Der Cadillac Fleetwood Eldorado der Modelljahre 1967 bis 1970Die zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen üblicherweise von Kalenderjahren ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres ein neues Modelljahr. Das Modelljahr 1967 begann bei General Motors dementsprechend im August 1966; das Modelljahr 1970 endete im Juli 1970. ist ein Personal Luxury Car der zum US-amerikanischen General-Motors-Konzern gehörenden Automarke Cadillac. Das in der Kurzform zumeist nur „Eldorado“ genannteUngeachtet der für diese Baureihe formal zutreffenden Bezeichnung Fleetwood Eldorado spricht die US-amerikanische Automobilliteratur nahezu durchgängig nur von „Eldorado“; vgl. z. B. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 90. Die nachfolgende Darstellung folgt aus Gründen der Vereinfachung diesem Usus. Coupé war das erste Modell der Marke, das mit Frontantrieb ausgestattet war, und zugleich einer der ersten in großer Serie gefertigten Frontantriebswagen der Oberklasse. Das Auto gilt heute als Stilikone.Angelo Van Bogart, Brian Earnest: Cadillac. 100 Years of Innovation. Krause Publications, 2003, ISBN 0-87349-690-6, S. 138. Sein außergewöhnliches Design entstand unter der Leitung von Bill Mitchell; es gilt als eine seiner besten Arbeiten.

Hintergrund: Die Eldorado-Baureihe

Die Eldorado-Baureihe war seit 1953 regelmäßiger Bestandteil der Modellpalette Cadillacs. Der erste Eldorado ging auf ein im Sommer 1952 präsentiertes Show Car namens El Dorado Golden Anniversary zurück, mit dem die Marke ihr 50-jähriges Bestehen feierte.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 84. Nach dem Vorbild dieses Einzelstücks, das nach dem legendären Goldland Südamerikas benannt war, entwickelte Cadillac ein offenes zweitüriges Serienmodell, das besonders hochwertig ausgestattet und oberhalb des regulären Cadillac Series 62 Convertible positioniert war.David Lillywhite, Halwart Schrader: Klassische Automobile. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-613-02552-3, S. 104. 1956 ergänzte Cadillac die Eldorado-Reihe um ein zweitüriges Hardtop Coupé namens Eldorado Seville, und 1957 kam die extrem teure Limousine Eldorado Brougham hinzu. Die Eldorado-Familie nahm die Spitzenposition bei General Motors ein.C. Van Tune: Cadillac Eldorado 1953–1973. In: Motor Trend. Heft März 1994.James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 42. Obwohl sich das Eldorado Cabriolet, das – je nach Modelljahr – zwischen 1.500 und 3.500 US-$ teurer war als die regulären Cadillac-Cabriolets, sich nur in geringen Stückzahlen verkaufte, zog es als besonders hochwertiges und attraktives Modell die Kunden zu den Händlern und half so, den Absatz der Standard-Cadillacs zu erhöhen.James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 18.

Zu Beginn der 1960er-Jahre verlor die Eldorado-Familie ihre Strahlkraft. Mit Ablauf des Jahres 1960 stellte Cadillac den exklusiven Eldorado Brougham, der wirtschaftlich ein Verlustgeschäft gewesen war,Maurice Hendry: 1967 Eldorado – What’s up Front That Counts. In: Special Interest Autos. Heft Februar 1982. ersatzlos ein. Bereits ein Jahr zuvor hatte das reguläre Eldorado Convertible seine Eigenständigkeit verloren. In Anwendung des Badge-Engineering-KonzeptsJames W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 67. teilten die nun Eldorado Biarritz (bis 1965) bzw. Fleetwood Eldorado (1966) genannten Autos nicht nur die Technik, sondern auch die Karosserie mit Cadillacs Standard-Cabriolets, zu dessen besser ausgestatteter Luxusvariante sie wurden. Die Jahresproduktion lag in den 1960er-Jahren regelmäßig im unteren vierstelligen Bereich; abgesehen von den letzten beiden Modelljahren entstanden jährlich nur etwas mehr als 1000 Eldorados.

