mini|Monticello (2001) Monticello (Italienisch für kleiner Berg), bei Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia gelegen, war das Landgut des 3. US-Präsidenten und Autors der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung Thomas Jefferson, für dessen im palladianischen Stil errichtete Wohngebäude er selbst die Pläne erstellt hatte. Gemeinsam mit der ebenfalls von Jefferson entworfenen Universität von Virginia erklärte die UNESCO Monticello 1987 zum Weltkulturerbe.
Die umliegenden Plantagen hatte Jefferson von seinem Vater geerbt, nachdem das ursprüngliche Wohngebäude abgebrannt war. Monticello wurde durch Jefferson immer wieder umgebaut und erweitert. Monticello gilt als einer der Gründungsbauten des nordamerikanischen Klassizismus und diente als Vorbild für viele Gebäude in den Vereinigten Staaten.
In den angrenzenden Plantagen, in denen Jefferson im Lauf seines Lebens über 600 Sklaven hielt, ließ Jefferson Tabak und später Weizen anbauen. Auf dem ursprünglich 20 Quadratkilometer Gelände der Farm befinden sich mehrere Nebengebäude und auch Jeffersons Grab.
Nach Jeffersons Tod wurde Monticello veräußert. Große Teile der Innenausstattung, die Jefferson für Monticello entwarf, wurden zurückgekauft. So befindet sich Monticello heute weitestgehend im Originalzustand. Seit 1923 befindet sich Monticello im Besitz der Thomas Jefferson Foundation.
Geschichte mini|hochkant|Statue von Thomas Jefferson in Monticello Das 5000 Hektar große Gelände wurde 1735 von Thomas Jeffersons Vater Peter Jefferson erworben. Anschließend baute dieser 1741 ein koloniales Holzhaus in Shadwell. 1757 wurde neben dem dortigen Anwesen am Rivanna River eine Wassermühle gebaut.
Nachdem Jefferson 1764 das Anwesen von seinem Vater geerbt hatte, ließ er 1769 ein Herrenhaus nach eigenen Entwürfen im klassizistischen Stil erbauen. Als Vorbild dienten die Entwürfe aus Andrea Palladios I quattro libri dell’architettura und James Gibbs Book of Architecture. Bei dem späteren Umbau beschäftigte er sich zudem mit Abhandlungen der französischen Architekten Antoine Desgodetz und Roland Fréart de Chambray. 1770 brannte das Anwesen in Shadwell ab, 1771 wurde auch die dortige Mühle durch Hochwasser zerstört.
Bereits 1781 war das Anwesen Monticello weitestgehend fertiggestellt, doch überarbeitete Jefferson 1796 seine Entwürfe und ließ die Bauarbeiten wieder aufnehmen. Auch nachdem das Gebäude 1809 nahezu in seiner heutigen Form vollendet war, baute er Monticello immer wieder um. Nachdem bei dem Brand von Washington die dortige Bibliothek zerstört worden war, verkaufte Jefferson seine Bibliothek an den Kongress. Bis heute sind seine Bücher der Grundstock der Library of Congress.
Jefferson empfing auf Monticello immer wieder prominenten Besuch, wie 1825 den Marquis de Lafayette. Nach Jeffersons Tod 1826 wurde die Plantage aufgegeben. Die Sklaven, landwirtschaftliche Gerätschaften und die gesamte Inneneinrichtung mussten wegen der starken Verschuldung Jeffersons 1827 verkauft werden. Dennoch konnten die Einnahmen nach dem Verkauf nicht alle Schulden von insgesamt 107.000 US-Dollar decken. Begründen ließ sich dies mit dem schlechten Zustand Monticellos und den vielen Besuchern, die das Anwesen Jeffersons sehen wollten. Das Anwesen selbst wurde schließlich 1831 für 7500 US-Dollar an James Turner Barclay verkauft, der dort eine Seidenraupenzucht beginnen wollte. Der Grundbesitz Jeffersons war zuvor aufgeteilt worden und nur 223 Hektar Land, etwa ein Zehntel der ursprünglichen Fläche, wurde an Barclay weiterverkauft. Der Zustand verschlechterte sich nochmals stark und 1834 ging es schließlich in den Besitz von Uriah P. Levy, dem ersten jüdischen Kommodore der Vereinigten Staaten über, der es für nur noch 2700 US-Dollar erworben hatte. Nochmals wurde das Land verkleinert und so blieben noch 89 Hektar Land übrig. Von 1836 bis zu ihrem Tod 1839 lebte die verwitwete Mutter Levys auf Monticello. Levy, der aus Savannah kam, kaufte die Möbel zurück und bemühte sich, das Gebäude zu erhalten. So stammen heute etwa sechzig Prozent der Möbel im Haus aus Jeffersons Zeiten. Levy war ebenso wie Jefferson Sklavenhalter, hielt auf Monticello jedoch nur noch etwa 20 Sklaven.
