Der Bahnhof Jüterbog in der gleichnamigen Stadt ging 1841 in Betrieb, womit er einer der ältesten Bahnhöfe im heutigen Land Brandenburg (bis 1945 Provinz Brandenburg) ist. Seit 1848 zweigt dort die Bahnstrecke Jüterbog–Röderau von der Stammstrecke der Anhalter Bahn ab. Mit der Eröffnung weiterer Bahnstrecken wuchs die Bedeutung des Bahnhofs. Ein Teil der Strecken wurde mittlerweile stillgelegt.

Seine einstige Bedeutung im Schienengüterverkehr, Militärverkehr und Fernverkehr hat der Bahnhof eingebüßt. Heute wird er fast ausschließlich für den Regionalverkehr genutzt. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs steht unter Denkmalschutz. Ebenfalls denkmalgeschützt sind das Bahnhofsgebäude der Militär-Eisenbahn, das bis zum Ende des Ersten Weltkriegs für den öffentlichen Verkehr in Betrieb war, weitere Bauten der Militär-Eisenbahn sowie der WasserturmDampflokomotiven brauchen Wasser, siehe Wasserkran (Eisenbahn) des früheren Bahnbetriebswerks nordöstlich des Bahnhofs.

Lage und Name

Der Bahnhof liegt am Streckenkilometer 62,8 der Bahnstrecke Berlin–Halle, gezählt vom früheren Anhalter Bahnhof in Berlin. Die Strecke verläuft in diesem Bereich annähernd von Nordosten nach Südwesten. Ebenfalls aus Richtung Nordosten, etwas südlich der direkten Strecke aus Berlin, erreichte die mittlerweile stillgelegte Strecke aus Zossen, die frühere Militäreisenbahn, den Bahnhof. Aus Richtung Osten mündete die Schmalspurstrecke aus Dahme/Mark in den Bahnhof. Die Strecke in Richtung Falkenberg und Röderau zweigt in Richtung Süden von der Bahnstrecke nach Halle ab. Auf der gegenüberliegenden Seite beginnt die Bahnstrecke Jüterbog–Nauen.

Der Bahnhof liegt etwa zwei Kilometer westlich der Altstadt. Ursprünglich auf freiem Feld in der Nähe des Gutes Kappan entstanden, hat sich mittlerweile die städtische Bebauung bis zum Bahnhof ausgedehnt. Auf der nordwestlichen Bahnhofsseite liegt der Stadtteil Jüterbog II, der auf einem alten Kasernengelände entstand. Am südlichen Bahnhofsende unterquert die Bundesstraße 102 die Bahnanlagen.

Der Bahnhof liegt an einem Hang. Das Gelände fällt zur Innenstadt hin ab und steigt zum ehemaligen Kasernengelände an.

Der Bahnhof trug schon zu seiner Eröffnung den Namen Jüterbog. Die zeitweilige Schreibweise Jüterbogk ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr gebräuchlich.

Geschichte

Die ersten Jahre mini|links|hochkant=1.5|Jüterbog auf einem Messtischblatt im Jahr 1902. Der Staatsbahnhof liegt etwa in Bildmitte, nordöstlich davon Militär- und Kleinbahnhof

Bereits Mitte der 1830er Jahre gab es Bestrebungen für den Bau einer Bahnstrecke zwischen Berlin, Leipzig und Dresden. Einige Varianten für die Streckenführung wurden diskutiert. Die Strecke wurde von Berlin über Jüterbog, Wittenberg und Dessau nach Köthen gebaut. Dort bestand Anschluss nach Magdeburg und Leipzig. Im April 1839 schlossen die Regierungen von Preußen und dem Herzogtum Anhalt einen entsprechenden Staatsvertrag. Im gleichen Monat beschloss die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft (damals zunächst noch Berlin-Sächsische Eisenbahn-Gesellschaft genannt) ihr Gesellschaftsstatut. Am 15. April 1839 war Baubeginn der Strecke.Peter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8, S. 14–17. Am 1. Juli 1841 ging der Abschnitt Berlin–Jüterbog und damit auch der Bahnhof Jüterbog in Betrieb. Die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft (BAE) gab die Inbetriebnahme öffentlich erst in am Eröffnungstag erschienenen Zeitungen bekannt. Zunächst verkehrten drei Zugpaare am Tag, die zwischen Berlin und Jüterbog in Trebbin und Luckenwalde hielten. Die Lücke zwischen Jüterbog und Wittenberg wurde am 10. September 1841 geschlossen, womit die Gesamtstrecke fertiggestellt war.Peter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8, S. 24–26. Für den Bau des Bahnhofs Jüterbog waren 16.000 Reichstaler veranschlagt worden, tatsächlich kostete er 21.235 Taler.Peter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8, S. 34. Mit Aufnahme des durchgehenden Verkehrs fuhren zwei durchgehende Zugpaare am Tag zwischen Berlin und Köthen über Jüterbog.

