__NOTOC__ mini|Der Dom zu Halberstadt,Sitz des Domkapitels Das Domkapitel Halberstadt wird erst im 10. Jahrhundert erwähnt. Die Mitglieder entstammten meist niedersächsischen Adelsfamilien, wobei bis ins 15. Jahrhundert der hohe Adel tonangebend war.
Die Dignitäre waren Dompropst und Domdechant, wobei der Dompropst seit dem 15. Jahrhundert seinen Einfluss immer weiter zu Gunsten des Domdechanten verlor. Das Domkapitel selbst hatte die Propsteien über die Kollegiatstifte an Liebfrauen, SS. Bonifatii et Mauritii, SS. Petri et Pauli und Walbeck.
Im Jahre 1521 gab es erste evangelische Predigten in der Martinikirche. Später gab es in den Jahren 1525 und 1530 Versuche zur Einführung der Reformation, die jedoch erfolglos waren. Im Jahre 1540 wurden die Pfarrkirchen evangelisch. Eine Freigabe der evangelischen Konfession erfolgte 1541.Andreas Odenthal: Ordinatio cultus divini, Münster 2005, S. 61.
Obwohl Hochstift und Bistum Halberstadt 1648 säkularisiert wurden, konnte das Domkapitel weiterbestehen und der bikonfessionelle Status wurde festgeschrieben.Dörthe Gruttmann: Die Grenzen lutherischer Konfessionalisierung. Das Hochstift Halberstadt unter dem postulierten Bischof Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1566–1613), in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Band 57, (2011), Hrsg. Klaus Neitmann, Wolfgang Neugebauer, De Gruyter, Berlin 2011, S. 1–36 (doi:10.1515/9783110236651.1).
Im Jahre 1810 wurde es durch die Regierung des Königreichs Westphalen aufgehoben.Hans-Georg Aschoff: Staat und Katholische Kirche im Königreich Westfalen. In: Thomas Scharf-Wrede (Hrsg.): Umbruch oder Übergang? Die Säkularisation von 1803 in Norddeutschland, Hildesheim 2004, S. 131–177.
Anzahl der Mitglieder Im Jahre 1752 gab es beispielsweise 28 Kanonikerstellen, davon 20 Major- und 8 Minorpräbenden, ferner zusätzlich bis zu 24 Electi, die man als Exspektanten ansehen kann.Neues Genealogisch-Schematisches Reichs- und Staats-Handbuch vor das Jahr MDCCLII, Franz Varrentrapp, Frankfurt am Main 1752, S. 109–110.Peter Hersche: Die deutschen Domkapitel im 17. und 18. Jahrhundert. Bern 1984 (3 Bände); Band 1, S. 200–201. Im Jahre 1794 bestand das Domkapitel neben dem Dompropst aus 16 Kapitularen, von denen vier katholisch waren, 8 Minorpräbendaten, sowie 28 Electi (Aspiranten).Das evangelische Domkapitel zu Halberstadt im Jahr 1794. In: Carl Eduard Vehse: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation. Band 47(–48), Vierzehnter Theil: Die geistlichen Höfe, Vierter Theil, Hoffmann & Campe, Hamburg 1859, S. 101–104 Digitalisat.
Stephansorden mini|Ernst Ludwig Freiherr von Spiegel mit dem Stephansorden(Domdechant 1753–1785)1754 stiftete Friedrich II. für die Kapitulare den Stephansorden. Das Ordenszeichen war ein goldenes, weiß emailliertes Malteserkreuz, auf dessen Vorderseite der Preußische Adler mit Zepter, auf der Rückseite der Heilige Stephanus, der Patron des Halberstadter Doms, abgebildet war. Es wurde an einem roten, schwarzgeränderten Band um den Hals getragen.Caspar Abel: Stiffts- Stadt- und Land-Chronick des jetzigen Fürstenthums Halberstadt, Christof Gottfried Cörner, Bernburg 1754, S. 568–569 Digitalisat. Erster Träger war Domdechant Ernst Ludwig von Spiegel, dem auch das Recht zur Verleihung gegeben wurde. Nach seinem Tod ging der Orden unter.
