Krise nach 1945 Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbaumuseum Bochum. Band 241. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston, 2021. S. 194. 1938 verlegte das Unternehmen seinen Sitz von Düsseldorf nach Berlin. mini|Aktie über 1000 RM der Rheinischen Metallwaaren- und Maschinenfabrik vom Dezember 1928; umgestempelt auf Rheinmetall-Borsig AG

Zweiter Weltkrieg mini|Zerstörte Industriehalle in Düsseldorf-Derendorf Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Rüstungsproduktion maximal gesteigert und die Entwicklung neuer Waffensysteme gefordert. Der staatliche Einfluss durch Institutionen der Wehrmacht und die Eingliederung von Rheinmetall-Borsig in das Staatsunternehmen Reichswerke Hermann Göring nahm so weit zu, bis das Unternehmen vollständig unter staatliche Kontrolle geriet und in die planmäßige Kriegsvorbereitung integriert wurde. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden die Produktionsstätten durch alliierte Luftangriffe erheblich beschädigt oder zerstört. Nach einem schweren Luftangriff auf die Werke in Düsseldorf wurden zahlreiche Produktionsbereiche in Gebiete der späteren DDR wie Apolda und des heutigen Polens wie Guben und Breslau verlagert. Auch die Werke in Berlin und Sömmerda richteten Verlagerungsbetriebe ein, wobei das Sömmerdaer Werk dennoch bis zum Kriegsende von Luftangriffen verschont blieb. Während des Krieges wuchs die Zahl der Beschäftigten auf bis zu 85.000 an.Stefanie van de Kerkhof: Die westdeutsche Rüstungsindustrie zwischen Wiederaufbau, Boom und Krise. Das Fallbeispiel Rheinmetall in vergleichender Betrachtung. In: Der Steinkohlenbergbau in Boom und Krise nach 1945 Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbaumuseum Bochum. Band 241. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston, 2021. S. 194. Nach Ende des Krieges waren die Werkanlagen der Rheinmetall-Borsig zum größten Teil zerstört. Die Betriebe in Düsseldorf, West-Berlin und Unterlüß kamen unter die Kontrolle der westlichen Alliierten und unter Treuhänderschaft. Alle Besitzungen in den von der Roten Armee besetzten Gebieten wurden enteignet. Einige Werke wurden von den Siegermächten vollständig demontiert.

Die größten KZ-Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in Düsseldorf waren Berta I und Berta II und standen unter der Verwaltung der Rheinmetall-Borsig AG. Zahlreiche Zwangsarbeiter wurden gezwungen, in den Rheinmetall-Betrieben unter unmenschlichen Bedingungen in der Rüstungsindustrie zu arbeiten. Hunger, Krankheiten und Gewalt forderten zahlreiche Opfer, viele Häftlinge überlebten die schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht.

Im Werk Unterlüß allein wurden am Kriegsende etwa 5000 ausländische Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene (ca. 2500 Polen, 1000 aus der UdSSR, 500 Jugoslawen, 1000 aus anderen Ländern) von den britischen Truppen befreit. Zwischen 1944 und 1945 übernahm Rheinmetall-Borsig die Trägerschaft der Ausländerkinder-Pflegestätte in Unterlüß, die zugleich ein Entbindungsheim für Zwangsarbeiterinnen war, wie auch eine Tötungsstätte für deren Kinder. Zeitweilig waren in Unterlüß auch ungarische Jüdinnen aus einem Außenlager des KZ Bergen-Belsen eingesetzt.Barbara Kasper, Lothar Schuster: Fremde Arbeit – Zwangsarbeiter bei Rheinmetall-Borsig. Berlin 1983, Dokumentarfilm.

Zeit der deutschen Teilung