Der Cadillac Fleetwood Eldorado der Modelljahre 1971 bis 1978Die zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen üblicherweise von Kalenderjahren ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen umgebaut werden, ein neues Modelljahr. Das Modelljahr 1971 begann bei General Motors dementsprechend im August 1970; das Modelljahr 1978 endete im Juli 1978. ist ein Personal Luxury Car der zum US-amerikanischen Hersteller General Motors gehörenden Automarke Cadillac. Das Fahrzeug war nach dem Eldorado von 1967 das zweite Modell der Marke, das mit Frontantrieb ausgestattet war. Er war seinerzeit der größte frontgetriebene Personenkraftwagen der Welt.James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. Motorbooks International, 1. Auflage, Osceola, 1994, ISBN 978-0-87938-879-9, S. 99.Auto Katalog Nr. 20 (1976/77), S. 36.

Hintergrund

Entstehungsgeschichte mini|Begründer der Modellreihe: Cadillac Eldorado von 1953 mini|Erster Fleetwood Eldorado mit Frontantrieb (1967–1970) Die Eldorado-Baureihe war seit 1953 regelmäßiger Bestandteil der Modellpalette Cadillacs. Der erste Eldorado ging auf ein im Sommer 1952 präsentiertes Show Car namens El Dorado Golden Anniversary zurück, mit dem die Marke ihr 50-jähriges Bestehen feierte. In den ersten 13 Jahren handelte es sich dabei um hochwertig ausgestattete Cabriolets,Von 1956 bis 1959 waren auch Hardtop-Coupés im Angebot, die von dem Eldorado-Cabriolets abgeleitet waren und die Bezeichnung Eldorado Seville trugen. die in der Cadillac-Hierarchie oberhalb des regulären Series 62 Convertible angesiedelt waren, wenngleich sie regelmäßig die Technik des Basismodells einschließlich des seinerzeit üblichen Hinterradantriebs verwendeten. Im ersten Jahrgang betrug die Preisdifferenz zwischen dem Eldorado und dem Series 62 mehr als 3.500 US-$; danach reduzierte sie sich jeweils auf 1.500 bis 2.000 US-$. Bis 1958 hatten die Eldorado-Modelle eigenständige Karosserien, die sie äußerlich von den Standard-Cadillacs abhoben. Ab 1959 hingegen übernahmen die Eldorado auch die Karosserie der Cadillacs Standard-Cabriolets. Die Modelle hießen nun Eldorado Biarritz (bis 1965) bzw. Fleetwood Eldorado (1966). Die Jahresproduktion lag in den 1960er-Jahren regelmäßig im unteren vierstelligen Bereich.Jeweils 1.450 Exemplare in den Modelljahren 1961 und 1962, 1825 (1963), 1870 (1964) und 2125 (1965) in den folgenden Modelljahren. Vgl. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 105.

Zum Modelljahr 1967 kam es zu einer Neuausrichtung des Eldorado. Er wurde technisch und stilistisch von Cadillacs Standardmodellen gelöst und zu einem gänzlich eigenständigen Oberklassecoupé weiterentwickelt. Zur technischen Neupositionierung des Modells gehörte die Hinwendung zum Frontantrieb, der in dieser Klasse ein Novum darstellte. Seine Antriebstechnik war vom Oldsmobile Toronado abgeleitet. Das außergewöhnlich geformte Auto galt schon bei seiner Vorstellung als Designikone.Angelo Van Bogart, Brian Earnest: Cadillac. 100 Years of Innovation. Krause Publications, 2003, ISBN 0-87349-690-6, S. 138. Ungeachtet seines guten Rufs und jährlich steigender Absatzzahlen1967 entstanden annähernd 18.000 Fahrzeuge, 1968 waren es 24.5828, 1969 dann 23.333 und 1970, als der Eldorado exklusiv den 8,2 Liter großen Achtzylindermotor erhielt, schließlich 28.842 Autos. Vgl. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 91" blieb der erste Frontantriebs-Eldorado nur vier Jahre lang im Programm. Werksintern wurde dies vor allem auf zu hohe Fertigungskosten zurückgeführt, die eine Folge der großen, ungewöhnlich geformten und schwer zu pressenden Karosserieteile waren.

