mini|Sprachenkarte New Ireland, Verbreitung Kuot in hellem Grün Kuot ist die einzige nicht-austronesische Sprache, die auf der Insel New Ireland, Papua-Neuguinea, von etwa 1.500 Sprechern gesprochen wird. Kuot ist nirgendwo Amtssprache.

Klassifikation Kuot wird als eine isolierte Sprache eingestuft, da sich keine ausreichenden Ähnlichkeiten zu irgendeiner anderen Sprache aufzeigen lassen.

Die Sprache hat überwiegend agglutinierende Morphologie und eine Grundwortstellung Verb-Subjekt-Objekt.

Der Name „Kuot“ selbst hat heutzutage keine Bedeutung mehr für die Sprecher, früher war es eine Art Ausruf, der Überraschung ausgedrückt hat.Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 30–37. Als Sprachbezeichnung wurde „Kuot“ das erste Mal von Edgar Walden um 1911 verwendet.Edgar Walden: Die ethnographischen und sprachlichen Verhältnisse im nördlichen Teile Neu-Mecklenburgs und auf den umliegenden Inseln. In: Korrespondenzblatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Band 42, 1911, S. 28–31.

Geografische Verteilung miniatur|New Ireland in Nord-Zentral Papua-Neuguinea Das Sprachgebiet für Kuot beschränkt sich auf etwa 10 Dörfer der Ost-West-Küste der Insel New Ireland in Nord-Zentral-Papua-Neuguinea. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 2.400 beherrschen etwa 1.500 Sprecher fließend Kuot (Stand 2002).Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 16–18.

Dialekte und Soziolekte Alle Kuot-Sprecher wachsen bilingual auf und sprechen ebenfalls Tok Pisin. An der Ostküste vermischt sich Kuot teilweise mit den Sprachen Nalik und Nochi der angrenzenden Nachbardörfer. Im Süden grenzt das Sprachgebiet Madak an.Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 77.

Es wird viel Tok Pisin gesprochen, trotzdem gibt es einige Sprecher, die innerhalb des Dorfes nur Kuot sprechen. Der Einfluss von Tok Pisin wächst. Potentiell ist Kuot als Sprache vom Aussterben bedroht. Die Sprache wird noch aktiv genutzt und hat sich vollständig entwickelt. Sie wird von Institutionen genutzt, die nicht nur das Dorf und den gemeinschaftlichen Kontext betreffen.

Es gibt unterschiedliche lautliche Realisierungen zwischen Nord- und Süd-Kuot, die sich zum Beispiel bei /t/ und /r/ je nach Position in der Silbenstruktur zeigen. Man kann deshalb auch von einem Nord- und Süd-Dialekt des Kuot sprechen.

Phonetik und Phonologie Kuot hat 13 Konsonanten und 6 Vokale.Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 85–127.

Konsonanten Die Allophone zu den jeweiligen Konsonanten befinden sich in den Klammern direkt dahinter.Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 86–99.   labial dental /alveolar velar stl. sth. stl. sth. stl. sth. Plosive p (~v/β) b (~mb)   t (~r) d (~nd) k (~ɣ) g (~ŋg) Nasale   m   n (l)   Trill     r   Frikative f s Laterale     l  

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass ältere Sprecher insgesamt eine vermehrt pränasalierte Aussprache vor allem in den Anlauten aufweisen. Das intervokalische Vorkommen von /p/ und /k/ führt zu Lenisierung (Konsonantenerweichung) und Stimmhaftigkeit. Bei syntaktisch bedingter Doppelkonsonantenbildung trifft das jedoch nicht zu. Die Lenisierungsregel tritt universal bei allen Wortgrenzen auf, außer bei an Kinder gerichtete Sprache (child-directed speech: [rais] (Tok Pisin) → [tais]) und bei einigen Verbstämmen, sowie bei CV-Reduplikationen am Silbenanfang.

Die stimmlosen Stops sind unaspiriert und werden im Auslaut nicht realisiert. Sie können in allen Positionen stehen, /t/ ist eine Ausnahme und wird am Silbenende wie /r/ → [n] realisiert, innerhalb der Silbe als [r] ausgesprochen. /t/ und /r/ haben jedoch keinen Allophone-Status.

Die stimmhaften Stops können optional pränasalisiert (meist in intervokalischer Position) werden und treten generell nicht am Silbenende auf.