mini|Personenbahnhof in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts

Zeitgleich gab es Überlegungen für den Bau einer Verbindung von Berlin nach Dresden. Auch hier wurden verschiedene Streckenführungen diskutiert, bis sich eine Verbindung von Jüterbog nach Röderau, wo Anschluss an die Bahnstrecke Leipzig–Dresden bestand, als die günstigste Variante erwies. Die BAE begann den Bau der Zweigstrecke im Mai 1847, bereits am 1. Juli 1848 war das Teilstück zwischen Jüterbog und Herzberg fertiggestellt. Am 1. Oktober des gleichen Jahres folgte die Verlängerung bis Röderau mit den Anschlusskurven in Richtung Leipzig und Dresden.Peter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8, S. 36–38.

In den 1870er Jahren gab es weitere Überlegungen für einen Ausbau des Streckennetzes. Dazu zählte eine Strecke vom Bahnhof Glöwen an der Berlin-Hamburger Bahn über Brandenburg nach Jüterbog, die aber nicht verwirklicht wurde.Peter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8, S. 44.

Jüterbog als Eisenbahnknotenpunkt

mini|Militärbahnhof, Bahnsteigseite

Im Jahr 1894 ging die Strecke von Jüterbog nach Treuenbrietzen in Betrieb, die zwischen 1904 und 1908 als Teil einer geplanten Umgehungsbahn um Berlin über Potsdam bis Nauen verlängert wurde. Die Jüterboger Straßenbahn AG eröffnete 1896 eine Pferdebahnstrecke vom Bahnhof in die Innenstadt, die bis 1928 in Betrieb war.

Nicht zuletzt durch die gute Eisenbahnanbindung wuchs die Bedeutung von Jüterbog als Militärstandort und 1890 begann der Umzug der Kaiserlichen Artillerie-Schießschule von Berlin nach Jüterbog. Sie siedelte sich auf dem an den nordwestlich an den Bahnhof angrenzenden Areal an, wo umfangreiche Kasernenbauten entstanden. Im Jahr 1897 verlängerte die Königlich Preußische Militär-Eisenbahn ihre bisher beim Schießplatz Cummersdorf endende Strecke weiter nach Jüterbog. Diese Bahn überquerte nordöstlich des Bahnhofs Jüterbog die Hauptstrecke und erhielt einen eigenen Bahnhof auf der stadtabgewandten Seite der Gleisanlagen bei den Kasernenanlagen.

Auf der anderen Seite der Hauptgleise, etwa gegenüber dem Militärbahnhof, errichteten die Jüterbog-Luckenwalder Kreiskleinbahnen den Endbahnhof der Schmalspurstrecke aus Dahme/Mark, der im Jahr 1900 eröffnet wurde.

mini|Widerlager an einer geplanten Überführung der neuen Ferngleise am Neuheimer Weg nördlich des Bahnhofs

Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs das Verkehrsaufkommen auf der Anhalter Bahn deutlich an. Aus diesem Grunde begannen nach 1910 umfangreiche Arbeiten zum Ausbau der Anhalter Bahn. Der Streckenabschnitt von Berlin nach Jüterbog sollte viergleisig ausgebaut werden. Die 1915 schon weit fortgeschrittenen Arbeiten kamen aber aufgrund des Ersten Weltkriegs zum Erliegen. Eine Vielzahl von Relikten der seinerzeit begonnenen Erweiterungsbauten sind nach wie vor erkennbar. Dazu zählen im Bereich um den Bahnhof Jüterbog ein Damm nordwestlich der bestehenden Gleise, der die neuen Ferngleise aufnehmen sollte. Gleichfalls entstanden ausgedehnte Bauwerke südlich des Bahnhofs zur kreuzungsfreien Ausfädelung der Strecken nach Röderau und Wittenberg.Peter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8, S. 107. Fertiggestellt wurden Erweiterungen der Gleisanlagen im nordöstlichen Bahnhofsbereich. Nach dem Ersten Weltkrieg lebten die Ausbaupläne wieder auf, die Arbeiten wurden jedoch 1922 endgültig eingestellt, nicht zuletzt, weil mit der Bahnstrecke Wiesenburg–Roßlau eine weitere Verbindung zwischen Berlin und dem mitteldeutschen Raum im Bau war, die die Anhalter Bahn entlasten sollte.Peter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8, S. 109.