Im August 1970 erschien die zweite Generation der Frontantriebs-Eldorados. Die Antriebstechnik war eine bloße Weiterentwicklung des Vorgängers, die Karosserie hingegen war gänzlich neu gestaltet worden. Anders als in der ersten Generation gab es nun neben dem Coupé auch eine Cabrioletversion. Sie war inzwischen der einzige offene Fahrzeug der Marke, da Cadillac die Fertigung des DeVille Convertible mit Ablauf des Modelljahrs 1970 eingestellt hatte. Die zweite Generation der Frontantriebs-Eldorados blieb als Cabriolet sechs und als Coupé acht Jahre lang im Programm.

Modellbezeichnung und Eingruppierung Die werksseitige Bezeichnung des Autos lautete wie beim Vorgänger Fleetwood Eldorado. Ungeachtet dessen wird das Modell in der US-amerikanischen Automobilliteratur vielfach vereinfachend nur „Eldorado“ genannt.Vgl. z. B. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 90.

Modellbeschreibung

Fahrwerk Die zweite Generation des Eldorado hatte wie schon das Vorgängermodell einen KastenrahmenVerkaufsprospekt von 1971 (abgerufen am 3. August 2018). mit aufgesetzter Karosserie. Der Rahmen wurde neu konstruiert und reichte nun bis ans Fahrzeugheck.N.N.: GM Cadillac. Motor Trend Buyers Guide 1971. Das Fahrwerk wurde in Details überarbeitet. An den Hinterrädern befanden sich nun Schraubenfedern anstelle der bisherigen Blattfedern. Der Radstand wuchs um 160 auf nun 3208 mm. Ungeachtet dessen war der 1971er Eldorado nur 20 mm länger als sein Vorgänger. Im Innenraum ergab sich keine Platzverbesserung gegenüber dem Vorgängermodell; die Vergrößerung des Radstands wirkte sich lediglich im Bereich des Motorraums aus.

Design mini|Fleetwood Eldorado Coupé (1973) mini|Letztes Baujahr: 1978

Entstehung Das Design des 1971er Eldorado wird vielfach Bill Mitchell zugeschrieben, der zu dieser Zeit Design-Vorstand bei General Motors war. Die wesentliche Detailarbeit leistete das Advanced Cadillac Studio, das von Wayne Kady geleitet wurde. Laut Kady gestaltete Mitchell keine Details der Karosserie selbst; er habe lediglich Auswahlentscheidungen getroffen und das Gesamtkonzept festgelegt.James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. Motorbooks International, 1. Auflage, Osceola, 1994, ISBN 978-0-87938-879-9, S. 116.

Beschreibung Konzeptionell folgte die zweite Frontantriebsgeneration des Eldorado dem Vorgängermodell: Eine lange Motorhaube sollte optisch den Frontantrieb hervorheben. Die Fahrgastzelle und die Heckpartie waren im Vergleich dazu jeweils knapp geschnitten; diese Proportionierung sollte Sportlichkeit ausstrahlen. Auf der Grundlage dieses Konzepts war die Karosserie des 1971er Eldorado vollständig neu gestaltet worden. Die Arbeiten hierzu begannen 1967. Es gab kein Karosserieteil, das mit dem Vorgängermodell austauschbar war. Die Karosserie war rundlicher als die des Vorgängermodells und zitierte an verschiedenen Stellen Vorgaben klassischer Eldorado-Modelle. Das betraf unter anderem die senkrecht verlaufende Chromleiste an den hinteren Kotflügeln, die bereits die Eldorado-Cabriolets der Modelljahre 1953 bis 1955 gehabt hatten und die einen Lufteinlass simulieren sollte, sowie abgedeckte Hinterräder. Der Aufbau folgte der sogenannten Coke-Bottle-Linie, hatte also einen markanten Hüftschwung über den Hinterrädern. Die Gestaltung der hinteren Kotflügel wurde im Laufe des Produktionszyklus mehrfach geändert. 1973 entfiel der vertikale Chromstreifen, 1975 wurde der Hüftschwung schärfer profiliert.