Mit Ablauf des Modelljahrs 1966 stellte Cadillac die Produktion des hinterradgetriebenen Fleetwood Eldorado ein. Zum Modelljahr 1967 kam es zu einer Neuausrichtung des Eldorado. Er wurde technisch und stilistisch von Cadillacs Standardmodellen gelöst und zu einem gänzlich eigenständigen Oberklassecoupé weiterentwickelt. Zur technischen Neupositionierung des Modells gehörte die Hinwendung zum Frontantrieb, der in dieser Klasse ein Novum darstellte. Der Eldorado dieser Generation war – wie alle nachfolgenden Generationen ebenfalls – mit dem Oldsmobile Toronado verwandt.

Entstehungsgeschichte mini|Technisch eng mit dem Eldorado verbunden: Oldsmobile Toronado Die Entwicklung des neuen Eldorado begann bereits 1959. Nach anfänglichen Überlegungen sollte er die Marktnische des exklusiven Eldorado Brougham neu besetzen.Der Cadillac Eldorado Brougham war ein in wenigen hundert Exemplaren gefertigtes Luxusmodell mit eigenständiger Karosserie und aufwändiger Technik, die eine innovative, wenn auch problematische Luftfederung einschloss. In einzelnen Jahren wurde seine Karosserie in Handarbeit bei Pininfarina in Italien gefertigt. Ungeachtet der Namensidentität hatte der Eldorado keine äußere Ähnlichkeit mit den Eldorado-Cabriolets. Der Eldorado Brougham war annähernd doppelt so teuer wie Cadillacs Standardmodelle. Anfängliche Studien der Cadillac-Designer sahen den neuen Eldorado in erster Linie als zweisitziges Coupé mit sehr langer Motorhaube und weit zurückgesetzter Fahrgastzelle; zeitweise gab es auch Überlegungen für den Einsatz eines V16-Motors, der allerdings nicht realisiert wurde.James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 82 f.

Nach einer dreijährigen Phase der Konzeptionierung fiel 1962 die Entscheidung für die Umstellung von Heck- auf Frontantrieb. Damit sollte die Eigenständigkeit des Eldorado, die in den frühen 1960er-Jahren zunehmend verloren ging, unterstrichen werden. Zuvor war bereits die Entwicklung eines Frontantriebsmodells für die Schwestermarke Oldsmobile beschlossen worden, die im 1966 vorgestellten Oldsmobile Toronado mündeten. Im Sommer 1963 fasste General Motors die technische Entwicklung des Oldsmobile und des Cadillac zusammen.Geschichte des 1967er Cadillac Eldorado auf der Internetseite www.eldorado-seville.com (abgerufen am 21. Oktober 2016). Dementsprechend hatten beide Modelle im Ergebnis die gleiche Technik. Cadillacs Ingenieure nahmen allerdings Detailveränderungen vor, die nach Ansicht von Beobachtern dazu führten, dass das Handling des Eldorado besser war als das des Toronado.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 91.

Der neue Eldorado wurde, anders als seine Vorgänger, ausschließlich als Coupé entwickelt. Eine alternative Cabrioletversion war nicht in Planung.

Der Karosserieentwurf wird dem damaligen GM-Designchef Bill Mitchell zugeschrieben; er gilt als eine seiner besten Arbeiten für General Motors.Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8, S. 31. Tatsächlich leistete Mitchell selbst kaum Beiträge zum Design. Die Form des Eldorado wurde im Wesentlichen von Stan Parker und Charles „Chuck“ Jordan entwickelt.James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 85. Bereits die ersten Entwürfe aus dem Jahr 1960, die noch für ein Dream Car mit einem Zwölf- oder Sechzehnzylindermotor entstanden waren, legten mit einer sehr langen Motorhaube, einem knappen Fahrgastabteil und einem kurzen Heck die Proportionen des späteren Serienmodells fest. Das Konzeptfahrzeug XP-825 vom Sommer 1964 entsprach dann in nahezu allen Details der späteren Serienkarosserie.