Im Zuge des Versailler Vertrags musste die Militäreisenbahn von Berlin nach Jüterbog aufgegeben werden. Für die zivile Nutzung blieb der Abschnitt von Zossen nach Jüterbog in Betrieb, die Züge bedienten jedoch seitdem den Bahnhof der Hauptbahnstrecke. Die Überführung über die Gleise der Anhalter Bahn wurde demontiert.

Entwicklung nach 1945

mini|Gleisreste im Militärbahnhof mini|Empfangsgebäude für die sowjetische Armee im Süden des Bahnhofs. Als Folge der deutschen und Berliner Teilung änderten sich die Verkehrsströme. Die Strecke von Berlin über Jüterbog nach Bitterfeld und weiter nach Halle und Leipzig blieb aber eine der wichtigsten Strecken der DDR. Berlin war nicht mehr direkt über die Anhalter Bahn, sondern ab Ludwigsfelde über den Berliner Außenring zu erreichen.

Nach 1945 wurde der 1932 im Personen- und 1939 im Güterverkehr eingestellte Betrieb auf der Kleinbahnstrecke wieder aufgenommen. Ein Gleis wurde vom Kleinbahnhof bis zum Bahnhof der Hauptbahn verlängert. Der Kleinbahnbetrieb endete 1963 endgültig.

Viele militärische Anlagen in und um Jüterbog wurden nach 1945 von der sowjetischen Armee genutzt, womit der Bahnhof auch für die Sowjetarmee wichtig war. Neben den Materialtransporten gab es auch militärische Personenzüge. Für die Abfertigung der Reisenden wurde ein eigenes Empfangsgebäudes im Südwesten des Bahnhofs gebaut.

Im Jahr 1974 erhielt der Bahnhof ein neues Gleisbildstellwerk vom Typ GS III Sp68, das erste seiner Art. Es ging am 19. September 1974 in Betrieb und ersetzte drei mechanische Stellwerke. Untergebracht war es in einem markanten Bauwerk auf der Nordwestseite der Gleisanlagen. Am 27. Mai 1979 wurde der Bahnhof an die elektrische Fahrleitung angeschlossen. Zunächst ging die Strecke in Richtung Südwesten in Betrieb, am 1. Juni 1980 folgte die Strecke in Richtung Luckenwalde. In den folgenden Jahren wurde etappenweise der elektrische Betrieb bis zum Berliner Außenring und später weiter nach Norden aufgenommen. Im September 1989 wurde auch der Abschnitt von Jüterbog nach Falkenberg elektrifiziert.

Der Bahnhof Jüterbog im wiedervereinigten Deutschland Nach der Wende in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung begann der Abzug der sowjetischen Truppen, der 1994 abgeschlossen war. Jüterbog ist seither kein Militärstandort mehr. Entsprechend sank die Bedeutung des Bahnhofs, zumal auch der Güterverkehr stark zurückging. Die Gleisanlagen des Bahnhofs wurden im erheblichen Umfang zurückgebaut. Die Gleise wurden 1999 an ein Elektronisches Stellwerk angeschlossen, weswegen das Gleisbildstellwerk überflüssig, und das Gebäude wurde im Jahr 2010 abgerissen.

Im Jahr 1996 wurde der Personenverkehr zwischen Jüterbog und Sperenberg (zwei Jahre später auch auf der Gesamtstrecke bis Zossen) und der Güterverkehr zwischen Jüterbog und Zossen eingestellt. Die Strecke wurde im gleichen Jahr stillgelegt.

Anlagen

Empfangsgebäude mini|Links: der älteste Teil des Bahnhofsgebäudes von 1841, rechts; Anbauten von 1896

Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude ist ein langgestrecktes Bauwerk, das aus einem zentralen dreiteiligen Ursprungsbau von 1841 mit Erweiterungen zu beiden Seiten besteht. Der älteste, spätklassizistische Mittelteil des Gebäudes ist einer der ältesten erhaltenen Bahnhofsbauten im Land Brandenburg. Er ist eine symmetrische Anlage aus einem dreiachsigen, einstöckigen Mittelteil und zwei zweistöckigen Seitenteilen mit je fünf Achsen. Alle drei Teile besitzen flachgeneigte Satteldächer, die Seitenteile Risalitartige Vorsprünge auf der Bahnsteigseite.Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Denkmale in Brandenburg. Band 17.1: Landkreis Teltow-Fläming. Teil 1: Stadt Jüterbog mit Kloster Zinna und Gemeinde Niedergörsdorf. Bearbeitet von Marie-Luise Buchinger, Marcus Cante u. a., Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2000, ISBN 3-88462-154-8, S. 179.