Der geschlossene Eldorado hatte, anders als der direkte Vorgänger, eine fest stehende B-Säule und war damit kein Hardtop Coupé im eigentlichen Sinne, obwohl Werkspublikationen den Begriff Hardtop, der das Fehlen einer B-Säule nach US-amerikanischem Verständnis impliziert, wiederholt verwendeten. Ein besonderes Designmerkmal war das schmale vertikale Seitenfenster hinter der B-Säule und die sehr breite C-Säule. Diese Gestaltung, die den Landauer-Stil der Vorkriegsjahre aufgreifen sollte, schränkte die Rundumsicht stark ein und verdunkelte das hintere Passagierabteil.John Lamm: King of the Hill. Eldo-Mark III Revisited. Motor Trend, Heft Juli 1971. Zitiert nach R.M. Clarke: Cadillac Eldorado Performance Portfolio 1967–1978, Brooklands Books, Cobhahm, ISBN 1-85520-537-8, S. 86 ff. Cadillac nahm zu jedem Modelljahr stilistische Änderungen am Eldorado vor. Meist betrafen sie nur Kleinigkeiten. Zum Modelljahr 1975 aber gab es ein großes Facelift, das das Erscheinungsbild des Autos erheblich änderte.

Rezeption Das Design wurde in der Presse weitgehend abgelehnt. Kommentatoren nannten die Autos unnötig massig und plump.Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8, S. 32. (abgerufen am 21. Oktober 2016).Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 93. Anderseits gehörten die Eldorado des Modelljahrs 1971 zu Bill Mitchells bevorzugten Fahrzeugen.

Gewicht Die Eldorados der Jahrgänge 1971 bis 1978 waren schwere Automobile. Das Cabriolet wog bei seiner Markteinführung leer 2.335 kg; im letzten Produktionsjahr war das Leergewicht auf 2.567 kg gestiegen. Die Coupés waren jeweils etwa 60 kg leichter.

Motorisierung

8,2-Liter-Achtzylinder Als Antrieb diente in den ersten Jahren ein Achtzylindermotor mit einem Hubraum von 8194 cm³ (500 Kubikzoll), der fast quadratisch ausgelegt war (Bohrung × Hub: 109 × 109,3 mm). Der Motor war 1970 beim ersten frontgetriebenen Eldorado eingeführt worden. Er war der größte serienmäßig in einem PKW eingebaute Motor der Nachkriegszeit. Der Eldorado nutzte diesen Motor bis 1974 exklusiv; alle anderen Cadillac-Modelle hatten stattdessen einen 7,7 Liter großen Achtzylindermotor. 1975 wurde der 8,2-Liter-Motor die Standardmotorisierung aller Cadillacs.

Die Leistung des großen Motors variierte im Laufe der Jahre. 1971 wurde sie mit 365 brutto-SAE-PS angegeben. Mit der Umstellung auf Netto-Werte zum Modelljahr 1972 lag die Motorleistung nach Werksangabe zunächst bei 235 SAE-PS (1972 und 1973),N.N.: Top Luxury for Pennies... Road & Track Test Report. Road & Track, Heft Mai 1972. bevor sie infolge emissionsbezogener Modifikationen auf 210 SAE-PS (1974) und schließlich auf 190 SAE-PS (1975 und 1976) sank,Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 107 f. sodass die Literleistung zuletzt bei nur noch 23 PS pro Liter Hubraum lag. Dieser Leistungseinbruch wird als sinnbildlich für die Fehlentwicklungen im US-amerikanischen Automobilbau in der Malaise Era angesehen. Zum Modelljahr 1976 gab es wahlweise eine Version mit Benzineinspritzung von Bendix, deren Leistung 215 SAE-PS betrug.

7,0-Liter-Achtzyinder Die Produktion des 8,2-Liter-Motors wurde mit Ablauf des Modelljahrs 1976 eingestellt. Sein Nachfolger war ab 1977 bei allen Cadillac-Modellen einschließlich des Eldorado ein neu konstruierter Achtzylinder-V-Motor mit 7,0 Litern (425 Kubikzoll) Hubraum, dessen Leistung 135 kW (180 Netto-SAE-PS) mit Doppel-Register-Vergaser bzw. 146 kW (195 Netto-SAE-PS) betrug.

Modellentwicklung mini|„Coffin Nose“: Frontpartie des ersten Jahrgangs mit stark modellierter Motorhaube 1972 1972 gab es nur geringfügige Änderungen. Sie betrafen vor allem die Einfassung des Kühlergrills geändert. Zudem erschienen Radkappen, die die Felgen fast vollständig abdeckten. In technischer Hinsicht führte Cadillac ein Anti-Blockier-System an den Hinterrädern ein.

1973 mini|Überarbeitete Frontpartie mit Sicherheitsstoßstangen (1973)