Als Bezeichnung des neuen Modells war anfänglich der Name LaSalle im Gespräch, der bereits von 1927 bis 1940 für eine Tochtermarke Cadillacs verwendet worden war. Gegen die Wiederbelebung dieses Namens sprach letztlich, dass diese LaSalle-Reihe seinerzeit in einem Marktsegment unterhalb von Cadillac angesiedelt gewesen war, sodass ein Widerspruch zu der beabsichtigten Positionierung des neuen Modells in der Oberklasse befürchtet wurde. Letztlich führte das zur Fortsetzung des etablierten Namens Eldorado, der durch den Zusatz „Fleetwood“ weiter aufgewertet wurde.Der name Fleetwood bezieht sich auf den ehemals selbständigen US-amerikanischen Karosseriehersteller Fleetwood Metal Body Co., der 1930 von General Motors übernommen worden war und in der Vorkriegszeit viele der Werkskarosserien für Cadillac fertigte. Cadillac nutzte den Namen Fleetwood seit 1966 für die hochwertige Ausstattungslinie seiner teuren Series-60-Limousinen, die in Details formaler gestaltet waren als die preiswerteren DeVille-Limousinen. Durch die Verbindung des Eldorado mit dem Namen Fleetwood suggerierte Cadillac, der Eldorado sei eine Coupé-Version der Series-60-Modelle.

Der Eldorado konkurrierte auf dem heimischen Markt mit dem Continental Mark III, einem Oberklassecoupé des Ford-Konzerns, das von Lincoln vertrieben wurde. Beide Fahrzeuge hatten annähernd gleiche Preise; im Gegensatz zum Eldorado hatte der Continental Mark III aber konventionelle Antriebstechnik.

Modellbeschreibung Fahrwerk Das Fahrwerk des Eldorado entsprach in seinen Grundzügen dem des Oldsmobile Toronado. Er hatte den seinerzeit bei General Motors üblichen Kastenrahmen mit einem für Cadillac ungewöhnlich kurzen Radstand von 3.048 mm. Die Vorderräder beider Modelle waren einzeln an Querlenkern mit DrehstabfedernKatalog Die Automodelle 1967/68. Ausgabe Nr. 11/67, Vereinigte Motor-Verlage, Stuttgart. und Teleskopstoßdämpfern aufgehängt. Hinten hatte der Eldorado eine Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern und insgesamt vier Stoßdämpfern. Anders als der Toronado, der zunächst rundum mit Trommelbremsen ausgestattet war, hatte der Cadillac von Anfang an vordere Scheibenbremsen. Die Servolenkung hatte eine variable, vom Lenkeinschlag abhängige Übersetzung.

Antrieb Als Motoren wurden ausschließlich Achtzylindermotoren verwendet. Im Laufe des Produktionszyklus kamen unterschiedliche Motoren zum Einsatz: Im ersten Modelljahr war es ein 7.024 cm³ (429 Kubikzoll) großer Achtzylinder-V-Motor mit 340 SAE-Brutto-PS. 1968 und 1969 kam eine auf 7.729 cm³ (472 Kubikzoll) vergrößerte Version dieses Motors zum Einsatz, die 375 SAE-Brutto-PS leistete. 1970 erhielt der Eldorado exklusiv einen neuen Achtzylindermotor mit 8.194 cm³ (500 Kubikzoll) Hubraum. Es war der größte in Serie produzierte Pkw-Motor der Nachkriegszeit.Erst der Dodge Viper von 2003 überbot mit seinem 8,4 Liter großen Zehnzylindermotor die Cadillac-Konstruktion. Seine Leistung betrug 400 SAE-Brutto-PS.

In den Modelljahren 1967 bis 1969 teilte der Eldorado die Motoren mit den übrigen – heckgetriebenen – Cadillac-Modellen. Für den Einsatz im frontgetriebenen Eldorado waren allerdings einige Änderungen nötig. Sie betrafen die Ölwanne, die Auspuffanschlüsse und die Befestigungen des Motors.John Gunnell: American Cars of the 1960s: A Decade of Diversity. Krause Publications, 2005, ISBN 0-89689-131-3, S. 116. Die Kraft übertrug in allen Fällen ein automatisches, Hydra-Matic genanntes Dreiganggetriebe, das seitlich neben dem Motor installiert war. Motor und Getriebe waren über Ketten miteinander verbunden.Roger Gloor: Alle Autos der 60er Jahre. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, 2006, ISBN 3-613-02649-X, S. 94.

Karosserie