Die Manbidschoffensive (von der SDF Operation Martyr and Commander Faysal Abu Layla getauft) wurde 2016 von der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) gestartet, um den Islamischen Staat (IS) aus der Stadt und Region von Manbidsch in Nordsyrien zu vertreiben. Das Hauptziel war es die letzte Nachschubroute des IS in die Türkei und damit ins Ausland abzuschneiden. Über diesen Weg konnte der IS Attentäter in die Türkei und darüber hinaus nach Europa schleusen. Während der Offensive flogen die US-geführten Koalitionskräfte 55 Luftschläge gegen den IS. Nach der Eroberung der Stadt am 12. August erklärte die SDF, dass die Offensive bis zu vollständigen Eroberung des Umlandes weiter gehen werde, wobei dann die Türkei mit ihrer Operation Schutzschild Euphrat ab dem 24. August 2016 eine Ausbreitung der SDF verhinderte und so die Offensive faktisch zu Ende ging.
Vorbereitungen mini|links|Stadtplan von Manbidsch
Im späten Dezember 2015 eroberte die SDF den Tischrin-Talsperre und überquerte so den Euphrat. Somit bildete sie einen Brückenkopf für Operationen Richtung Manbidsch. Für weitere Aktionen bildeten sich am 2. April aus sechs Fraktionen der SDF – ohne die YPG – der Manbidsch-Militärrat (Manbij Military Council). Die meisten Gruppen waren Teil der Katāʾib Schams asch-Schimāl, der Euphrat-Märtyrerbrigade, der Dschund al-Haramayn-Brigade und der Manbidsch-Turkmenenbrigade.
Am 3. April fragte die USA bei der Türkei um Unterstützung, doch die Türkei hatte zwei Bedingungen: Alle arabischen Kämpfer sollten die SDF verlassen, da diese von den Volksverteidigungseinheiten (YPG) und den Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) angeführt werden. Die Türkei erachtet die YPG und YPJ als Terrororganisationen. Als zweite Bedingung sollte die USA durch Luftschläge auch protürkische Oppositionsgruppen unterstützen. Einen Tag später trafen laut türkischen Quellen amerikanische Militärberater und Geheimdienstmitarbeiter in der Türkei ein, um einen Plan zu entwerfen. Die Türkei lehnte eine Mitarbeit wegen der Involvierung der YPG ab und konnte auch keine Artillerieunterstützung anbieten, da Manbidsch zu weit von der türkischen Grenze lag. Trotzdem würden türkische Geheimdienst und Militär die Operation beobachten. Am Tag des Beginns der Offensive titelte die Washington Post "Ignoring Turkey, U.S. backs Kurds in drive against ISIS in Syria".
Am 5. April wurde in Sarrin von ehemaligen Einwohnern Manbidschs ein multiethnischer Stadtrat gegründet, der nach der Eroberung die Stadt verwalten soll. Dem Stadtrat standen der ehemalige Abgeordneter des syrischen Parlaments und Araber Scheich Farouk al-Maschi und der Kurde Salih Hadschi Mohammed vor.
Die USA sagte am 31. Mai die Unterstützung der Offensive durch Soldaten zu, die der SDF assistieren sollten. Über die Zusammensetzung der SDF gab es unterschiedliche Meinungen und Meldungen. Ein USA Sprecher sagte, dass die syrisch-arabischen Kämpfer die Stadt nach einem Sieg sichern werden. Am selben Tag, als die Offensive begann, erklärte der SOHR, dass die meisten Kämpfer der YPG angehören. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan selber sagte, dass von den 3000 Kämpfern lediglich 450 YPG-Kämpfer seien. Darüber hinaus sagten zwei Sprecher der Koalition, dass arabische Kämpfer die Offensive anführen, während die Kurden diese unterstützen würden. Ein Bericht von lokalen Aktivisten besagte, dass 60 Prozent der Kämpfer selbst aus Manbidsch stammen. Dies wurde auch vom Manbidsch-Militärrat bestätigt.
Offensive SDF erobert das östliche Umland Am 31. Mai begann die Offensive, die von einer kleinen Zahl Spezialkräften der USA angeleitet wurde. Dabei ging der Vorstoß vom Brückenkopf bei Tischrin und Qara Qozak bei Sarrin aus. Die ehemalige Brücke bei Qara Qozak wurde nach der Schlacht um Kobane durch den IS zerstört. Hier bauten die Amerikaner mit Brückenlegepanzern eine provisorische Brücke.
Am 1. Juni eroberte die SDF Qalʿat Nadschm am westlichen Ufer des Euphrats und verband so beide Vorstoßrichtungen. Dadurch stand die SDF nur noch zwölf Kilometer von der Stadt entfernt.
