Armide ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Drame héroïque“) in fünf Akten von Christoph Willibald Gluck. Das Libretto von Philippe Quinault basiert auf der Armida-Episode aus Torquato Tassos Epos Das befreite Jerusalem und war bereits 1686 von Jean-Baptiste Lully vertont worden. Die Uraufführung erfolgte am 23. September 1777 an der Académie Royale de musique in Paris.

Handlung

Erster Akt

Platz in Damaskus mit einem Triumphbogen

mini|links|Bühnenbild des ersten Akts, Théâtre national de l’Opéra, 1905

Szene 1. Armide, die zauberkundige Prinzessin von Damaskus, wurde von ihrem Geliebten Renaud verschmäht und klagt ihr Leid ihren Gefährtinnen Phénice und Sidonie. Die beiden erinnern sie an den kürzlich errungenen Sieg über das Kreuzfahrerheer Godefrois (Gottfried von Bouillon). Doch nichts kann Armides Stimmung heben: Sie hat im Traum gesehen, wie Renaud ihr Herz durchbohrte.

Szene 2. Der alte Hidraot, Armides Onkel und König von Damaskus, erscheint mit seinem Gefolge. Er wünscht nichts mehr, als dass Armide einen würdigen Gatten finde, der nach ihm über das Reich herrschen könne. Armide erklärt, dass sie nur denjenigen heiraten werde, der zuvor Renaud im Kampf besiegt habe (Armide: „La chaîne de l’Hymen m’étonne“).

Szene 3. Das Volk von Damaskus feiert Armides Sieg mit Tanz und Gesang. Phénice und Sidonie stimmen ein: Armide habe die Gegner ohne Kriegswaffen, allein durch ihre Schönheit, bezwungen.

Szene 4. Der Heerführer Aronte stolpert verwundet mit zerbrochenem Schwert herein und berichtet, dass die von ihm bewachten Gefangenen von einem einzigen unbesiegbaren Helden befreit wurden. Wie Armide sogleich ahnt, handelt es sich um Renaud. Alle schwören Rache.

Zweiter Akt

Landschaft, in der ein Fluss eine anmutige Insel bildet

mini|links|Skizze zum Bühnenbild des zweiten Akts, Théâtre national de l’Opéra, 1905

Szene 1. Der Ritter Artémidore dankt seinem Befreier Renaud, der ihn zurück zum Kreuzfahrerlager schickt. Renaud selbst kann nicht dorthin zurückkehren, da er – von Gernaud fälschlich eines Vergehens beschuldigt – von Godefroi verbannt worden war. Renaud will nun allein neue Abenteuer suchen. Die Warnung Artémidores vor Armide tut er mit den Worten ab, dass sie ihn auch bei ihrer letzten Begegnung nicht bezirzen konnte (Renaud: „J’aime la liberté“). Beide gehen.

Szene 2. Hidraot führt Armide herbei. Er hat Dämonen beschworen, die an diesem abgelegenen Ort erscheinen sollen. Da sich noch kein Ungeheuer sehen lässt, sprechen beide gemeinsam erneut einen Zauber, um ihre Geister herbeizurufen und Renaud zu bezirzen (Duett: „Esprits de haine et de rage“). In einer Vision sieht Armide, wie sich Renaud dem Flussufer nähert. Sie zieht sich mit Hidraot zurück.

Szene 3. Am Ufer angekommen besingt der bezirzte Renaud die Schönheit der Natur (Renaud: „Plus j’observe ces lieux“). Er wird von Müdigkeit überwältigt und schläft ein.

Szene 4. Eine Najade, Nymphen, Hirten und Schäferinnen erscheinen – es sind in Wirklichkeit die von Armide beschworenen Dämonen in verwandelter Gestalt. Sie tanzen, besingen das friedliche Leben und die Liebe und umwinden Renaud mit Blumengirlanden.

Szene 5. Armide sieht ihre Chance zur Rache gekommen und nähert sich mit einem Dolch dem schlafenden Renaud. Doch plötzlich wird sie erneut von Liebe zu ihm überwältigt. Ihr Zorn verfliegt. Aus Scham über ihr Unvermögen fordert sie ihre Dämonen auf, sich in Zephyre zu verwandeln und sie beide weit weg in die Wüste zu tragen (Armide: „Venez, venez, seconder mes désirs“).

Dritter Akt

Eine Wüste

mini|links|Bühnenbild des dritten Akts, Théâtre national de l’Opéra, 1905

Szene 1. Armide wird von Selbstzweifeln geplagt (Armide: „Ah! si la liberté me doit être ravie“).

