mini|hochkant|Albanische Musiker im Kosovo mit einer Trommel (lodra, daullja oder tupan) und zwei Kegeloboen (surla oder curla) Tapan (, Plural tapani), tápan, auch tupan, topan, ist eine zweifellige Zylindertrommel, die in Bulgarien, Nordmazedonien, Serbien, Kosovo, Albanien und Griechenland gespielt wird. Die Form mit W-förmig verspannten Membranen und die Spielweise gehen auf die in osmanischer Zeit eingeführte davul zurück. Die orientalische Herkunft der tapan zeigt sich vor allem im Zusammenspiel mit dem Doppelrohrblattinstrument (Kegeloboe) zurla. Die anatolische Ensembletradition davul-zurna wurde vermutlich von Roma vor dem 14. Jahrhundert auf dem Balkan eingeführt, wo das Duo meist als tapan-zurla bekannt ist. Auf einem Fresko in der Kirche des Klosters Morača aus dem 16. Jahrhundert ist die bis heute übliche Besetzung mit einer Trommel und zwei Kegeloboen abgebildet.Roksanda Pejović: A Historical Survey of Musical Instruments as Portrayed in Mediaeval Art in Serbia and Macedonia. In: International Review of the Aesthetics and Sociology of Music. Band. 13, Nr. 2, Dezember 1982, S. 177–182, hier S. 180 Daneben spielen professionelle Musiker die tapan bei Familienfeiern auch zusammen mit dem Dudelsack gajda oder anderen Melodieinstrumenten.

Herkunft und Verbreitung mini|Osmanische Militärkapelle Mehterhâne mit Zylindertrommeln davul und Kesseltrommeln kūs. Miniaturmalerei im Surname-i Vehbi von 1720 Da aus Mesopotamien und aus der europäischen Antike keine Zylindertrommeln mit W-förmigen Spannschnüren bekannt sind, mehrere zweifellige Trommeltypen mit Schnürriemen aber in der altindischen Literatur des 1. Jahrtausends v. Chr. erwähnt werden,Walter Kaufmann: Altindien. Musikgeschichte in Bildern. Band 2: Musik des Altertums. Lieferung 8. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981, S. 32f ist es nach verbreiteter Ansicht naheliegend, eine Ausbreitung dieser Trommeln von Südasien westwärts anzunehmen. Am zentralindischen Stupa von Sanchi zeigt ein Steinrelief aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. zylindrische und fassförmige Trommeln mit Schnurverspannung. Die erste Darstellung einer W-förmigen Verspannung an einer Zylindertrommel fand man an der buddhistischen Kultstätte von Garhwa (bei Prayagraj) vom Anfang des 5. Jahrhunderts.Laurence Picken, 1975, S. 102 Entsprechend steht der Name der türkischen davul über Persisch duhul mit tavil (südindische Fasstrommel), davula (Zylindertrommel in Sri Lanka) und ferner mit den nordindischen Trommeln dhol und dholki in Verbindung. Die Gemeinsamkeit erstreckt sich darüber hinaus auf das häufige Zusammenspiel dieses Trommeltyps mit einem Doppelrohrblattinstrument vom Typ surnay (Kegeloboe) und die Verwendung unterschiedlich großer und schwerer Schlägel für beide Membrane. Solche Ensemblebesetzungen sind bis Ost- und Südostasien verbreitet. Ob es jedoch, wie türkische Volkskundler vermutet haben, einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Trommeln bei schamanistischen Praktiken in Zentralasien und dem Einsatz der davul in der türkischen Volksmusik gibt, ist nach Laurence Picken (1975) zweifelhaft, zumal weil als Schamanentrommeln üblicherweise einfellige Rahmentrommeln dienten.Laurence Picken, 1975, S. 104

Gemäß dem osmanischen Schriftsteller Evliya Çelebi (1611–1683) war der erste Osmane, der davul spielte, Sultan Orhan Gazi (reg. 1326–1359). Çelebi erwähnt das allgemeine Wort für Trommel, tabl, und fügt hinzu, dass zuvor schon dessen Vater Osman I. (reg. 1288–1326) zu den Trommelschlägen einer Militärtrommel davul als Prinz ernannt worden war.Henry George Farmer (Übersetzung und Kommentar): Turkish Instruments of Music in the Seventeenth Century. As described in the Siyāḥat nāma of Ewliyā Chelebī. Civic Press, Glasgow 1937, S. 15 f. (Longwood Press, Portland, Maine 1976)

