mini|Upnor Castle am River Medway Upnor Castle ist ein Artilleriefort im Dorf Upnor am Westufer des River Medway in der englischen Verwaltungsgrafschaft Borough of Medway. Das Fort liegt schräg gegenüber und etwas flussabwärts von Chatham Dockyard, einer einst wichtigen militärischen Einrichtung, die es zusammen mit den im River Medway vor Anker liegenden Schiffen der Royal Navy schützen sollte. Das Fort wurde auf Geheiß von Königin Elisabeth I. in den Jahren 1559–1567, einer Zeit der Spannungen zwischen England und Spanien sowie anderen europäischen Mächten, gebaut. Die Burg besteht aus einem zweistöckigen Hauptgebäude, das durch eine Kurtine und Türme geschützt wird. Eine dreieckige Geschützplattform ragt in den Fluss vor. Upnor Castle hatte eine Garnison von 80 Mann und war zu seinen besten Zeiten mit 20 Kanonen unterschiedlichen Kalibers ausgestattet.

Trotz ihrer strategischen Bedeutung wurden die Burg und die Verteidigungsanlagen an Themse und Medway River im 17. Jahrhundert stark vernachlässigt. Die holländische Republik führte im Juni 1667 einen unerwarteten Angriff von See her aus und die holländische Flotte konnte die Verteidigungslinien durchbrechen, zwei englische Kriegsschiffe erobern, weitere in Brand schießen und im Fluss bei Chatham ankern. Dies war eine der schlimmsten Niederlagen, die die Royal Navy je hinnehmen musste. Upnor Castle schlug sich dabei besser als die anderen Verteidigungseinrichtungen weiter oben am Fluss, obwohl es schlecht mit Vorräten ausgestattet war. Geschützfeuer vom Fort und den nahegelegenen Geschützplattformen zwang die holländische Flotte nach einigen Tagen zum Rückzug, bevor sie es schafften, die Werft selbst in Brand zu stecken.

Der Angriff zeigte die Schwäche der Verteidigungsanlagen am Medway River auf und führte zur Aufgabe von Upnor Castle als Artilleriefort. Neue und stärkere Forts wurden in den folgenden beiden Jahrhunderten weiter flussabwärts errichtet, z. B. die massiven Kasemattenforts Garrison Point Fort, Fort Hoo und Fort Darnet. Upnor Castle wurde zu einem Munitionsdepot der Navy, wo große Mengen Schießpulver, Munition und Kanonen zur Ausrüstung der Schiffe, die zur Reparatur oder zur Remunitionierung nach Chatham kamen, gelagert wurden. Bis 1945 blieb es in militärischer Nutzung. Anschließend wurde die Burg öffentlich zugänglich gemacht und wird heute von English Heritage verwaltet.

Geschichte Strategischer Kontext mini|Karte der Festungen an Themse und River Medway Der River Medway ist ein größerer Nebenfluss der Themse, der in ein Ästuar etwa 60 Kilometer östlich von London mündet. Sein Oberlauf von Rochester bis zur Mündung in die Themse bei Sheerness mäandriert etwa 16 Kilometer weit zwischen Sand- und Schlickbänken. Das Wasser fließt langsam ohne starke Strömungen und der Fluss ist frei von Felsen; die umgebenden Hügel bieten Schutz vor südwestlichen Winden. Die Charakteristiken machten den Flussabschnitt unterhalb der Brücke von Rochester zu einem bevorzugten Ankerplatz für große Schiffe, da sie dort sicher ankern und repariert werden konnten. Schwierigkeiten bei der Navigation im Fluss gewährten auch Vorteile bei der Verteidigung.

Während der Regierungszeit Heinrichs VIII. wurde der Oberlauf des River Medway nach und nach zum wichtigsten Ankerplatz für die Schiffe der Royal Navy, soweit sie nicht einsatzfähig („in ordiniary“) oder außer Dienst gestellt waren. Ihre Segel und ihre Takelage wurden in diesem Zustand abgenommen und man nahm die Gelegenheit war, sie zu reparieren oder neu auszustatten. Lagerhäuser und Serviceeinrichtungen wurden in Gillingham und Chatham, beides Städte am River Medway, errichtet. Daraus entstand später der Chatham Dockyard. Als Elisabeth I. 1588 auf den englischen Thron kam, nutzte der größte Teil der königlichen Flotte diesen Abschnitt des River Medway, Chatham and Gillingham Reaches genannt, als Ankerplatz.