Szene 2. Phénice, Sidonie bemühen sich, ihre Herrin zu trösten. Schließlich befindet sich Renaud jetzt in ihrer Gewalt und muss ihrem Liebeszauber erliegen. Doch Armide kann sich mit erzwungener Liebe nicht zufriedengeben. Sie beschließt, ihre Liebe durch Hass zu ersetzen (Armide: „De mes plus doux regards Renaud sut se défendre“).

Szene 3. Wieder allein, ruft Armide La Haine, die Furie des Hasses, herbei, um ihre Liebe zu vertreiben (Armide: „Venez, venez, Haine implacable!“).

Szene 4. La Haine erscheint mit ihrem Gefolge. Sie erfüllt gerne Armides Wunsch, die Liebe in ihrem Herzen zu vernichten. Doch als die Beschwörung (ein Furientanz) in vollem Gange ist, ruft Armide Einhalt, da sie sich anders besonnen hat. La Haine fühlt sich von ihr verhöhnt und schwört, ihr nie wieder zu Hilfe zu kommen. Amor werde sie ins Verderben führen (La Haine und Chor: „Suis l’Amour, puisque tu le veux“).

Szene 5. Nachdem die Furien entschwunden sind, ruft die erschrockene Armide Amor um Hilfe an.

Vierter Akt

Dieselbe Einöde, deren Abgründe sich öffnen; danach Verwandlung in eine liebliche Landschaft

Szene 1. Ubalde und der dänische Ritter wurden von Godefroi ausgesandt, um Renaud aus den Fängen Armides zu befreien. Ubalde hat, um ihren Zauberkräften zu entgehen, von einem Magier einen diamantenen Schild und ein goldenes Zepter erhalten. Der dänische Ritter trägt einen Degen, den er Renaud übergeben soll. Nebel erhebt sich und verteilt sich in der Wüste des dritten Akts. Verschiedene Ungeheuer stellen sich den beiden entgegen, doch Ubalde kann sie mit seinem Zepter vertreiben. Auch der Nebel verschwindet. Die Wüste verwandelt sich in eine liebliche Landschaft. Sie sind zuversichtlich, Renaud zu finden und für den Kreuzzug zurückgewinnen zu können.

Szene 2. Ein Dämon erscheint in der Gestalt Lucindes, der Geliebten des dänischen Ritters, und versucht diesen zu betören. Der dänische Ritter kann sich von ihr nicht losreißen und ignoriert alle Warnungen Ubaldes. Doch als dieser sie mit dem goldenen Zepter berührt, verschwindet sie auf der Stelle.

Szene 3. Ubalde versichert dem dänischen Ritter, dass die Erscheinung nur ein Trugbild war. Er selbst glaubt sich vor derartigen Verirrungen sicher, da er seine Geliebte verlassen hat, um sich ganz dem Ruhm zu widmen.

Szene 4. Ein Dämon in der Gestalt von Ubaldes ehemaliger Geliebter Melisse erscheint. Diesmal ignoriert Ubalde die Warnungen des dänischen Ritters. Dieser entreißt ihm den Zepter, berührt Melisse und vertreibt sie so. Die beiden Ritter beschließen, in Zukunft vorsichtiger zu sein und sich zu beeilen, den Palast Armides zu erreichen (Duett: „Fuyons les douceurs dangereuses“).

Fünfter Akt

Der verzauberte Palast Armides

mini|links|Bühnenbildentwurf zum fünften Akt, Maifestspiele, Wiesbaden 1902

Szene 1. Renaud ist Armide nun völlig verfallen. Unbewaffnet, mit Blumengirlanden geschmückt, hält er sich in ihrem Palast auf. Doch Armide wird von bösen Vorahnungen geplagt. Sie macht sich auf den Weg in die Unterwelt, um dort Rat zu suchen. Während ihrer Abwesenheit sollen die Genien der Freude ihren Geliebten unterhalten.

Szene 2. Die Genien der Freude und Chöre seliger Liebender erscheinen zu einem Divertissement. Umrahmt von zwei Chaconnes reihen sich verschiedene Tänze, Arien und Chöre aneinander. Doch Renaud zieht die Einsamkeit vor, solange seine Geliebte nicht bei ihm ist (Renaud: „Allez, éloignez-vous de moi“). Die Genien und Chöre ziehen sich zurück.