Die Varianten der tapan werden allgemein als Abkömmlinge der davul aufgefasst. Die Kenntnisse über Musikinstrumente der Slawen auf dem Balkan vom 10. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stammen mehrheitlich von Malereien in Kirchen und Klöstern. Abbildungen ab dem Anfang des 14. Jahrhunderts, als der Balkan zum byzantinischen Reich gehörte, zeigen Zylindertrommeln mit W-förmiger Verschnürung, V-förmigen Schnarrsaiten unter einem Fell und einen gekrümmten Schlägel. Die früheste bekannte Abbildung aus dem Jahr 1294 befindet sich in der Kirche Sveti Bogoroditsa Peribleptos in Ohrid, eine Abbildung von 1307 ist aus der Kathedrale Bogorodica Ljeviška in Prizren bekannt, weitere derartige Trommeldarstellungen im christlichen Kontext enthalten die Georgskirche (1318) des Dorfes Staro Nagorichino in Nordmazedonien, das serbische Kloster Visoki Dečani (1335) im Kosovo und das Kloster Lesnovo (1349) im gleichnamigen Dorf in Nordmazedonien.Laurence Picken, 1975, S. 100 Nach den datierten ikonographischen Belegen war die zweifellige, W-förmig verschnürte Zylindertrommel auf dem Balkan bereits vor der militärischen Eroberung durch die Osmanen gebräuchlich, die 1389 aus der Schlacht auf dem Amselfeld siegreich hervorgingen. Als erster entwickelte Felix Hoerburger (Der Tanz mit der Trommel, 1954) hieraus die Hypothese, dass die asiatische Spieltradition von Kegeloboe und zweifelliger Trommel, die während des Sultanats der Seldschuken in Anatolien unter dem Namen tümrük bekannt war, zusammen mit der Einwanderung von Roma vor dem 14. Jahrhundert, also noch in byzantinischer Zeit, auf dem Balkan eingeführt wurde. Mehrere Autoren, darunter Laurence Picken (1975, S. 103) und Rudolf Brandl (1996, S. 15f), folgten dieser Einschätzung.Gabriela Ilnitchi, 2007, S. 197

Auf dem Fresko in Bogorodica Ljeviška (1307) gehört die Zylindertrommel in der Szene der Entschlafung Mariens zu einer weiblichen Musikgruppe, die außerdem ein Psalterium, eine Harfe, eine Laute und Zimbeln spielt. Lediglich die erkennbare W-Verspannung der Trommel könnte auf die orientalische Herkunft hinweisen, die übrigen Instrumente und ihre Anordnung verweisen dagegen auf Vorbilder in byzantinischen Manuskripten aus dem 11. Jahrhundert. Darin sind nur Trommeln ohne W-Verspannung abgebildet. Bei den Darstellungen in den Kirchen Bogoroditsa Peribleptos, Staro Nagorichino und Lesnovo gehört die Trommel zur Szene „Die Verspottung Christi“ nach , deren Ikonographie auf ein Evangeliar aus dem 11. Jahrhundert zurückgeht. Die Bibelstelle erwähnt keine Musikinstrumente und auch auf dem gleichnamigen Gemälde von Matthias Grünewald um 1504 sind keine Instrumente abgebildet, aber ab Ende des 13. Jahrhunderts findet sich die Szene auf Fresken in Kirchen auf dem Balkan mit Christus, Soldaten, Musikern und Narren in unterschiedlichen Kompositionen. Vor allem die Anzahl und Anordnung der Trommeln und Blasinstrumente variiert beträchtlich. Ein wiederkehrendes Element sind zwei Trompeten symmetrisch über dem Kopf von Christus. In Bogoroditsa Peribleptos sind Trommel und Zymbel beidseits der Christusfigur angeordnet, während auf dem Fresko von Staro Nagorichino die Trommler zusammen mit einem Blasinstrument sich auf einer Seite zu einem Ensemble formieren. In beiden Fällen besitzt die Trommel eine W-Verschnürung, in der etwas später ausgemalten Kirche von Lesnovo (1345) ist bei der Illustration von Psalm 150 eine Trommel mit zwei parallelen Schnarrsaiten und einer X-förmigen Verschnürung zu sehen. Der möglicherweise älteste literarische Beleg für die Anwesenheit von Roma auf dem Balkan wird ins Jahr 1348 datiert, als der serbische König Dušan regierte. Darin ist von c’ngar’ genannten Handwerkern im Kloster von Prizren die Rede. Hinzu kommen andere Quellen, die ebenfalls für die Ausbreitung von Roma in Thrakien in dieser Zeit sprechen.Gabriela Ilnitchi, 2007, S. 202–204