Im Sezessionskrieg wurde Monticello zwischen August 1861 und dem 8. Februar 1862 von Virginia enteignet, da Levy aus New York kam und zudem die Nordstaaten unterstützte, und erst 1865 unbeschädigt zurückgegeben. Während des Kriegs lebte hier kurzzeitig der Südstaaten-Offizier Benjamin Ficklin, der das Anwesen 1864 bei einer unrechtmäßigen Auktion für 80.500 US-Dollar ersteigert hatte. Aus Berichten geht zudem hervor, dass es zeitweise als Krankenhaus diente. In einem weiteren Bericht wird davon berichtet, dass Monticello im Inneren verwüstet wurde und Teile der Ausstattung weiterverkauft wurden. Unter anderem wurden geschnitzte Ornamente an den Kaminsimsen abgesägt und die Büste Voltaires versteigert. Außerdem waren im Obergeschoss von Monticello, Augenzeugenberichten nach, Namen von Besuchern eingeritzt. Levy, der zwischenzeitlich verstorben war, hatte in seinem Testament festgestellt, dass Monticello nach seinem Tod eine Landwirtschaftsschule für die Kinder verstorbener US-Marine-Soldaten werden solle. Bis 1879 kam es zu einem 17 Jahre andauernden gerichtlichen Streit unter dessen Erben um den Besitz Monticellos. Während dieser Zeit verschlechterte sich der Zustand Monticellos immer stärker, da niemand für die Reparatur aufkam. Schließlich kam es in den Besitz von Jefferson Monroe Levy, der die anderen Erben auszahlte. Jefferson Monroe Levy gab über die 44 Jahre, die er Monticello besaß, über 1 Millionen US-Dollar für die Wiederherstellung des Anwesens aus. Er öffnete Monticello zudem immer wieder für Besucher. mini|Monticello (1907) Ab 1909 versuchte Maud Littleton, die Frau von Martin W. Littleton, Monticello enteignen zu lassen. Während der Spendenkampagne Littletons zum Kauf Monticellos äußerte sie sich mehrfach antisemitisch über Levy. Nach dem Ersten Weltkrieg beschoss Levy 1919 schließlich Monticello zu verkaufen. Durch Zukauf war der Grundbesitz wieder auf 259 Hektar gestiegen. Schließlich nahm Maud Littleton genug Spenden ein, um Monticello für 500.000 US-Dollar zu kaufen, und Littleton wurde erste Vorsitzende der neu gegründeten gemeinnützigen Thomas Jefferson Foundation (bis 2000 Thomas Jefferson Memorial Foundation). Anschließend wurde Monticello unter anderem von Fiske Kimball und Milton L. Grigg, der auch für die Restaurierung von Colonial Williamsburg verantwortlich war, instand gesetzt. Seither hat die Stiftung einen Grundbesitz von 1.012 Hektarn zurückgekauft und versucht auch Ausstattungsstücke von Jefferson ausfindig zu machen und anzukaufen.
Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude innen mit Stahlträgern verstärkt. Im Dezember 1960 erhielt Monticello den Status eines National Historic Landmarks.Listing of National Historic Landmarks by State: Virginia. National Park Service, abgerufen am 6. März 2020 (amerikanisches Englisch). Im Oktober 1966 wurde das Gebäude in das National Register of Historic Places eingetragen.Monticello im National Register of Historic Places, abgerufen am 6. März 2020 (amerikanisches Englisch). 1994 wurde das Robert H. Smith International Center for Jefferson Studies gegründet, dass auch für die Ausgrabungen auf dem Gelände der ehemaligen Plantagen verantwortlich ist. 2009 wurde ein neues Besucherzentrum eröffnet. Heute ist Monticello eine viel besuchte Erinnerungsstätte.