Nasale können in allen Positionen auftreten. /n/, /l/ und /r/ werden dabei nicht in allen Kontexten unterschieden. Das gilt zum Beispiel intervokalisch in der Mitte einer Silbe für /l/ und /n/.

Die Frikative sind in allen Positionen stimmlos und gehörten angeblich nicht zum Phonem-Inventar des frühen Kuot. Sie können zu Bilabailen werden. /f/ und /s/ sind scheinbar erst später über Lehnwörter aus Tok Pisin in die Kuot-Sprache gekommen. Das belegt zum Beispiel die Swadesh’s Words List. So ist auffällig, dass es sehr wenige Wörter mit /f/ und /s/ in Kuot gibt. Sie kommen nur in den offenen Klassen vor und nicht in geschlossenen Klassen, wie beispielsweise der Verbklasse II. Beide Phoneme sind nicht an der Bildung grammatischer Morpheme beteiligt.

Laterale werden nie palatisiert oder velarisiert und behalten immer die gleiche Qualität, wie beispielsweise [n] am Silbenende. Der Trill dagegen tritt nie am Silbenanfang auf.

Vokale   vorne zentral hinten geschlossen u mittel  o offen a Quelle:Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 99–110.

Der Schwa-Laut /ə/ kann als Allophon von /a/, /e/ und /o/ auftreten. /a/ wird beispielsweise zum Schwa-Laut /ɐ/ in unbetonten Silben. Silben mit dem Phonem /ə/ werden meistens betont, wobei die Position in der Silbe nicht entscheidend ist.

/i/ und /u/ werden zusammen mit einem anderen Vokal wird zu einem Gleitvokal. Es gibt nur sehr wenige Minimalpaare, in denen die Vokallänge bedeutungsunterscheidend ist.

Man spricht im Kuot außerdem von „on- und off-glide-vowels“. Es handelt sich dabei nicht um Diphthonge oder eine Kombination aus Vokal und Gleitvokal. Mehr als drei Vokale pro Silbe kommen im Normalfall nicht vor. Es gibt im Kuot die Kombination aus Diphthong und Vokal, diese werden silbenabhängig betont. Diphthonge werden dabei wie ein Laut artikuliert.

Betonung und Tonsystem Der längste Stamm eines Wortes kann in Kuot bis zu sechs Silben enthalten, es gibt sehr viele Silbenkombinationsmöglichkeiten. Die Standardkombinationen sind V, CV, VC und CVC. (V = Vokal; C = Konsonant).

Kuot ist lexikalisch determiniert und es gibt keine festen Betonungsregeln. Die Tonhöhe wird hauptsächlich verwendet, um Intonation zu zeigen und ist nicht bedeutungsunterscheidend. Die Betonung dagegen unterscheidet sich in der Aussprachedauer. Die Tonhöhe spielt zum Beispiel eine Rolle für Negationssätze, am Satzende und bei Ja-Nein-Fragen.Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 111–117.

Besonderheiten Der bilabiale Trill wird auch genutzt, um „nein“ oder „Ich weiß nicht“ auszudrücken. Der ingressive pulmonische Luftstrom dagegen für ein „ja“. Zur Korrektur von Satzteilen oder Wörtern wird teilweise ein Glottalstop gefolgt von „nochmal“-Ausdrücken verwendet. Spricht ein Erwachsener zu Kindern (child-directed speech), wird die erste Silbe vom Verb oft weggelassen. Morphologisch markiert diese Position meistens die Person (Sg/Pl). Alle Phoneme, die für Kuot benötigt werden, gibt es auch in Tok Pisin.Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 123.

Grammatik Kuot ist eine VSO-Sprache mit agglutinierendem Charakter. Der Satz ist im Kuot links-köpfig. In der NP (Nominalphrase) ist das Nomen der Kopf und steht meist rechts-mittig. In Prädikat-Phrasen ist das Verb der Kopf, wobei der Verbstamm meist die letzte Konstituente bildet.Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 134–145.

Kuot ist kopfmarkiert auf der Satzebene. Die grammatischen Rollen werden per Kongruenz-Affix (cross-referencing) am Verb markiert. Dabei ist die Wortstellung entscheidend, um grammatische Rollen bei zwei präsenten NPs anzuzeigen. Es gibt keine Kasusmarkierungen bei Nomen. Präpositionen stimmen meistens mit dem folgenden Nomen überein. Präpositional-Phrasen werden ebenfalls als kopfmarkierend betrachtet.

