mini|Marienkirche von Süden mini|hochkant|Blick von Südosten Die Marienkirche Rockenberg ist die ehemalige Klosterkirche von Kloster Marienschloss in Rockenberg in der Wetterau in Hessen. Der von 1746 bis 1749 errichtete Saalbau mit Haubendachreiter ist die größte Rokokokirche nördlich des Mains.Alexander F. Fiolka: Größte Rokoko-Kirche nördlich des Mains. In: DENKmal, Zeitung zum »Tag des offenen Denkmals« in Hessen vom 9. September 2007, S. 7 (PDF; 1,82 MB). Ihre bauzeitliche Ausstattung, die 1778 mit der Fertigstellung des Hochaltars ihren Abschluss fand, ist vollständig erhalten.Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen II. 2008, S. 684. Das hessische Kulturdenkmal mit dem Patrozinium Mariä Aufnahme in den Himmel wird heute als Gefängniskirche der Justizvollzugsanstalt Rockenberg simultan genutzt.

Geschichte mini|hochkant|Gotisches Epitaph des Stifterpaares (14. Jh.) Als Vorgängereinrichtung von Kloster Marienschloss gilt eine Beginen-Klause (hospitale / clausa), die im Zusammenhang mit einer Schenkung urkundlich erstmals 1332 genannt wird und sich der Pflege von Kranken verschrieben hatte. Eine neue Klosteranlage wurde 1338 von Ritter Johann von Bellersheim, genannt von Rockinberg, und seiner Frau Gertrud, genannt Gezele von Düdelsheim, gestiftet. Die Stiftungsurkunde vom 30. April 1338 besiegelt die Umwandlung der Klause in ein Zisterzienser-Nonnenkloster.Marienschloss Bereits anderthalb Jahre später, am 1. November 1339, wurde die Klosterkirche der hl. Maria und Johannes dem Täufer geweiht und die Rockenberger Pfarrkirche dem Kloster Marienschloss inkorporiert. Durch Papst Innozenz VI. wurde Marienschloss 1342 dem Zisterzienserorden einverleibt und Kloster Arnsburg unterstellt.Fiolka: 675 Jahre Marienschloß. 2013, S. 18. Bereits von Ritter Johann und seiner Frau im Jahr 1340 mit Stiftungsgütern ausgestattet, wurde das Kloster im Laufe der Zeit durch weitere Stiftungen reich begütert.Georg Wilhelm Justin Wagner: Die Cisterzienserinnen zu Marienschloss. In: Die vormaligen geistlichen Stifte im Großherzogtum Hessen. Band 1: Provinz Starkenburg und Oberhessen. Darmstadt 1873, S. 210–217.

Die Vernachlässigung der Ordenszucht veranlasste den Mainzer Erzbischof Adolf II. im Jahr 1466, die damalige Äbtissin Lucia von Weisen und fast alle Schwestern zu entlassen und den Konvent neu zu besetzen. Trotz Einführung der Reformation in Rockenberg im Jahr 1535 blieb das Kloster katholisch. Der damaligen Äbtissin gelang es noch 1534, die Entlassung des Pfarrers von Rockenberg zu erwirken, der evangelisch predigte, die Sakramente lutherisch bediente und verheiratet war. Als Patronin musste sie jedoch fortan tolerante evangelische Pfarrer in der Rockenberger Pfarrkirche präsentieren. Seit dem Reichstage zu Speyer im Jahr 1544 unterstand das Kloster Kaiser Karl V. und fiel 1581 an Kurmainz.

In den Jahren 1602 und 1603 erfolgte in Oppershofen und Rockenberg die Gegenreformation. Von 1606 bis 1619 folgten zahlreiche Baumaßnahmen. Der Dreißigjährige Krieg führte zur mehrfachen Plünderung und zur teilweisen Zerstörung der Klosterkirche und anderer Klostergebäude.Fiolka: 675 Jahre Marienschloß. 2013, S. 41–42. Von den fünf Klöstern in der Wetterau aus vorreformatorischer Zeit blieb nur Marienschloss als Enklave in einem evangelischen Umfeld bestehen und erlebte im Barock trotz wirtschaftlich bescheidener Bedingungen, wenig Grundbesitz und geringer Einnahmen eine letzte Blütezeit.Schindele, Vogel, Fiolka: 200 Jahre Säkularisation. 2003, S. 24–25, 30–31.