Dompröpste 1313–1341 Heinrich von Anhalt 1341–1367 (†) Johann von Braunschweig-Grubenhagen 1367–1382 Heinrich von Braunschweig, 1378 suspendiert 1384–1411 Albrecht von Wernigerode, anschließend Bischof von Halberstadt 1411–1414 Dietrich von Rabiel, abgesetzt 1414–1435 Friedrich von Hacke 1435–1452 Busso (Busse, Burchard) Graf von Beichlingen Ludolf von Eßdorf, nicht gesichert 1453–1463 Rudolf Quirre 1463–1474 Heinrich Gerwen 1474–1516 (†) Balthasar von Neuenstadt 1516–1538 Wolfgang zu Stolberg, resignierte 1538–1544 Heinrich zu Stolberg, resignierte; Sohn von Wolfgang zu Stolberg 1544–1581 Christoph zu Stolberg, Sohn von Botho zu Stolberg 1598–1623 Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel 1623–1627 Friedrich Herzog von Schleswig-Holstein, später König Friedrich III. von Dänemark 1627–1647 Anselm Casimir Wambolt von Umstadt, durch 1623 päpstliche Provision, Akzeptanzproblem beim protestantischen Kapitel, erst 1627 Installation, später Erzbischof von Mainz der Papst ernannte Ernst Adalbert von Harrach, wurde vom Kapitel nicht angenommen, Erzbischof in Prag und Kardinal –1652 Konrad von Burgsdorff –1692 Georg Friedrich von Waldeck, kaiserlicher und holländischer General-Feldmarschall –1734 Markgraf Christian Ludwig zu Brandenburg-Schwedt, Komtur des Johanniterordens zu Lagow 1734–1788 Friedrich Heinrich von Brandenburg-Schwedt, Prinz von Preußen, Neffe des Vorgängers, Komtur zu Lietzen 1788–1810 August Ferdinand von Preußen, Herrenmeister der Ballei Brandenburg des Johanniterordens
Domdechanten 1465–1506 Johannes von Querfurt 1511–1513 Sebastian von Plotho, resignierte 1513–1538 Johannes von Marenholtz d. Ä. 1538–1560 Huner von Sampleben 1560–1576 Friedrich von Britzke 1576–1588 Ludwig von Britzke 1588–1605 Caspar von Kannenberg 1605–1621 Matthias von Oppen 1621–1622 Eitel Johann von Holle 1623–1630, 1635–1651 Arndt von Spiegel zu Peckelsheim 1630–1635, 1651–1660 Joachim von Hünecke 1660–1661 Jobst Ludwig (Justus Ludolf) von Stedern 1661–1677 Philipp Ludwig von Spitznase 1678–1679 Johannes Adrian von Wendt, resignierte 1679–1691 Levin Caspar von Bennigsen 1691–1705 Clamor von dem Bussche 1705–1711 Johan Wolfgang von Stechow 1711–1753 Clamor Eberhard von dem Bussche 1753–1785 Ernst Ludwig von Spiegel zum Desenberg 1785–1786 Georg Ludwig von Hardenberg 1786–1796 Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode, resignierte 1796–1810 Johann August Ernst von Alvensleben
Siehe auch :Kategorie: Domherr (Halberstadt)
Quellen Gustav Schmidt (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt und seiner Bischöfe. Bd. 1: Bis 1236, Leipzig 1883 (Digitalisat). Gustav Schmidt (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt und seiner Bischöfe. Bd. 2: 1236–1303, Leipzig 1884 (Digitalisat). Gustav Schmidt (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt und seiner Bischöfe. Bd. 3: 1303–1361, Leipzig 1887 (Digitalisat). Gustav Schmidt (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt und seiner Bischöfe. Bd. 4: 1362–1425, Leipzig 1889 (Digitalisat). Gerrit Deutschländer, Ralf Lusiardi, Andreas Ranft (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt und seiner Bischöfe. Bd. 5: 1426–1513, Köln 2014, ISBN 978-3-412-22282-6. Caspar Abel: Stiffts-, Stadt- und Land-Chronick des jetzigen Fürstenthums Halberstadt, Bernburg 1754, S. 564–568. Samuel Lentz: Diplomatische Stifts- und Landes-Historie von Halberstadt und angräntzenden Oertern, Halle 1749.
Literatur Gustav Schmidt: Die Dompröpste von Halberstadt, In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 19, (1886), Commission H. C. Huch, Quedlinburg 1886, S. 23–92 (Digitalisat). Albert Brackmann: Urkundliche Geschichte des Halberstädter Domkapitels im Mittelalter. Ein Beitrag zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der deutschen Domkapitel. (Dissertation, Wernigerode 1898). Rudolf Meier: Die Domkapitel zu Goslar und Halberstadt in ihrer persönlichen Zusammensetzung im Mittelalter. In: Studien zur Germania Sacra, Band 1, Göttingen 1967. Ulrich Schwarz: Ludolf Quirre (ca. 1395–1463), Dompropst von Halberstadt. Der langsame Aufstieg eines Bürgers in der Kirche. In: Werner Freitag (Hrsg.): Mitteldeutsche Lebensbilder. Menschen im späten Mittelalter. Böhlau 2002, ISBN 3-412-04002-9, S. 183–202 (Teildigitalisat ). Hans Fuhrmann: Balthasar von Neuenstadt († 1516), Dompropst von Halberstadt. Ein Stifter und seine Stiftungen. In: Werner Freitag (Hrsg.): Mitteldeutsche Lebensbilder. Menschen im späten Mittelalter. Böhlau, Köln/Weimar 2002, ISBN 3-412-04002-9, S. 203–225 (Teildigitalisat). Andreas Odenthal: Die Ordinatio cultus divini et caeremoniarium des Halberstädter Domes von 1591. Untersuchungen zur Liturgie eines gemischtkonfessionellen Domkapitels nach Einführung der Reformation. Aschendorff, Münster 2005, ISBN 3-402-04073-5. Hans Fuhrmann: Die Inschriften des Doms zu Halberstadt, In: Die Deutschen Inschriften, Band 75, Leipziger Reihe 3. Band, Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2009 (Digitalisat). Silke Siebrecht: Der Halberstädter Domherr Friedrich Eberhard von Rochow. Handlungsräume und Wechselbeziehungen eines Philanthropen und Volksaufklärers in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 334 S., zahlr. Abb., 2013; ISBN 978-3-943245-05-9 (Teildigitalisat).
Weblinks Stadtmuseum Halberstadt: Das Halberstädter Domkapitel. Machtfaktor vom Mittelalter bis in die Neuzeit „Domstift Halberstadt“ (GSN: 783), In: Germania Sacra, (eccl. Halberstadt.) (Abgerufen: 31. Juli 2024).
Einzelnachweise
Halberstadt Kategorie:Christentum in Halberstadt Kategorie:Gegründet im 9. Jahrhundert Kategorie:Christentumsgeschichte (Sachsen-Anhalt)