Am 3. Juni wurde Abu Layla, ein führender Kommandeur des Manbidsch-Militärrats schwer verletzt. Er wurde daraufhin zur Behandlung nach Sulaimaniyya im Nordirak gebracht, wo er aber zwei Tage später seinen Verletzungen erlag. Daraufhin wurde im zu Ehren die Operation nach Abu Layla umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die SDF innerhalb einer Woche etwa 50 Dörfer und 400 km² dem IS entrissen.
Einkesselung Am 4. Juni eroberte die SDF weitere acht Dörfer und schnitt die Verbindung zwischen Manbidsch und ar-Raqqa ab. Mit der Einnahme von Awn Dadat nördlich der Stadt am 5. Juni wurde auch die Verbindung nach Dscharabulus getrennt. Die SDF kesselte die Stadt ein, was dazu führte, dass der IS Kämpfer von anderen Fronten nach Manbidsch verlegte.
Einen Tag später flohen die ersten IS-Kämpfer samt Familien aus der Stadt. Kämpfer der SDF hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon auf zwei Kilometer dem südlichen Stadtgebiet genähert. Den Abzug der IS-Kämpfer nutzten am 8. Juni syrische Oppositionelle um IS-Stellungen bei Mare' und Aʿzāz anzugreifen.
mini|links|Zivilisten fliehen aus Manbidsch.
Am 9. Juni schloss die SDF die Einkesselung ab und unterbrach die letzte große Ausfallstraße von Manbidsch nach Aleppo. Dabei wurden nach Angaben der SOHR 49 IS-Kämpfer und ein SDF-Kämpfer innerhalb der letzten 36 Stunden getötet. Unter den Toten war auch der IS-Emir der Stadt Manbidsch namens Osama al-Tunisi samt Familie und Bodyguards. Al-Tunisi wurde durch Abu Khalid al-Tunisi ersetzt.
Am 10. Juni war die Stadt komplett eingekesselt, womit etwa 2000 IS-Kämpfer und tausende Zivilisten eingeschlossen waren. Westlich der Stadt konnte die SDF mehrere Kilometer Richtung Al-Bab vorrücken.
Der IS war damit nur noch in der Lage kleinere Gegenangriffe zu führen, so wurden eroberte Orte wieder an die SDF verloren. Der IS zog seine Kämpfer vom Umland in die Stadt zusammen. Am 14. Juni hatte die SDF 105 Dörfer und Gehöfte im Umland Manbidschs erobert und erste Luftschläge der Koalition trafen die Außenbezirke der Stadt. Ein Versuch des IS die Belagerung zu sprengen wurde am 15. Juni abgewehrt. Am 16. Juni konnte die SDF den Stadtbezirk Hatabat einnehmen, wobei der lokale IS-Chef der Religionspolizei Hisba namens Abu al-Hayjaa getötet wurde.
Im Westen der Stadt brachen am 17. Juni schwere Kämpfe aus, und die SDF eroberte in einer Nebenoperation die letzten verbliebenen IS-Dörfer im Umland. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich einige arabische Stämme des Umlands der SDF angeschlossen.
Kämpfe am Stadtrand Am 18. Juni stand die SDF am westlichen Rand der Stadt zwei Kilometer von der Stadtmitte entfernt. Am nächsten Tag wurde die wichtige Kreuzung Al-Kitab im Westen erobert. Wenig später waren alle Dörfer um Manbidsch rum in den Händen der SDF. Das Vordringen in die Stadt wurde von Luftschlägen begleitet.
Am Morgen des 20. Juni versuchten IS-Kämpfer aus Al-Bab, Dscharabulus und Arihma den Belagerungsring zu sprengen, was aber unter großen Verlusten auf beiden Seiten scheiterte. Der IS ging nun daran mehrere Zivilisten aus der Umgebung nördlich von Aleppo zu verhaften, was Aktivisten befürchten ließ, dass diese als menschliche Schutzschilde missbraucht werden könnten. Am nächsten Tag brachen schwere Kämpfe um die Silos in Manbidsch aus. Laut der USA war der IS anscheinend bereit bis zum letzten Mann zu kämpfen. Am 23. Juni drangen SDF-Kämpfer auch südlich in die Stadt ein.
mini|links|Explosionen in der Nähe der Silos im Süden der Stadt
Die Silos wurden am 24. Juni durch die SDF erobert. Zusätzlich wurde die Schariaschule des IS im Westen der Stadt eingenommen. Am nächsten Tag machte die SDF große Fortschritte und eroberte die nördlichen Nachbarschaften Al-Hawatimah und Al-Haram und Al-Hawani im Südwesten. Des Weiteren behauptete die SDF, dass die IS-Verteidigung im Süden der Stadt zusammengebrochen war und dass man nur noch einen Kilometer vom zentralen Marktplatz sei.