Auch wenn die Themse seit der Zeit Heinrichs VIII., als dort fünf Blockhäuser als Teil der Device-Fort-Küstenverteidigungskette erbaut wurden, vor Angriffen von See her geschützt war, gab es am River Medway kein Äquivalent hierfür. Zwei mittelalterliche Burgen – Rochester Castle und Queenborough Castle – existierten auf dem Südufer des Flusses, aber beide waren dafür gedacht, Angriffe von Land her abzuwehren, und waren so für die Verteidigung gegen Kriegsschiffe kaum von Nutzen. So bestand ein dringender Bedarf an ordentlichen Verteidigungsanlagen für die verwundbaren Schiffe und Einrichtungen an den Ufern am Oberlauf des River Medway.

Bau Den Bau von Upnor Castle beauftragten 1559 Königin Elisabeth I. und ihr Staatsrat. Sechs „unparteiische Personen“ wählten ein Gelände gegenüber der Mündung des St Mary's Creek in Chatham, 2,4 Hektar Land, das Thomas Devinisshe aus Frindbury gehörte. Es wurde von der Krone erworben – möglicherweise enteignet – für die Summe von £ 25. Militäringenieur Sir Richard Lee erhielt die Aufgabe, die neue Festung zu entwerfen, aber es scheint, dass er damals vollauf mit Arbeiten an den Verteidigungsanlagen von Berwick-upon-Tweed beschäftigt war, und so wurde das Projekt von anderen Ingenieuren nach seinen Plänen durchgeführt. Sein Assistent Humphrey Locke übernahm die Rolle des Bauüberwachers, Vermessers und Bauschreinermeisters, während Richard Watts, der frühere Bürgermeister von Rochester und Einkäufer für die Royal Navy, das Projekt als Bauleiter betreute und sich um die Buchhaltung kümmerte.

Das ursprüngliche Erscheinungsbild der Burg unterschied sich deutlich von ihrem heutigen Aussehen. Die gepfeilte Wasserbastion zum Fluss hin und der Hauptblock dahinter waren auch damals bereits vorhanden. Es gab auch Türme auf beiden Seiten der flussseitigen Fassade, die aber später durch Türme anderer Bauart ersetzt wurden. Das Torhaus und der Burggraben sind spätere Zubauten. Eine Reihe ruinöser Gebäude auf Rochester Castle, in Aylesford und in Bopley wurden abgerissen, um Bausteine für die neue Burg zu erhalten. Die hauptsächlichen Bauarbeiten wurden bis 1564 abgeschlossen, aber es dauerte weitere drei Jahre und zusätzliche Investitionen waren nötig, um das Projekt abzuschließen. Insgesamt wurden £ 4349 verbaut.

Verbesserungen und Reparaturen Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wuchsen die Spannungen zwischen dem protestantischen England und dem katholischen Spanien, die schließlich zum unerklärten englisch-spanischen Krieg von 1585 bis 1604 führten. Spanien konnte den Süden Englands aus einer starken Position in ihren Besitzungen in den spanischen Niederlanden angreifen. Neue Befestigungen wurden entlang des River Medway errichtet, z. B. eine Kette, die unterhalb von Upnor Castle quer über den Fluss gespannt wurde. Die Burg selbst war nur spärlich bemannt, bis der Lord High Admiral Charles Howard, 1. Earl of Nottingham, dies aufzeigte und forderte, dass die Garnison verstärkt werde. 1596 wurde die Burg mit einer Garnison von 80 Mann belegt, die einen Tagessold von je 8 pc. (heute etwa £ 6) erhielten.

Fortwährende Ängste vor einem spanischen Überfall führten dazu, dass die Befestigungen der Burg in den Jahren 1599–1601 nach den Vorschlägen von Sir John Leveson verstärkt wurden. Eine gepfeilte Holzpalisade wurde vor der Wasserbastion errichtet, um jede Art beabsichtigter Landung dort zu verhindern. Um die Burg wurde auf der Landseite ein 5,5 Meter tiefer und 9,8 Meter breiter Graben angelegt. Flankierungstürme wurden zum Schutz der Bastion an der Stelle des heutigen Nord- und Südturmes erbaut. Die Bastion selbst wurde erhöht und eine hohe Brüstung an ihrer Oberkante angebracht. Ein Torhaus und eine Zugbrücke wurden zum Schutz der Landseite der Burg errichtet.