Szene 3. Ubalde und der dänische Ritter haben ihr Ziel erreicht und treffen Renaud allein an. Nachdem Ubalde ihm den Diamantschild vor die Augen gehalten hat, verfliegt seine Verzauberung. Sie teilen ihm mit, dass ihr Heerführer ihn zurück zum Kampf rufe. Renaud reißt die Blumengirlanden herunter und erhält den Diamantschild von Ubalde und den Degen vom dänischen Ritter. Er ist bereit zur Abreise.

mini|Bühnenbild des fünften Akts, Théâtre national de l’Opéra, 1905

Szene 4. Bevor die drei den Palast verlassen können, kehrt Armide zurück. Sie fleht Renaud an, zu bleiben, oder sie wenigstens als Gefangene mitzunehmen (Armide: „Renaud! Ciel! O mortelle peine!“). Doch Renaud ist fest entschlossen, seine Pflicht wieder aufzunehmen. Er versichert ihr lediglich, dass er ihrer ewig gedenken werde. Nun verlegt sich Armide auf Drohungen, aber auch diese bewirken nichts mehr. Nach einem letzten Ausdruck des Bedauerns (Renaud: „Trop malheureuse Armide, Que ton destin est déplorable“) verlässt Renaud mit seinen Gefährten den Zauberpalast.

Szene 5. Armide ist allein zurückgeblieben. Nach einer Klage über den Verlust Renauds erinnert sie sich an die Prophezeiung La Haines. Nun bleibt ihr nur noch die Rache. Verzweifelt befiehlt sie ihren Furien und Dämonen, den Zauberpalast niederzureißen. Anschließend entfernt sie sich in einem fliegenden Wagen.

Gestaltung

Instrumentation

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:

Holzbläser: zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte Blechbläser: zwei Hörner, zwei Trompeten Pauken Streicher

Musiknummern

Die Oper enthält die folgenden Musikstücke:

Erster Akt

Szene 1 Ouverture Moderato; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; Solo-Flöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte; zwei Hörner, zwei Posaunen; Pauken Allegro Duett (Phénice, Sidonie): „Dans un jour de triomphe“ – Andante; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Oboen, zwei Fagotte Arie (Armide): „Je ne triomphe pas“ – Toujours bien marqué; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass Duett (Sidonie, Phénice): „Qu’importe qu’un captif“ – Allegro; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; Solo-Oboe Arie (Armide): „Les enfers ont prédit“ – für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Oboen; zwei Hörner Rezitativ (Armide): „Un songe affreux m’inspire“ Arie (Sidonie): „Vous troublez-vous“ – für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass

Szene 2 Introduktion und Rezitativ (Hidraot): „Armide, que le sang“ – für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Oboen, zwei Fagotte; zwei Hörner, zwei Posaunen; Pauken Arie (Hidraot): „Je vois de près la mort“ – Andante; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Hörner Arie (Armide): „La chaîne de l’Hymen“ – Andante; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass Arie (Hidraot): „Pour vous quand il vous plaît“ – Tempo giusto; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Oboen, zwei Fagotte Rezitativ (Armide): „Contre mes ennemies“ Arie (Armide): „Si je dois m’engager un jour“ – Maestoso; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass

Szene 3 Chor und Solo (Hidraot, Koryphäen, Volk von Damaskus): „Armide est encor plus aimable“ – Andantino; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte; zwei Hörner, zwei Posaunen; Pauken Chor und Soli (Volk von Damaskus, Phénice, Sidonie): „Suivons Armide, et chantons“ – „Nos ennemies“ – für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte; zwei Hörner, zwei Posaunen; Pauken „Nos ennemies, affaiblis et troublés“ – für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; Solo-Oboe Ballett: Andante – für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Oboen, zwei Fagotte Soli und Chor (Sidonie, Volk von Damaskus, Phénice): „Que la douceur d’un triomphe“ – für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Fagotte; zwei Hörner „Nous n’avons point fait armer nos soldats“

Szene 4 Chor und Soli (Aronte, Armide, Hidraot, Sidonie, Phénice, Volk von Damaskus): „O ciel! ô disgrâce cruelle“ – für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; Flöte I/II, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte; zwei Hörner Chor und Solochor (Armide, Sidonie, Phénice, Hidraot, Aronte, Volk von Damaskus): „Poursuivons jusqu’au trépas“ – Moderato; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass; zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte; zwei Hörner

Zweiter Akt

Szene 1 Introduktion und Rezitativ (Artémidore, Renaud): „Invincible héros“ – Andante; für Violinen I/II, Viola, Violoncello, Kontrabass