Der IS startete über Dscharabulus am 28. Juni wieder einen Angriff und wurde nach drei Stunden wieder zurückgeschlagen. Am gleichen Tag nahm die SDF das Gebäude des Verkehrsministeriums und Teile von Hazawna ein. Am nächsten Tag versuchte die SDF die Al-Matahin-Kreuzung zu kontrollieren, von wo sie dann in das Stadtzentrum vorrücken könnten. Der Vormarsch im Osten und Westen der Stadt wurde durch die unzähligen Sprengfallen und Minen verlangsamt. Zusätzlich dazu gab es noch Tunnelsysteme, durch die IS-Kämpfer Überraschungsangriffe hinter der Front starten konnten. Am 30. Juni nahm die SDF die Nachbarschaft Al-Asadiyê, woher Abu Layla stammt.
Erste große Gegenoffensive des IS mini|Eine Autobombe der IS wird mit einer Lenkrakete zerstört.
Am 1. Juli begann der IS eine Offensive, um die Belagerung zu brechen und ihre Kräfte aus der Stadt zu evakuieren. Sie griffen an allen Fronten an, wobei der Hauptangriff auf das Dorf Dadat im Norden Richtung Dscharabulus lag. Hier konnten die IS-Kämpfer erst nach schweren Kämpfen abgewehrt werden. Am nächsten Tag konnte der IS nach einem erneuerten Angriff Dadat einnehmen. Gleichzeitig begann der IS in Manbidsch mit einem Ausbruchsversuch und nahm die Nachbarschaft Jelawi in der nördlichen Stadt und das Dorf Khataf im Osten ein.
Am 3. Juli gab es unterschiedliche Berichte zur Offensive des IS. Während die ANF Agentur vermeldete, dass die SDF die Angriffe im Norden, Westen und Süden abgewehrt habe, berichtete al-Masdar News, dass der IS im Süden zwei Hügel und sieben Dörfer erobert habe. Das SOHR selbst vermeldete lediglich schwere Kämpfe mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Laut Reuters, das sich auf die SOHR bezog, waren alle IS-Angriffe vom 3. und 4. Juli abgewehrt worden. Die SDF selbst hatte aber in den letzten zehn Tagen innerhalb der Stadt kaum Geländegewinne, was teilweise an dem Verzicht schwerer Waffen wegen menschlicher Schutzschilde durch den IS lag.
Wenig später veröffentlichte der IS ein Video, das den Bruder Abu Laylas Yousif Abdo Sa'don als Gefangenen zeigte. Der gefolterte Yousif gab an, Teil der Katāʾib Schams asch-Schimāl zu sein und dass die SDF schwere Verluste im Kampf um die Stadt erlitten habe. Die SDF verneinte die Rolle Yousifs und gab an, dass er nur Zivilist sei. Währenddessen verlegte die SDF Kämpfer aus Kobani, al-Hasaka und Qamischli nach Manbidsch. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli ging der IS wieder in einen Angriff über, wurde aber dann wieder zurückgeschlagen. Es kam zu einer Pattsituation in der Stadt.
Kämpfe im Westen Manbidschs und Stadtzentrum Am 7. Juli war die SDF noch weiter vorgedrungen und war nach der Eroberung des Südwestens der Stadt nur noch einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
Am 9. Juli gingen die schweren Kämpfe weiter, besonders in der al-Hezwania Nachbarschaft, die größtenteils unter SDF-Kontrolle stand. Der amtierende IS-Emir Abu Khalid al-Tunisi wurde bei diesen Kämpfen getötet und durch Abu Omaar al-Muhajiri ersetzt. In den nächsten Tagen konzentrierten sich die Kämpfe auf die Viertel Sabaa Bahrat, al-Hezwania und das Watanî-Krankenhaus. Dabei kamen weitere hochrangige IS-Leute in Manbidsch um. Der IS startete am Sādschūrfluss westlich von Dadat am 11. Juli eine weitere Attacke, die wieder abgewehrt wurde.
Zwischen dem 11. und 13. Juli machte die SDF Fortschritte, indem sie das IS-Gebiet im Westen der Stadt in zwei Teile teilte und die kleinere Tasche dann größtenteils eroberte. Nach mehreren Tagen schwerer Kämpfe zog sich der IS unter hohen Verlusten aus Sabaa Bahrat und al-Hezwania zurück. Angesichts ihrer immer schlechteren Lage begannen die IS-Kämpfer mit der SDF über einen Abzug aus der Stadt zu verhandeln. mini|links|Die SDF rückt auf Manbidsch vor.