Unter Äbtissin Franziska Koch (1724–1736) und ihrer Nachfolgerin Antonia Hartz (Amtszeit 1736–1774) wurden die notdürftig reparierten Gebäude vollständig erneuert. Die Grundsteinlegung der neuen Kirche erfolgte am 5. Mai 1746, die Fertigstellung 1749. Gegenüber dem Vorgängerbau wurde die heutige Kirche wegen der sumpfigen Umgebung der nahen Wetter um etwa 3 Meter aufgestockt. Durch Kriege in den Jahren 1743, 1757 und 1792 heimgesucht, bestand das Kloster bis zum Jahr 1803, als es durch den Reichsdeputationshauptschluss an Hessen-Darmstadt fiel. 1809 wurde das Kloster aufgelöst und die letzten verbliebenen Nonnen zogen aus. Das Kloster wurde in eine Besserungsanstalt umgebaut und ab 1811 von Häftlingen bezogen. 1939 erfolgte die Umwandlung in ein Jugendgefängnis für männliche Jugendliche, das seit 1946 für das Land Hessen als neuen Eigentümer genutzt wird.Breitmoser, Fiolka: 200 Jahre Strafanstalt. 2011, S. 115.

Im Jahr 2014 wurde eine Sanierung des schadhaften Dachreiters durchgeführt, der mit Hilfe eines Spezialkrans abgenommen und auf den Boden gesetzt wurde, um ihn dort restaurieren und neu verschindeln zu können. Bei dieser Gelegenheit wurde die Glocke eingesetzt, die 2003 durch eine Stiftung des Kultur- und Geschichtsvereins Oppershofen e. V. gegossen wurde. Weitere Schäden an der Fassade, den Fenstern, Sandsteingewänden, Portalen und Emporen der Klosterkirche wurden in einem ersten Bauabschnitt behoben, der das Land Hessen 1,3 Millionen Euro kostete.Rockenberger Marienkirche geht auf Himmelfahrt. In: Frankfurter Neue Presse vom 17. Oktober 2014, abgerufen am 24. Oktober 2016.

Architektur mini|hochkant|links|Haubendachreiter mit Zwiebelhelm mini|Kapitelsaal unterhalb der Nonnenempore mini|hochkant|Südportal: der hl. Bernhard über dem Wappen der Antonia Hartz Marienschloss liegt nordwestlich von Rockenberg, östlich der Wetter. Die Südseite der Kirche ist als repräsentative Schauseite gestaltet. Im Norden schließen sich der Kreuzgang und der ehemalige dreiflügelige Konventbau an, der im 19. Jahrhundert grundlegend umgebaut wurde und durch die Kirche verdeckt wird.Schindele, Vogel, Fiolka: 200 Jahre Säkularisation. 2003, S. 30. Die geostete Klosterkirche aus hellem, unverputztem Bruchsteinmauerwerk bildet den südlichen Abschluss mehrerer Klostergebäude. Im Osten schließt sich der etwas niedrigere, zweigeschossige Äbtissinnenbau an, der die Hauptpforte von Marienschloss aus dem Jahr 1733 umschließt.Fiolka: Kirche und Kloster der ehemaligen Zisterzienserinnen-Abtei Marienschloß zu Rockenberg. 2003, S. 11. Die Klosterkirche findet im Westen ihre Fortsetzung durch einen niedrigeren, zweigeschossigen Anbau, das ursprüngliche Priorinnengebäude, das seit 1998 als Museum genutzt wird.

Die Klosterkirche ist über den Grundmauern und im Westen über dem gewölbten Raum des tiefer liegenden gotischen Vorgängerbaus aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet.Fiolka: Kirche und Kloster der ehemaligen Zisterzienserinnen-Abtei Marienschloß zu Rockenberg. 2003, S. 51–52. Das langgestreckte Schiff wird an beiden Langseiten durch je sieben hohe rundbogige Fenster mit Wabenverglasung belichtet, deren profilierte Gewände aus rotem Sandstein einen Schlussstein haben. Im Inneren sind die tiefen Laibungen nach unten abgeschrägt. Nur das mittlere Fenster in der Südseite endet in halber Höhe, da hier das Südportal die Kirche erschließt. Eine Glasmalerei auf dem zweiten Südfenster zeigt den hl. Wendelin auf einer Kabinettscheibe, die möglicherweise aus der Vorgängerkirche übernommen wurde. Das vollständig verschieferte Schopfwalmdach ist in zwei Ebenen mit kleinen Gauben bestückt. Im Westen ist ein verschieferter Dachreiter aufgesetzt, dessen viereckiger Schaft in eine oktogonale Glockenstube übergeht, die an vier Seiten rundbogige Schalllöcher hat. Der Dachreiter beherbergt eine Rincker-Glocke.Fiolka: Kirche und Kloster der ehemaligen Zisterzienserinnen-Abtei Marienschloß zu Rockenberg. 2003, S. 21. Ein geschwungenes Dach vermittelt zur oktogonalen Laterne mit acht rundbogigen Schalllöchern, dem ein Zwiebelhelm aufgesetzt ist. Dieser wird von einem Turmknauf, schmiedeeisernen Kreuz und vergoldeten Wetterhahn bekrönt.

