Pal Kastrioti oder Paul Kastriota (, bl. 1383–15. Juni 1389 in der Schlacht auf dem Amselfeld) war ein albanischer Adliger, der im 14. Jahrhundert lebte. Er ist der erste der Familie Kastrioti, der in historischen Dokumenten erwähnt wird, und Großvater des berühmten albanischen Fürsten Skanderbeg ist.
Name Pal Kastriotis Nachname leitet sich möglicherweise von dem griechischen Wort Kastriotis, das für „Burgbewohner“ oder „Burgbefehlshaber“ steht. Der Name könnte sich wiederum von kastron (aus ) ableiten.Oliver Jens Schmitt: Der neue Alexander auf dem Balkan. S. 27 Pal Kastriotis Geschlecht war eines der bescheidensten unter den vielfach mit Serbengeschlechtern vergeschwisterten Dynasten Albaniens des 14. Jahrhunderts.Heinrich Kretschmayr, S. 375
Leben mini|Herrschaftsgebiete (in Gelb) der lokalen albanischen Herrscher nach 1359 300px|mini|Karte des Balkans um 1400 Die erste Spur der Familie der Kastrioti erscheint möglicherweise am Hofe der Herzöge von Valona, die dort von 1346 bis 1417 erwähnt werden.Ludwig von Thallóczy, S. 137 Der österreichische Historiker und Archivar Heinrich Kretschmayr bestätigt, dass „Paul 1368 als Schloßhauptmann von Kanina bei Valona“ erschien.Heinrich Kretschmayr, S. 375 Ein Kastellan (Hauptmann) wurde 1368 an der Burg Kanina oberhalb von Vlora erwähnt, ob es sich dabei um Pal Kastrioti handelte, wie von Kretschmayr und andernorts behauptet wird,Ludwig von Thallóczy, S. 81. ist gemäß Oliver Jens Schmitt nicht nachgewiesen.Oliver Jens Schmitt: Der neue Alexander auf dem Balkan. S. 27
Um 1383 wurde Pal Kastrioti als Herr von zwei Dörfern (Sina und Gard i poshtëm in der Region Dibra) an der Westflanke des Tals des Schwarzen Drins im Nordosten von Albanien aufgeführt.You should know that the grandfather of Lord Scanderbeg was called Lord Paul Castriota. He ruled over no more than two villages, called Signa (Sina) and Gardi Ipostesi. To this Lord Paul was born Lord John Castriota who became Lord of Mat. And to him was born Lord Scanderbeg. The mother of the said Lord Scanderbeg, i. e. the wife of the said Lord John, was called Lady Voisava Tribalda who was of a noble family.John Musachi Nach dem jugoslawischen Historiker Ivan Božić hatte Pals Vater die Gebiete in Albanien vom serbischen Monarchen Stefan Uroš IV. Dušan erhalten, nachdem dieser 1345 Berat, Valona und Kanina eingenommen hatte.Njegov pradeda Branilo spominje se 1368. kao upravitelj Kanine […] Pretpostavlja se da je svoje posede u Albaniji dobio od cara Dušana pošto je ovaj 1345. godine osvojio gradove Berat, Valonu i Kaninu […] Njegov sin Pavle, gospodar od Sinje, imao je tri sina: Konstantina, Aleksu i Ivana... Ivan Kastriota, otac Skenderbegov, ozenio se Voislavom koja jeDialogos, S. 77
1359 wurde die erste balkanisch christliche anti-osmanische Koalition geschlossen, also nur fünf Jahre nach der Ankunft der Osmanen in Europa.Franco Demarchi, S. 175 Am 15. Juni 1389 unterlag die Koalition der balkanischen Völker (Albaner, Bosniaken, Bulgaren, Walachen, Serben, Ungarn und Dalmatiner) in der Schlacht auf dem Amselfeld dem Sultan des Osmanischen Reiches, Murad I. Pal kämpfte an der Seite seines Sohns Gjon I. und fiel in der Schlacht. Die drei albanischen Fürsten Gjergj II. Balšić und Theodor II. Muzaka zogen sich daraufhin unter der Leitung von Gjon I. Kastrioti in ihre Grenzen zurück, waren aber in der Lage, den Osmanen zu widerstehen und eine christliche albanische Entität zu gründen, die sich von der Südgrenze von Ragusa bis zum Golf von Patras erstreckte.Irvin Faniko, S. 29 ff.
Familie Über Pals Vorfahren ist so gut wie nichts bekannt. Nach dem deutschen Historiker und Byzantinist Karl Hopf soll Pals Vorfahre der Serbe Branilo (ein slawischer Vorname) gewesen sein.Carl Hermann Friedrich Johann Hopf: Chroniques gréco-romanes inédites ou peu connues, S. 533 In der Zwischenzeit wurde diese Theorie entkräftet. Karl Hopf hat bei der Übersetzung eines mittelalterlichen Dokumentes aus dem Jahr 1368 einen Fehler begangen. Unter den Unterzeichnern befanden sich ein Branilo von Vlora und ein Castrioti von Kanina. Indem Hopf den einzelnen Buchstaben "i" (was "und" bedeutet) übersah, brachte er Branilo Castrioti als Scanderbegs Urgroßvater hervor.Harry Hodgkinson, Bejtullah D. Destani, Westrow Cooper, David Abulafia: Scanderbeg: From Ottoman Captive to Albanian Hero, S. 224 Der deutsche Historiker und Orientalist Franz Babinger übernahm die Theorie von Karl Hopf, dass Pals Vater Branilo Kastrioti und serbischer Herkunft war.Franz Babinger, S. 333
Pal soll drei Söhne gehabt haben: Gjon I. Kastrioti (Herr von Matia), der spätere Vater von Gjergj (auch Gjorg oder Georg), bekannt als Skanderbeg,Chroniques gréco-romanes, S. 201 Alexius, der über drei Ortschaften herrschteGeschichte Griechenlands, S. 97 und Konstantin, der Protosebastos von Sina war.Geschichte Griechenlands, S. 94 Nach einem venezianischen Dokument wird Konstantin als „dominus Serinae“ (lat.: Eigentümer von Serin) bezeichnet.Johann Georg von Hahn, S. 23
Anmerkungen
Literatur
John Musachi: Brief Chronicle on the Descendants of our Musachi Dynasty. In: Robert Elsie (Hrsg.): Early Albania: A Reader of Historical Texts, 11th–17th Centuries. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2003, S. 1515; books.google.it
Weblinks
Einzelnachweise
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