Fresken, auf denen eindeutig eine zurna (oder zurla) erkennbar ist, sind weder in Thrakien noch überhaupt aus dem 14. Jahrhundert überliefert, sondern erst kurz vor Ende des 15. Jahrhunderts im Fürstentum Moldau. In den Fresken ab Ende des 15. Jahrhunderts ist eine veränderte Haltung des Trommelspielers zu erkennen. Er hält nun anstelle eines geraden Schlägels einen festen gekrümmten Stab in der rechten Hand und anstatt mit der bloßen linken Hand zu schlagen verwendet er einen dünnen Rohrstock zwischen Daumen und Zeigefinger. Damit rücken die christlichen Trommelabbildungen in die Nähe militärischer Darstellungen in islamischen Manuskripten, wie sie spätestens ab Ende des 14. Jahrhunderts vorkommen. Offenbar war nun der Anblick der osmanischen Militärkapellen Mehterhâne auf dem Balkan geläufig geworden. Das außerhalb der osmanischen Einflusssphäre gelegene Fürstentum Moldau war Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts in militärische Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich verwickelt, bis es 1512 gegenüber der Hohen Pforte tributpflichtig wurde. Die Fresken in der Kirche des moldauischen Ortes Bălinești (Kreis Suceava) entstanden zwischen 1500 und 1511, als es intensive Kontakte mit den Türken gab. Gabriela Ilnitchi (2007) vermutet, dass die Szene von der Verspottung Christi als eine Art Annäherung an die osmanische Großmacht mit orientalischen Bildinhalten ausgestattet wurde. Diese Bildkomposition von Bălinești mit Mehterhâne-Musikinstrumenten (davul, zurna und Trompete) wurde wenig später unter der Herrschaft von Petru Rareș in anderen moldauischen Kirchen übernommen, darunter 1535 im Kloster Humor und 1541 im Kloster Arbore.Gabriela Ilnitchi, 2007, S. 208

Südlich der Donau wird ab Anfang des 17. Jahrhunderts die Verspottung Christi nicht mehr mit einem Mehterhâne-Ensemble illustriert, sondern mit einem Instrumentalduo bestehend aus davul und zurna, etwa 1622 im serbisch-orthodoxen Kloster Pustinja bei Valjevo und in den 1630er Jahren in Stragari (Bezirk Šumadija). Das Fresko in Pustinja ist bemerkenswert, weil es eine der ältesten, deutlich erkennbaren Darstellungen des heute üblichen Ensembles aus zwei Kegeloboen und einer Trommel abbildet. Die auf Schulterhöhe mit dem Schallbecher leicht nach oben gehaltene Kegeloboe und die an einem Riemen von der linken Schulter herabhängende Trommel stellen ebenso die heutige Spielpraxis dar. Das davul-zurna-Ensemble spielt auf den Fresken nicht nur zum Zweck der Verächtlichmachung Christi, sondern auch bei einem positiven Anlass, der Hochzeit zu Kana, beispielsweise auf einem Wandbild vom Ende des 16. Jahrhunderts im Kloster Morača in Montenegro oder an anderen Orten bei der Darstellung von Psalmen zum Lob Gottes. Zeitgenössische osmanische Abbildungen zeigen entsprechende davul-zurna-Ensemble bei festlichen Anlässen. Diese kulturübergreifende musikalische Übereinstimmung bestätigt der Bericht eines anonymen deutschen Reisenden, der bei der Hochzeit der Tochter des moldauischen Fürsten Vasile Lupu 1652 erlebte, dass der Bräutigam mit „militärischer und anderer Musik besonders der von Türken und Zigeunern (țigani)“ empfangen wurde. Zu späterer Stunde hätten die Damen in den Gemächern der Braut zur Musik der Zigeuner getanzt.Gabriela Ilnitchi, 2007, S. 212, 221f

Eine Zylindertrommel mit W-Schnürung ist in der Handschrift Kitāb fī maʿrifat al-Hiyal al-handasīya von 1206 des arabischen Autors al-Dschazarī abgebildet. Die überlieferte Darstellung stammt aus dem 14. Jahrhundert und zeigt Musikanten mit zwei Langtrompeten (buq), einer kleinen Kesseltrommel (naqqara), einem Paarbecken (kasat) und einer Zylindertrommel (tabl).Henry George Farmer: Islam. (Heinrich Besseler, Max Schneider (Hrsg.): Musikgeschichte in Bildern. Band III. Musik des Mittelalters und der Renaissance. Lieferung 2) VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1966, S. 91 Derselbe Trommeltyp mit W-förmiger Verschnürung ist in dem 1723 erschienenen Bildband Gabinetto armonico pieno d’instrumenti sonori des Italieners Filippo Bonanni unter dem Titel Tamburro sonato dal Turco enthalten.Filippo Bonanni, 1723, Abbildung S. 171: Tamburro sonato dal Turco. Im 18. Jahrhundert hieß dieser Trommeltyp in Europa „Türkische Trommel“.