Mittig in der Südseite ist ein Säulenportal aus rotem Sandstein eingelassen. Es hat Halb- und Ganzsäulen mit viereckigen Basen und Kapitellen und einen gesprengten Giebel, in dem das Wappen der Antonia Hartz aus Sandstein angebracht ist. Darüber steht die Figur des Bernhard von Clairvaux in einer rundbogigen Sandsteinnische, deren Schlussstein ein Engelskopf ziert. Westlich des Südportals ist ein ovales Fenster eingelassen und links davon ein vermauertes Portal, das ursprünglich vermutlich als Totenpforte diente.Fiolka: Kirche und Kloster der ehemaligen Zisterzienserinnen-Abtei Marienschloß zu Rockenberg. 2003, S. 22. Zwei vermauerte Fenster unterhalb der Pforte und des ovalen Fensters sind wohl Teil des gotischen Vorgängerbaus.

Der westliche Bereich des Schiffs ist im unteren Bereich durch eine Zwischenwand abgetrennt und bildet einen separaten Unterraum. Er ist nicht in die Kirche einbezogen und diente ursprünglich wahrscheinlich als Kapitelsaal des Nonnenkonvents. Er ist mit roten Sandsteinplatten belegt. Die beiden Treppen, die zur Nonnenempore führen, stammen aus nachklösterlicher Zeit. Abgesehen von der rechteckigen Holztür, die in die Klosterkirche führt, gab es zwei weitere Zugänge, die heute vermauert sind: die Westtür, die den Zugang zu den Konventsräumen ermöglichte, und die Totenpforte in der Südmauer, die zum Friedhof nach draußen führte. An den Wänden des Kapitelsaals sind zahlreiche Grabsteine aus dem 14. bis 18. Jahrhundert aufgestellt. Der älteste von 1354 erinnert an Werner von Rockenberg, den Sohn des Stifters Johannes von Bellersheim. Im Kapitelsaal ist eine gesprungene Glocke (0,56 Meter hoch) mit altem Joch aufgestellt, die 1714 von Johan Georg Barthels in Frankfurt am Main gegossen wurde. Sie trägt oben die Inschrift „S. CHRISTIANA STREBIN ABBTISSIMA IN MARIAE SCHLOS ANNO MDCCXIV“ und unten die Inschrift „GOSS MICH IOHANN GEORG BARTHELS IN FRANCKFURT“, dazwischen zwei Reliefs der gekrönten Gottesmutter mit dem Jesuskind und zwei Reliefs mit Johannes dem Täufer.Fiolka: Kirche und Kloster der ehemaligen Zisterzienserinnen-Abtei Marienschloß zu Rockenberg. 2003, S. 20. Eine steinerne Treppe aus den 1960er Jahren an der Nordseite des Kapitelsaals führt 3 Meter in den begehbaren Kreuzgang hinab, also auf das Niveau der Vorgängerkirche aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Während der Südflügel noch aus gotischer Zeit erhalten ist, wurden die drei anderen Flügel 1737 erneuert und um den Oberbau ergänzt. Heute werden diese drei Flügel in beiden Geschossen als Krankenstation und für die Untersuchungshaft der JVA genutzt und können entsprechend nicht besichtigt werden.Fiolka: Kirche und Kloster der ehemaligen Zisterzienserinnen-Abtei Marienschloß zu Rockenberg. 2003, S. 52. Hinter der Orgel auf der Nonnenempore führt eine Tür mit Sandsteingewände in das Wilhelm-Leuschner-Gedächtnis-Zimmer und das Abtei-Zimmer, dem Museum des Kultur- und Geschichtsvereins Oppershofen.Fiolka: Kirche und Kloster der ehemaligen Zisterzienserinnen-Abtei Marienschloß zu Rockenberg. 2003, S. 57.

Ausstattung mini|Blick auf die Nonnenempore im Westen mini|hochkant|Stuckdecke in verschiedenen Pastelltönen