Ein Bericht von 1603 zeigte auf, dass Upnor Castle mit 20 Kanonen unterschiedlichen Kalibers ausgestattet war und zusätzlich 11 Kanonen auf zwei Schanzen oder Außenwerke, Bay Sconce und Warham Sconce, verteilt waren. Die Geschütze der Burg bestanden aus einer kleinen Kanone, 7 Feldschlangen, 5 kleinen Feldschlangen, einem Minion, einem Falconet, einem Saker und 4 Veuglaires mit je zwei Kammern. Die Bay Sconce war mit 4 kleinen Feldschlangen bestückt, während auf der Warham Sconce 2 Feldschlangen und 5 kleine Feldschlangen stationiert waren. Zwanzig Jahre später berichtete man von 18 Geschützen auf der Burg. Die Bewaffnung der Garnison bestand aus 34 Langbögen, ein Zeichen dafür, dass Bogenschießen auch Anfang des 17. Jahrhunderts immer noch militärischen Wert besaß. Damals aber befand sich die Burg schon in Verfall. Die Zugbrücke und ihr Hebemechanismus waren kaputt, die Geschützplattformen hatten dringend Reparaturen nötig und die Mauer des Burghofes war eingestürzt. Man musste eine neue Kurtine errichten, um die Landseite der Burg zu schützen. Man berichtete, dass die Fundamente der Warham Sconce von der Flut weggespült worden waren, und es scheint, dass man beide Schanzen verfallen ließ.

Als der englische Bürgerkrieg 1642 ausbrach, fiel Upnor Castle kampflos in die Hände der Parlamentaristen und wurde später zur Internierung royalistischer Offiziere genutzt. 1648 fand in Kent und Essex ein royalistischer Aufstand statt, in dessen Verlauf die Royalisten etliche Städte, darunter auch Gravesend, Rochester, Dover und Maidstone, einnahmen. Die Royalisten wurden am 1. Juni in der Schlacht von Maidstone geschlagen und so fiel Upnor Castle zurück an die Parlamentaristen. Der parlamentaristische Oberbefehlshaber Sir Thomas Fairfax inspizierte die Burg und ordnete weitere Reparaturen und Verstärkung der Geschützplattformen an. Es scheint, dass diesmal das Torhaus ebenfalls vergrößert wurde, und der heutige Nord- und Südturm wurden errichtet. Es scheint, dass man diese auf der Rückseite (zum Land hin) offen ließ, aber dies wurde 1653 im Zuge weiterer Reparaturen korrigiert, sodass sie als Unterkünfte für die Truppen dienen konnten.

Überfall im Medway mini|Ein Gemälde des Überfalls von Willem Schellincks. Der Blick geht nach Norden. Auf der linken Seite sieht man Upnor Castle als Silhouette gegen die Flammen, auf der gegenüberliegenden Flussseite die brennende Werft von Chatham. Nördlich davon ist die Feuersbrunst in der Nähe der Kette gezeigt und am Horizont die noch rauchenden Ruinen von Sheerness Fort. Die Burg war nur einmal in ihrer Geschichte im Einsatz, und zwar während des holländischen Überfalls im Medway im Juni 1667, einem Teil des zweiten englisch-niederländischen Krieges. Die Holländer beschossen die Stadt Sheerness, nahmen sie ein, segelten die Themse hinauf nach Gravesend und dann den River Medway hinauf nach Chatham. Sie überwanden die Kette, die den Fluss blockieren sollte, segelten an der Burg vorbei, machten die Schiffe Royal Charles und Unity los und legten an weiteren Schiffen vor Anker Feuer. Die Holländer ankerten am 12. Juni über Nacht im River Medway, während der Duke of Albemarle die Verteidigungswerke mit Beschlag belegte und den eiligen Bau von acht Geschützplattformen in der Nähe von Upnor Castle anordnete, wofür Geschütze aus Chatham übernommen wurden. Die Kanonen der Burg, die Musketen der Garnison und die neuen Batterien wurden sämtlich zum Beschuss der holländischen Schiffe eingesetzt, als sie erneut versuchten, an Upnor Castle vorbei nach Chatham zu segeln. Die Holländer konnten einige weitere Schiffe vor Anker in Brand stecken, aber nicht weiter vordringen und mussten sich schließlich zurückziehen. Das Ergebnis des Überfalls wurde als „die schlimmste Niederlage auf See, die England jemals erlitt“, beschrieben.