Der Dependent in der NP wird per „agreement“ (Übereinstimmung) markiert. Im Singular zeigt sich das Genus nur am Dependenten und nicht am Nomen selbst. Bei Nicht-Singular wird der Numerus explizit am Nomen markiert.

Wortklassen Im Kuot gibt es nur zwei offene Wortklassen:Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 129. Die Nomen und die Verbklasse I. Darüber hinaus kann Kuot in vier lexikalische Klassen eingeteilt werden: Nomen, Verben, Adjektive und Adverbien. Agreement, indexing und cross-referencing beziehen sich immer auf die gleichen Kategorien ausgehend von Person-, Genus- und Numerusmarkierung. Agreement wird dabei für die Beziehungen innerhalb der NP gebraucht, so dass beispielsweise ein Demonstrativa in Attributposition Übereinstimmungsmarker mit dem Kopf-Nomen nutzt. Das indexing wird für die Fälle gebraucht, in denen das Wort die Kategorie nicht syntaktisch innerhalb des Bereiches des Nomen zeigt. Bei Präpositionen und Possessiva wird so beispielsweise die Kategorie des Nomens indiziert. Cross-referencing wird für Pronominalmarker am Prädikat genutzt (Verb oder Adjektiv), welches somit die Kongruenz für ein Nomen in der Argument-Rolle referenziert.

Verben Im Kuot gibt es drei intransitive Verb-Klassen (I, II und III), die mit den Verben der vier transitiven Klassen kombiniert werden können (I, IIa, Iib und III). Viele Stämme können entweder transitiv oder intransitiv sein. Bei ambitransitiven Verben können die Typen S=O (Subjekt = Objekt) und S=A (Subjekt = Agens) in allen Verbklassen auftreten.Eva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 130.

Kennzeichnend für Verben im Kuot ist die sehr unterschiedliche Verwendung von cross-referenzierenden (Kongruenz) Affixen und Klitika am Verb. Einige Verben erfordern Subjekt-Affixe oder Enklitika und Objekt-Affixe, die in verschiedenen Reihenfolgen auftreten können. IntransitivTransitivI.Subjekt-Enklitika Objekt-Präfixpasei=oŋ talk=3mS

‘he talks’a-pasei=oŋ 3mO-talk=3mS

‘he talks of him/it(m)’ or ‘he tells him’IIa.Subjekt-Präfix Objekt-Präfix in der 3. Person u-libǝ 3mS-cry

‘he cries’u-alibǝ-o 3mS-cry.for-3fO

‘he cries for it(f)/her [mourns]’Objekt-Präfix in der 1./2. Personto-u-alibǝ 1sO-3mS-cry.for

‘he cries for me’IIb.Subjekt-Präfix Objekt-Präfixu-lo 3mS-talk

‘he talks’a-u-lo 3mO-3mS-talk

‘he tells him’III.Subjekt-Infix Objekt-Präfixuan-u-lǝ wait-3mS-stm 2

‘he waits’a-uan-u-lǝ 3mO-wait-3mS-stm 2

‘he waits for him(/it.m)’adj.Subjekt-Suffix in der 3. Personkan-i big-3m

‘he (it.m) is big’ -Subjekt-Präfix in der 1./2. Personto-kan-i1s-big-sg ‘I (m/f) am big’ -

Nomen Das NomenEva Lindström: Topics in the Grammar of Kuot – a non-Austronesian language of New Ireland, Papua New Guinea. Stockholm 2002, S. 130. bildet typischerweise den Kopf der NP, ist aber auch begrenzt als Anfügung möglich. Die Genus/Numerus-Kategorie des Nomens determiniert die Übereinstimmung innerhalb der NP. Die Person dagegen indiziert in Possessiva und bei Präpositionen. Es treten auch hier Formen von Kongruenz-Morphemen an Verben und Adjektiven auf.

Weitere Wortklassen Für Adjektive gilt die gleiche Markierungsform wie bei Verben mit dem Unterschied, dass Futur mit dem Extra-Morphem '''ba markiert wird. Die Bildung erfolgt wie bei anderen nicht-verbalen Prädikaten.

Adverbien treten vorzugsweise in der Position nach der ersten Satzkonstituente oder Phrase auf, sind aber generell relativ frei. Zeitadverbien, lokative und direktionale Satzkonstituenten sind oft topikalisiert.