Anlage mini|Früher Entwurf Monticellos (1771) Monticello befindet sich ca. 3 Kilometer südöstlich von Charlottesville. Das Haus gilt als einer der bedeutendsten Bauten aus der Gründerzeit der Vereinigten Staaten. Außerdem gehört es zu den ersten Gebäuden des nordamerikanischen Klassizismus. Die Einrichtung aus der Zeit Jeffersons ist weitgehend erhalten geblieben, darunter seine Bibliothek und seine naturwissenschaftlichen Sammlungen. Außer dem Wohnhaus sind auch die Wirtschaftsgebäude erhalten oder wurden rekonstruiert.
Um das Gebäude auf dem Berg zu errichten, wurde dieser 1768 abgeflacht und terrassiert. Außerdem musste eine Straße errichtet werden. Vor dem Umbau ab 1796 hatte Monticello eine deutlich kleinere Grundfläche, ein weitaus größeres zweites Geschoss sowie zwei über zwei Stockwerke gehende Portiken, im Dorischen und Toskanischen Stil. Als erste Räume wurden Schlafzimmer und Esszimmer fertiggestellt. Anschließend erfolgte der Bau des zentralen Saals. Während der Bauarbeiten wohnte Jefferson ab 1770 im Südpavillon, bis er zwischen 1773 und 1774 die ersten fertigen Räume bezog. Im Obergeschoss ließ er anschließend die Schlafräume für die Kinder und diejenigen Sklaven, die im Haus benötigt wurden, herrichten. Vor allem seine Sklaven, aber auch bezahlte Arbeiter waren für den Bau verantwortlich.
Nach dem Tod seiner Frau Martha 1782 wurden die Bauarbeiten auf Monticello unterbrochen. Zu diesem Zeitpunkt waren lediglich die Portiken sowie die Inneneinrichtung unvollendet. Während eines Besuchs in Paris zeigte sich Jefferson fasziniert von der französischen Architektur des Klassizismus. So besichtigte er unter anderem, wie er in seinen Briefen schilderte, das Palais Royal, die 1887 abgerissene Halle aux blés und die Kirchen Sainte-Geneviève (das heutige Panthéon) und La Madeleine. Dort besuchte er auch Ausstellungen von Künstlern wie Hubert Robert, Jacques-Louis David und Élisabeth Vigée-Lebrun und erwarb Kopien europäischer Meister für Monticello. Nach seiner Rückkehr aus Europa 1796 ließ er die dort beobachteten Stile in seine überarbeiteten Entwürfe mit einfließen. So schrieb er am 16. Mai 1796 über die Arbeiten auf Monticello:
mini|Kuppel des Hôtel de Salm in Paris (2016) Während der Arbeiten riss Jefferson das bereits bestehende zweite Geschoss des Risalits wieder ab, erweiterte unter anderem das Gebäude um mehrere Räume auf der Ostseite, die durch einen langen Gang von den ursprünglichen Räumen getrennt sind, und ließ die große Kuppel mit dem Opaion bauen. Durch den Anbau befindet sich die ursprüngliche Ostfassade heute im Inneren des Gebäudes. Jefferson verdreifachte die Anzahl der Räume von acht auf 21. Nicht mit eingerechnet sind bei dieser Angabe die zwölf Kellerräume. Ihre Anzahl wurde verdoppelt. Jefferson ließ unter anderem ein Arbeitszimmer für seine Tochter, zwei Gästezimmer und seine Privatbibliothek anbauen. Außerdem baute er dem zentralen Saal auf der Ostseite eine Eingangshalle an. Die übrigen Räume wurden umgestaltet. Lediglich Esszimmer, Wohnzimmer und Jeffersons Schlafzimmer blieben unangetastet. mini|Landgut von Thomas Jefferson, Ostfassade (1981)